Der Freiheits- und Anarchie-Begriff anarchistischer Theoretiker

Die Textstellen sind nach den Kriterien Kürze und Prägnanz zusammengestellt und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, eine gewisse Nachlässigkeit steckte schon im Ansatz unserer Intention. Nähere Auslegungen beider Begriffe haben wir bewußt weggelassen. 

Der Begriff der Freiheit

Bakunin:
Die Freiheit ist das absolute Recht aller Frauen und Männer, für ihre Handlungen keine andere Bewilligung zu suchen, als die ihres eigenen Gewissens und ihrer eigenen Vernunft, nur durch ihren eigenen Willen zu ihren Handlungen bestimmt zu werden, und folglich nur verantwortlich zu sein zunächst ihrer selbst gegenüber... Der Mensch ist nur unter in gleicher Weise freien Menschen frei...

Bookchin:
Die Freiheit hat Ihre Formen. Es leuchtet ein‚ daß heute die Befreiung des Alltagslebens Ziel der Revolution sein muß.

Die Befreiung des Menschen - nicht in irgendeinem vagen “historischen“, moralischen oder philosophischen Sinne, sondern im konkreten Bezug auf die vertrauten Einzelheiten des Alltagslebens - ist ein grundlegend gesellschaftlicher Akt und stellt die Frage nach den Gesellschaftsformen als Frage nach den Formen der Beziehungen zwischen den Individuen. (1958)

Mühsam:
Jeder Mensch empfindet die Freiheit als gesellschaftliches Ideal, wodurch deutlich wird, daß die Sehnsucht nach individueller Freiheit in der menschlichen Natur selber begründet ist... Es gibt in der Menschheitsgeschichte keine Tyrannis, keine Unterdrückung und Vergewaltigung von Arbeits- und Willenskräften, die sich nicht des Freiheitsverlangens ihrer Opfer bedient hätten. Die Erfolglosigkeit aller bis jetzt geführten Kämpfe um gesellschaftliche Freiheit hat ihre Ursache darin, daß sie nie für einen von Freiheit durchdrungenen sozialen Zustand geführt wurden, sondern ihren Ausgang von der Unerträglichkeit des Bestehenden nahmen und ihr Ziel auf die rein negative Befreiung von dieser Unerträglichkeit begrenzten... Es bleibt deshalb zu untersuchen, ob der Begriff der Freiheit als gesellschaftliches Prinzip überhaupt in positiver Formulierung zu fassen ist.

Diese Unabhängigkeit (von auferlegtem Zwang, U.), die Selbstbestimmung und Selbstverwaltung in sich schließt, ist seine Vorstellung von Freiheit; ohne sie kann es keine Freiheit für ihn geben. (1930)

Kropotkin:
Wenn wir dem Satz: “Tu was du willst" hinzufügen: “jedem nach seinem Bedürfnis", dann sprechen wir ein Prinzip aus, das zu gleicher Zeit Ausdruck und Resultat der absoluten Freiheit ist. Es ist gewiß, daß es keine wahre Freiheit gibt, ohne daß jeder alles haben kann, was seine Bedürfnisse erfordern, und daß nur im Rahmen dieser vollen Freiheit sich solche Verhältnisse zwischen der Produktion und dem Verbrauch entwickeln werden, wie sie zur Befriedigung aller Bedürfnisse eines jeden notwendig sind, dergestalt, daß jeder das haben wird, was er als vernünftiges Wesen wünschen kann. (1890)

Bakunin:
Es ist nicht wahr ‚daß die Freiheit eines Individuums durch die Freiheit aller anderen begrenzt wird. Der Mensch ist nur in dem Grade wirklich frei, in welchem eine von dem freien Gewissen aller andern frei anerkannte und von ihm wie aus einem Spiegel zurückstrahlende Freiheit in der Freiheit der anderen Bestätigung und: Ausdehnung ins Unendliche hin findet...

