Die Revolution 1936-39

Vor den Wahlen 1936 waren klare Verhältnisse geschaffen: Würden die Nationalen siegen, gäbe es einen Volksaufstand, siegen die "Linken", würde das Militär über kurz oder lang putschen.

Ein wesentlicher Faktor bei dieser Wahl waren 30.000 politische Gefangene, zumeist Anarchisten, die während der Aufstände der letzten Jahre eingekerkert worden waren.

Nicht zuletzt wegen ihnen verzichtete der Gewerkschaftsbund der Anarchisten, die CNT, auf die übliche Wahlboykottkampagne und überließ es jedem/r einzelnen, für die Gefangenen, wählen zu gehen, oder nicht.

Die Stimmen dieser größten spanischen Gewerkschaft entschieden die Wahl und das Proletariat begrüßte seine befreiten Genoss/inn/en.

Derweil gründeten die bürgerlichen und linken Parteien eine "Volksfrontregierung", die sich besonders damit hervortat, daß sie alle Anzeichen für den herannahenden Militärputsch übersah. Kein Wunder eigentlich, hatten ihre Mitglieder doch selbst unter der Diktatur Primo de Riveras nichts zu befürchten gehabt. So war der jetzige Ministerpräsident der Republik, Largo Caballero, Berater des Diktators Primo Rivera gewesen,  während dessen Herrschaft die Anarchisten so grausam verfolgt wurden. Caballero ist Chef der sozialistischen Partei. So gut wie ihm war es den Arbeitern nicht gegangen und ihnen war klar, was die Wiederholung der "10 schwarzen Jahre" bedeuten würde. Die Mitglieder der CNT machten sich daran Waffen zu besorgen, zwangsrekrutierte Soldaten halfen Depots der Armee zu knacken und in Hinterhofwerkstätten wurden die beliebten FAI-Bomben gebastelt.

Die Regierung diskutierte währenddessen über neue Gesetze...

Am 18. Juli 1936 kamen aus der Kolonie Marokko die Nachrichten über den Putsch der Kolonialarmee, der sich nach dem Willen der Generäle innerhalb von 48 Stunden in ganz Spanien ausbreiten sollte. Die Regierung wartete ab und verweigerte dem Volk Waffen, um gegen das Militär kämpfen zu können.

Das Volk bediente sich inzwischen selbst, und in fast allen Orten Spaniens warteten die Militanten der CNT in ihren Gewerkschaftslokalen auf die Nachricht, daß die Truppen die Kasernen zum Putsch verlassen würden.

Im Morgengrauen des 19. Juli gaben die Wachen in Barcelona Alarm. Die Fabriksirenen heulten und die Bevölkerung errichtete über 1000 Barrikaden. Die Arbeiter, an den Kampf in den Straßen gewöhnt, belagerten die Kasernen.

Viele Soldaten und sogar Teile der berüchtigten Guardia Civil desertierten und liefen zu den mit Schrotflinten Dynamitpatronen und Beutewaffen ausgerüsteten Arbeitern über. Nach 36 Stunden ununterbrochenem Kampf, 600 Toten und 3000 Verwundeten waren die faschistischen Offiziere in Barcelona geschlagen.

Am Abend des 20. Juli wehte die schwarz-rote Fahne der CNT auf allen öffentlichen Gebäuden. Die Anarchisten kontrollierten die ganze Stadt.

Eine bewaffnete Delegation suchte den Präsidenten der katalanischen Regionalregierung (Generalidad), Luis Compagnies, auf. Dieser Sozialist, gestern noch Verfolger der Anarchisten, bot ihnen jetzt seine Mitarbeit an und bewegte sie dazu, mit der sozialistischen Gewerkschaft UGT und den republikanischen Parteien ein Komitee der antifaschistischen Milizen zu bilden, das den Kampf gegen die Faschisten koordinieren sollte. Das Komitee ersetzte die Regierung zwar vollständig, sie blieb formal jedoch bestehen. Dieser erste Kompromiß, den die Anarchist/inn/en machten, die mit einem Mal die so gehaßte Macht in den eigenen Händen hatten und sie nicht ergreifen wollten, sollte noch schlimme Folgen haben.

