A im KreisAG  Streiks und direkte Aktionen als Mittel für soziale und politische Veränderungen

Sind Streiks noch zeitgemäß?

Sind Streiks im weitesten Sinne Waffen aus der Zeit des Frühkapitalismus und der beginnenden Arbeiter und Arbeiterinnenbewegung und somit überholt?

Sind Streiks heute im Zeitalter des voll entfaltenden Kapitalismus, der weltweit Kapital und Produktionsmittel innerhalb kürzester Zeit verschieben kann, überhaupt noch wirkungsvoll?

Könnten sachliche Gesprächsrunden nicht schon längst den Druck von der Straße ersetzen?

Dienen Streiks nicht nur den jeweiligen Verbänden als Nachweis ihrer Existenzberechtigung?

Dienen Streiks nur als Ventil für eine generelle Unzufriedenheit und somit zur Beruhigung der Lohnabhängigen?

Sind Streiks überhaupt geeignet um grundsätzliche Veränderungen zu erzielen - oder können sie nur minimale Verbesserung erreichen, bzw. das Abwehren von Verschlechterungen bewirken?

Beinhalten die heutigen Streiks systemüberwindende Tendenzen oder sind sie ausschließlich zu Drohgebärden und Ritualen verkommen?

Inwieweit können Streiks überhaupt systemverändente Kräfte entfalten - oder sind sie von ihrer Struktur her dazu völlig ungeeignete?

Läßt sich mit Streiks und ähnlichen Kampfformen daskapitalistische Wirtschaftssystem und der Parlamentarismus aus den Angeln heben?

Sind Streiks ein Weg um in eine anarchistische Gesellschaft zu gelangen?

Zur Klärung dieser Fragen ist es notwendig sich den Streikbegriff in seiner ursprünglichen Sinnhaftigkeit anzusehen. Des weiteren sollten die verschiedenen Streikformen in Bezug auf ihre Durchführbarkeit und ihre Wirkung hin untersucht werden.

Einige Beispiele für Streikformen:

* Arbeit nach Vorschrift / Bummelstreik
* Stiller Boykott und Boykott
* Sabotage
* Spontane Arbeitsniederlegung
* Sitzstreik
* Rollende Streiks
* Demonstrationsstreik
* Betriebsbesetzung / Leistungsstreik
* Sympathie- und Solidaritätsstreik
* Verbraucherboykott und Miet- und Fahrpreisverweigerung
* Warn- und Proteststreik
* Schwerpunkt- und Vollstreik
* Massen- und Generalstreik / Sozialer Generalstreik

Insbesondere bedürfen die drei letztgenannten Streikformen der näheren Untersuchung. Dies sollte durch einen kurzen Rückblick auf die praktischen Kämpfe und die Massen- und Generalstreikdebatte um die Jahrhundertwende geschehen. Danach sollte, ausgehend vom Koalitionsrecht und vom 1968 in das Grundgesetz aufgenommenen Widerstandsrecht über die allmähliche Verrechtlichung der Streiks und deren heutiger Ritualisierung, die Entwicklung der Streiks in Hinsicht auf ihre Kräfteentfaltung, ihre Wirkungsweise und in Hinsicht auf die Bewußtseinsentwicklung der am Streik mittelbar und unmittelbar Beteiligten analysiert werden.

Um die heutigen Eingriffsmöglichkeiten der lohnabhängig Beschäftigten in die Entwicklung der sich global veränderten Lage der westlichen Industrienationen, bei gleichzeitiger Verschärfung des Nord-Süd Konfliktes und dem Entstehen nationalistischer Erhebungen im In- und Ausland zu erforschen, bedarf es einer zumindest kurzen Betrachtung der Situation der lohnabhängig Beschäftigten innerhalb der BRD.

Stichworte:

Strukturelle Wirtschaftskrise, Rezession (Wirtschaftsabschwung), Kapitalkonzentration, Asyldiskussion, Mietpreisentwicklung, Parteien- und Organisationsverdrossenheit, Wiedervereinigung.

Bei den Eingriffsmöglichkeiten geht es weniger, aber auch um die Verbesserung der Arbeitssituation einzelner Gruppen von Lohnabhängigen, sondern mehr um die grundsätzlichen, sprich revolutionären Möglichkeiten zur Umgestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse.

Ziel der Arbeitsgruppe sollte es sein, zu untersuchen, inwieweit die Kampfformen der lohnabhängig Beschäftigten den Weg in eine anarchistischen Gesellschaft bereiten können.

Literaturempfehlungen:

Peter (FAU-Frankfurt)

Kontaktadresse:
FAU, Sandweg 131a, W-6000 Frankfurt/M. 1



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