Anarchie

in der Definition von Anares, Graswurzelrevolution und FAU/IAA


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ANARCHIE

Na? Sind Sie erschrocken? ANARCHIE - dies schauerliche Wort so unflätig groß? Sind vor Ihrem geistigen Auge bärtige Gesellen gleich hordenweise aufgetaucht, bis an die Zähne bewaffnet, mordend und brandschatzend? Dann könnte Sie ja vielleicht noch etwas lernen. Beispielsweise, daß ANARCHIE nicht Mord und Totschlag bedeutet sondern Herrschaftslosigkeit, oder wie einst jemand so schön gesagt hat: Ordnung ohne Gewalt; daß sich der Anarchismus nicht im Tyrannenmord erschöpft, sondern daß es hier ein buntes Spektrum, pazifistische, kommunistische, individualistische, religiöse, syndikalistische, feministische, sandinistische, undsoweiteristische AnarchistInnen gibt; daß sich die spanische Republik nach dem faschistischen Putsch vor 50 Jahren ohne den spontanen Widerstand der AnarchistInnen keinen Tag hätte halten können; daß AnarchistInnen in diesem Jahrhundert zu den ersten gehörten, die auf ökologische Probleme hinwiesen; daß alle Leute, die sich mit dem Anarchismus auseinandergesetzt haben, die Ideen gut finden, sich dann aber oft mit dem Hinweis, er sei nicht realisierbar, mit den gegebenen Zuständen arrangieren und faule Kompromisse eingehen, und Sie werden mit Erstaunen vernehmen, daß es auch heute, entgegen allen Prophezeiungen, noch AnarchistInnen gibt, die dreist und borniert die Welt immer noch verbessern wollen.  

Definitionen von Anarchie aus der Anares-Bibliographie 1988/89, Gummersbach, S.96:


Graswurzelrevolution

bezeichnet eine tiefgreifende gesellschaftliche Umwälzung, in der durch Macht von unten alle Formen von Gewalt und Herrschaft abgeschafft werden sollen. Wir kämpfen für eine Welt, in der die Menschen nicht länger wegen ihres Geschlechtes oder ihrer geschlechtlichen Orientierung, ihrer Sprache, Herkunft, Überzeugung, wegen einer Behinderung, aufgrund rassistischer oder antisemitischer Vorurteile diskriminiert und benachteiligt werden.

Wir streben an, daß Hierarchie und Kapitalismus durch eine selbstorganisierte, sozialistische Wirtschaftsordnung und der Staat durch eine föderalistische, basisdemokratische Gesellschaft ersetzt werden. Schwerpunkte unserer Arbeit lagen bisher in den Bereichen Antimilitarismus und Ökologie. Unsere Ziele sollen - soweit es geht - in unseren Kampf- und Organisationsformen vorweggenommen und zur Anwendung gebracht werden. Um Herrschafts- und Gewaltstrukturen zurückzudrängen und zu zerstören, setzen wir gewaltfreie Aktionsformen ein. In diesem Sinne bemüht sich die anarchistische Zeitung Graswurzelrevolution seit 1972, Theorie und Praxis der gewaltfreien Revolution zu verbreitern und weiterzuentwickeln.

aus dem Impressum der anarchistischen Zeitung „graswurzelrevolution“


Was will die FAU?

Wir Anarcho-SyndikalistInnen haben die herrschaftsfreie, auf Selbstverwaltung begründete Gesellschaft zum Ziel.

Die Selbstbestimmung in allen Lebensbereichen ist die grundlegende Idee des Anarcho- Syndikalismus.

Daher lehnen wir die Organisation unserer Interessen in zentralistisch aufgebauten Organisationen ab, da diese stets Machtkonzentration und Hierarchie bedeuten. Weder soll, noch kann mensch mit StellvertreterInnen-Politik wie sie z. B. von reformistischen Gewerkschaften, Parteien und Kirchen betrieben wird, unsere Interessen durchsetzen.

Dagegen sind wir direkt und indirekt lohnabhängigen Menschen für Selbstorganisation in unabhängigen Betriebs-, Branchen und Ortsgruppen. Diese sind bundesweit (in der FAU) und international (in der IAA) zusammengeschlossen.

Zur Durchsetzung unserer Ziele und Forderungen dienen uns sämtliche Mittel der Direkten Aktion, wie z. B. Besetzungen, Boykotts, Streiks etc. Im Gegensatz dazu lehnen wir die parlamentarische Tätigkeit in jeglicher Form ab. Mit dieser Art von Organisation verbinden wir die Möglichkeit, Vereinzelung und Perspektivlosigkeit aufzuheben und so für eine revolutionäre Veränderung auf freiheitlicher Grundlage zu kämpfen.

Da die Macht und die Stärke des kapitalistischen Systems in der privaten bzw. staatlichen Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel und in der tagtäglichen Ausbeutung der arbeitenden Klasse begründet sind, ist der ökonomische Bereich der Hauptansatzpunkt für den antikapitalistischen Kampf.

Revolutionäre Arbeit in den Betrieben trifft den Kapitalismus nicht nur in seinen Erscheinungsformen, sondern an seiner Wurzel. Diese Arbeit kann nur erfolgreich sein, wenn in allen gesellschaftlichen Bereichen gleichzeitig revolutionäre Arbeit geleistet wird, da alle Kämpfe in einer Wechselbeziehung zueinander stehen. Alle Menschen, die in diesem Sinne mit uns zusammenarbeiten wollen, sind uns willkommen.

aus „direkte aktion“ anarchosyndikalistische Zeitung der Freien ArbeiterInnen Union (FAU/IAA)


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