Es gibt nur ein einziges Dogma, ein einziges Gesetz, eine einzige moralische Grundlage für die Menschen, die Freiheit. Die Freiheit seines Nächsten achten ist die Pflicht; ihn lieben‚ ihm dienlich sein ist die Tugend. (Nettlau‚ Übers. 1924)

Proudhon:
...Freiheit wiederum, das Wort im politischen Sinne genommen, setzt ebenfalls Autorität voraus, die mit ihr verhandelt, sie zügelt oder duldet. Entfernt eine von beiden - und die andere hat keinen Sinn mehr...

Das Prinzip der Freiheit..., ist von der Vernunft gegeben. (1863?)

Malatesta:
Die Freiheit, die wir für uns und für andere verwirklichen wollen, ist nicht eine abstrakte metaphysische “absolute“ Freiheit, welche im wirklichen Leben notgedrungen zur Unterdrückung der Schwächeren führt; sondern es ist die wirkliche, die mögliche Freiheit, welche in der bewußten Gemeinsamkeit der Interessen, der frei gewollten Solidarität besteht.

Leval:
Im Gegensatz zu einer verbreiteten Behauptung wird der Mensch nicht frei geboren, denn Freisein heißt, nach eigenem Willen zu denken und zu handeln, und zum Zeitpunkt seiner Geburt hat der Mensch weder Gedanken, noch die Möglichkeit zu handeln, noch einen eigenen Willen Der Säugling äußert sich nur durch lebenswichtigen Instinkt, den, sich zu entwickeln, wie alles, was wächst und sich entwickelt, um zur Reife zu gelangen. Pflanze‚ Tier oder Mensch, das biologische Gesetz ist dasselbe. Die Freiheit besteht also in der Möglichkeit des Wachsens, die Abwesenheit der Freiheit in den Hindernissen, die ihm entgegenstehen. (1967)

Mackay:
Der Zustand der Freiheit mußte ein vollkommener sein, oder er hörte auf ein Zustand der Freiheit zu sein. Wurde die Freiheit des Einzelnen auch nur in einer Hinsicht verletzt, so war er nicht mehr frei. (....) Allen voran ging die Freiheit des Denkens, und sie allein schien frei von Ketten. Denn das Denken ist die einzige Freiheit, die mit physischer Gewalt nie völlig unterdrückt werden kann, es sei denn die Gewalt habe vorher den Körper, in dem es lebte, gebrochen.

So nahm sie den führenden Platz ein, als die Freiheit, die aller Freiheit des Handelns vorausgehen muß. Die ihr folgte als zweite, war die Freiheit, dem Gedanken Ausdruck zu verleihen. Das Handeln des Menschen konnte nicht frei sein, solange es sein Denken nicht war. (...) Fort mit jeder, wie immer gearteten Zensur! - lautete daher die Formel dieser ersten Forderung der Freiheit.

Russell:
Es kann keine wirkliche Freiheit oder Demokratie geben‚ solange die Männer‚ die Arbeit in einem Unternehmen tun, nicht auch sein Management kontrollieren.

E. Reclus:
Es gibt keine Moral außerhalb der Freiheit.

De la Boetie:
Seid entschlossen, nicht mehr zu dienen, und ihr werdet frei sein.

Souchy:
Die Freizeit wird zum Wegbereiter der Freiheit. Was ist die Freiheit? Ein Instinkt?

Ein innerer Drang, der nach außen strebt, ein Wunsch, ein Traum, ein erstrebenswertes Ziel? Ein Glück, wenn man sie hat, ein Unglück‚ wenn man sie entbehrt? Ist sie ein Geschenk der Natur, das uns von den Herrschenden geraubt wird, fällt sie uns von selbst in den Schoß, muß sie immer wieder zurückerobert werden?

Most:
Wir erstreben einen sozialen Zustand, der die unbeschränkte Entfaltung der individuellen Freiheit eines jeden Menschen ermöglicht. Demgemäß reklamieren wir das Recht auf Lebensgenuß je nach individuellem Bedürfnis, ermöglicht dadurch, daß jeder nach Neigung, Kraft und Fähigkeit sich nützlich tätig zeigt‚ d. h. teilnimmt an der Industrie, der Landwirtschaft, dem Verkehrswesen, ... und die Resultate seines Schaffens der Gesamtheit zur Verfügung stellt.

