Die Gruende:
Nach einigen Jahren
drunter und drueber, aber meistens drunter (in der Bilanz) die mich viel Zeit,
Nerven und Geld gekostet haben (mehrere Male liessen mich die Lieferanten
im Stich ...) hat mich, wie die meisten von Euch wissen, Anfang 1995 eine
schwere Herzerkrankung erwischt, die ueber dreimalige Infarkt- und Todesnaehe
bis zur Bypass-Notoperation 1997 gingen, von der ich mich nur langsam erholte.
Die Folgen waren und sind langanhaltend und gravierend, sowohl fuer meine
koerperliche Unabhaengigkeit als auch fuer meine Finanzen. Dennoch habe ich
in jeder Situation ueber diese fuenf Jahre weiter das KALENDA-Projekt fortgefuehrt,
jedoch unvermeidlich mit fuer alle spuerbaren Schwierigkeiten und Verzoegerungen.
Das Jahr 2000 fand mich
am Ende meiner geringen Mittel und Kraefte und auch die allgemeine Lage der
libertaeren Linksradikalen gab wenig zum Jubeln Anlass. Die wenigen getreuen
Freunde und Freundinnen, die dem KALENDA zugearbeitet hatten, waren ausnahmslos
selbst ueberlastet und die Nachfrage nach dezidiert anarchistischer Struktur
und Literatur war auf einen vorlaeufigen Tiefstpunkt gesunken.
Sichere oekonomische
Verluste und unliebsame persoenliche Belastungen vor Augen habe ich in den
vergangenen Jahren den KALENDA doch immer wieder moeglich gemacht. Auch diesmal
waren die Vorbereitungen weit gediehen und "trotz alledem" waere
auch der KALENDA 2001 erschienen, wenn nicht eine derartige Kumulierung von
Problemlagen zusammengekommen waere, dass ich letztendlich das Handtuch werfen
musste. FreundInnen hatten schon lange dazu geraten.
Diesmal war
- das Geld zuende (und
daher Verdingung als Arbeitskraft vonnoeten)
- so gut wie keine absehbare
Hilfe vorhanden
- meine Einsatzfaehigkeit
durch permanente Zahnprobleme schwer eingeschraenkt
- der Absatz des KALENDA
voraussehbar mehr als im Keller
Nachdem in den vergangenen
Jahren ALLE anderen A-Kalender (Kramer, Schwarzer Kalender, Graswurzelkalender
... ) aus Frust und Geldproblemen ihr Erscheinen eingestellt haben, muss nun
auch der Schwarzrote KALENDA nach 18 Jahren (1983-2000) eine schoepferische
PAUSE einlegen um die Grundlagen zu einer weiteren Herausgabe im SCHWARZROTBUCH
VERLAG zu schaffen und das Projekt zu konsolidieren.
Nach diesen 18 Jahren
kamen natuerlich Gedanken auf, ob sich das Projekt womoeglich ueberlebt habe;
mir scheint, dies ist nicht der Fall und trotz WWW und Weh- und Ach-Geschrei
der Linken allenthalben ist es nicht ueberfluessig ein solches Projekt weiterzuverfolgen.
Ohne den Druck des jaehrlichen
Neuerscheinens unter den denkbar schlechtesten Bedingungen kann an einer Neukonzeption
verschiedener Bereiche unter Einbeziehung der aktuellen Moeglichkeiten gedacht
und gearbeitet werden.
Demnaechst (sagen wir
mal: 1. Mai 2001) wird es eine Web-Site "http://www.schwarzrotbuch.de/" geben, auf der viel mehr Menschen als bisher das Geschehen
um den KALENDA verfolgen koennen. Der KALENDA hat ab sofort eine eigene e-mail-Adresse:
mailto:KALENDA@schwarzrotbuch.de
und wer will, kann in
eine eigene KALENDA-Mailing-Liste aufgenommen werden und bekommt die neusten
Infos zum Stand der Dinge: formlose kurze Anfrage unter mailto:kalenda@schwarzrotbuch.de genuegt.
Dazu wird auch gehoeren,
dass wir darueber nachdenken, wie ein folgender KALENDA gemeinsam von einem
groesseren Team lokal und online zusammengestellt werden kann. Technisch ist
der SCHWARZROTBUCH VERLAG BERLIN mit eingener domain und Web-Site, ISDN und
moderner eingesetzter Produktionstechnik auf der Hoehe der Zeit. Auch ueber
die bedarfsgerechte Produktion der richtigen Anzahl KALENDAs (was in der Vergangenheit
oft zu grossen Problemen und Verlusten fuehrte) als Book-On-Demand oder voll
digitales Produkt wird nachzudenken sein.
