Solidarität mit Necati Demirici!

ÜBER DEN LEBENSGEFÄHRLICHEN EINSATZ EINES LEIHARBEITERS IN ATOMANLAGEN

Necati Demirci arbeitete für die Gebäudereinigungsfirma O. Böhm in Hanau. In den letzten Jahren war er als Leiharbeiter bei Siemens-KWU in Karlstein und im Siemens Brennelementewerk-Mischoxid (vormals ALKEM) in Hanau tätig. in Karlstein mußte er u.a. Reinigungsarbeiten nach einem Störfall im Versuchslaboratorium durchführen. In der Hanauer ALKEM reinigte er u.a. Handschuhkästen, die für die Handhabung von plutoniumhaltigen, radioaktivem Material bestimmt sind.

Necati Demirci hat sich durch diese Tätigkeiten schwer strahlenverseucht, so hat er das hochgiftige und radioaktive Plutonium in seinen Körper aufgenommen. Sein gesundheitliches Schicksal ist unter anderem in dem Filmbericht "Gesucht wird... der Plutoniumtod" (ARD 22.6.89) dokumentiert. Der heute 43jährige Demirici lebt schwerkrank (Lungenkrebs) und arbeitsunfähig im Raum Hanau.

Bereits Mitte der siebziger Jahre gab es bei der Firma Kerr-McGee in Crescent, US-Bundesstaat Oklahoma einen großen spektakulären Skandal. Bei der Aufklärung der Mißstände und Pannen in der Atomindustrie kam die Gewerkschafterin Karen Silkwood im November 1974 mit wichtigen Dokumenten auf dem Weg zu einem Pressevertreter bei einem "Verkehrsunfall" ums Leben. Der Tod von Karen Silkwood erlangte großes Aufsehen und wurde bisher nicht vollends aufgeklärt, so sehr sich auch Gewerkschaften und Frauenverbände dafür einsetzten.

In der Bundesrepublik ereignete sich vor zwei Jahren erst ein Plutoniumunfall in der Hanauer Nuklearfirma NUKEM. Eine Lieferung aus dem Kernforschungszentrum Karlsruhe wurde im falschen Betrieb geöffnet und untersucht.

"Der Plutoniumtod" ist der Titel eines Filmberichts, der zwei Menschenschicksale dokumentiert. Den Arbeiter Gerhard Strack hat der Plutoniumtod inzwischen eingeholt. Er vergiftete sich in den 70er Jahren in Mol (Belgien).

Um Necati Demirci und seine Familie zu unterstützen und vor allem, um Rechtsschritte zur Anerkennung seiner Krebserkrankung bzw. als Berufserkrankung zu ermöglichen, wurde eine Spendenaktion von Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), der Initiative Umweltschutz Hanau (IUH) und dem Bund Naturschutz in Bayern gestartet. Das eingerichtete Solidaritätskonto lautet:

"Helft Necati Demirci, Hanau"
Kontonr. 128 126, BLZ 506 501 22
Kreissparkasse in Hanau

Es ist nicht der erste Fall von Verstrahlung mit plutoniumhaltigem, radioaktiven Material in den Hanauer Nuklearbetrieben. Die Arbeits"sicherheit" in dieser Atomindustrie und der konkrete Fall von Necati Demirci sollten öffentlich gemacht werden. Vor allem im betrieblichen und gewerkschaftlichen Rahmen muß darüber diskutiert werden. Denn hier steht die IG Metall nach der letzten Umfirmierung in Hanau in der Verantwortung.

Radikale Kritiken und Beschlüsse auf Gewerkschaftskongressen zu einem langzeitlichen Ausstieg aus der Atomindustrie reichen nicht aus. Immer mehr Menschen erkranken oder sterben gar an den Folgen der Atomenergienutzung. Solidarität mit Necati Demirci ist jetzt nötig und es muß in den Hanauer Nuklearbetrieben - und nicht nur dort - zusammen mit den dort Arbeitenden ein Plan erarbeitet werden, wie die Produktion auf nützliche und sinnvolle Dinge umgewandelt werden kann.

Wer näheres über Leiharbeit in der BRD, über ihre Geschichte, Umfang und Struktur, legale und illegale Leiharbeit wissen will, klicke hier.

Die dort zu lesende Studie enthält auch ein Kapitel über Leiharbeit in Atomanlagen. Der Preis inkl. Porto beträgt 6.- DM (Briefmarken oder Verrechnungsscheck).