Antifaschismus
als Teil des Weges zu einer anarchistischen GesellschaftDer antifaschistische
Kampf steckt in einer schweren Krise. Antifa definiert sich nur und ausschließlich
negativ. Wohl schafft Antifa geschlossenes Auftreten gegen Faschos. Aber die
immer gleichen Rituale können nicht darüber hinwegtäuschen, daß Antifa nicht
benennen kann, mit welchem Ziel gegen den Faschismus gekämpft wird. Antifa
kämpft nicht mit dem Ziel, die gesellschaftlichen Strukturen dahin zu ändern,
daß Faschismus unmöglich wird.
So wird Antifa eine
Bewegung mit einer Minimalkonsens - die Bekämpfung der Neonazis. Dies birgt
die Gefahren in sich, die letztlich zu einem Scheitern der Antifa in ihrer
jetzigen Form führen muß: Ohne ein gemeinsames positives Ziel steht Antifa
zwar jedem offen.
In Krisensituationen
sind solche breiten Bündnisse die absolute taktische Notwendigkeit. Aber darin
steckt auch immer das Risiko, von Gruppen funktionalisiert zu werden, die
ihre Parteiinteressen in die Antifa hineindrücken, wie die real existierende
ML-Fraktion (Marxisten-Leninisten, der Tipper) nebst Bruder- und Schwesterorganisationen.
Und: die Antifa ist
auf Dauer kaum vermittelbar, wenn immer nur gegen, nicht aber für etwas gekämpft
wird.
Als Anarcho-Syndikalisten/innen
haben wir ein Ziel vor Augen und eine Perspektive für die wir kämpfen. Wir
bekämpfen den Faschismus auf zwei Ebenen:
1. Akut dort, wo wir
oder andere Menschen von Faschos bedroht sind oder ein Erstarken der faschistischen
Bewegung verhindert werden muß.
2. Langfristig, indem
wir gleichzeitig für eine Gesellschaftsordnung eintreten, die Faschismus aus
ihrer Struktur heraus unmöglich macht.
Wir setzen dagegen,
daß Faschismus prinzipiell nur dann unmöglich gemacht wird, wenn kein Mensch
mehr bereit ist, irgendeinem Führer hinterher zu laufen.
Deshalb stellen wir
der bestehenden Ordnung, die auf Fremdbestimmung, Ausbeutung und Hierarchien
beruht die Utopie eines gesellschaftlichen Zusammenleben gegenüber, in der
jeder Mensch das Recht haben soll, sich in allen Lebensbereichen selbst zu
organisieren.
Das Zusammenleben in
Familie, Schule, Betrieb sozialem Miteinander muß dann nach Prinzipien organisiert
sein, die Selbstbestimmung gewährleisten.
Für Menschen, die in
hierarchische Strukturen hineingewachsen sind, ist es schwer vorstellbar,
wie ein gleichberechtigtes Zusammenleben funktionieren soll. Ein solche basisdemokratisches
Zusammenleben ist ein langer schwieriger Lernprozeß. Wir gehen davon aus,
daß ein Mensch, der gelernt und erfahren hat, daß ein Zusammenleben ohne Hierarchien
und Ausbeutung möglich ist, sich keinem Führer mehr als Herdentier zur Verfügung
stellen wird.
In einer selbstbestimmten
Gesellschaft muß die Wirtschaft von den betroffenen Menschen selbstverwaltet
werden.
Wir als Anarcho-Syndikalisten/innen
arbeiten am Ausbau einer basisdemokratisch strukturierten Gewerkschaft. Deren
Struktur sieht vor, daß Entscheidungen die alle Arbeitende im Betrieb (oder
Schule, Uni usw. betreffen, auch von allen Betroffenen selbst gefällt und
getragen werden.
Mittelfristig ist es
unser Ziel, den Bossen als eine Kampfstarke, basisdemokratisch organisierte
Gegenmacht entgegenzutreten.
Letztendlich sollen
die betroffenen die Betriebe in Selbstverwaltung übernehmen und mit anderen
Betrieben auf der Basis der freien Vereinbarung in Beziehung treten. In einer
Gesellschaft, die ohne Hierarchische Strukturen und Ausbeutung auskommt.
Dies ist zwar noch alles
Utopie. Aber der Kampf gegen Faschismus wird eine nie endende Sisyphosarbeit
bleiben, wenn die Ursachen für Faschismus nicht an der Wurzel beseitigt werden.
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