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Filosofie als ein "Weg zur Anarchie"Filosofie als ein Weg
zur Anarchie? Das ist erläuterungsbedürftig. Was ist überhaupt Filosofie?
Filosofie versteht sich als engagierte "Abart" der Philosophie.
Filosofieren heißt bewußtes Denken in eine bestimmte Richtung: in Richtung
auf Abschaffung von Herrschaft und Entwicklung eines neuen Begriffs von Menschenwürde
und Freiheit. Und hierin unterscheidet sich Filosofie wohltuend von der akademischen
Philosophie unserer Kultur, die immer wieder versucht hat, allgemeingültige,
totalitäre Wahrheiten als "objektiv richtige" anderen aufzudrücken.
Im übrigen nutzt Filosofie
alle "Quellen der Wahrheit". Nicht nur Texte werden da herangezogen.
Die alltägliche Lebenserfahrung spielt eine ebenso wichtige Rolle (Politik,
Kultur, Beziehungskisten etc.). Im Alltag trifft jede/r viele grundlegende
Entscheidungen. Wenn wir nun filosofieren, geht es uns auch darum, diese Ebene
bewußt zu machen. Jede und (jeder), die (der) die Anstrengungen des Durchdenkens
von Problemen in Richtung auf eine herrschaftsfreie Gesellschaft auf sich
nimmt, mit dem nötigen Humor und Ernst dabei bereits versucht, so herrschaftsfrei
wie möglich vorzugehen, mag sich als Filosofin bzw. Filosof sehen, wenn sie/er
so will... Jede Lebensform hat ihre Wahrheiten, die wir in Hinblick auf unsere
freiheitliche, herrschaftsfreie Denkrichtung abklopfen.
Filosofie stellt sich
gegen die "Neue (und alte) Einfachheit", die sich in Theoriefeindlichkeit
oder unkritischer Übernahme von Ideologien zeigt. Neue Einfachheit war und
bleibt auch in der linken Szene konservatives Moment. Verdummung war und bleibt
reaktionär. Es fehlen Denkmodelle, die nicht erst eine Revolution fordern,
bevor sinnvoll über Freiheit und Glück geredet werden kann. Herrschaft wird
immer verdeckter ausgeübt. Sie muß entlarvt und sichtbar gemacht werden, wenn
sie radikal abgeschafft werden soll.
Uns - den ständigen
Teilnehmern des freien filosofischen Forums Frankfurt (ffFF) - würde auf den
libertären Tagen 93 ohne ein Forum für freiheitliches Filosofieren etwas fehlen.
Dieses soll Raum bieten für ernsthaftes Nachdenken und filosofieren ohne Leistungsdruck,
ohne Mackertum und Uni-Aufsteiger-Atmosphäre. Bei ähnlichen Veranstaltungen
im Rahmen des freien filosofischen Forums Frankfurt haben sich einige Grundregeln
des Umgangs miteinander bewährt. Die Themen, um die es geht, sind zu brisant,
die Wahrheiten der Filosofen und Filosofinnen zu individuell und empfindlich,
als daß sie ein "Aufeinanderrumhacken" vertragen würden. Die Grundhaltung,
in der wir einander begegnen, ist deshalb von solidarischer Kritik getragen.
Kritik aber nicht nur am Gegenüber.
Da Filosofinnen und
Filosofen unter anderem auch "sich selbst erkennen" wollen, ist
eine Suchhaltung bei sich selbst wichtig. Fragen wie "was macht mich
jetzt darauf so wütend, was gerade gesagt wurde?" oder "was ist
außer den genannten Argumenten noch Auslöser meiner Gefühle?" können
in den Gesprächen eine für alle interessante Bereicherung sein. Ehrlichkeit
sich selbst und anderen gegenüber kann dabei geübt werden. Einander ausreden
lassen, wenn dies gewünscht wird, auch andere Meinungen anhören gehören dazu
- wir wollen eben was voneinander haben...
Das Forum möchte versuchen,
Ausdruck zu finden und Konzeptionen zu erarbeiten und wenn möglich Antworten
auf "drängende Fragen unserer Zeit" vorzuschlagen. Der Versuch,
Richtung zu gewinnen, ohne falschen Ideologien aufzusitzen, und der Versuch,
gemeinsam Gedanken weiterzuverfolgen und zu durchdenken ist dabei wichtig.
Es ist ein Forum für die konkreten, jetzt anstehenden filosofischen Probleme
der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
So wird Filosofie ein
Weg zur Anarchie...
Matthias und Lars
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