Die Revolution 1936-39

Mit dem Sieg über die Faschisten gab sich das Volk aber nicht zufrieden. Die Ausgebeuteten, ihrer Kraft und ihrer Interessen bewußt, wollten die soziale Revolution:

die bewaffneten Arbeiter bemächtigten sich aller Betriebe und Fabriken. Die Initiativen wuchsen wie Pilze aus dem Boden, die Menschen begannen von sich aus, die wichtigsten Probleme der Versorgung und Kommunikation zu lösen. Die Leitlinie für die Planung war das Bedürfnis der Bevölkerung.

Aber nicht ganz Spanien wurde befreit, in anderen Städten gingen die Kämpfe weiter. In Barcelona wurden Milizen aufgestellt und die Freiwilligen konnten sich auf dem Plazza de Cataluna melden. Schon nach wenigen Tagen verließ die erste Milizeinheit, die Kolonne Durruti, mit 3000 Männern und Frauen die Stadt um Saragossa zu Hilfe zu kommen. Dort hatten sich die Faschisten der Stadt bemächtigt und tausende von Arbeitern massakriert.

Es war das erste Mal, daß Arbeiter/innen, an Barrikadenkämpfe in Städten gewöhnt, reguläre Feldschlachten schlagen mußten. Für eine entsprechende Ausbildung hatte es keine Zelt gegeben, und so waren die Verluste am Anfang sehr hoch. Doch die Unerfahrenheit wurde durch die Begeisterung, für die Revolution zu kämpfen, ausgeglichen und die Faschisten konnten auf ein Territorium von nur 1/3 Spaniens zurückgedrängt werden.

Während die Kämpfe andauerten, entstand auf dem Land und in den Städten eine neue Gesellschaftsstruktur. Die Landarbeiter übernahmen die Ländereien der Großgrundbesitzer und der Kirche und im Laufe weniger Monate wurden große Teile der Levante, Aragoniens und Kataloniens von selbstverwalteten Kollektiven bearbeitet. 3 Millionen Campesinos organisierten sich in über 1700 Kollektiven nach anarchistischen Ideen, ohne Chefs und Bürokraten. Als Verbindung, zur Planung und Koordination hatten sie die Syndikate ihrer Gewerkschaft, der CNT.

Geografische Hindernisse und der Mangel an Waffen und Munition verhinderten den weiteren Vormarsch der Milizen. Eine Front entstand, auf deren einen Seite das bewaffnete Volk stand, das für seine Revolution kämpfte, auf der anderen Seite fast die gesamte Armee, die Adeligen, die Großgrundbesitzer, die Kirche und die Faschisten. Die Front verlief östlich der Stadt Saragossa, die sich in den Händen der Faschisten befand. Dadurch war das republikanische Spanien in zwei Teile geteilt; Asturien, das vor allem wegen des Bergbaus wichtig war, blieb so von den rohstoffarmen Industriezentren in Katalonien und der Levante abgeschnitten.

Zur Befreiung Saragossas wurden 20 Kolonnen der Anarchisten zusammengezogen, doch wieder zwang der Mangel an Waffen und Munition die Milizen zum Abwarten in ihren Stellungen.

Die Bildung dieser Front war fatal, sie stoppte die Revolution und an ihr wurden die Milizen in einem konventionellen Krieg verheizt.

In einem Krieg, der durch die sofortige Beschaffung von Waffen für die Aragon-Front hätte gewonnen werden können.

