Beitrag zur Patriarchatsdebatte:

"Eintönig hell klingt das Glöcklein!"


ERSCHÜTTERNDER TATSACHEN-ROMAN

mit Experten Kommentar


Das hatte wahrscheinlich mit der Langeweile zu tun.
Gerade hier zwischen den Hochregalen der Registratur plagte sie mich am heftigsten.
Die Frage nämlich, wie ich, ein noch unbedeutender Sachbearbeiter unter vielen anderen, so ganz ohne Nadelstreifen und Samsonite, ohne Diktiergerät und grauen Schläfen, es schaffen könnte, eine von allen ungemein wichtigen Männern unseres Betriebes umschwänzelte“, enddreißigjährige Chefsekretärin in mein Bett zu bekommen.

Was hätte ich schon, zweiundzwanzigjährig und so ganz ohne tragende Verantwortung, am Bürofickmarkt anzubieten?

Heidrun Koslowski war mir die ganze Zeit schon aufgefallen. Scharf auf alles, was Röcke trug, besonders wenn es Lederröcke mit Schlitzen an der Seite waren, mit Feinstrumpfhosen darunter und Wickelbluse darüber, reizte gerade sie mich ganz besonders. Sie entsprach haargenau meinen Registraturphantasien und sie lief mir in den elend langen Fluren oft genug über den Weg. Ja, und ich stand anschließend zwischen diesen öden Hochregalen, im Mief abgelegter Geschäftsakten und stellte mir, vor sie würde vorbeikommen, hierher, zwischen die Regale, mich dann anschauen....... genauso scharf auf mich, wie ich auf sie...!

Aber wie nur?
Wo doch die Männer, die glaubten etwas zu sagen zu haben, weil sie in diesem Büro irgendeine Geige spielten, mit Reisen, Blumen, Fresserein, Theaterbesuchen und dergleichen Langweilereien sich am Markt der Eitelkeiten anboten, alles Sachen, die ich mir nie würde leisten können!

Also, wo könnte ich, verdammt noch mal, ansetzen?
Mit welchen Mitteln ihre Aufmerksamkeit erregen?

Ihr Verlobter arbeitete, wie sie mir irgendwann auf irgendeinem Flur einmal nebenbei erzählt hatte, als Manager in einem Pharmakonzern und befand sich von daher erfreulicherweise sehr häufig im Ausland.

Geschäftsreise

Na, da tat sich doch vielleicht eine Möglichkeit auf.

Denn diese Reisen des Geliebten bedeuteten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Alleinsein und Nichterfüllung, ja, vielleicht, wenns gut kommt, sogar so was wie seelisches Vakuum. Sexueller Frust wird sich, bei all den so zahlreich herumwuselnden Büroböcken, wohl nicht aufstauen. Da ich aber die ganzen Großraumbürobeischläfer als reichlich einfallslos einschätzte, dabei schlichtweg selbstsüchtig, wie sie halt nun mal so sind, meine feinfühligen Artgenossen, war die einzige wirklich Erfolg versprechende Methode nur die, an ihre gewiß sehr leidende Seele heranzukommen.

Vertrauensbildende Maßnahmen waren angesagt.

Ich mußte versuchen, ihr Vertrauen in mich zu wecken und ihr ganz selbstlos meine Freundschaft anbieten. Eine kleine Aufmerksamkeit tat hier vielleicht Wunder, wo sie doch gerade wegen ihres offensichtlichen Erfolgs bei Männern, den anderen Frauen im Büro ein arger Dorn im Auge zu sein schien.

Ha, diese inneren Zusammenhänge erkannten diese Schwachköppe mit Bestimmtheit nicht, so viel Einfühlungsvermögen hängt nicht in Boss-Hosen herum.

Sollte ich ihr einen Blumenstrauß auf den Schreibtisch zaubern? Ein bißchen Versteck spielen, der große Unbekannte?
Nein, zu plump....

