A im KreisAG Verschiedene Formen der Unterdrückung

Überall, wo es Hierarchien gibt, ist auch immer ein Kampf dagegen auffindbar. Dessen Grundlage ist meist Individualismus und Egoismus - zumindest -, kann aber auch soziale bis hin zu radikalen (im Sinne von an die Wurzel gehende) Ziele verfolgen. Hierarchie heißt immer, daß verschiedene Repressionswerkzeuge vorhanden sind, von bösen Blicken über Architektur und Befehlen bis zum Knast. Diese Werkzeuge werden als Disziplinarfunktionen verschieden verpackt (bis zur Liebe der Eltern, wenn sie wieder voller Liebe strafen: "Es ist ja nur zu deinem Besten").

DIES IST EIN ABGESANG AUF DIE TEILBEREICHS(ABWEHR)KÄMPFE!

Jede Machtausübung hat immer eine Menge Nebenaspekte, z. B. die Diskussion um "Out-of-area"-Einsätze der Bundeswehr. Vordergründig ist eine Militärklamotte, aber es spielen auch andere Aspekte eine Rolle (Imperialismus, Sexismus, Faschismus, Kirchen, Technologien,...).

Ein Anti-...-Kampf verliert in der Regel die Ziele aus den Augen, falls solche überhaupt formuliert werden. Sie sind nicht Teil einer Bewegung, sondern meist selbst eine, mit all den Nebenerscheinungen. Wir begreifen uns also nicht als TeilbereichskämpferInnen, sondern als Individuen einer anarchistischen Bewegung, begreifen uns als kritisch solidarisch mit allen Kämpfen gegen Herrschaft und suchen nach praktischen Wege, bzw. unterstützen diese, eines freien Lebens, für jede und jeden.

Strafe ist ein Mittel der Herrschenden (Vater Staat, Führung, Gesetzgebung, ChefIn...), um ein-, aus-, abzugrenzen.

Die Herrschenden haben ihr Bild des perfekten Menschen im Kopf. Und dies in Medizin, Philosophie, Geschichte, Glauben... gegossen. Wenn dem nicht entsprochen wird ("Behinderte", NomadInnen, Frauen, Kinder, DissidentInnen, Farbige...), wird die "Minderwertigkeit" durch Repression und Wissenschaft festgeschrieben - dem Unterhalten. Bis wir uns verweigern, wehren.

Institutionalisierte Repression und Strafe beinhaltet in sich schon den Beweis der Notwendigkeit: Die Herrschaft bestätigt sich selber - reine Selbsterhaltung; Ursachen werden nicht hinterfragt. So ist ein rassistischer Angriff an sich schon Repression, da es um Rollenzuschreibung/Wertung geht, als Warnung, "Denkstütze", Abschreckung...

Wenn wir uns dagegen wehren, Herrschende in den Arsch treten, das Herrschaftsverhältnis enttarnen, dieses mit uns in Beziehung setzen, an uns erkennen und verändern, dann schlägt das männliche Prinzip zurück, mit allen Mitteln - mit direkter Gewalt, Gesetzen, Knast, Psychiatrie, Mord. Repression in der Repression. Oder Zuckerbrot für ÜberläuferInnen.

Eine Gesellschaft ohne Absprachen (freie Vereinbarungen) und Sanktionen ist für uns unvorstellbar bzw. schwer vorstellbar. Welche Bedingungen müßten wir uns schaffen? Was ist das männliche Prinzip? Was unser Eigenschutz? Beispiel: die Diskussion libertärer PädagogInnen contra AntipädagogInnen. Wie weit ist eine Veränderung heute schon möglich?

Mit Leute, die sich konkret gegen Repression engagieren wollen, soll im Anschluß nachstehendes Papier diskutiert werden.

Aufbau einer Sektion der ANARCHIST BLACK CROSS (ABC) im deutschsprachigen Raum?

Ziel ist, kontinuierliche Zusammenhänge vor Ort (lokal) zu schaffen, die sich um die eigen bestimmten Sachen kümmern, z. B. Knastarbeit leisten. Gleichzeitig gilt es, überregionale Vernetzungen zu entwickeln bzw. an bestehenden teilzunehmen, die einen schnelleren Informationsfluß gewährleisten - eine Zeitung (s.u.) allein reicht nicht aus, da wichtige, spontanerforderliche Nachrichten für schnelle Vermittlung, Aktionen etc. in der Zeitung zu spät erscheinen.

In diese überregionalen Vernetzungen haben alle kurzzeitigen Ereignisse und alle Gruppen gleichberechtigten Zugang, solange sie ein antihierarchisches Selbstverständnis haben.