Andere Erklärungen des Freiheitsbegriffs

Neumann, F.:
Die Wahrheit der politischen Theorie ist die Freiheit. Daraus ergibt sich eingrundsätzliches Postulat. Da keine politische Ordnung die politische Freiheit verwirklichen kann, muß die politische Theorie immer kritisch sein. Eine konformistische politische Theorie ist keine Theorie.

Goethe:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß.

Goffaan:
Deshalb lassen wir nun die Sprache und die Maske der Bühne fallen, Gerüste sind letzten Endes dazu da, andere Dinge mit ihnen zu bauen Und sie sollten im Hinblick darauf errichtet werden, daß sie wieder abgebaut werden.

Pareto:
Wörtlich genommen, ist frei eine Lage, in der sich jeder nach seinem Gefallen seine Gesellschaft, ohne sie anderen aufzuzwingen oder von anderen aufgezwungen zu bekommen ‚ wählen kann. Und wenn es jemand gefällt‚ den Zustand, bei dem einem die Gesellschaft, die einem gefällt und anwidert aufgezwungen wird, frei zu nennen, ist es notwendig, wenn wir uns verständigen wollen, ein anderes Wort für den gegensätzlichen Zustand zu finden, bei dem einem eine unangenehme Gesellschaft nicht aufgezwungen wird. ... (Wenn Hinz den Kunz in Fesseln schlägt, nennt der das sich Entwinden der Fesseln „Freiheit“; wenn dann Kunz seinerseits den Hinz fesselt, nennt er das Fesseln ebenfalls „Freiheit". In beiden Fällen erweckt der Ausdruck "Freiheit" bei Kunz angenehme Gefühle.)

Stirner:
Volksfreiheit ist nicht meine Freiheit! Ein Volk kann nicht anders als auf Kosten des Einzelnen frei sein, denn nicht der Einzelne ist bei dieser Freiheit die Hauptsache sondern das Volk. Je freier das Volk, desto gebundener der Einzelne.

Spencer:
Jedermann ist frei zu tun, was er will, vorausgesetzt, daß er nicht die gleiche Freiheit irgendeines anderen Menschen verletzt.

Mackay:
Gedanken der Freiheit - gefährlicher als ganze Sprengladungen von Dynamit... der Zustand der Freiheit: Anarchie - die Reifezeit einer aus dumpfen Träumen erwachten Menschheit, noch ist nirgends Licht. Aber es dämmert...

Der Begriff der Anarchie

Cafiero:
Anarchie ist heute der Angriff, der Krieg gegen jede Autorität, jede Macht, jeden Staat...

Malatesta:
So könnten wir behaupten, daß Sozialismus und Anarchie dasselbe bedeuten, da ja doch die Bedeutung beider die Abschaffung der Herrschaft und der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ist... Die Anarchie hat als Grundlage... die Gleichheit der Verhältnisse‚ als Leitstern die Solidarität und als Methode die Freiheit...

Russel:
Der Anarchismus ist ... die Lehre, die jede Art von Zwangsherrschaft ablehnt... Eine Herrschaft, die der Anarchismus dulden kann, muß eine freie Herrschaft sein, nicht bloß in dem Sinne, daß sie die einer Mehrheit ist, sondern auch in dem Sinne daß alle ihr zustimmen...

Kropotkin:
Jede Gesellschaft, die mit dem Privateigentum gebrochen hat, wird nach unserer Meinung gezwungen sein, sich in anarchistisch-kommunistischer Form zu organisieren. Die Anarchie führt zum Kommunismus und der Kommunismus zur Anarchie; das eine wie das andere ist nur Ausdruck der in den modernen Gesellschaften vorherrschenden Tendenz, des Strebens nach der Gleichheit.

Ramus, Pierre:
Der Anarchismus fußt auf der Erkenntnis, daß das staatliche Recht in seinen Wesenselementen ein systematisierter Zustand der Gewalt ist. Wir finden nirgends, daß das staatliche Recht dem Individuum die Sicherung seiner Lebensbedingung, der Gesellschaft die Wahrung ihrer Gemeinschaftsinteressen verbürgt.

Most:
Der Kommunismus, den wir erstreben, ist also ein vollkommen freies Verhältnis. Er kennt keine Über- noch Unterordnung, keinerlei Schablonisierung; er ist identisch mit dem Begriff der Herr- und Knechtschaftslosigkeit der Anarchie.

