Einiges zum Thema "Krawatte" für Krawattenhasser

Wer kam denn nur auf die verrückte Idee, den Menschen einzureden, dass mann schick wäre, wenn mann so einen langen, unnützen und unpraktischen Stofffetzen, genannt Krawatte, sich in Schlingenform um den Hals legt? Abgesehen von den gesundheitlichen Folgen dieses konservativen Halswürgers ist das doch wirklich gaga, oder? Wer schnürt sich schon freiwillig den Hals zu?


Was ist der Unterschied zwischen einer
Krawatte und einem Ochsenschwanz?
Antwort: der Ochsenschwanz bedeckt das ganze Arschloch :-)


Krawattenterror: Setzen Sie auf keinen Fall Ihren Nachwuchs solch schädlichem Einfluss aus!


Für Pullifetischisten: Steigerung von Krawattenhasser - Hemdenhasser!


Zu dem militaristischen und herrschaftlichen Hintergrund Krawatte siehe folgende Beschreibung aus Wikipedia:

Neuzeitlicher Ursprung der Krawatte

Die moderne Krawatte aber verdankt ihre Popularität einer Truppen parade im Jahr 1663 vor dem noch im Bau befindlichen Schloss Versailles, an dem der gerade erst 25-jährige, aber schon allem Schönen zugewandte König Ludwig XIV. Frankreich regierte.

Zu dieser Parade war auch ein kroatisches Reiterregiment aufmarschiert, das erst kurz zuvor gemeinsam mit österreichischen Truppen die vordrängenden Osmanen erfolgreich abgewehrt hatte.

Diese Reiter aus Kroatien (kroat. Hrvatska) trugen der Überlieferung nach ein Stück Stoff, das am Kragen in Form einer Rosette (oder Schleife) befestigt wurde und deren Enden über der Brust hingen. Die Tücher waren aus unterschiedlichen Stoffen: Während Offiziere und Adelige Tücher aus Seide oder feiner Baumwolle trugen, banden sich die einfachen Soldaten Krawatten aus einfacheren, groberen Stoffen um.

Dieser traditionelle, auf charakteristische Weise gebundene Bestandteil der Uniform der Kroaten zog schnell die Aufmerksamkeit des jungen Königs und des gesamten Hofadels auf sich. Ludwig XIV. beschäftigte schon kurz darauf einen eigenen „Cravatier“, dem ausschließlich die Pflege des königlichen Halsschmucks oblag. Mehr noch, der Sonnenkönig machte die „Cravate“ zum Zeichen des Adels und sich selbst damit zum Ahnherren der Krawatte.

Das Wort „Krawatte“ geht auf französisch „cravate“ bzw. „a la croate“ zurück. Dieses wiederum auf das Wort französische „croate“, von deutsch (vor allem Österreich) „Krawåt“ einer mundartlichen Bezeichnung von „Kroate“. Sie wurde auch „croatta“ genannt.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Krawatte

Folgerung: AntimilitaristInnen - tragt keine Krawatten! Huldigt nicht diesem militärischen und nationalistischem Ursprung der Krawatte!


WINNE HERMANN UND DER KRAWATTENZWANG

Im stinkfeinen \/Vashingtoner Navy-Klub musste das Abschlussessen zur USA-Reise des Umweltausschusses ausfallen.

Den Anlass lieferten Winne Hermann und sein Kollege Axel Berg von der SPD, weil sie sich nicht dem kategorischen Binderdiktat des Hauses unterordnen wollten.

Nicht nur, dass sie gar nicht im Besitz dieses konventionellen männlichen Bekleidungsattributs waren - sie lehnten es auch ab, sich aus dem hauseigenen Krawattenverleih zu bedienen. An so viel Prinzipientreue auf beiden Seiten sollte die deutsch-amerikanische Verständigung letztlich doch nicht leiden. Die amerikanischen Gastgeber disponierten schnell um. Die Lösung war ein „Arbeitsessen“ - ohne Krawatten.