Etwas ganz besonderes müßte es sein... sollte ich ihr vielleicht ein Gedicht schreiben?
Etwas schmalziges müßte es sein, Frauen ihres Alters würden sicher auf etwas Rührseliges abfahren, auf was ganz unbedingt zwingend Rührseliges, aus welchem nur so meine Sensibilität tropft.
Oder sollte ich meine Belesenheit in die Waagschale werfen, mein unbändiges Wissen um die großen Zusammenhänge.
Nein, das wars auch nicht, würde wahrscheinlich langweilen.
Aber wie wärs dann mit der Politik?
Ich war auch schrecklich politisch und ganz schön engagiert. Wenn ich es recht betrachte, hatte ich durchaus was von einem modernen Helden... Aber nein, das hätte sie bestimmt nur mitleidig belächelt... aber wie wars mit meiner Unternehmungslust... meinem Ideenreichtum.... meiner Naturliebe... ach Mann, alles Sachen, die nicht so ganz ziehen!
Oder vielleicht direkt anquatschen?
Überraschungsmoment
Nein, das paßte sicher auch nicht, kam wohl auch ständig vor, und würde mich in gewisser Weise lächerlich machen können, wenns daneben geht. Nein, wer teure Pelzmäntel trägt, legt Wert auf Etikette einerseits und auf den Hauch des Außergewöhnlichen andererseits.

Es mußte außerhalb des üblichen Rahmens liegen und dennoch eine ganz unverwechselbare Note haben. Aller Wahrscheinlichkeit nach würde es ihr doch der verträumte jugendlich-schwärmerische Idealist angetan haben, den ich selbstverständlich unschwer würde repräsentieren können, ein Halstuch, eine runde Brille und eine abgewetzte Weste hatte ich ja. Das wäre ein Einbruch in die Gepflogenheiten ihrer Geschäftsmännerwelt, die Welt der steuerlich absetzbaren Abendessen, festgelegten Kaffeetrinkrituale hinterher, der Buchhaltungsliebe...?

Nein, einen kleinen leidenden Goethe brauchte es hier, so was werthermäßiges, den begabten und permanent leider nur von der Muße geküßten immer noch unentdeckten Künstler sich mit profanster Büroarbeit abzuquälen hat, um ein kärgliches Dasein zu fristen. Einen Dichter mit Schimmerblick, der die kafkaeske Einsamkeit durchleidet, Dauerleider natürlich, und nachts, bei Kerzenlicht und Wolfsgeheul nicht nur geistige Ergüsse von sich gibt.

Ja, nach endlosen, aber durchreiften Erwägungen kam ich letzten Endes zu dem Schluß, daß ein Gedicht doch wohl am meisten reinhauen würde. Ein Gedicht, ganz auf sie und ihre im Büro zugeschnitten.

Mein Entschluß stand also fest.

Ich würde ihr auf ein weißes Präsentkärtchen mit feinster Tusche ein Gedicht malen, das Kartchen dann in einen gefütterten und mit Aramis-Devin bestrichenen (...das ist die Duftmarke für den erotischen Mann) Briefumschlag stecken und mit einer roten Nelke auf ihren Schreibtisch stellen.

Ganz heimlich!

Dann würde ich mich den ganzen Tag im Lager oder in der Registratur herumdrücken, um ihr Zeit und damit die Spannung anwachsen zu lassen. Sie würde sich meine Verlegenheit vorstellen und das fände sie wiederum ganz ausgesprochen rührend. Und Rührung mußte unbedingt da hinein. Sonst lief nix.

