Liebe Freundinnen und Freunde des Schwarzroten KALENDA,

ich kann und darf Euch nach langem Suchen nach doch noch einer Moeglichkeit die schlechte Nachricht nicht laenger vorenthalten: fuer 2001 wird es erstmals seit 18 Jahren keinen KALENDA geben. Hier gleich die gute hinterher: fuer 2002 wird es vielleicht wieder einen KALENDA geben, aber fuer 2003 ganz sicher!

Die Gruende:

Nach einigen Jahren drunter und drueber, aber meistens drunter (in der Bilanz) die mich viel Zeit, Nerven und Geld gekostet haben (mehrere Male liessen mich die Lieferanten im Stich ...) hat mich, wie die meisten von Euch wissen, Anfang 1995 eine schwere Herzerkrankung erwischt, die ueber dreimalige Infarkt- und Todesnaehe bis zur Bypass-Notoperation 1997 gingen, von der ich mich nur langsam erholte. Die Folgen waren und sind langanhaltend und gravierend, sowohl fuer meine koerperliche Unabhaengigkeit als auch fuer meine Finanzen. Dennoch habe ich in jeder Situation ueber diese fuenf Jahre weiter das KALENDA-Projekt fortgefuehrt, jedoch unvermeidlich mit fuer alle spuerbaren Schwierigkeiten und Verzoegerungen.

Das Jahr 2000 fand mich am Ende meiner geringen Mittel und Kraefte und auch die allgemeine Lage der libertaeren Linksradikalen gab wenig zum Jubeln Anlass. Die wenigen getreuen Freunde und Freundinnen, die dem KALENDA zugearbeitet hatten, waren ausnahmslos selbst ueberlastet und die Nachfrage nach dezidiert anarchistischer Struktur und Literatur war auf einen vorlaeufigen Tiefstpunkt gesunken.

Sichere oekonomische Verluste und unliebsame persoenliche Belastungen vor Augen habe ich in den vergangenen Jahren den KALENDA doch immer wieder moeglich gemacht. Auch diesmal waren die Vorbereitungen weit gediehen und "trotz alledem" waere auch der KALENDA 2001 erschienen, wenn nicht eine derartige Kumulierung von Problemlagen zusammengekommen waere, dass ich letztendlich das Handtuch werfen musste. FreundInnen hatten schon lange dazu geraten.

Diesmal war

- das Geld zuende (und daher Verdingung als Arbeitskraft vonnoeten)

- so gut wie keine absehbare Hilfe vorhanden

- meine Einsatzfaehigkeit durch permanente Zahnprobleme schwer eingeschraenkt

- der Absatz des KALENDA voraussehbar mehr als im Keller

Nachdem in den vergangenen Jahren ALLE anderen A-Kalender (Kramer, Schwarzer Kalender, Graswurzelkalender ... ) aus Frust und Geldproblemen ihr Erscheinen eingestellt haben, muss nun auch der Schwarzrote KALENDA nach 18 Jahren (1983-2000) eine schoepferische PAUSE einlegen um die Grundlagen zu einer weiteren Herausgabe im SCHWARZROTBUCH VERLAG zu schaffen und das Projekt zu konsolidieren.

Nach diesen 18 Jahren kamen natuerlich Gedanken auf, ob sich das Projekt womoeglich ueberlebt habe; mir scheint, dies ist nicht der Fall und trotz WWW und Weh- und Ach-Geschrei der Linken allenthalben ist es nicht ueberfluessig ein solches Projekt weiterzuverfolgen.

Ohne den Druck des jaehrlichen Neuerscheinens unter den denkbar schlechtesten Bedingungen kann an einer Neukonzeption verschiedener Bereiche unter Einbeziehung der aktuellen Moeglichkeiten gedacht und gearbeitet werden.

Demnaechst (sagen wir mal: 1. Mai 2001) wird es eine Web-Site  "http://www.schwarzrotbuch.de/" geben, auf der viel mehr Menschen als bisher das Geschehen um den KALENDA verfolgen koennen. Der KALENDA hat ab sofort eine eigene e-mail-Adresse:

mailto:KALENDA@schwarzrotbuch.de

und wer will, kann in eine eigene KALENDA-Mailing-Liste aufgenommen werden und bekommt die neusten Infos zum Stand der Dinge: formlose kurze Anfrage unter  mailto:kalenda@schwarzrotbuch.de genuegt.

Dazu wird auch gehoeren, dass wir darueber nachdenken, wie ein folgender KALENDA gemeinsam von einem groesseren Team lokal und online zusammengestellt werden kann. Technisch ist der SCHWARZROTBUCH VERLAG BERLIN mit eingener domain und Web-Site, ISDN und moderner eingesetzter Produktionstechnik auf der Hoehe der Zeit. Auch ueber die bedarfsgerechte Produktion der richtigen Anzahl KALENDAs (was in der Vergangenheit oft zu grossen Problemen und Verlusten fuehrte) als Book-On-Demand oder voll digitales Produkt wird nachzudenken sein.