aus: grün & bündig, Dezember 1999, S. 15


Die sechsundsiebzigste Leseprobe

Das Streiflicht

(SZ) Ganz früher, als unsere Vorfahren noch in Höhlen lebten, gingen die Frauen auf die Jagd, und die Männer saßen unter den Felsen und mussten den Abwasch machen. Matriarchat! Weil die Frauen schon damals wussten, wie Männer sind, banden sie ihnen lange Stoffbänder um die Hälse und knoteten das andere Ende an einen Felsvorsprung. Ein paar von den Männern schafften es aber, sich loszureißen: Sie liefen los und berauschten sich an vergorenen Weintrauben. Dann rannten sie ein paar fremden Frauen hinterher die noch blonder waren als ihre eigenen. Sie grölten und stotterten, und die abgerissenen Stoffleinen flatterten an Ihren Hälsen. „Ihr habt ja einen schönen Schwips“, sagten die Frauen ärgerlich; aber weil die Männer betrunken waren, verstanden sie nicht so genau, was die Frauen sagten und fassten an die abgerissenen Stofffeten an Ihren Hälsen und brüllten: »Hurra! Wir haben ja einen schönen Schlips! Und wir sind frei und kennen haufenweise tolle Frauen!“

Noch viel später, als es das Matriarchat längst nicht mehr gab, banden sich die Männer ein Stoffbändchen um den Hals, wenn sie aus dem Haus gingen, weil sie dachten, den Frauen gefalle das. Irgendwann kam als Alternative die Fliege dazu, die entstand, als jemand zum ersten Mal einen Schlips binden wollte und solange herumknotete, bis das verdammte Stoffband total verknäuelt war. Ex-Minister Riesenhuber erklärte dagegen, dass die Fliegen von Chemikern erfunden wurden, weil Schlipse immer in den Bunsenbrenner hingen. Klare Sache: Schlipse sind unpraktisch, und sie zeigen, dass jemand das Recht hat, einen anzuleinen. Auch der Schlips von James Bond, dessen Abenteuer Die Welt ist nicht genug heute Weltpremiere litt, sagt: Ich bin gebunden. Im Dienst Ihrer Majestät. Andererseits zeigt Bond, dass Schlips und Anzug die einzig mögliche Kleidung für Helden ist. In größter Gefahr trägt Bond Schlips. Warum?

Weil es die äußerste Form der Männlichkeit ist. Bonds Schlips sagt: Ich bin besser als ihr. Und ich bin besser angezogen. Ein Schlips ist unpraktisch, aber ich fahre so schnell Motorboot, dass ein offener Kragen viel zu viel Luftwiderstand böte. Ich bin eh geschickt, dass ich eine Raffinerie in die Luft sprenge, ohne mir ein Loch in den Schlips zu brennen. Heiden trugen schon immer Schlips: Die wildesten Kerle im Regiment von Ludwig XIV‘. waren kroatische Fremdenlegionäre, die crouattes mit ihren Halstüchern, die man cravatten nannte. Also, lieber Leser: Nur Mut! Binde Dir einen Schlips. Begrüße Deine Kollegin mit einem lauten „Guten Morgen, Moneypenny!“ (P. S.: Liebe Leserin! Wenn Ihr Kollege Sie heute mit „Guten Morgen, Moneypenny!“ begrüßt, dann nehmen Sie‘s Ihm nicht übel. Er mag Sie. Er möchte von Ihnen angebunden werden. Er würde dafür sogar den Abwasch machen.)

aus: ZEIT 2. Dezember 1999


So aussehen wie im Silicon Valley

Der Artikel läutet ihn ein: den Abschied vom Anzug und Schlips. Die Business-Kultur verändert sich über die Kleidungsregeln in den USA, denn diese werden immer mehr von den erfolgreichen Kunden bestimmt: Startups, die mit den altgedienten Kleidungsvorschriften nichts mehr zu tun haben wollen. So stellt die Los Angeles Times sogar schon einen Trend zur sozialen Revolution fest. Von Veränderungen im Hinblick auf die Einstellungen zur Hierarchie ist die Rede. Der CEO von Morgan Stanley räumte auf der Aktionärsversammlung ein, dass die Bindung von klugen Köpfen nicht mehr möglich ist, wenn die formellen Kleidungsregeln bestehen bleiben - übrigens haben sich Goldman Sachs und J. P. Morgan dem Trend angeschlossen. So macht sich eine Überzeugung breit, dass legere Kleidung Hierarchien einreißt und zufriedene Mitarbeiter hervorruft. Dieser Auffassung folgen 42 % aller US-Arbeitgeber nach einer Untersuchung der Society of Human Ressource Management in Washington. Allerdings sind viele noch nicht soweit, auch Jeans, Leggins und Turnschuhe oder Spaghettiträger zuzulassen. Die Lockerungen schwappen dann auch in die Art die Büros einzurichten, hier sind Cappucino-Bars, Spielecken für Computerspiele, Ping-Pong-Tische und Sofas standardmäßige Einrichtungsgegenstände. Es kommt mehr auf Ergebnisse als auf Etikette an, ein Satz, den sich aber noch nicht jedes Unternehmen in den USA - und wahrscheinlich noch lange nicht in Deutschland - zur Regel gemacht hat. Viele Unternehmen sind nach wie vor der Ansicht, dass der Verfall der Sitten mit der Aufgabe der Kleidungsregeln einhergeht. Deshalb: Vorsicht ist geboten. Und ganz so schön und problemlos ist Casual-Kultur auch nicht, denn völlig neue Probleme für Männer tun sich auf: Was ziehe ich heute an?