Das wars. Den Rest des Tages nahm ich kein Telefonläuten irgendwelcher aufdringlicher Kunden mehr war. Was scherten mich noch Reklamationen oder vertippte Frachtbriefe, wo es doch um Liebe ging. Ich saß am Schreibtisch und mühte mich redlichst ab. Ich hatte Glück. Vor meinem Fenster zogen einige Schwalben ihre Kreise. Die Freiheit ihres Flugs inspirierte natürlich. Immer neue Zeilen und Worte, die mir durch die Finger rannen. Immer neue Versuche. Freilich gab es dazwischen auch so Momente, in denen ich mich ganz schön schäbig fühlte, ganz bestimmt, aber was sollte ich machen... anders hätte ich das nie durchziehen können. Das Gedicht, das endlich aus meinen feuchten Fingern floß, nannte ich zärtlicherweise “Lichtblick“.

Lichtblick

Die Firma
von der ich lebe,
gleicht einem Kornfeld,
das abgeerntet und öde
ein häßliches Gesicht offenbart.

Doch,
wenn ich aufmerksam schaue,
sehe ich, inmitten toter Steine,
schmieriger Erde
und stechender Disteln
einsam lächelnd,
ein munter Blümlein stehn
und ich hoffe,
daß kein Wind es vermag
ihr Lächeln zu brechen.

Ich plazierte diese Ausgeburt dichterischen Fleißes wie geplant auf ihrem Schreibtisch, allerdings gelang es mir nicht, mich im richtigen Moment zu verdrücken. Sie kam zur Tür herein, schaute mich überrascht an, als sie mich neben ihrem Schreibtisch stehen sah, verdammt,... gerade als ich das strategisch so günstige Weite suchen wollte!

Sie sah die rote Nelke und das Kartchen, und dann, als sie mit vielsagendem(?) Lächeln den Brief geöffnet und das Gedicht durchgelesen hatte, stand sie minutenlang verkrampft herum, blickte einen ellenlangen Augenblick sehnsüchtig zum Fenster hinaus, dann wieder auf mich und es drückten sich doch tatsächlich langsam einige Tränen heraus. Sie sagte, nach einer langen Weile des Schweigens und mit völlig belegter Stimme (wie Zarah Leander), daß ihr wohl noch nie jemand so ein schönes und aufmerksames Geschenk gemacht hätte. Sie war sichtlich gerührt und setzte sich auf ihren Bürodrehstuhl. Sie schlug die Beine vorsichtig übereinander, wobei der Rock sich halt nach oben verschob.

Wohlan,
der erste Schritt war getan.

 

Fast jeden von uns belasten irgendwann einmal sexuelle Probleme. Wenn Sie einen Rat brauchen, fragen Sie schriftlich unseren wissenschaftlichen Berater.

Einen Tag später, schon in der Nähe des Hochregals, fragte sie mich, wie ich denn auf die Idee gekommen sei, ausgerechnet ihr ein so “tiefgehendes“ Gedicht zu schreiben. Ich sah an ihr vorbei, dann auf meine Zehenspitzen, dann druckste ich so ein bißchen mit der Stimme herum, sah ihr kurz aber heftig in die Augen, senkte den Blick dann wieder auf die Zehenspitzen und sah wieder an ihr vorbei und hoffte inbrünstig, daß meine wandernden Augen und der etwas nach vorne geneigte Kopf den Eindruck von Verlegenheit auch treffend vermitteln würden und antwortete:

“Nun, wissen sie, irgendwie ist mir... ähmmm... ‚ja, also ich hab mir gedacht, ..."
(Das verlegen wirkende Stammeln fiel mir eigentlich am schwersten.)
...“also ich sagte mir... ähm... nein, wissen sie, ich wußte ja nicht, wie sie reagieren... also... ja... würden... aber trotzdem... na mir ist aufgefallen, daß sie halt gegen die Böckstiel... also daß sie da schwer stehen... und da hab ich mir... hab mir halt gedacht... irgendwie... schreib doch einpaar Zeilen... irgendwie... einfach so... nur um halt zu zeigen... so... daß es auch noch Menschen gibt... selbst in so Büros... na, ja,... und auf die man sich verlassen kann... wenns mal sein muß.“

Kurzum, vom Tage meiner lyrischen Explosion an, gingen wir mittags immer gemeinsam spazieren, ein halbes Stündchen täglich, um sich weiter ein Stückchen hineinzuarbeiten, einzuschleichen? ...tipp-tipp-dibidi-tip... ganz weit hinein die Kellerräume ihrer gebeutelten Seele.

