"Wir haben sie gründlich satt, die Kriegsmacher"

Donnerstag, den 7. April 2011 um 23:42 Uhr

Eine Erklärung der War Resisters’ International (Internationale der KriegsdienstgegnerInnen) zur Intervention in Libyen

wri

War Resisters’ International – ein internationales Netzwerk von über 80 antimilitaristischen Gruppen in mehr als 40 Ländern – erklärt:

Wir haben sie gründlich satt die Militärinterventionen, die sich hinter dem Schutzschirm von falschen „humanitären Motiven“ verstecken, sei es in Libyen oder anderswo.

Wir haben die Logik der Gewalt als einer Form, soziale und politische Konflikte zu lösen, gründlich satt. Und doch müssen wir uns schon wieder diesen Themen zuwenden, als wäre in den letzten hundert Jahren nichts gelernt worden.

Wir lehnen die militärische Intervention von außen in Libyen, unter welchem Vorwand auch immer, absolut ab.

Wir lehnen auch den Gebrauch von Gewalt als Reaktion auf die vielfältigen Konflikte in Libyen ab.

Vor allem lehnen wir die ethischen und politischen Lektionen ab, die uns die intervenierenden Regierungen als Rechtfertigung für Bombardierung und Tod in dem Krieg gegen ihren ehemaligen Verbündeten Gaddafi offerieren. Die gelieferten Waffen der überwiegend europäischen Länder sind nun Objekt der Zerstörung durch einige dieser Mächte. Jetzt liefern sie noch mehr Waffen – oder erlauben deren Lieferung – diesmal an Gruppen in Opposition zu Gaddafi.

Die Tatsache, dass diese Heuchelei nicht neu ist, verringert nicht unsere Empörung, wann immer sie geschieht. Sie unterstützten Mubarak und seine Truppen in Ägypten und Ben Ali in Tunesien so lange wie möglich – und wechselten die Seite, als es für sie nicht länger nützlich war.

Wir lehnen auch militärische Interventionen von außen bei den Prozessen der Veränderungen, die in Nordafrika begonnen haben, ab. Diese unvollendeten Prozesse benötigen auf jeden Fall mehr Zeit, damit die Menschen Freiheit und soziale Gerechtigkeit erringen können. Wir hoffen, dass der Untergang der Diktaturen die Verletzungen der ökonomischen, sozialen und kulturellen Rechte und Menschenrechte von Personen und Völkern beendet. Insbesondere sollte die hasserfüllte Gender-Gewalt und Diskriminierung, zu der die gestürzten Regime ermutigt hatten, ein Ende haben. Die internationale Rolle sollte nicht darin bestehen, die Zukunft dieser Länder zu formen, sondern eher darin, Unterstützung anzubieten für den Aufbau einer Gesellschaft, die die Wünsche und Rechte der Menschen respektiert. In Libyen sehen wir jedoch, dass die militärische Intervention von außen den Boden für langfristige bewaffnete Konflikte schafft, Trennungslinien verschärft, die Militarisierung der sozialen Bereiche und den Gebrauch von Gewalt verstärkt.

Was in Libyen als ein unbewaffneter Volksaufstand gegen die Diktatur begann, ist nun zu einem Bürgerkrieg geworden, der darin gipfeln wird, mit internationaler militärischer Intervention eine militärische Splittergruppe an die Macht zu bringen – wie bei den verlogenen „Friedensprozessen“ in Irak und Afghanistan.

Die WRI setzt sich heute wie gestern aktiv dafür ein, Militarismus zu verhindern und Krieg und seine Ursachen zu beseitigen. Die gewaltlosen Aktionen, die zu den Veränderungen in Tunesien und Ägypten geführt haben, zeigen den Weg, zwar noch unvollendet, aber Respekt für das Leben von Menschen und Völkern bejahend.

Die WRI wird diesen Weg weiterhin unterstützen – ganz konkret

WRI Vorstand, April 2011

WRI