Das groesste Problem bleibt allerdings nach wie vor die Reproduktion der Produzierenden, naemlich die Beschaffung der Gelder, die die Menschen benoetigen, die sie in der Zeit (ver)brauchen, in der sie den KALENDA machen. Das sind aller Erfahrung nach mindestens 9.000 DM fuer einen sechsmonatigen Arbeitseinsatz EINER Person - so lange dauert EIN Einsatz fuer den KALENDA durch einen Menschen. Natuerlich ist dies aufteilbar auf mehrere. Die monatliche Summe ist mit 1.500 DM nahe dem Existenzminimum berechnet. Bisher konnte dieses Geld NIE erwirtschaftet werden, d.h. wurde IMMER mit realem Verlust gearbeitet.

Wenn wir also zugrunde legen, dass fuer die Produktion des KALENDA zukuenftig, sagen wir, 5.000 EURO notwendig sind (PLUS Logistik/Technik, und auflagenabhaengigen Druck-, Binde- und Vertriebskosten!), wird deutlich, dass ohne gravierende Aenderungen nicht weitergemacht werden kann.

Die Loesung liegt in

- einer deutlichen Senkung der Kosten durch mehr Technikeinsatz und Effektivitaet (nur begrenzt umsetzbar, da bisher schon sparsamst gewirtschaftet wurde und keine Verguetungen gezahlt wurden)

- einer kollektiven Form von "Social Sponsoring" (Beispiel: 20 Leute legen jeweils 500 DM als nicht rueckzahlbares Foerdergeld fuer die Lebenshaltung der KALENDA-Redaktion vor - bis sich das Projekt evtl. mal selbst traegt. Grundsaetzliche Bereitschaftserklaerungen hierzu werden im SRV angenommen.).

- einer zur Zeit gebotenen selteneren Erscheinungsweise, zwei- oder dreijaehrig oder/und wechselnden Redaktionen unter der Anleitung des Verlages.

Denkbar waere auch ein Uebergang des Schwarzroten KALENDA unter die Fittiche der FAU - was allerdings auf Kosten der Nichtparteilichkeit und Unabhaengigkeit des KALENDAs ginge.

Wie auch immer: es kommt eine spannende (und erstmal KALENDA-lose) Zeit auf uns zu, die wir uns aber nehmen muessen, wenn wir besser werden und den Herausforderungen der Zukunft gewachsen sein sollen.

Zuletzt bleibt mir noch ein DANKESCHOeN auszusprechen fuer Eure Geduld und Treue zum Projekt - ich denke, Ihr hattet auch was davon! Es waere schoen, wenn ich beim naechsten KALENDA 2002 oder (wahrscheinlicher) 2003 noch moeglichst viele von Euch unter den BestellerInnen wiederfinde. Bis dahin: seid kreativ und unermuedlich und schaut ab und zu mal in LPA [lpa@free.de] die hoffentlich bald auch als Site im Netz einsehbar sein wird (bis dahin sei Euch A-Infos anempfohlen, wo die meisten relevanten News von LPA landen - die mailing-list ist auch weiter offen).

Fuer diejenigen, die den KALENDA nun missen muessen bleibt immerhin der Trost, dass alle anderen Kalender jetzt fuer 1 Taschengeld zu haben sind.

Wer schon bei mir bestellt und bezahlt hat, bekommt selbstverstaendlich das Geld zurueck (ich bitte um etwas Geduld, denn ich komm immer spaet und todmuede von der Maloche und es ist einige Arbeit fuer "nada" die Gelder wieder zurueckzuleiten, zumal die Postbank Eure Kontonummern nicht auf den Auszug druckt). Wenn der KALENDA das naechstemal erscheint, wird es hierzu Anzeigen etc. geben. Vermutlich ist 2002 eher unrealistisch, so dass wir uns hier schonmal auf 2003 einpeilen koennen.

Salud y Anarquia!

R@lf

P.S.: Diese mail geht dank TELEKOTZ einige Tage spaeter raus als gewollt. Die Schlaumeier haben meinen neuen ISDN-Anschluss geschaltet, ehe sie mir das ISDN-Endgeraet zukommen liessen. So war ich ein paar Tage ohne Anschluss.

Bitte verbreitet diese mail moeglichst weiter, auch muendlich, indem Ihr Euren FreundInnen und Bekannten, die am KALENDA 2001 Interesse haben koennten Bescheid sagt, dass der diesmal leider-leider nicht kommt. Das erspart mir vermutlich etliche Rueckueberweisungen und Entschuldiungsbriefe und den Betroffenen Aufwand und Frust.

D@nke!