Aber die Staatsmaschinerie, vom Volk außer Kraft gesetzt, versuchte langsam wieder Einfluß zu gewinnen und ihr wichtigstes Instrument war der spanische Goldschatz, der in Madrid lag. Da ausgerechnet in dieser Stadt die sozialistische Gewerkschaft die stärkere war und bedingungslos ihre Geisterregierung unterstützte, ergaben sich für die konföderierten Milizen schlimme Konsequenzen. Die Regierung hatte kein Interesse an einem schnellen Sieg über die Faschisten, weil dies die Weiterentwicklung der sozialen Revolution nach anarchistischen Ideen bedeutet hätte. Das Interesse der "Volksfrontregierung" war, erst einmal zu Einfluß zu kommen und dann über die Faschisten zu siegen.

Im europäischen Ausland sahen die Interessen ähnlich aus. Im Jahr 1936 waren die Bemühungen der Sowjetunion um eine Verständigung mit Hitler-Deutschland vorläufig gescheitert. Stalin strebte daraufhin ein Bündnis mit England und Frankreich an, für dessen Zustandekommen er in Spanien eingreifen mußte.

Gleich zu Beginn der Revolution waren Ländereien, Bergwerke, Fabriken und Eisenbahnanlagen von der CNT, der stärksten Organisation auf der republikanischen Seite, kollektiviert worden. Da viele der Industrieanlagen französischen und britischen Konzernen gehörten, hatte Stalin aus bündnispolitischen Gründen kein Interesse daran, daß in Spanien eine Revolution stattfindet. Dazu kam, daß die Anarchisten die treibende Kraft waren und die moskau-treue Kommunistische Partei mit ihren 3000 Mitgliedern so schwach war, daß sie nicht eine einzige Miliz aufstellen konnte. So war es auch nicht verwunderlich, daß die KP nicht für die Revolution, sondern für die bürgerliche Demokratie eintrat.

Moskaus Interessen waren klar: die großen anarchistischen und die kleinen trotzkistischen Milizen sollten ausgeschaltet werden.

Die Prawda erklärte: "... die Ausmerzung von Anarchisten und Trotzkisten hat begonnen und wird mit der selben Energie durchgeführt werden, wie In der UdSSR."

In der Sowjetunion führte die Machtgier Stalins zu blutigen Säuberungen. Diese Paranoia wurde nach Spanien exportiert, wo die kommunistische Partei und die GPU heimlich, willkürliche Verhaftungen vornahmen, Folterungen in geheimen Räumen und getarnte Liquidierungen durchführten. Die Repression richtete sich zunächst gegen die Mitglieder der POUM, der kleinen trotzkistischen "Arbeiterpartei der Marxistischen Einheit". Nach und nach wagten sie sich auch an Mitglieder der mächtigen anarchistischen Konföderation. Am Ende des Bürgerkrieges endeten die Meuchelmörder, als lästige Zeugen, nun selbst in den stalinistischen Gefängnissen.

Bisher wurde der Kampf von den Milizen der Gewerkschaften und Parteien getragen. Dort gab es keine Offiziere, keine Militärgesetzgebung und all die üblichen Schikanen einer regulären Armee. In den Milizen kämpften Arbeiter/innen als gleichberechtigte Menschen neben ihren, jederzeit abwählbaren Delegierten. Ihr Kampfgeist war sehr gut und sie wußten wofür sie kämpften.

Aber die Milizen waren den bürgerlichen Republikanern, der KP und der Regierung ein Dorn im Auge, denn sie waren die bewaffneten Verteidiger der Revolution, unabhängig von ihnen und standen den Versuchen, Einfluß auf das Geschehen zu bekommen, massiv im Weg. Da eine Regierung ohne. Exekutivorgane eine Art Kaspertheater darstellt, begannen diese Kräfte bereits im August 36 mit dem Versuch aus den Resten der Armee, der Polizei und sogar der Guardia Civil eine neue Armee aufzustellen. Da ab dem 15. Oktober die Sowjetunion wieder bereit war, Waffen an Spanien zu verkaufen, ging die Aufstellung dieser "Zentralarmee" mit der Beteiligung von Polit-Kommissaren der KP an allen Einheiten einher. Diese Truppen wurden im Hinterland ausgebildet und verfügten über moderne Waffen, sie bekamen in der Etappe, was den Arbeitern an der Front verweigert wurde.

