AG
Anarchistische Bewegung heuteIn den letzten 25 Jahren
hat sich in der BRD eine lebhafte, sich ständig verändernde anarchistische
Bewegung herausgebildet. Manches wurde erreicht, vieles liegt noch im argen.
Ausgehend von der heutigen Situation der anarchistischen Bewegung soll in
der Arbeitsgruppe versucht werden, neue Strategien zu entwickeln, die die
bestehenden Strukturen aufgreifen und ohne große zusätzliche Arbeitsbelastung
besser vernetzen könnten.
Die Organisierung innerhalb
der anarchistischen Bewegung soll perspektivisch mit anarchistischen Tendenzen
in der heutigen Gesellschaft gekoppelt werden. Es sollen (nur) in der Diskussion,
herrschaftsfreie Inhalte von herrschaftsfreien Organisationsformen getrennt
behandelt werden. Anarchismus ist heute in erster Linie eine Organisationstheorie
(Selbstverwaltung, Konsensmodelle, Dezentralisierung etc.), die für diese
Gesellschaft konkret weiterentwickelt werden sollte.
Anarchistische Organisationsformen:
Bestehende Projekte
und Gruppenzusammenschlüsse werden vorgestellt, z.B. Initiative für eine Anarchistische
Föderation in Deutschland (I-AFD), Freie Arbeiterinnen und Arbeiter Union
(FAU-IAA), selbstverwaltete Betriebe (z.B. Projekt A), PulverFass, Föderation
Gewaltfreier Aktionsgruppen (FÖGA), Anares-Medien, Zeitungen, Zentren...
Diese Strukturen werden
auf Dezentralisierungs- und Koordinationsmöglichkeiten sowie auf interne Strukturen,
Finanzierung und Kontinuität untersucht.
Die Möglichkeiten einer
bundesweiten anarchistischen Föderation soll an der Realität überprüft, das
Pro und Contra genau abgewogen werden. Was könnte eine Föderation an Koordinierung
leisten?
Die Zahl der nichtorganisierten
AnarchistInnen übersteigt bei weitem die Anzahl der organisierten. Es soll
hierfür nach den Gründen geforscht werden. Ebenso überwiegt die Anzahl der
Männer in den meisten anarchistischen Gruppen die Anzahl der Frauen. Woran
liegt das?
Als zweiter Schritt
werden Gruppen untersucht, die sich nicht als anarchistisch begreifen, die
aber der anarchistischen Bewegung nahestehen und ev. teilweise unter den Begriff
"libertär" (freiheitlich) fallen, z. B. BasisdemokratInnen, Autonome,
PazifistInnen, RätekommunistInnen, SelbstverwaltungsanhängerInnen...
Drittens soll versucht
werden, den Stellenwert und den Standort all dieser Gruppen und Bewegungen
in der heutigen Gesellschaft zu bestimmen.
Anarchistische Positionen:
Wichtige Themengebiete,
die Auswirkungen auf die persönliche Lebensweise sowie die Gesellschaft haben,
sind z. B.: Ökologie, Ökonomie, Geschlechterrollen und Sinnfragen (Religion
etc.)
Mit der Idee einer Plattform
für die anarchistischen Bewegung in der BRD im Hintergrund, die perspektivisch
weiterentwickelt werden kann, sollen folgende Fragen diskutiert werden:
Welches sind die Grundgemeinsamkeiten
aller relevanten Gruppen, Richtungen und Strömungen des Anarchismus? Welche
gemeinsame Vorstellungen von "Anarchie" existieren? Was sind die
Grundpfeiler einer anarchistischen Bewegung? Welche prägnante, zentrale Aussagen
können wir anbieten?
Können wir einen Entwurf
für eine Gesellschaft zeichnen, in dem anarchistische Gesellschaftsutopie
und heutige anarchistische Organisierung kein unauflösbarer Widerspruch ist?
Wie können Andersdenkende in einer anarchistischen Gesellschaft integriert
leben?
Wie sehen wir das Verhältnis
"soziale Revolution - Reformen"?
Der Begriff der "Linke"
hat eine parlamentarische Tradition. Können wir als "Libertäre"
bzw. "AnarchistInnen" uns darin wiederfinden? Was ist "links"?
Umgangsformen:
Was in der anarchistischen
Bewegung immer wieder vernachlässigt wird, ist der Stellenwert der/s Einzelnen
und dessen subjektive Identität. Der/die Einzelne ist wichtiger als die Gruppe.
Politische Inhalte können zwar richtig sein. Doch wenn wir nicht versuchen,
uns nach unseren freiheitlichen Vorstellungen zu verhalten, sind wir und unsere
Inhalte unattraktiv und unglaubwürdig.
Stichworte wären: Toleranz,
Solidarität, weg vom Elite- bzw. Avantgarde-Denken, Anti-Sexismus, konstruktive
Streit- und Kritikkultur.
Präsentation und
Öffentlichkeitsarbeit:
Allzuoft ist die Bewegung
"politisch" geprägt, d.h. Demonstrationens, trockene Diskussionen
und Veranstaltungen. Zu mehr Lebendigkeit tragen ein aktives Freizeit- und
Kulturleben, sportliche Veranstaltungen, Kunst, Lieder, Zeichen und Symbole
(schwarzer Stern, A im Kreis) usw. bei. Veranstaltungen wie die Libertären
Tage, die libertäre Buchmesse, libertäre Kulturfestivals oder eine Messe libertärer
Projekte erreichen einen größeren Grad der Beachtung.
Das Hervorheben allgemeingültiger,
positiver Werte und Lebensformen gewinnt an Bedeutung. Bei der Öffentlichkeitsarbeit
sollte daher auf ein positives Image geachtet werden, d.h. wegzukommen von
der Anti-Haltung und dem ausschließlichem Szeneimage. Wer das Leben in einer
"Szene" als angenehm empfindet, mag in ihr leben. Doch darf eine
"Szene" ihren Lebenstil nicht als allgemeingültig setzen. Es soll
diskutiert werden, wie wir die Öffentlichkeitsarbeit der anarchistischen Medien
verbessern können. Zum anderen sollen die Probleme mit den etablierten Medien
erörtert werden.
Perspektiven der
Arbeitsgruppe:
In der Arbeitsgruppe
soll versucht werden, Schwerpunkte inhaltlicher und organisatorischer Art
für die nächsten 5-7 Jahre anzuschneiden. Sie sollte als Auftakt für ev. weitere
Libertäre Tage oder Kongresse angesehen werden allerdings nur, wenn auch Bedarf
für eine weitergehende Diskussion aller relevanten anarchistischen Richtungen
besteht.
Nachwort:
Obwohl sich die AG mit
der anarchistischen Bewegung beschäftigt, sind auch alle die, die sich nicht
als Anarchistinnen und Anarchisten begreifen, herzlich zur Diskussion eingeladen.
Alles über die anarchistische Bewegung wird näher erläutert werden. Es sind
daher keine näheren Kenntnisse über die anarchistische Bewegung notwendig,
um mitreden zu können. Zum anderen soll mit den Libertären Tagen auch eine
Brücke zu Menschen anderer politischer Einstellung geschlagen werden, deren
Kritik und Lob, auch gegenseitig, befruchtend wirken kann.
Wer bei der Vorbereitung
der Arbeitsgruppe mitmachen möchte, wende sich an die Kontaktadresse.
T. Schupp
Kontaktadresse:
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