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Textauszug zum Anti-Kriegs-Info (AKI) aus
Bernd Drücke: Zwischen Schreibtisch und Straßenschlacht? Anarchismus und libertäre Presse in Ost- und Westdeutschland
Wir veranstalteten regelmäßig Informations- und Diskussionsabende im Dezentral und gaben den LiFF-Rundbrief sowie das AKI - Libertäres Info Frankfurt heraus.
Aus
unserer Selbstdarstellung:
Libertäres, d. h. freiheitliches Forum Frankfurt bedeutet, daß
wir Meinungen und Informationen aus freiheitlicher Sicht diskutieren und
öffentlich machen wollen. ("Libertär" ist nicht zu verwechseln
mit "liberal"!)
Libertäre sind Menschen, die sich als Anarchistinnen und Anarchisten
begreifen bzw. mit den Ideen des Anarchismus sympathisieren. Das Wort "Anarchie"
kommt von dem altgriechischen Wort "an-archia" und bedeutet "ohne Herrschaft".
Somit bedeutet Anarchie für uns Freiheit. Persönliche Freiheit,
die ständig durch Abbau von Herrschaft im Alltag erstritten werden
muß. Unser Ziel ist daher die Abschaffung jeglicher Ausbeutung und
Unterdrückung von Menschen durch andere Menschen. Wir wehren uns gegen
die Gleichsetzung von Anarchie mit Terror, Gewalt und Unordnung, wie dies
von manchen Kreisen versucht wird. Setzen wir dagegen die gleiche Freiheit
aller, das Prinzip der Herrschaftslosigkeit, der Selbstbestimmung und Selbstverwaltung
aller Lebensbereiche: Ordnung ohne Herrschaft!
Unser Beitrag, dieses Ziel zu erreichen, waren u. a. Veranstaltungen, zu denen wir versuchten, Frauen und Männer als ReferentInnen zu den unterschiedlichsten Themen zu gewinnen.
Mit unserem LiFF-Rundbrief wollten wir Menschen erreichen, die an einem kontinuierlichen Informationsaustausch innerhalb der libertär/anarchistischen Bewegung im Frankfurter Raum interessiert waren.
1996 und 1997 versuchten wir eine bundesweite Diskussion über Grundsätze der anarchistische Bewegung zu organsisieren.
Das AKI - Libertäres Info Frankfurt, welches unregelmäßig
erschien, war entstanden aus dem Anti-Kriegs-Info. Dieses ist zur Zeit
des Golfkrieges 1991 als Info der Initiativen im DEZENTRAL gegen den Golfkrieg
erschienen. Im AKI behandelten wir ein oder mehrere Themen(schwerpunkte)
aus libertärer Sicht. Mit dem AKI wollten wir:
- Gegenöffentlichkeit aus libertärer Sicht schaffen,
- einen positiven Begriff von Anarchie prägen,
- uns selbst darstellen,
- für die Gruppen im Dezentral werben und auf Veranstaltungen
hinweisen.
Insgesamt sind bis März 1995 sind 24 Ausgaben des AKI erschienen.
Hier gibt es die AKI als pdf-Dateien:
Nr.1: Kriegsberichterstattung und Nicht-Information der Medien * Eine Zensur findet nicht statt
Nr.2 : Der ganz normale Wahnsinn * Blockade am Ordnungsamt in Frankfurt * Die Lage der Anti-Kriegs-Bewegung in Frankfurt * Zu den Vorwürfen gegen die Anti-Kriegs-Bewegung
Nr.3: Demonstration vor VDO in Frankfurt-Bockenheim * Durchbrecht die Normalität: Generalstreik * Stellungnahme der SchülerInnen des Abendgymnasium 1 * Betrachtungen zum Israel-Palästina-Konflikt
Nr.4: Ein Kommentar: "Deutschland hat sich überhaupt nicht verändert" * Argumente zum Golfkrieg und den ideologischen Umgang damit in Politik und Friedensbewegung * Gegen die Kriminalsierung totaler Kriegsdienstverweigerer * Beilage eines Flugblattes der Verbraucher-Initiative: Kein Krieg für Öl! Kein Geld für Krieg!