Wenig später kam dann die Forderung er Regierung, daß sich alle Milizeinheiten der Zentralarmee einzugliedern hätten, sonst würden sie weiterhin eine Waffen bekommen und im Kampf alleingelassen werden.

Währenddessen rücken die Faschisten mit deutscher und italienischer Unterstützung durch Estremadura auf Madrid vor. Der Widerstand der kleinen und veralteten republikanischen Luftwaffe war schnell niedergeschlagen, aber die Milizen konnten die Faschisten vor der Stadt aufhalten. Während die Geisterregierung Madrid in der Gefahr im Stich ließ und nach Valencia fliehen wollte, zogen mehrere CNT-KoIonnen von der Aragon-Front ab, um Madrid zu Hilfe zu kommen. Der "Eisernen Kolonne" der CNT begegnete der Regierungstroß auf der Flucht. Mit vorgehaltenen Gewehren verschafften sich die Anarchisten eine Reihe von LKWs, um schneller an die Front zu kommen. Aber die Entscheidung, nach Madrid zu gehen, war schwerwiegend, denn Saragossa war strategisch viel wichtiger. Doch der Fall der Hauptstadt hätte psychologisch fatale Folgen haben können.

Seit dem November 36, als plötzlich vier Mitglieder der CNT-FAI an der Regierung in Madrid beteiligt waren, was die CNT bereits im September abgelehnt hatte, verschärften sich die Auseinandersetzungen unter den Anarchisten über die weitere Perspektive des Kampfes.

Der eine Flügel ging davon aus, daß die Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Republikaner nötig sei, da zum einen die "Diktatur der Anarchisten" indiskutabel sei, zum anderen die CNT keine Hilfe aus dem Ausland erhalten würde. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit den anderen Gruppen wäre die CNT gezwungen sich an bestimmte Formen zu halten, wenn sie nicht einflußlos werden wolle. Damit wurde dann der Eintritt von vier Anarchisten in die Regierung begründet.

Der andere Flügel der CNT ging von einer ganz anderen Grundlage aus. Überall in den befreiten Gebieten verwirkliche die Bevölkerung ihre Vorstellungen von einer besseren, einer freien Gesellschaft. Für diese Sache, für die soziale Revolution, kämpften die Menschen, dafür hätten sie sich zu zigtausenden für die Milizen gemeldet. Und diese revolutionäre Begeisterung sei die einzige Sache, die die militärische Überlegenheit ausgleichen könnte. Bereits die ersten Militarisierungsversuche durch den Aufbau der Zentralarmee durch die Regierung und die KP hätten gezeigt, daß die Arbeiter/innen nicht bereit wären, für eine "demokratische Republik" zu kämpfen, in der sie, wie unter der Diktatur, verfolgt, verboten, eingekerkert und deportiert worden waren. Die Einschätzung, man müsse erst den Krieg gewinnen und dann könnte die Revolution weitergehen, wurde als absurd bezeichnet. Nur das Andauern der revolutionären Entwicklung würde den Sieg über die Faschisten und die republikanische Konterrevolution ermöglichen.

Diese zweite Einschatzung wurde von der IAA, der anarcho-syndikalistischen Gewerkschaftsinternatlonale, geteilt. In Ihrem Auftrag war der Plan Dessmer ausgearbeitet worden, der aus drei Punkten bestand:

1. sofortiger Austritt der CNT-Minister aus der Geisterregierung,
2. Beschlagnahmung des spanischen Staatsschatzes und seine Verwendung zum Waffenkauf,
3. Verstärkung des Unabhängigkeitskampfes in Marokko durch die Befreiung des in Frankreich gefangen gehaltenen GueriIleros Abd el Krim.