Ein weiteres Ziel könnte beinhalten, regelmäßig überregionale Treffen zu vereinbaren für die Gruppen und Einzelpersonen, die schwerpunktmäßig an einem Thema arbeiten, ihre Diskussionen veröffentlichen, Perspektiven entwickeln etc. Beispielsweise erscheint immer wieder die Frage nach dem Umgang mit Menschen, die ein "unsoziales Verhalten" ausüben.

Wie gehen wir damit heute um, ohne auf Gerichte und Gesetze zu schielen bzw. gar darauf zurückgreifen? Welche "Sanktionen" unsererseits sind annehmbar oder notwendig, ohne gleich in vorherrschendes Sanktionsverhalten zu geraten?

ARBEITSBEREICHE

1) staatliche Repression: Gesetze, Gesetzgebung, Kriminalisierung, Öffentlichkeitsarbeit... Hier ist erstmal die genauere Aufsplitterung (rassistische, sexistische Gesinnungsgesetze etc., Kontrollen, Entwürfe, Durchsuchungen, Observationen, Prozesse...) weggelassen.
2) Knast: Jugend, Frauen, Untersuchungs-, Abschiebehaft, Sicherungsverwahrung...
3) Psychiatrien: Medizin, Psychologie, Abteilungen, Menschbild, Foltermethoden...
4) Heime/Sammellager: s.o.
5) Zwangsinstitutionen: Zivildienst, Militär, Schule...
6) andere Länder: Informationen, Solidarität, Kontakte, Austausch...
7) Wir: Unsoziales Verhalten und der Umgang damit - Sanktionen; Räume schaffen, in denen Betroffene ihre Erfahrungen und Kritiken vermitteln können; eigene Wege erforschen bei Drogen, Vergewaltigern, "Durchgeknallten"...;

Aufarbeitung und Veränderung unserer verinnerlichten ansozialisierten sexistischen, rassistischen, letztlich patriarchalen Verhaltens-, Denk- und Sprachstrukturen.

WENN IRGENDMÖGLICH SOLLEN IMMER DIE BETROFFENEN ZU WORT KOMMEN!

Am Beispiel Knast:

Die Wichtigkeit der Informationen aus dem Knast über Knastbedingungen und den vielfältigen Repressionsmaßnahmen (die hier nicht aufgeführt werden können), aber auch über Hierarchiestrukturen und Gewalttätigkeiten unter den Gefangenen erlaubt uns erst, uns annähernd ein Bild zu machen.

Um die Öffentlichkeit zum Thema Knast zu sensibilisieren, ihnen eine Vorstellung von den tatsächlichen Bedingungen, unter denen gefangene Jugendliche, Frauen und Männer und AusländerInnen leiden, zu machen, ist es wichtig, die Betroffenen selbst sprechen zu lassen, ihre Erfahrungen und Forderungen in der Zeitung zu veröffentlichen.

Es wäre toll, wenn sich in den Knästen Gruppen als Drinnen-Redaktionen zusammenschließen (bzw. gibt es ja auch schon bestehende), die einmal die Kommunikation unter den Gefangenen und ihre dringenden Angelegenheiten zusammenfassen und im regen Austausch mit der Draußen-Redaktion stehen würden. Ebenso notwendig ist die Unterstützung von isolierten, kämpfenden Gefangenen, die keine Möglichkeit der Kommunikation mit anderen Gefangenen haben, geschweige denn mit Leuten von draußen.

ZEITUNG

Die Transparenz der Inhalte aus den einzelnen Arbeitsbereichen, die Zeitung als Sprachrohr der gefangenen Frauen und Männer aus den unterschiedlichen Freiheitsberaubungsanstalten sowie die Nutzung der Zeitung durch alle Gruppen und Einzelpersonen, die ein antihierarchisches Selbstverständnis haben und ebenfalls zu den Arbeitsbereichen arbeiten (das ja ein breitgefächertes Themengebiet abdeckt) läßt eine Zeitung des Anarchist Black Cross realistisch erscheinen.

Der Vorschlag, das Konzept der alten 'Aktion' (ehemaliges anarchistisches Magazin) zu nutzen (Städte oder Gruppen/Einzelpersonen können Seiten fertigmachen, zahlen einen Selbstkostenbeitrag), ist angesprochen worden. Es ist noch vieles zu klären. Dies wollen wir auf den Libertären Tagen vorstellen und diskutieren.

ABC

Kontaktadresse:
ABC, c/o Schwarzer Faden, Postfach 1159, W-7043 Grafenau 1



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