Das groesste Problem
bleibt allerdings nach wie vor die Reproduktion der Produzierenden, naemlich
die Beschaffung der Gelder, die die Menschen benoetigen, die sie in der Zeit
(ver)brauchen, in der sie den KALENDA machen. Das sind aller Erfahrung nach
mindestens 9.000 DM fuer einen sechsmonatigen Arbeitseinsatz EINER Person
- so lange dauert EIN Einsatz fuer den KALENDA durch einen Menschen. Natuerlich
ist dies aufteilbar auf mehrere. Die monatliche Summe ist mit 1.500 DM nahe
dem Existenzminimum berechnet. Bisher konnte dieses Geld NIE erwirtschaftet
werden, d.h. wurde IMMER mit realem Verlust gearbeitet.
Wenn wir also zugrunde
legen, dass fuer die Produktion des KALENDA zukuenftig, sagen wir, 5.000 EURO
notwendig sind (PLUS Logistik/Technik, und auflagenabhaengigen Druck-, Binde-
und Vertriebskosten!), wird deutlich, dass ohne gravierende Aenderungen nicht
weitergemacht werden kann.
Die Loesung liegt in
- einer deutlichen Senkung
der Kosten durch mehr Technikeinsatz und Effektivitaet (nur begrenzt umsetzbar,
da bisher schon sparsamst gewirtschaftet wurde und keine Verguetungen gezahlt
wurden)
- einer kollektiven
Form von "Social Sponsoring" (Beispiel: 20 Leute legen jeweils 500
DM als nicht rueckzahlbares Foerdergeld fuer die Lebenshaltung der KALENDA-Redaktion
vor - bis sich das Projekt evtl. mal selbst traegt. Grundsaetzliche Bereitschaftserklaerungen
hierzu werden im SRV angenommen.).
- einer zur Zeit gebotenen
selteneren Erscheinungsweise, zwei- oder dreijaehrig oder/und wechselnden
Redaktionen unter der Anleitung des Verlages.
Denkbar waere auch ein
Uebergang des Schwarzroten KALENDA unter die Fittiche der FAU - was allerdings
auf Kosten der Nichtparteilichkeit und Unabhaengigkeit des KALENDAs ginge.
Wie auch immer: es kommt
eine spannende (und erstmal KALENDA-lose) Zeit auf uns zu, die wir uns aber
nehmen muessen, wenn wir besser werden und den Herausforderungen der Zukunft
gewachsen sein sollen.
Zuletzt bleibt mir noch
ein DANKESCHOeN auszusprechen fuer Eure Geduld und Treue zum Projekt - ich
denke, Ihr hattet auch was davon! Es waere schoen, wenn ich beim naechsten
KALENDA 2002 oder (wahrscheinlicher) 2003 noch moeglichst viele von Euch unter
den BestellerInnen wiederfinde. Bis dahin: seid kreativ und unermuedlich und
schaut ab und zu mal in LPA [lpa@free.de] die hoffentlich bald auch als Site
im Netz einsehbar sein wird (bis dahin sei Euch A-Infos anempfohlen, wo die
meisten relevanten News von LPA landen - die mailing-list ist auch weiter
offen).
Fuer diejenigen, die
den KALENDA nun missen muessen bleibt immerhin der Trost, dass alle anderen
Kalender jetzt fuer 1 Taschengeld zu haben sind.
Wer schon bei mir bestellt
und bezahlt hat, bekommt selbstverstaendlich das Geld zurueck (ich bitte um
etwas Geduld, denn ich komm immer spaet und todmuede von der Maloche und es
ist einige Arbeit fuer "nada" die Gelder wieder zurueckzuleiten,
zumal die Postbank Eure Kontonummern nicht auf den Auszug druckt). Wenn der
KALENDA das naechstemal erscheint, wird es hierzu Anzeigen etc. geben. Vermutlich
ist 2002 eher unrealistisch, so dass wir uns hier schonmal auf 2003 einpeilen
koennen.
Salud y Anarquia!
R@lf
P.S.: Diese mail geht
dank TELEKOTZ einige Tage spaeter raus als gewollt. Die Schlaumeier haben
meinen neuen ISDN-Anschluss geschaltet, ehe sie mir das ISDN-Endgeraet zukommen
liessen. So war ich ein paar Tage ohne Anschluss.
Bitte verbreitet diese
mail moeglichst weiter, auch muendlich, indem Ihr Euren FreundInnen und Bekannten,
die am KALENDA 2001 Interesse haben koennten Bescheid sagt, dass der diesmal
leider-leider nicht kommt. Das erspart mir vermutlich etliche Rueckueberweisungen
und Entschuldiungsbriefe und den Betroffenen Aufwand und Frust.
D@nke!