Der zweite und dritte Punkt waren brisante Vorschläge, aber sie entsprachen einer realistischen Sicht der Verhältnisse. Marokko war damals spanische Kolonie und auch die verschiedenen linken Regierungen hatten kein Interesse Ihren Machtbereich, auch wenn sich dleser zeitweilig nur auf Ihren eigenen Schreibtisch bezog, dadurch zu schmälern, der Kolonie formal die Unabhängigkeit zu geben. Marokko aber war die Ausgangsbasis des Putsches und nichts brauchten die Faschisten nötiger, als ein ruhiges Hinterland. Dazu kam, daß insgesamt 120.000 Marokkanische Söldner, die "Moros", auf der Seite der Nationalen kämpften, deren Neutralisierung durch den Unabhängigkeitskampf zu einem großen Teil möglich gewesen wäre.

Doch die CNT-Minister erfuhren von dem Plan und informierten den katalanischen Präsidenten, den Sozialisten Lago Caballero. Von diesem wurde die französische (Volksfront-) Regierung In Kenntnis gesetzt, die daraufhin drohte, die Grenze nicht nur weiterhin für Waffen, sondern auch für den Personen- und Handelsverkehr zu schließen.

Die Faschisten hatten inzwischen über 80.000 bestausgerostete Soldaten des Expeditionscorps und eine deutsche Panzerbrigade zusammengezogen. Die Luftwaffe probte, was wenige Jahre später den Menschen in ganz Europa passierte: den Bombenterror gegen die Zivilbevölkerung. Der Kampf um Madrid wurde mit unvorstellbarer Härte geführt, teilweise verlief die Front senkrecht durch die Gebäude.

Auch die berühmteste Einheit der Milizen, die Kolonne Durruti, war Madrid zu Hilfe gekommen. Nach einer Woche ununterbrochenem Kampf überlebten von ihren mehreren tausend Angehörigen keine 300. Die Anarchisten waren im Kampf allein gelassen worden, ohne von frischen Einheiten abgelöst zu werden.

Bei den Kämpfen im Universitätsviertel starb auch Buenaventura Durruti. Die Umstände seines Todes bleiben für immer im Dunklen, fest steht jedoch, daß die nach Madrid gekommenen CNT-Mllizen, wie die Eiserne Kolonne und die Kolonne Durruti, zu den Verfechtern des Planes Dessmer der IAA gehört haben und daß in Madrid der spanische ·Goldschatz lag.

Die Leiche Durrutis wurde nach Barcelona überführt, wo das Proletariat ihm einen letzten Gruß erwies: Über eine halbe Million Menschen nahmen an dem Trauerzug für einen Genossen teil, der schon im Leben eine Legende war.

Durrutl war ein Symbol für die Revolution, die nach seinem Tod Stück für Stück zurückgedrängt wurde. Die Anarchisten hatten sich auf Kompromisse eingelassen und waren dabei langsam aus den entscheidenden Organen verdrängt worden. Die größte Organisation der spanischen Arbeiterklasse, die CNT, war nicht mehr in der Lage, ihre Positionen in den innerrepublikanischen Auseinandersetzungen durchzusetzen.

Es hatte eine Reihe von Machtproben gegeben, auf die die CNT nicht oder falsch reagiert hat: seit dem August 36 hatten heimliche Überfälle auf Militante der CNT stattgefunden, für die die PSUC, die Partei der sozialistischen Einheit Kataloniens, ein Zusammenschluß der katalanischen Sozialisten mit der KP, verantwortlich war. Statt die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen, wurde nur gedroht...