aus: Handelsblatt Karriere, 07./08.07.2000, Seite K 4 (jt)
Autorin: Silke Tittel
Schlagworte: Casual Friday, Kleiderordnung, Unternehmenskultur, Business-Kultur


Niederlande

Prinz Claus erklärt Ara der Krawatte für beendet

tro UTRECHT, 10. Dezember. Prinz Claus, Gemahl der niederländischen Königin Beatrix, streitet gegen den Krawattenzwang. Bei der Verleihung eines nach ihm benannten Preises an afrikanische Mode-Designer erklärte Claus das Zeitalter der Krawatte für beendet. Dann entledigte er sich seines Halsstricks und warf ihn ins überraschte Festpublikum.

Viele Gäste, darunter Ex-Außenminister Hans van Mierlo, folgten dem Vorbild. Auch Fußballguru Johan Cruyff zeigte sich als Co-Moderator bei der TV-Übertragung der Championsleague-Spiele von dem Beispiel inspiriert: Der stets korrekt gekleidete Cruyff legte vor einem Millionenpublikum die Krawatte ab.

Vor seinem Abgesang auf die Krawatte hatte Claus Südafrikas Präsident Nelson Mandela als den "best gekleideten Mann“ gepriesen. Mandela habe oft den Mut, westliche Kleidung durch "neidisch machende Hemden" zu ersetzen, und so einen "Mandela-Look" geschaffen.

FR 11.12.98


Krawatte? Immer mehr gehen "oben ohne"

Von CAROLINE LAFRENZ

Sie tragen bunte T-Shirts, coole Carohosen, trendige Turnschuhe, weite Jeans, auch mal lässige Anzüge, dazu allerdings enge Pullover oder offene Hemden. Niemals aber Krawatten. "Verpönt! Da würde man doch gleich als Spießer abgestempelt. Ich würde mich irgendwie verkleidet fühlen", sagt Stefan Keuchel (31). Er arbeitet als Senior-PR-Berater beim Internet-Unternehmen "BöttcherHinrichs AG" im ABC-Bogen. Seine beiden Chefs sind 23 Jahre alt - und finden eine Kleiderordnung für ihre 20 Mitarbeiter "total unnötig". So wie ihnen geht es vielen. Die New Economy hat die strengen Kleidersitten der konservativen Hamburger Geschäftsleute verändert - die jungen Führungskräfte bevorzugen "oben ohne". Für manche gilt die Krawatte sogar als Symbol verbrauchter Manager. Keuchel bestätigt: "Jemand mit Schlips fällt bei uns fast schon negativ auf. Wir legen keinen Wert auf diese klassischen Regeln. Bei uns kann sich jeder so anziehen, wie er will. Klar, wenn wir Termine haben, sehen wir ordentlich aus."

Auch bei der Sport-Werbeagentur "Weltmeister AG" sieht man Schlips und Kragen fast nie. Maik Nöcker (31): "Selbst bei großen Präsentationen erscheinen wir leger.

Das ist in kreativen Berufen doch schon lange üblich." Nöcker trägt Anzug (ohne Krawatte).

Er erzählt: "Ich habe in meinem Schrank zwar einige Krawatten hängen, trage sie aber nur nach dem Lustprinzip." Sein Kollege Stefan Trocha (31) mag es noch lässiger: Er trägt ein Sweatshirt und dazu weite Hosen.

Anders sieht es bei den Banken aus. Zwar schwappte vor einem halben Jahr der Trend der US-Banken über den großen Teich. Schon lange ist dort der "Casual Friday", der legere Start ins Wochenende, angesagt. "Das haben wir vor sechs Monaten übernommen", so Ulf Evert (34), Sprecher der Dresdner Bank.