Nr.5: Anarchistische Tendenzen in der Friedensbewegung? * Aktionen gegen Truppenverlegung * Zur Rolle der BRD im Golfkrieg
Nr.6: Kriegssteuer- und KonsumentInnen-Boykott * Der Kindergeburtstag
Nr.7: Der Krieg ist aus - eine kurze Bilanz * Aschermittwoch 1991 * Die Notstandsverfassung * Einige Überlegungen zu den KonsumentInnen-Boykotts und zu Kriegssteuern
Nr.8: Der "überraschende" Rücktritt des Frankfurter Oberbürgermeisters Hauff * Medien und Krieg * Frauen verweigern Zwangsverpflichtung für den "Zivilschutz"
Nr.9: (falsch nummeriert als Nr. 8): Kurdische Menschen zwischen Widerstand und Vernichtung * K2 (Neumühle) bleibt - Die Häuser denen, die darin wohnen! * Exzess bleibt - basta! * Das "Dritte-Welt-Haus" in Gefahr
Nr.10: Holen wir uns den 1. Mai zurück * Diskussionstag "Die Macht der 'kleinen' Leute zum 1. Mai am 27.4.91 ab 15 Uhr in der Aula der Fachhochschule Frankfurt am Nibelungenplatz * Bemerkungen zur Frankfurter Solidaritätsdemonstration mit den verfolgen KurdInnen am 13.4.91
Nr.11: Asyl - gesamtdeutsches Fremdwort für Abschiebung, Haß und Verfolgung
Nr.12: Rot-Grüner Magistrat dreht freien Kulturinitiativen den Benzinhahn ab * Dienstleistungsmetropole Frankfurt: Macht Büroarbeit krank? * Spenden - oder? * Betrifft Heroin
Nr.13: Bornheim: Verkehr verkehrt verkehrt * Selbsthilfeaktion gegen Autoterror * Das Dezentral im Sandweg 131a: Ein Versuch in Frankfurt anders Politik zu machen
Nr.14: "Her mit dem Tortenstück!" Das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt - Ein Gespräch mit dem Leiter des Museums: Jean-Christophe Ammann * Wer waren Sacco und Vancetti?
Nr.15: FFM Bockenheim: Polizeieinsatzleiter schießt scharf auf HausbesetzerInnen * Initiative für gemeinsames Leben
Nr.16: Kampf dem Rassismus - Anarchie statt Deutschland * Was tun gegen Fremdenhass und Rassismus? * Leserbrief an Cohn-Bendit
Nr.17: Ersatzlose Streichung des Paragraphen 218! * Bestandsaufnahme der aktuellen Handhabung des § 218 und der Widerstand dagegen * Volle Selbstbestimmung statt gesetzlicher Regelungen
Nr.18: (falsch nummeriert als Nr. 17): Deutscher Umwelttag '92: Zwischen Umweltbewegung und Wirtschaftsinteressen * Stärkt die Opposition in Serbien!
Nr.19: Kriegsalltag - Alltagskrieg * Zwei Jahre Dezentral
Nr.20: Aus dem Herzen der Gesellschaft * Beilage: Libertäre Tage, Ostern '93-Aufruf
Nr.21: Libertäre Tage - Ostern 1993: Libertäres Forum Frankfurt - Einsichten und Aussichten * Wie entstanden die Libertären Tage 1993?
Nr.22: Libertäre Tage - Ostern '93, Universität Frankfurt (Foto-Dokumentation)
Nr. 23: Neueröffnung des Dezentral * Selbstorganisation statt Wahlzirkus
Nr. 24: Islam und Islamismus * Setzt die Wirtschaft auf Anarchie?
Inhaltlich hatten wir uns u. a. mit folgenden Themen beschäftigt:
Krieg in Ex-Jugsoslwien / Golfkrieg '91 / Neue Weltordnung / El Salvador
/ KurdInnenverfolgung / Kriegssteuer- und KonsumentInnenboykotts / 1. Mai
/ 5-Stunden-Woche / Mädchenhäuser am Beispiel Frankfurt / Abtreibungsparagraph
218 / Stadtentwicklung in Frankfurt / Verkehrspolitik / Männerbünde
/ Drogen / Schule und Gewalt / Was ist Anarchie? / Wahlboykott / Rassismus,
Antisemitismus und Israel / Asyl / Ökologie im Büro / Urlaub
/ Kunst, Freiheit und Anarchie / Libertäre Tage '93 / Alte Menschen
in der BRD / Gibt es antipatriarchale Männer? / Perspektiven emanzipatorischer
Politik / Anarchie und Naturheilkunde / (Neo-)Faschismus, Rassismus und
Pädagogik / Filosofie als ein Weg zur Anarchie / Anarchismus, Feminismus,
Anarchafeminismus / Kinder und Fremdenhaß / Libertäre Politik
in Frankfurt / Anarchie und Pädagogik / Setzt die Wirtschaft auf Anarchie?
