Alle reden davon, doch
niemand weiß wirklich, was es ist.
Antwort: Eine Gesellschaft
ohne Staat.
Logische Schlussfolgerung
von ca. 90 Prozent der Bevölkerung: Chaos, Zerstörung, wilde Banden von Terroristen,
gegenseitige Bekämpfung, Morde, ...
Das dies jedoch nicht
so ist, soll hier aufgezeigt werden. Es wird sicher einige positiv überraschen,
und vielleicht auch die Meinung von ein paar Leuten ändern, die sich bis jetzt
als AnarchistInnen bezeichnet haben.
Einleitend veröffentlichen
wir hier einen Gewerbeschule-Aufsatz eines jugendlichen Anarchisten:
Wenn ich den Begriff
Anarchie nur schon erwähne, denken die meisten Leute an das totale Chaos.
Ich möchte Ihnen in diesem Aufsatz aufzeigen, dass die Anarchie mit dem Durcheinander
nichts zu tun hat. Im Gegenteil: Sie ist die höchste Form der Organisation.
Schon in den allgemein
gültigen Lexiken und dem offiziellen Sprachnachschlagewerk "Duden"
wird der Begriff Anarchie nur mit "Gesetzlosigkeit" übersetzt. Dies
ist jedoch nur bedingt richtig: Zwar wollen die Anarchisten den Staat und
somit auch alle Gesetze abschaffen, dies bedeutet jedoch noch lange nicht,
dass es keine Regeln mehr gibt.
Diese werden jedoch
als mündliche Vereinbarungen gehalten.
Doch von Anfang an.
Was ist Anarchie überhaupt? Die ersten Gedanken an eine staatenlose Zukunft
wurden bereits am Ende des 17. Jahrhundert vom englischen Philosophen Godwin
getätigt, der auf der Suche nach dem perfekten "Staat" war. Genau
genommen, war dies zwischen 1789 und 1800 zur Zeit der Französischen Revolution.
Der Begriff Anarchie selbst entstand jedoch erst vor rund 150 Jahren.
Die Erfinder? Das Volk.
Oder Besser gesagt das revolutionär gesinnte Volk des Proletariats.
Einer der Hauptunterschiede
zwischen Kommunismus und Anarchie ist, dass es bei der Anarchie keinen klaren
Erfinder gibt (wie Karl Marx beim Kommunismus), sondern dass sich die Anarchie
immer wieder mit neuen Erfahrungen aus Revolutionen anreicherte und sich so
weiter entwickelte.
Der wichtigste Unterschied
zwischen diesen beiden Formen (Kommunismus und Anarchie) ist jedoch ein anderer:
Während die Kommunisten den Staat nach der Revolution ersetzen wollen, wollen
ihn die Anarchisten abschaffen. Sie wollen auf eine Regierung, auf die Polizei,
auf die Bürokratie etc. verzichten und den ganzen Staatsapparat dem Volk überlassen.
Dies soll dann Räte bilden, welchen sämtliche Personen angehören, die vom
entsprechenden Thema betroffen sind. Also zum Beispiel einen Konsumentenrat,
einen Quartierrat und so weiter. In diesen Räten ist jeder gleichberechtigt.
Um überregionale Probleme, wie zum Beispiel das Postwesen oder den öffentlichen
Verkehr, zu lösen, finden Versammlungen statt, an welchen Vertreter aus allen
betroffenen (regionalen) Räten teilnehmen. Diese Vertreter werden von mal
zu mal neu gewählt, und haben gegenüber den Volksvertreter in einer Demokratie
den Vorteil, dass erstens jedes Ratmitglied den Vertreter kennt und zweitens
die Vertreter sich klar an die Vorschriften und Interessen des Rats zu halten
haben. Die Abschaffung des Staats und die Anschaffung von Räten ist der wichtigste
Punkt der Anarchie. Alles weitere sind noch Folgen dieses Schrittes. So auch
die Abschaffung der Grenzen, die Abschaffung des Geldes und die Abschaffung
der jetzigen Familienformen wie die Ehe (Zitat Godwin: "Die Ehe ist ein
Gesetz und das schlechteste überhaupt"). Laut Meinung der meisten Anarchisten
sollten die Menschen in großen Wohngemeinschaften leben, und die Wahlverwandtschaft
sollte eingeführt werden. Ein weitaus interessanterer Schritt als die Abschaffung
der Ehe ist jedoch die Abschaffung des Geldes. Sie werden nun denken: "Was?
Und dann sollen wir wieder mit Ziegen und Kühen tauschen wie in der Urzeit?"
"Nein, natürlich nicht", ist darauf meine Antwort.
Nehmen wir mal an, sie
könnten in eine Bäckerei gehen, eine Brot "kaufen" und ohne zu bezahlen
wieder gehen. Anderseits kann jedoch der Sohn des Bäckers gratis zu Ihnen
in die Schule kommen. Und der Bäcker kann beim Bauern seine Milch gratis beziehen.
So kann man auf das Geld, ohne die Einführung des Tauschhandels, verzichten.
Nun werden Sie wieder sagen: "Was? Und was ist, wenn jemand nicht mehr
arbeiten geht? Muss dann die Gemeinschaft weiter für ihn aufkommen?"
Darauf antworten Ihnen die Anarchisten, dass eine Kommune (Gemeinschaft) nicht
dazu verpflichtet ist, jemanden aufzunehmen. So kann ein nicht mehr arbeitendes
Mitglied auch wieder ausgeschlossen werden. Doch es wird auch nicht mehr ein
so großes Verlangen bestehen, nicht zu arbeiten.
Seien wir mal ehrlich.
Die meisten Menschen gehen nicht gerne zur Arbeit.
Dies gilt vor allem
für Fabrikarbeiter. Das liegt wohl in erster Linie daran, dass ihre Tätigkeit
eintönig und langweilig ist. Sie können nichts von Anfang bis Ende produzieren,
sondern machen immer nur die eine Bewegung am Fliessband. Tag ein, Tag aus.
Gehen wir jetzt davon aus, dass man diese Arbeit wesentlich attraktiver und
interessanter gestalten könnte (mit Hilfe modernster Technik ist das möglich).
Müssten dann nicht auch diese Arbeiter ihren Beruf wieder lieber ausüben?
Und bestände dann nicht einen viel kleinerer Drang, zu Hause zu bleiben? Und
wenn mal jemand einen Tag nicht arbeiten geht, ist ja das auch nicht weiter
tragisch.
Eingangs dieses Aufsatzes
habe ich erwähnt, die Anarchie sei die höchste Form der Ordnung. Dies trifft
zu, weil sie die natürlichste Form der Ordnung ist, da jegliche Form der Autorität
und der Unterdrückung abgeschafft ist.
Wenn Sie das auch nicht
glauben, so hoffe ich jedoch, Ihnen wenigstens aufgezeigt zu haben, dass Anarchie
nicht das Chaos bedeutet. Das sei Wunschdenken, sagen Sie? Dann wissen Sie
wohl nicht, dass Spanien 3 Jahre und die Ukraine 4 Jahre als Anarchie funktionierten.
Wieso nur so kurz? Sowohl die spanische wie auch die ukrainische Anarchie
sind unter dem Kugelhagel fremder Völker zu Grunde gegangen.
Ich möchte diesen Aufsatz
mit ein paar Sprüchen beenden. Der erste ist für diejenigen, die die Demokratie,
als höchstmögliche Form der Freiheit ansehen: