Editorial

Wo ist die Revolte? Wackersdorf? Dort rollt die juristische Rache des Staates. Hafenstraße? Demos? Ja. Zornige Bauern ziehen fluchend über die Straßen. Manch ein Christdemokrat zitterte bis die Hessenwahl ihn von seinen Angsten erlöste. Der Strahlemann Wallmann regiert im Herzen des Sozi- Filzes. Die SPD ist geschickt. Grüne, die nichts anzubieten hatten als ein paar Minister, wollen sich verzweifelt an ihre Revoluzzerzeit außerhalb des Parlaments erinnern. Und wir? Eine Regierung ist so schlecht wie die andere, und eine Parlamentswahl entscheidet nicht das Schicksal eines Landes.

Noch strotzt die deutsche Wirtschaft vor Gesundheit, auch wenn in den Krisengebieten NRW, Saarland und im Norden ganze Stahlstandorte verkauft werden und die verstörten Gewerkscha.ften hilflose Wortakrobaiik üben. Warnstreiks für die 35-Stunden- Woche, aber sicher.

Sonst noch alles cool und normal.

Während also in Bonn die Langweileroper unter Kohl for ;esetzt wird, in Hessen der grinsende Atomstaat regieren darf, die Grünen wieder an Revolution denken (?) legen wir unbeirrt die nächste Nummer der AKTION vor.

Die vorliegende Ausgabe ist inhaltlich und quantitativ umfangreich. Der Preis ist daher diesmal auf 3,- DM gesetzt. Die Abo-Preise bleiben jedoch gleich. Der Fluß von Beiträgen, Artikeln, Infos und Briefen entwickelt sich erfreulich gut, ebenso die Regio-. nalteile.

Wichtige Themen dieses Heftes sind u. a. 1. Mai und Anti-Kapitalismus, Volkszählung, Anti-Faschismus, Wehrpflichtverweigerung, Spanien, Ungarn und ein Gespräch mit dem Ober-Realo Josehka Fischer über seine militanten Jugendsünden und seine reformistische Systemdienerei heute.

Außerdem findet ihr die neuesten Infos ·zu den Libertären Tagen zu Ostern in Frankfurt, dem heiß ersehnten Erfahrungsaustausch, mit Perspektivdiskussionen von den sozialen Kämpfen zur sozialen Revolution. Für libertäre Zeitungsleute wird besonders die Medien-AG interessant mit dem Denkanschlag zum "Projekt anarchistische Zeitung".