AUFREGER DER WOCHE
Testen Sie FKK

Ha, und was ein Glück, denn dort hingen nun diese ganzen Probleme herum, aus denen sich in der Folgezeit viele, viele schöne Gedichte machen ließen. Der nie anwesende Verlobte beispielsweise, die zwölfjährige nervende Tochter, der Streß in der Firma mit den Intrigen der anderen Frauen, die Anmachen der Männer (Diese ewigen Dumpfheimer), dieses ganze bodenlos tragische Dasein halt.

Ich hörte äußerst aufmerksam zu, wohl wissend, daß dies in der heutigen bewegungsreichen Zeit eine sehr seltene und daher gerade von Frauen anerkannte Charaktereigenschaft darstellte. Oh ich war ein sehr interessierter Zuhörer, ich nickte, schaute je nach Sachlage betroffen, zuversichtlich, empört oder belustigt, stets aber höchst teilnahmsvoll, um auch im richtigen Moment den passenden Ton zu treffen. Dabei versäumte ich natürlich auch nicht, eine Prise Kritik und gelassene Distanz einzustreuen. Damit vermied ich von vorneherein den Eindruck, ich würde mich nur anpassen wollen, Ich stellte dann auch Fragen, und Rückfragen und Hinterfragen, so daß nach einigen Gesprächen bei ihr, so denke ich, durchaus der gewünschte Eindruck entstand, ich hätte an ihrem reichlich langweiligen Seelengewürschtel wirkliches Interesse.

Nach etwa drei oder vier dichterisch sehr erfüllten Monaten (unter anderem hatte ich eine denkwürdige Schneeflockenballade zu Papier gebracht, von einem Typ der sich in eine schmelzende Schneeflocke verliebt, was natürlich derbtragisch ausging) erzählte sie mir von einer Romanze an der Cote d‘Azur, damals war das ein einundzwanzigjähriger Marokkaner gewesen, und das wäre erst drei Jahre her und schön und so weiter.... Na, war das nicht ein erster konkreter Wink mit dem Zaunpfahl? Oder wie Sonst hätte ich dieses aufschlußreiche Bekenntnis deuten sollen, wenn nicht als den Versuch mir ganz nebenbei mitzuteilen, daß es ihr nichts ausmache mit einem sehr viel jüngeren das Bett zu teilen, wenns denn Spaß macht.

Aber irgendwas lief schief. Trotz dieses Bekenntnisses gabs seit Monaten nicht mehr als ein halbstündiges Spaziergängelchen, oder nen Doppelbigmäc von Donalds, den für die Verliebten.

Irgendetwas hatte ich falsch gemacht, denn mehr entwickelte sich einfach nicht. Und das trotz einiger wirklich sehr eifrigen und rührenden Gedichte, die aus meiner Feder geflossen waren. Etwas Neues mußte her... ein gänzlich frischer dichterischer Vorstoß in ihr Unterbewußtes.

Glücklicherweise stand Weihnachten vor der Tür.
Stets empfänglich, was Heidruns Probleme mit dem Verlobten anbelangte, erfuhr ich, daß dieser Verlobte mit der Tochter den “Heiligen Abend“ bei seinen "eigenen“ Eltern zuzubringen gedachte. Diese Eltern wohnten glückliche 500 km weit entfernt, so daß Heidrun, die an solchen Festivitäten keinen Gefallen finden mochte, am Tag der Liebe ganz allein zu Hause sitzen und sich vergraben würde.

Welch günstiger Fingerzeig des Christkindleins.

Ich versprach ihr am “Heiligen Abend“ mal ganz kurz vorbeizuschauen, ich hätte etwas für sie, und das wäre gerade gut, an so einem Abend, wo sie doch so alleine wäre.