/ Islam und Islamismus / Autonomie-Kongreß 1995 / Pflegeversicherung
/ Männerzentrum / Freie Schulen / Neuro-linguistische Programmieren
(NLP) / Das Fremde / Alltag in Bukarest / Veganismus / Deutschland: Über
"Friedenseinsätze" zur Weltmacht / Bosnische Deserteure / Alternativen
zum Strafrecht / Gestalttherapie und Anarchismus / Gewalt als Mittel der
Politik? / Was macht Geschlecht aus? / Anarchie und Versicherungen / Chaos
im deutschen Steuerdschungel
Außerdem zeigten wir Videofilme und veranstalteten eine Disco.
Im Museum für Moderne Kunst gedachten wir 1992 der Anarchisten
Sacco und Vanzetti anläßlich des 65. Jahrestages ihrer Hinrichtung
in den USA mit einer Veranstaltung.
Im November 1993 spielte Matthias Lorenz ein Stück für Cello
Solo im Dezentral mit anschließender Diskussion.
Wir vom Libertäre Forum Frankfurt waren zudem MitinitiatorInnen und -veranstalterInnen
der zweiten Libertären Tage, Ostern '93, an der Frankfurter Universität.
Zu dieser bundesweiten anarchistischen Großveranstaltung kamen über
3.000 BesucherInnen. Zu den Libertären Tagen sowie zum Thema "Anarchie"
führten wir eine Umfrage durch, welche in der Libertären Tage-Dokumentation
veröffentlich ist. Diese ist unter folgender E-Mail-Adresse erhältlich:
info@anarchismus.de
Die Zusammensetzung des Forums, der Diskussionsstil und die Umgangsformen im
Libertären Forum waren für uns ebenso wichtig wie die inhaltliche
Arbeit.
Auch nach unserer Auflösung als öffentlich ansprechbare Gruppe gibt
für uns alle genügend zu sagen und zu tun im Einsatz für eine
menschlichere, herrschaftsfreie Gesellschaft.
Anarchie ist machbar!
Textauszug zum LiFF-Rundbrief aus:
Die Restauflage des Buches wurde vom Verlag Graswurzelrevolution aufgekauft und ist jetzt für 12,- statt 29,- Euro erhältlich. Siehe: http://www.graswurzel.net/laden/
Wir bedanken uns beim Autor für die Bereitstellung des Textes. Die Anmerkungen sind in diesem Text nicht enthalten.
1993 erschien erstmals der zunächst alle zwei Monate mit einer Auflage von 250 Exemplaren verbreitete Libertäres Forum Frankfurt (LiFF) Rundbrief .
Als Kontaktadresse dieses vom Libertärem Forum Frankfurt herausgegebenen Blattes diente der libertäre Treff Dezentral in Frankfurt-Bornheim. Zum Selbstverständnis und Konzept des bis zur Nr. 17 (Jan./Feb./März 1996) aus jeweils zwei kopierten DIN A4-Seiten bestehenden und zeitweise mit weiteren Anlagen verschickten Periodikums schrieb die Redaktion:
„Mit diesem wollen wir Menschen erreichen, die an einem kontinuierlichen Informationsaustausch innerhalb der libertär/anarchistischen Bewegung im Frankfurter Raum interessiert sind. Wir stellen den Rundbrief allen Interessierten für kurze Infos zur Verfügung. Den Rundbrief verschicken wir kostenlos, freuen uns jedoch über jede Spende (für Porto etc.).“
Im September 1995 veröffentlichte die Redaktion einen „Aufruf zu einer Diskussion über Grundsätze der anarchistischen Bewegung“:
In den letzten Jahren sei die Einsicht der verschiedenen anarchistischen Richtungen in der Bundesrepublik gewachsen, daß durch Annäherung und Kooperation mehr Menschen für libertäre Ideen zu gewinnen sind. Allerdings habe es bisher nur eine punktuelle Zusammenarbeit dieser Richtungen, z.B. bei den Frankfurter Libertären Tagen 1987 und 1993, sowie bei Wahlboykottkampagnen gegeben.
„Gerade weil wir ein zunehmendes Interesse an anarchistischer Theorie und Praxis in der Gesellschaft zu verspüren glauben, halten wir es für überfällig, eine kontinuierliche, bundesweite Diskussion um anarchistische Inhalte zu organisieren. (…) Wir stellen uns eine Diskussion vor um den kleinsten gemeinsamen Nenner der AnarchistInnen - nämlich den Begriff der Anarchie.“
Von einer Annäherung an diesen Begriff ausgehend, könne über den aktuellen Anarchismus geredet werden. Hierbei könnten Begriffe wie Herrschaftslosigkeit, Antistaatlichkeit, Selbstverwaltung, Dezentralisierung, Selbstorganisation und gegenseitige Hilfe im Mittelpunkt stehen. Auf diesem Hintergrund sollten gemeinsame anarchistische Inhalte genauer bestimmt werden.
