AG
13Die AG "Feminismus
und Rassismus" war gedacht für "Frauen, die sich mit ihrem eigenen
Rassismus auseinandersetzen wollen".
Dabei sollte es nicht
um eine schuldorientierte Nabelschau gehen, sondern um Verantwortung in einer
rassistischen Gesellschaft.
Wir wollten sowohl die
Zusammenhänge von eigenem und strukturellem Rassismus und von Rassismus/ Sexismus
diskutieren, wie sie auch auf unseren Alltag und den Inhalt und die Form unserer
Politik beziehen.
Ein Rollenspiel
Als Einstieg in das
Thema hatten wir ein Rollenspiel zum Thema "neues Ausländergesetz und
Asylverfahrensgesetz" gewählt. Als Organisatorinnen der AG haben wir
im Veranstaltungsraum eine fiktive BRD-Grenze aufgebaut, die wir als Grenzposten
bewacht haben.

Auf dem Frankfurter Römer
Foto: Thomas K.
Die neuankommenden Teilnehmerinnen
der AG erhielten jeweils eine Karte, worauf ihre "Identität" für
das Rollenspiel beschrieben war (z. B. "Kurdin aus der Türkei, eingereist
über die Tschecheslowakei", "Romafrau aus Rumänien", "Thailändische
Frau, die von einem Heiratsvermittler angeworben worden ist", "weiße
USAmerikanerin", "Afrodeutsche", "Deutschstämmige Frau
aus der GUS"...).
Einige Frauen erhielten
keine Karte mehr, und hatten so, ohne Paß, keinerlei Chance, die Grenze zu
übertreten bzw. wären sehr schnell in Abschiebehaft genommen worden. Aber
auch den meisten anderen Frauen ging es so, daß sie legal keine Chance hatten
in die BRD einzureisen bzw. dort lange zu bleiben.
Wir haben uns dabei
an die Kriterien des Asylverfahrensgesetzes und der absehbaren Grundgesetzänderung
gehalten. Diese Kriterien haben eben z. B. die Kurdin, die über Tschechien
eingereist war, dorthin zurückgeschickt, weil es ja ein "sicheres Drittland"
sei. Die Romafrau aus Rumänien wurde abgewiesen, da es einen "Rückführungsvertrag"
zwischen der BRD und Rumänien gibt etc.
Womit wir bei dem Rollenspiel
nicht gerechnet hatten (weil es bei anderen Malen nicht vorgekommen war) war,
wie schnell die Frauen sich schließlich zusammengetan haben, um die Grenze
zu stürmen und damit auch Erfolg hatten. Ein gutes Bild, aber leider in dieser
Form unrealistisch, v. a. was den mangelnden Einsatz der Grenzposten gegen
die Stürmung anging.
Im Anschluß an das Rollenspiel
wurden von uns Veranstalterinnen drei Statements zu den Themen "eigener
Rassismus, Struktureller Rassismus und dem Zusammenhang von Rassismus und
Sexismus" gehalten. Wir möchten dies hier nicht weiter ausführen, da
unser Papier im Vorbereitungsreader der Libertären Tage die wesentlichen Punkte
bereits enthält und alles weitere den Rahmen dieses Protokolls überschreitet.
Die ausführlichen Statements können aber bei Interesse bei unserer Kontaktadresse
gegen Porto und Kopierkosten bestellt werden.
Nach dem Vortrag der
Statements wurden in Kleingruppen Fragen gesammelt, die wir als Frauen zum
Thema Rassismus diskutieren wollten, bzw. die sich für uns aus unserem Alltag
und unserer politischen Arbeit ergeben.
Leider gab es kaum konkrete
schriftliche Ergebnisse aus den darauffolgenden AG`s, was sich aber auch aus
den Fragen und der wenigen Zeit ergibt.
Viele Fragen
Es waren Fragen, auf
die es meist keine kurze klare Antwort gibt, sondern differenzierte, immer
neu auftauchende Auseinandersetzungen, Diskussionen und Konsequenzen im Alltag
und der Politik der Einzelnen benötigen.

Foto: T. Schupp
Wir möchten hier deshalb
erstmal die gesammelten Fragen wiedergeben, die vielleicht andere zum Weiterdiskutieren
anregen können.
Zusätzlich entstanden
noch zwei weitere Vorschläge für Kleingruppen, die aber mangels Teilnehmerinnenzahl
nicht stattfanden:
Die Nachbereitung der
AG
Wir haben nochmal über
die Situation geredet, daß wir ab einer bestimmten Teilnehmerinnenzahl die
AG für weitere Frauen geschlossen haben, d.h. selbst Grenzen gesetzt haben.
Für uns war das zunächst nötig, da wir in der Enge des Veranstaltungsraumes
das Rollenspiel sonst nicht hätten machen können und einfach nicht auf so
viele Frauen vorbereitet waren.
Problematisch fanden
wir dies im Nachhinein, weil unsere AG sich als die einzige herausstellte,
die nur für Frauen war und somit eine Teilnehmerinnenbegrenzung für die "ausgeschlossenen"
Frauen nochmal den Mangel an Räumen nur für Frauen deutlich machte.
Aus diesem Grund und
aufgrund der Forderungen, die von vielen Frauen während der Libertären Tage
gestellt wurden, halten wir es für mögliche weitere Treffen für dringend erforderlich,
von vorneherein mehr Frauenräume (AG`s, Schlafräume, Rückzugsräume...) zur
Verfügung zu stellen. Das hätte eigentlich schon längst selbstverständlich
sein müssen.
FÖGA-Frauengruppe
Kontaktadresse:
FÖGA-Frauengruppe, c/o
Andrea Löther, Schloßstr.68, 33824 Werther
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