Wie ein Bekloppter schrieb ich dann an jedem Adventssonntag an einem Märchen. Irgendwelche Traumelfen und deren Königin halfen irgendwelchen unglücklichen Waisenhauskindern und machten sie glücklich. Eine Kitschkiste allerersten Ranges.

Am Tag der Liebe also zog ich mir ein Sakko an, nahm das Märchen unter den Arm und machte mich auf den Weg. Ich hatte mir die saubersten, zur Verfügung stehenden Unterhosen aus dem Schrank gezerrt.

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Heidrun hatte sich unterdessen wohl ganz redliche Mühe mit einem Entenbraten gegeben, denn es roch im ganzen Haus etwas fettig, sie selbst aber trug ein grünes Abendkleid mit, ach was war ich erleichtert, langem Seitenschlitz und weißen Seidentrümpfen darunter. Das Kleid lag hautnah an und ich wunderte mich, wie es mit einem solchen Kleid möglich ist, überhaupt auch nur einen einzigen Entenschenkel herunterzuriegen.

"Na, und was möchtest du mir heute Abend schenken?“, fragte sie mich und sah mir sehr direkt in die Augen, ließ mich gar nicht los dabei, und sah dann auf das Päckchen in einer Hand.
"Später,“ hauchelte ich, um die Spanung höher zu treiben.

 

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Nun gut, der schwarze Ledermini, der meine feuchten Registraturphantasien immer so beflügelt hatte, wäre mir heute abend lieber gewesen, dazu die schwarzen Strümpfe von Dior und wie ich mir vorstellte, einen ganz knapp sitzenden Slip. Meinetwegen hätten wir die ganzen Höflichkeitsfloskeln unterlassen und sofort ins Bett springen können. Aber nein. Wir hauten uns die Ente und natürlich Rotkohl rein, dann setzten wir uns mit einem mehr oder weniger zärtlich nach innen gerichteten Rülpser vor den Christbau. Sie hatte dort auch ein kleines Päckchen für mich bereit gestellt. Es war ein Schuhkarton in rosa Geschenkpapier, mit Sternchen und Nikoläusen darauf, und an der Seite kleine blaue Glöckchen.

Mein Adamsapfel drohte die Luftröhre hinabzufallen, als ich das Präsent ausgepackt hatte und ein Paar klassische Collegschuhe in meinen Händen wiederfand. So richtig keck, mit kleinem amerikanischen Sternenbanner an den Seiten und Bömmelchen und Riemchen aus Leder obendrauf.

“Damit du was hast, wenn wir vielleicht auch Sylvester zusammen ausgehen,“ flötete sie verheißungsvoll.

Ich umarmte sie,
zurückhaltend
denn jetzt war noch Dankbarkeit und vor allem Heiligkeit angesagt.

Aber jetzt war ich an der Reihe!!

“Ich hab auch was für dich,“ sagte ich leise, damit das Christkindlejn (aus Plastik) nicht aus dem Baumwipfel herabfiel, und richtete den Blick mal wieder ganz geflissentlich auf den Boden.
“Warum bist du denn immer so verlegen, dazu besteht doch nun wirklich kein Grund, wo hast du das Geschenk denn?“
“Ich weiß nicht so recht, ob es auch das Richtige ist..."
“Na nun komm, nun lass dich nicht so feiern, packs doch raus...“

Ich blickte so halbschräg in den Christbaum, damit der Widerschein der Kerzen in meinen Augen, deren wässriges Graublau ein wenig geheimnisvoller werden ließ...

“Du hast wieder was für mich geschrieben, nicht wahr? Ach nun komm, spann mich doch nicht so lange auf die Folter, zeig doch her was du hast... (Dabei schaute sie mich schon wieder so an...)