Bis März 1995 brachte das Libertäre Forum Frankfurt zudem 24 Ausgaben des mit „Libertäres Info FFM“ untertitelten AKI heraus. Im Januar 1996 wurde die Einstellung von AKI im Libertären Forum Frankfurt (LiFF) Rundbrief Nr. 17 bekanntgegeben.
Der Rundbrief erschien ab April 1996 (Nr. 18) vierteljährlich. Als Ausgleich für das eingestellte AKI wurde er auf zwei Doppelseiten erweitert, eine für Interna aus dem Dezentral und Umfeld und eine, auf der die Veranstaltungen der Gruppe in Plakatform angekündigt und aktuelle Kommentare und Kurzinfos abgedruckt wurden.
Mit Erscheinen der Nr. 22 im Januar 1997 gab die Redaktion die Einstellung des Rundbriefes bekannt. Begründet wurde dies mit dem Wegzug einiger LiFF -AktivistInnen und mangelnder Zeit aufgrund beruflicher und familiärer Aktivitäten (Kinder u.a.).
Bernd Drücke, 1998
Die Restauflage des Buches wurde vom Verlag Graswurzelrevolution aufgekauft und ist jetzt für 12,- statt 29,- Euro erhältlich. Siehe: http://www.graswurzel.net/laden/
Wir bedanken uns beim Autor für die Bereitstellung des Textes. Die Anmerkungen sind in diesem Text nicht enthalten.
Nachdem 1988 die Frankfurter Aktion eingestellt worden war und das gemeinsam von Autonomen und AnarchistInnen getragene Libertäre Zentrum (LZ) seine Pforten geschlossen hatte, entstand zum einen im Herbst 1989 das „Zentrum“, Hinter der Schönen Aussicht 11. Es entwickelte sich zu einem „autonomen Zentrum“.
Zum anderen gründeten Libertäre und AnarchistInnen im Sommer 1990 den „libertären Treff“ Dezentral , der fortan als Stadtteilladen der Frankfurter Ortsgruppe der anarcho-syndikalistischen Freien ArbeiterInnen Union (FAU/IAA) u. a. Gruppen diente.
Während des 2. Golfkriegs setzten sich Menschen aus den im Dezentral arbeitenden Initiativen zusammen, „um der herrschende(n) Medienpolitik etwas entgegenzusetzen.“ Am 23. Januar erschien die erste Ausgabe des u. a. von ehemaligen AFAZ -MitarbeiterInnen gemachte Anti Kriegs Info .
Es erschien bis zum 10. April neunmal mit einem Umfang von vier bis sechs DIN A4 Seiten. Nach dem offiziellen Ende der Kampfhandlungen in der Golfregion, verkündete die Redaktion, daß sie das Periodikum fortan unter neuem Titel herausbringen wolle, „um unsere Meinung aus libertärer Sicht zu sagen, in Diskussionen einzugreifen sowie auf Veranstaltungen und Aktionen hinzuweisen.“
Am 24. April erschien die Nr. 10 erstmals unter dem fortan beibehaltenen Titel AKI, untertitelt als „Libertäres Info FfM“.
„Libertäres (nicht zu verwechseln mit 'liberal') Info Frankfurt zeigt an, daß wir Meinungen und Informationen aus freiheitlicher Sicht veröffentlichen wollen.“
Als Herausgeber fungierte ab der Nr. 18 (Sept. 1992) das im Sommer 1992 gegründete Libertäre Forum Frankfurt (LiFF). AKI diente u.a. als Veranstaltungsinfo der Gruppen im Dezentral und zur Mobilisierung zu den Frankfurter Libertären Tagen 1993.
Nachdem im März 1995 die letzte Ausgabe (Nr. 24) herausgebracht worden war, wurde im Januar 1996 die endgültige Einstellung von AKI im Libertären Forum Frankfurt (LiFF) Rundbrief Nr. 17 bekanntgegeben:
„Allerdings behalten wir uns vor, bei besonderen Anlässen das AKI als libertäre Gegenöffentlichkeit zu nutzen.“
Der 1993 gegründete Libertäres Forum Frankfurt (LiFF) Rundbrief erschien ab April 1996 (Nr. 18) vierteljährlich. Als Ausgleich für das eingestellte AKI wurde er erweitert.
Bernd Drücke, 1998