Wie die AFAZ zu ihrem Namen kam

“AFAZ, was phantasieloseres ist euch wohl nicht eingefallen... !“
sprachs und blieb anschließend leider sprachlos.

So ein wenig antörnender, fast liebloser Name für die wahrhaftigste und interessanteste Zeitung Westeuropas? (An die Pravda kommen wir nämlich trotz aller Bemühungen nicht heran),

das kann nicht sein,
und stimmt auch nicht.

Wie jedes Wort, jeder Satz, jeden Begriff, jede unausgereifte Idee in “unserer“ (allein dieser Begriff ist schon schwierigst) Szene Stunde um Stunde verhackstückt, gewürgt und schließlich von irgendwem auch durchgesetzt wird, (ganz nebenbei bemerkt; ein Prozeß von dem jedes Wort auch bewegungslos wird), beschäftigten auch wir uns im RK ( Redaktionskollektiv) intensivst mit der Wichtigkeit eines zu gebenden Namens, der

1.
mit Inhalt voll ist, (also feministisch, antipatriarchal, anarchistisch, autonom, dadaistisch, surrealistisch, antikapitalistisch, antinational...)

2.
fetzig klingt und lust-schaffend wirkt.

3.
nicht mit der einstigen AKTION oder gar dem PFLASTERSTRAND verwechselt wird.

Eine äußerst schwierige Aufgabe, in die wir uns aber recht weit-herzig stürzten. Schon nach zwei Minuten drangvollster Diskussion brachen, wie hätte es auch sonst sein können, die ersten Schwierigkeiten hervor.

Zunächst einmal sollte es ein Name sein, der mit A anfängt. Es muß schließlich das berühmte und geschichtsträchtige und vor allem internationale Kringelchen drummherum gezogen werden können.

(Um so die Mitarbeit der Anarchistinnen an dieser Zeitung hervorzuheben und damit verbunden, natürlich auch die strikte Herrschaftsfreiheit innerhalb der künftigen Redaktion und in der künftigen Gesellschaft).

Das war echt schnell gebongt, denn A-Wörter gibts ja wie Sand am Meer, aber da eilte schon das nächste Problem heran und ließ uns die Haare raufen. Nun war zu klären, ob die Zeitung autonom-anarchistisch oder anarchistisch-autonom zu nennen sei, was uns beinahe an den Rand des geistigen Kollapses brachte, da ja eine/r autonome/r Anarchistin ja nun wirklich mit gänzlich anderen Inhalten abgefüllt ist, als einem anarchistische/r Autonome/r. Glücklicherweise erinnerten wir uns daran, daß es noch den Feminismus gab und damit die Frage, inwieweit sich die Männer des RK daneben sehen, bzw. hinein stellen können, so daß das tiefschürfende Problem (vor allem im Hinblick auf die weitere revolutionäre Entwicklung in den. Metropolen) der anarchistischen Autonomie oder autonomistischen Anarchie spätere Diskussionsrunden erfreuen dürfte.

Nun hatten wir also mittlerweile drei Begriffe, drei ganz eigenständige Entwürfe von Politik und Leben, die manchmal heftig wenig miteinander zu tun haben.

Das Ganze nun in einem Wort zu signalisieren, das auch noch mit umränktem A beginnen sollte, vor diesen Ausgangsbedingungen sahen wir uns stehen.

Diskussion eröffnen,
Auseinandersetzung führen,
Name durchsetzen,

war die Devise und wir nahmen uns Duden und Lexikon und unsere Phantasien und hatten bald seitenweise Begriffe, die uns wegen ihrer Abfühleigenschaften strohfeuerartig begeisterten und genauso schnell wieder erkalten ließen.

Der Vorschlag ABATON TURBO (Abaton ist die Stätte an der geheime Riten zelebriert werden, Turbo wegen des fehlenden Tempos) wurde ebenso verworfen wie AUFBRUCH, ABBRUCH, UMBRUCH, ANBRUCH, DURCHBRUCH; genauso wie ABSTICH, ABSTECHER, ABGESTOCHEN; ebenso wie die sanfteren Versionen (um gewalt-loses einzubeziehen?) die da so mundig klangen wie AUTANA, AURORA (mit dem schwarzen Stern); AMALGAM; oder phantasieanregende wie ALF, ALB, AMOB, A-LIBI, AFF, AXNATORIMEI;... ANSCHlß... usw... usw... usw.

Als dann, nach Wochen genauester Auseinanderbesetzung und kurz vor dem Scheitern der Konzeptdiskussion an den Eckpfeilern der Zukunft endlich ein einfacher, schöner und klar auszusprechen der Namensvorschlag eingebracht wurde, der bei genauerem hinsehen der FAZ und vor allein der TAZ das lang vermißte und qualitative A davorzusetzen wußte, dabei sich richtig keck auf diese beiden bürgerlichen Zeitungen reimte, atmeten wir alle schwerstens erleichtert auf.

Sicher verständlich, daß wir uns in das Schicksal dieser ergreifenden Schlichtheit gerne fügten.

So, und nun sind alle, die mit dem Namen unzufrieden sind aufgefordert, ganz selbstbestimmt, Vorschläge einzubringen. Ihr wißt um die Bedingungen, die der Name erfüllen muß. Und da lt. Umberto Ecos Zitat von allem “nur nackte Namen“ bleiben, hoffen wir auf ganz furchtbar phantasievolle Vorschläge.

Gruß

Die Redaktion