Laß uns darüber reden

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“Nun, ja, sicher, ich hab wieder was für dich geschrieben, aber ich glaub echt das das nicht das Richtige ist, echt, ist vielleicht doch zu kitschig, obwohl ich ganz schön dran gesessen hab, ist auch nur so dahingeschrieben, weils einfach rausmusste, weißt du, irgendwie hängt an dem Kitsch doch viel, ja, also, ich weiß nun..."
“Aber was, wenns doch für mich bestimmt ist, will ichs auch haben, ich hab doch schon so was gedacht... und ich bin doch sehr stolz auf dich... auf meinen kleinen Poeten... Komm jetzt, lies mir doch mal vor, was du da wieder zuwege gebracht hast, ich will es jetzt ganz einfach wissen... von dir..."
“Meinst du?“
“Aber sicher, hols raus..."
"Ähmm..."
“Nun mach doch..."
“Na,ja, dann...."

Ich zog ein kleines, selbstgebundenes Heftchen hervor.
Melanie und das Elfchen stand darauf.

“Ach ist das süß, nein, wirklich, Melanie und das Elfchen, und das für mich... genau so was Liebes hab ich auch wirklich erwartet... Ach, Du...", rief Heidrun aus und mir kam das schon ein wenig übertrieben vor, aber sie rief gleich weiter: “Nun komm schon, lies es mir vor,“ mit diesen Worten erhob sie sich, ließ sich in einen ihrer monströsen rost-roten Plüschsessel sinken, schlug wieder einmal die Beine übereinander, wobei sie den Rock halt hochschieben mußte, war ja wirklich zu eng so, trotz Seitenschlitz.

Das überzeugte mich endgültig.
Ich setzte mich ihr gegenüber, in den anderen Sessel.

“Rutsch dir doch den Sessel näher heran, damit ich dich besser verstehen kann.“

Ich rutschte den Sessel also auf einen Meter heran, damit sie mich besser würde verstehen können und begann zu lesen. Meine äußerst sonore Baritonstimme paßte vorzüglich zum Interieur dieser Wohnung, paßte zu den Van-Gogh-Kunstdrucken an der Wand und zur feierlichen Kerzenlichtatmosphäre, gezaubert von Osram. Nur der schwarze Stoffpudel auf der Rückenlehne des Sofas lachte düster, als ich meine Sternennachtgeschichte vorzulesen begann... ich las mich richtig da hinein, setzte ab, sah Heidrun an, sah wieder weg, hob meine Stimme und senkte sie wieder, hübsch bedächtig, das hatte ich zu Hause auch geübt, wie Märchenonkels das so zu tun pflegen, wie Köpcke in der Tagesschau...

Sie lehnte den Kopf zurück und schloß die Augen, atmete tief, so richtig hörbar. Meine Güte, mit so einer prompten Wirkung hatte ich bei besten Voraussetzungen nicht gerechnet.

Ich quasselte immer weiter (war ja auch irgendwie beruhigend in all der Stille meine Stimme zu hören), erzählte die Story von der Waldkönigin, die mit ihren Nebelfrauen die Waisenkiddis beschwätzte und Heidrun winkelte die Beine an. Das aber war gleichbedeutend mit einem völligen Hochschieben des Rockes bis fast zur Hüfte, ach und sie hatte ihn tatsächlich angezogen, den Traum meiner erotischen Fahrten, den knappen weißen Seidenslip, von nur einigen Quadratzentimetern Größe. Ihre Augen waren jetzt immer noch geschlossen und die Ohrringe blinkten im Christbaumschmuck.