Den wichtigsten Konflikt, der durch eine kommunistische Polizeiprovokation im Mai 37 in Barcelona ausbrach, wiegelte der reformistische Flügel der CNT ebenfalls ab. Hier ging es um die Telefonzentrale von Barcelona, die seit dem Beginn der Revolution durch die Arbeiter/innen, die in der CNT organisiert waren, selbstverwaltet betrieben wurde. Da der katalanischen Regionalregierung die Kommentare der Telefonistinnen während ihrer Regierungsgespräche nicht paßten, versuchten kommunistische Polizeieinheiten die Telefonica zu stürmen. Während die Belegschaft sie mit einem Kugelhagel empfing, wurden in den Fabriken die Sirenen angelassen und die Arbeiterklasse errichtete erneut hunderte von Barrikaden. Der Kampf der Arbeiter gegen die Bürgerlichen und die Kommunisten entwickelte sich zu einer Auseinandersetzung zwischen Revolution und Konterrevolution. Es gab hunderte von Toten und die anarchistischen Kolonnen an der Aragon-Front drohten abzurücken, um in Barcelona die Revolution zu verteidigen. Leider taten sie es nicht, denn die Ministerriege der CNT, die Angst vor einem Bürgerkrieg im Bürgerkrieg hatte, wiegelte ab und brachte den letzten Versuch des Proletariats, die Konterrevolution der Kommunisten zu zerschlagen, zum Scheitern.

Während die Milizen weiter an der Aragon-Front gegen die Faschisten kämpften, kamen Einheiten der Zentralarmee in Barcelona an. In ihrem Schutz begann die Rache der Stalinisten.

Der Krieg ging weiter. Die Milizen, die die Fortdauer der Revolution gesichert hatten, wurden auf Betreiben der KP und des Druckmittels der russischen Waffenlieferungen für illegal erklärt. Etliche Milizen müssen in Notsituationen nachgeben. Auf dem Land und in den Städten war das Zurückdrängen der Revolution immer deutlicher wahrzunehmen. Es blieb nur noch der Krieg, ein Krieg, der von vorneherein verloren war, weil er der einzigen Sache, in der er der faschistischen Armee überlegen war, beraubt wurde: der revolutionären Begeisterung des Volkes in Waffen.

Der Vormarsch der Faschisten ist langsam, aber unaufhaltsam. Spanien wird mit Blut und Feuer überzogen, das Volk terrorisiert und massakriert. Zu diesem Zeitpunkt bahnte sich der Hitler-Stalin Pakt an, der ein Jahr später zur Teilung Polens führte. Die sowjetischen Waffenlieferungen wurden daher extrem verringert und am 22. September wurden die Internationalen Brigaden aus Spanien abgezogen.

Das Proletariat leistete bis zur Grenze des möglichen Widerstand und kämpfte am Ende nur noch ums nackte Überleben. Aber das Heldentum der Verzweiflung diente letztendlich nur noch dazu, die Tragödie zu verlängern. Die Kolonne Durruti war die einzige Einheit, die sich der Liquidierung entziehen konnte und die 1939 das spanische Territorium mit den Waffen in den Händen verläßt. Von der französischen Gendamerie entwaffnet, kam sie in die Konzentrationslager der französischen Regierung, um später an die Nazi-Besatzer ausgeliefert und in Auschwitz ermordet zu werden. Der Bürgerkrieg ging mit einer Bilanz von einer Million Toten und einer halben Million Flüchtlinge zu Ende.

Der Sieg des Faschismus wurde nicht nur von der spanischen Arbeiterschaft teuer bezahlt, sondern von den Arbeitern der ganzen Welt. Die Bilder von Guernica, Almeria oder lrun in Schutt und Asche wurden wenig später den Menschen in ganz Europa um Alltag. Der spanische Krieg war die Generalprobe zum zweiten Weltkrieg.

Trotz der Niederlage, trotz der Fehler, trotz des Verrats, hat das spanische Proletariat, und mit ihm die Anarchisten, einige der lehrreichsten Zeiten in der Geschichte der menschlichen Befreiung geschrieben:

Des Kampfes um die Freiheit und Gleichheit.

Die ausgebeuteten Arbeiter und die Revolutionäre der ganzen Welt müssen diese Seiten kennen, die die Geschichtsschreiber der Staatsmacht zu verschweigen versuchen.

Sie müssen es wissen, sie müssen es analysieren, weil die Geschichte der spanischen Revolution ein grundlegender Bestandteil ihrer eigenen Geschichte ist. Die Lehren von gestern müssen für die Kämpfe von heute und morgen dienen!"

Kersten