Mühsam:
Anarchismus ist die Lehre von der Freiheit als Grundlage der menschlichen Gesellschaft. Anarchie zu deutsch: ohne Herrschaft, ohne Obrigkeit, ohne Staat, bezeichnet somit den von den Anarchisten erstrebten Zustand der gesellschaftlichen Ordnung, nämlich die Freiheit jedes Einzelnen durch die allgemeine Freiheit. In dieser Zielsetzung, in nicht anderem‚ besteht die Verbundenheit aller Anarchisten, besteht die grundsätzliche Unterscheidung des Anarchismus von allen anderen Gesellschaftslehren und Menschheitsbekenntnissen.

Friedeberg:
Anarchismus, der über die Klassen hinaus die völlige ökonomische und physische Befreiung der menschlichen Persönlichkeit zum Ziele hat, der einen herrschaftslosen Zustand erstrebt, aber nicht eine neue Herrschaft, die der Majorität über die Minorität.

Malatesta:
Anarchie bedeutet Freiheit und Solidarität und die Verwirklichung unserer Idee kann nur stattfinden durch Harmonie der Interessen, durch die freiwillige Initiative, durch Liebe, Achtung und gegenseitige Toleranz...

Arsinov:
Der Anarchismus umfaßt zwei Welten: eine Welt der Philosophie der Ideen und eine Welt der praktischen Tat, des Handelns. Diese beiden Welten stehen in engem Zusammenhang miteinander.

Berkman:
... der Anarchismus lehrt, daß wir in einer Gesellschaft frei von Zwang irgendwelcher Art leben können. Ein Leben ohne Zwang bedeutet natürlich Freiheit; das heißt von Druck und Zwang frei sein, die Möglichkeit so zu leben‚ wie es ihnen gefällt.

Machnowstschina:
Der fundamentale Wert des Anarchismus ist seine Hingabe an die unterdrückte Menschheit.

Goldman:
Der Anarchismus ist die einzige Philosophie, die dem Menschen das Bewußtsein seiner selbst bringt; die davon überzeugt ist, daß Gott, der Staat und die Gesellschaft nicht existieren, daß ihre Versprechungen null und nichtig sind, da sie nur durch die Unterordnung des Menschen erfüllt werden können. Der Anarchismus ist deshalb der Lehrer der Einheit des Lebens, nicht bloß in der Natur, sondern auch im Menschen...

Anarchismus ist der große Befreier des Menschen von den Trugbildern, die ihn gefangen hielten.

Guerin:
Anarchie ist in Wirklichkeit vor allem gleichbedeutend mit Sozialismus. Der Anarchist ist in erster Linie Sozialist; seine Ziele sind die Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen; im Zentrum seiner politischen Aktivität und Theorie steht der sozialistische Freiheitsgedanke, die Abschaffung des Staates. „Jeder Anarchist ist Sozialist, aber nicht jeder Sozialist notwendigerweise Anarchist" (Adolf Fischer)

Colin Ward:
Anarchismus ist in der Tat der Name, der der Idee gegeben ist, daß es möglich und wünschenswert für eine Gesellschaft ist, sich selbst zu organisieren.

Reichert:
Die Vorstellung des Anarchisten von der Freiheit entspringt seiner Vorstellung vom Menschen. Er lehnt es ab, sich mit einer theologischen oder „wissenschaftlichen" Verurteilung der menschlichen Natur zu beschäftigen. Vielmehr ist er der Meinung daß keine Wissenschaft von der menschlichen Gesellschaft möglich ist, die nicht von der Annahme ausgeht, daß der Mensch eine unbegrenzte Entwicklungsfähigkeit besitzt. Ohne sich auf irgendwelche fragwürdigen metaphysischen Begründungen einzulassen, geht der Anarchist dennoch davon aus, daß eine freie Gesellschaft nur möglich ist, wenn es eine weit verbreitete Übereinkunft gibt, daß der Mensch von Natur aus ein freies Wesen ist. „Ohne die Idee eines freien Menschen ist die anarchistische Idee hinfällig: Denn ohne ihn kann die zukünftige Gesellschaft nicht existieren, ohne ihn können ihre Anfänge nicht gefördert werden!... Diese Idee ist durch die Überzeugung gekennzeichnet, daß der höchste menschliche Wert die Freiheit ist..."