Mein Adamsapfel hüpfte immer noch völlig ausgelassen, denn sie umklammerte mit den Händen ihre beiden Knie, ließ wieder los, und lehnte sich ganz entspannt im Hier und Jetzt gegen die. dicken Armstützen des Sessels. Dabei drückte sie ihre Beine ein ganz kleines bißchen auseinander. Das aber reichte um ein mehr oder weniger heimliches Auge vom Text und von den Nebelfrauen weg, einen Meter geradeaus zu werfen und Unsicherheiten im Vortrag zu bemerken

 

WOVON CHEFS HEIMLICH TRÄUMEN

35 % der Chefs träumen beim Sex mit ihrer Ehefrau öfter von einer Mitarbeiterin aus der Firma. Vor allem die Sekretärinnen haben's ihnen angetan. Aber auch die Mädchen aus den Schreibbüros und Archiven kommen den Männern von der Teppichetage dabei in den Sinn. Jeder 4. gibt zu: Sonst kriege ich keinen Orgasmus!

Blasentang steigert die Kalorienverbrennung.

“Ja, also, auch ich werde euch beschütz... wie... also beschützen... auch ich werde euch beschützen... und euch manchesmal meine Elfen senden... nur... ich kann sie nicht immer senden, denn es gibt viele traurige Kinder auf der Welt und selbst Erwachsene sind oftmals Kinder und ich schicke ihnen Elfen, nur sehen die Erwachsenen die Elfen nicht.“

Ich sah auf ihre Beine, auf ihre Oberschenkel, in diesem antörnenden Halbdunkel, sah auf ihre runden Knie, sah auf ihren Mund, die Lippen, und wieder und immer wieder auf das kleine weiße Stückchen Stoff... Das prickelte ganz schön mittlerweile...

“Der Mond nahm nun seinen Glanz von dem Kind und es wurde wieder von der Nacht umhüllt..."
Sie bewegte nun ganz behutsam ihre Beine zueinander und auseinander und wieder zueinander, kleine Zuckungen der Muskeln, deutlich sichtbar unter der Seide. Nun rieb sie die Beine aneinander, das Knistern der Strümpfe irritierte mich total und jetzt fing auch noch, in der Wohnung über uns, eine furchtbar glückselige Familie ein aufdringliches “Oh, du fröhlichehehe, oh du seligeehehe..." zu plärren an...

“Bringt doch alle traurigen Kinder hierher..."

Nun streckte sie ein Bein... verdammt aber auch... ‚warum macht sie das nur, warum kann sie nicht endlich mal still Sitzen bleiben und zuhören, und ich sah auf ihren Hals, auf ihre noch immer geschlossenen Augenlider, auf ihre still daliegenden Hände. Die Schläfen klopften mir laut, als sie sich mit der Zungenspitze die Lippen befeuchtete, ich dachte dieses Schläfen- und Herzklopfen müsste sie doch hören können, ich las aber tapfer weiter und hatte glaube ich, beinahe schon keine Stimme mehr...
“Armes Ding,“ sagte die Krankenschwester zu sich, “seit dem Unfall im vorigen Jahr träumt sie von dieser Waldkönigin..."

Die Sache wurde schmerzhaft, meine Schiesser-Men-Fit beengten mich zu sehr. Sie hielt sich jetzt mit beiden Händen das Knie des abgewinkelten Beines. So was Marlene Dietrich mäßiges, wie im Blauen Engel auf der Tonne.... ach was...

“Der Hausmeister des Waisenhauses aber, ein alter Mann mit weißem Haar und langer hölzerner Pfeife..."

Die Schlußdramatik, die ich mir so schön ausgedacht hatte, wäre mir fast daneben gegangen, denn ich konnte jetzt überhaupt nicht mehr wegschauen, von diesem Menschen da, vor mir, vom Licht eingehüllt, von diesen Beinen, ihren Augen, und wieder von den Beinen, die nun unbeweglich nebeneinander lagen, jetzt nach vorne aus dem Sessel rutschten, ein klein wenig gespreizt, in meine Richtung... oh... aber gerade nur so viel, um tausend bewegte Bilder durch das Gehirn tanzen zu lassen.

“...fand auf seinem Morgenspaziergang eine Stoffpuppe mit furchtbar starren Augen, deren Haare in dieselben lustigen blonden Zöpfe geflochten waren, wie die von Melanie.“

Männer müssen

Bauknecht weiß, was Frauen wünschen.