Evert berichtet: "Allerdings erscheinen am Freitag nur die Kollegen im Back Office, also unsere Mitarbeiter in der Verwaltung oder der Beraterabteilung ohne Anzug und Krawatte. Diejenigen, die mit Kunden zu tun haben, unterliegen der Kleiderordnung." Evert sieht das so: "Wir sind Dienstleister, unsere Kunden erwarten das. Keiner von uns fühlt sich deshalb kostümiert." Das findet auch Uwe Driller (44): er berät Vermögenskunden - und mag sich im eleganten Nadelstreifenanzug mit Krawatte und weißem Einstecktuch.

Der Hamburger Modeschöpfer Torsten Kirsch (31) freut sich über die neue Lässigkeit der jungen Internet-Manager: "Das wurde doch auch Zeit. Endlich mal eine Veränderung! Auf der ganzen Welt merkt man, dass die Menschen offener und freier in ihrer Persönlichkeit werden." Diesen Trend bemerkt er auch in der Männermode: "Weg mit dem verstaubten dunkelgrauen Anzug und der ordentlichen Krawatte als Statussymbol von Macht. Die jungen Typen sehen doch viel lässiger und echt stylish aus."

19.9.2000, Ein Service vom Hamburger Abendblatt


Noch ein netter Text Über das Krawattentragen: http://hinnerk.ruemenapf.de/stext/krawatte/index.html


Noch ein Text: Wofür zum Kuckuck ist die Krawatte gut? mit Diskussionforum


http://www.n-tv.de/politik/Krawatten-Kampf-im-Bundestag-article2410896.html

Schriftführerin Agnes Alpers neben Bundestagsvizepräsidentin Gerda Hasselfeldt (M.) und dem völlig korrekt gekleideten CDU-Mann Markus Grübel.
Schriftführerin Agnes Alpers neben Bundestagsvizepräsidentin Gerda Hasselfeldt (M.) und dem völlig korrekt gekleideten CDU-Mann Markus Grübel. (Foto: dpa)

Donnerstag, 20. Januar 2011
Die wahren Probleme des Landes
Krawatten-Kampf im Bundestag
Der CDU-Politiker Jens Koeppen kämpft für Krawatten auf dem Bundestagspräsidium. Er setzt durch, dass Krawattenverweigerer keineSchriftführer sein dürfen. Seine ersten Opfer sind der Grüne Sven-Christian Kindler und der Linke Andrej Hunko. Dessen Ersatzfrau zeigt sichsolidarisch - mit roter Krawatte am Hals.Im Bundestag ist der Streit um einen Krawattenzwang für Abgeordnete eskaliert. Die Schlips-Verweigerer Andrej Hunko (Linke) und Sven-Christian Kindler(Grüne) durften am Donnerstag anders als geplant nicht als Schriftführer neben dem Bundestagspräsidenten Platz nehmen. "Das ist völlig absurd", kritisierteHunko die Strafmaßnahme.Ausgelöst wurde der Konflikt von Schriftführer-Obmann Jens Koeppen. Der CDU-Politiker hatte darauf bestanden, dass in dieser Funktion zwingend "eine Krawatte oder dem Entsprechendes" umzulegen sei. Nur so werde die Würde des Hauses angemessen gewahrt. Die beiden widerspenstigen Parlamentarier argumentierten, davon stehe nichts in der Geschäftsordnung des Bundestags. Weißes Hemd und Jackett reichten, meinte Kindler und fügte hinzu: "Es ist sehr fragwürdig, ob so manche Blümchenkrawatte von Koalitionsabgeordneten die Würde des Hauses hebt." Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck drückte in einem Brief an Bundestagspräsident Norbert Lammert sein "Unverständnis" über den Vorgang aus. Aus Solidarität erschien ein anderer Schriftführer der Linken, Alexander Süßmair, am Donnerstag ausnahmsweise auch ohne Krawatte - und wurde prompt abgelöst. "Aus dem überflüssigsten Kleidungsstück der Welt hat die Mehrheit des Ältestenrats eine Prinzipienfrage gemacht", empörte sichFraktionsgeschäftsführerin Dagmar Enkelmann. Die SPD zeigte dagegen Verständnis für den strengen Dresscode im Plenarsaal. "Wer im Präsidium sitzt, sollte nicht in Freizeitkleidung erscheinen", meinte Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. Die Linken-Abgeordnete Agnes Alpers, die schließlich als Schriftführerin zum Einsatz kam, erschien aus Solidarität mit ihrem Fraktionskollegen mit rotem Selbstbinder am Hals.


"Krawattenhasser" von Michael Schöfer (Kommentare zur Zeitgeschichte), 19. September 2008