Ein schöner Herbsttag
- Noch einmal Menschen mit lockerer Bekleidung und Sonnenbrillen in den Straßencafes
und Biergärten. Bisher keine besonderen Vorkommnisse in der Hauptstraße. Dann
plötzlich um 10:47 Uhr kommt der Befehl von Aldi-Geschäftsführer Erich B.:
"Fünf Paletten
Lebkuchen und Spekulatius in den Eingangsbereich!"
Von nun an überschlagen
sich die Ereignisse. Zunächst reagiert Minimal-Geschäftsführer Martin O. eher
halbherzig mit einem erweiterten Kerzensortiment und Marzipankartoffeln an
der Kasse.
15:07 Uhr
Edeka-Marktleiter Wilhelm
T. hat die Mittagspause genutzt und
operiert mit Lametta und Tannengrün in der Wurstauslage.
16:02 Uhr
Die Filialen von Penny
und Extra bekommen Kenntnis von der Offensive, können aber aufgrund von Lieferschwierigkeiten
nicht gegenhalten und fordern ein Weihnachtsstillstandsabkommen bis zum 21.Oktober.
Die Gespräche bleiben ohne Ergebnis.
Dienstag, 17. Oktober
07:30 Uhr
Im Eingangsbereich von
Karstadt bezieht überraschend ein Esel
mit Rentierschlitten Stellung, während zwei Weihnachtsmänner vom studentischen
Nikolausdienst vorbeihastende Schulkinder zu ihren Weihnachtswünschen verhören.
Zeitgleich erstrahlt die Kaufhausfassade im gleißenden Schein von 260.000
Elektrokerzen. Die geschockte Konkurrenz kann zunächst nur ohnmächtig zuschauen.
Immerhin haben jetzt auch Karstadt, C&A und
Real den Ernst der Lage erkannt.
Mittwoch, 18. Oktober:
09:00 Uhr
Edeka setzt Krippenfiguren
ins Gemüse.
09:12 Uhr
Minimal kontert mit
massivem Einsatz von Rauschgoldengeln im
Tiefkühlregal.
10:05 Uhr
Bei Karstadt verirren
sich dutzende Kunden in einem Wald von Weihnachtsbäumen.
12:00 Uhr
Neue Dienstanweisung
bei Extra: An der Käsetheke wird mit sofortiger Wirkung ein "Frohes Fest"
gewünscht. Die Schlemmerabteilung von Real kündigt für den Nachmittag Vergeltungsmaßnahmen
an.
Donnerstag, 19. Oktober
07:00 Uhr
Karstadt schaufelt Kunstschnee
in die Schaufenster.
08:00 Uhr
In einer eilig einberufenen
Krisensitzung fordert der aufgebrachte Penny-Geschäftsführer Walter T. von
seinen Mitarbeitern lautstark:
"Weihnachten bis
zum Äußersten"
und verfügt den pausenlosen
Einsatz der von der Konkurrenz gefürchteten
CD: "Weihnachten mit Mireille Matthieu" über Deckenlautsprecher.
Der Nachmittag bleibt ansonsten ruhig.
Freitag, 20. Oktober
08:00 Uhr
Anwohner der Hauptstraße
versuchen mit Hilfe einer einstweiligen Verfügung die nun von Karstadt angedrohte
Musikoffensive "Heiligabend mit den Flippers" zu stoppen.
09:14 Uhr
Ein Aldi- Sattelschlepper
mit Pfeffernüssen rammt den Posaunenchor "Adveniat", der gerade
vor Karstadt zum großen Weihnachtsoratorium ansetzen wollte.
09:30 Uhr
Aldi dementiert. Es
habe sich bei der Ladung nicht um Pfeffernüsse, sondern Christbaumkugeln gehandelt.
18:00 Uhr
In der Stadt kommt es
kurzfristig zu ersten Engpässen in der Stromversorgung als der von Tengelmann
beauftragte Rentner Erwin Z. mit seinem Flak-Scheinwerfer Marke "Varta
Volkssturm" den Stern von Bethlehem an den Himmel zeichnet.
Sonnabend, 21. Oktober
Die Fronten verhärten
sich; die Strategien werden zunehmend aggressiver.
10:37 Uhr
Auf einem Polizeirevier
meldet sich die Diabetikerin Anna K. und gibt zu Protokoll, sie sei soeben auf dem Minimal-Parkplatz
zum Verzehr von Glühwein und Christstollen gezwungen worden. Die Beamten sind
ratlos.
12:00 Uhr
Seit gut einer halben
Stunde beschießen Karstadt, Edeka und Minimal die Einkaufszone mit Schneekanonen.
Das Ordnungsamt mahnt die Räum- und Streupflicht an. Umsonst!
14:30 Uhr
Teile des Stadtbezirks
sind unpassierbar. Eine Hubschrauberstaffel des Bundesgrenzschutzes beginnt
mit der Bergung von Eingeschlossenen:
Also: Frohes Fest! Und
denkt dran: Nur noch ?? Tage bis Weihnachten!