"..."

Dje einzige Bewegung im Raum kam vom Flackern der zwei echten Kerzen auf dem Tisch. Sie lag da schon halb im Sessel, ein Meter nur.

"..."

Sie öffnete die Augen, schien überrascht.

‘Na, das war aber wirklich rührend, von dir...“
Und sie blieb in dieser Stellung liegen und schaute mich an... sie zog die Beine nun ganz langsam an... mir schien, ihre Knie kamen mir näher...

Ich überlegte fieberhaft was jetzt wohl zu tun sei.
War es jetzt soweit?
Erwartete sie jetzt von mir, daß ich diesen mittlerweile so sehr geschrumpften Meter Schenkelabstand überbrücke, mich rüberbeuge, ihr sogar ans Knie fasse? Daß ich beginne je an den Beinen zu streicheln, her diesen einen Meter? Wäre das nicht schon zu aufdringlich? Und was wär dann, in der Firma?

Mann oh Mann

Was erwartet so eine Frau
Jetzt
In so einem Moment?

Ich zögerte wohl einige Sekunden zu lange.
Denn sie fragte mich, ob ich das für sie alleine geschrieben hätte und bevor ich antworten konnte, richtete sie sich ganz erschrocken auf, ja sie stand sogar auf, zog den Rock wieder über die Knie und glättete mit heftigen Handbewegungen die Falten, sah mich aber recht hart an und meinte:

“Hach, da bin ich wohl von deinen Worten ein wenig weggeschwebt, nicht? Ich möchte dir vielmals danken, so ein Geschenk... so was ist mir wirklich mit noch keinem passiert.“

Sie neigte sich zu mir herab und gab mir ein Küßchen auf die Stirn. Das war zu derbe, auf die Stirn, auf die Stirn, oh meine Güte, alles schwamm mir davon, Jesus küßte die Jünger dahin, auf die Stirn und der Papst die hölzerne Mutter und den Lech Walesa, und der Kohl den dicken Fleischklops Bangemann, auf die Stirn, mein Hosenstoff entspannte sich schleunigst, aus, vorbei.

Und sie schwärmte mir jetzt von den Don Kosaken vor, die würden so einfühlsam singen, man würde merken, daß die Stimmungen mitbekämen und ausdrücken könnten, da wäre Traurigkeit drin und Melancholie und der ganze Schmerz von Einsamkeit, vor allem im Lied “Eintönig hell klingt das Glöcklein.“

Ach, Mann, zu diesem Zeitpunkt war es total aus, da war ich schon so verunsichert, in meiner zielbewußten Männlichkeit hatte alles so schwer gelitten, daß ich mich bereitwillig dem Genuß der Don Kosaken hingab. Die unglaublich hohen Stimmen taten mir gut, sie passten zu meinem erbärmlichen Kastrationsgefühl und so hörten wir denn die Don Kosaken, wir saßen nun nebeneinander auf dem Sofa, tranken höflich Sekt, sie lehnte sich leicht und schwesterlich an mich, wovon der Stoffpudel auch noch herabfiel...

Wir drehten die Platte um und hörten die zweite Seite.
Auf der Seite bimmelte das Glöcklein! Wir drehten die Platte nochmal um hörten wieder die erste Seite. Und drehten dann nochmals
und so fort.

Wir saßen die halbe Nacht da auf dem Sofa und ich wußte die ganze Zeit nicht mehr, was Sache sein sollte, ob sie erwartet, daß ich irgendwie anfange und ich war viel zu mutlos geworden, um es auszuprobieren. Ich hing, goethisch leidend, in tragischer Feierlichkeit.

Und da blieb ich auch hängen, bis fünf Uhr morgens, so ungefähr. Als sie aufhörte die Platte nochmal umzudrehn, trollte ich mich davon. Es war ganz schön glatt draussen.

Sumsel Bobbeck