Woodcock:
Der Anarchismus ist die einzig wahre Lehre der Freiheit!

Reichert:
Der Anarchismus ist auf die Zukunft ausgerichtet, und er stimmt völlig mit der Ansicht überein, daß das heutige Leben vom Standpunkt des Individuums aus unzulänglich und unbefriedigend ist.

Guerin:
Man könnte den Anarchismus als eine Revolution der Eingeweide bezeichnen...

Stirner:
Nur aus dem freiwilligen Zusammenschluß von Menschen‚ die ihre „Einzigkeit" begriffen haben und sich ihrer bewußt sind, kann Gesellschaft entstehen!

Ward:
Der Anarchismus ist in all seinen Formen eine Bestätigung der menschlichen Würde und Verantwortlichkeit. Er ist kein Programm für politische Veränderungen, sondern ein Akt der gesellschaftlichen Selbstbestimmung.

Tarrida (1889)
Von den verschiedenen revolutionären Theorien, welche den Anspruch haben, die vollständige Befreiung zu garantieren, ist die der Natur, der Wissenschaft und der Gerechtigkeit am meisten entsprechende diejenige, die alle politischen, sozialen, ökonomischen und religiösen Dogmen verwirft, und dies ist die Anarquia sin Adjetivos (die Anarchie ohne Eigenschaftsworte) = als kurze Bezeichnung, für das für richtig und notwendig erachtete: nicht weiterhin durch die qualifizierenden Adjektiva sich in der Gegenwart von andersdenkenden Anarchisten demonstrativ zu trennen und der Zukunft nicht vorgreifen zu wollen. (Interpretation von M. Nettlau)

Tarrida:
L' anarchie sans phrase, l' anarchie pure et simple (die Anarchie ohne Umschweife, die Anarchie schlechthin.)

Kropotkin:
Anarchie sind Abmachungen von Mann zu Mann, nicht mit einer Regierung. Die größten Taten des Jahrhunderts wurden durch freiwillige Abmachungen ausgeführt. Die Anarchisten sollten ihre Grundsätze in ihren gegenseitigen Beziehungen anwenden, weil dies sie vorbereitet (zu deren künftiger Anwendung in großem Umfange)

Pujols (1883)
Was ist also in der Praxis die Anarchie? Jede soziale Organisation, der das Befehlen, die Herrschaft oder Autorität der einen über die andern genommen ist.

Nach dieser Definition wird sich ergeben, daß, da es in einer anarchisch organisierten Gesellschaft keine Führerschaften gibt, das System auf dem freien Willen all seiner Teilnehmer begründet ist...

Nettlau:
Das Vorhandensein des griechischen Anarchia deutet darauf hin, daß Personen vorhanden waren, die bewußt die Herrschaft, den Staat verwarfen; erst als dieselben bekämpft und verfolgt wurden haftete diese Bezeichnung an ihnen im Sinn der der bestehenden Ordnung gefährlichsten Rebellen.

Diderot:
Je ne veux ni donner ni recevoir des lois.
(Ich will weder Gesetze geben, noch Gesetze empfangen.)

Solidarité
Da also der zentralisierte und nationale Staat nicht mehr besteht und die Communen vollkommene Unabhängigkeit genießen, besteht wirklich Anarchie - Abwesenheit zentraler Autorität.

Proudhon:
Anarchie‚ Abwesenheit jedes Herrn, jedes Souveräns, das ist die Regierungsform, der wir uns täglich mehr nähern und die nur die eingewurzelte Gewohnheit‚ den Menschen zur Regel und sein Willen zum Gesetz zu nehmen, als die größte Unordnung und den Ausdruck des Chaos betrachten läßt.

Bakunin:
Wir rufen die Anarchie an, diese Manifestation des Lebens und der Aspiration des Volkes, aus der die Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, die neue Ordnung und die Kraft der Revolution selbst hervorgehen sollen.

Mamat:
Sumsihcrana