AG
19 Es fanden in den gut
besuchten Veranstaltungen rege Diskussionen statt. Auszugsweise möchten wir
die Diskussion wiedergeben. Das Protokoll aller drei Tage könnt Ihr bei uns
bestellen.
1. Ist die Berechnung
zur 5-Std.-Woche allgemeingültig, wenn selbstverwaltete Betriebe trotz größter
Anstrengungen eher 50 statt 5 Stunden pro Woche arbeiten?
Die Menschen arbeiten
heute hauptsächlich, um die hohen Lebenshaltungskosten zu bestreiten. Im allgemeinen
produzieren die selbstverwalteten Betriebe unter den heutigen Bedingungen
für einen konsumorientierten Markt. Unter diesen Bedingungen arbeiten sie
wie jeder andere Betrieb.
Greifen würden Einsparungsmöglichkeiten
erst, wenn eine Vernetzung der selbstverwalteten Betriebe mit dem Ziel einer
geschlossenen Hauswirtschaft verwirklicht wird.

Die Lebensmittel werden eingelagert. Gemeinsam geht's am schnellsten - und
macht Spaß.
Foto: Jürgen Steiner
5. Welchen Wert besitzt
eine Arbeit?
Wir stellen fest, daß
durch die heutige Produktion Güter im Überschuß vorhanden sind. Gleichzeitig
werden Menschen durch Arbeitslosigkeit vom Arbeitsprozeß ausgeschlossen.
Die Frage nach dem Wert
der Arbeit verliert dann ihre Bedeutung, wenn sich jeder nach seinen Bedürfnissen
mit den gemeinsam hergestellten Gütern befriedigen kann.
6. Müssen Menschen,
die zusammen arbeiten, auch zusammen leben?
Wir gehen von der Voraussetzung
aus, daß die Menschen, dort wo sie arbeiten, auch leben werden. Wo, Kommune
oder Familie, werden sie selbst entscheiden.
8. Sind Haus-, Kultur-, Krankenpflege-, Sozial- und Kinderbetreuungsarbeiten in der Berechnung enthalten?
Diese Arbeiten sind
in Bezug auf die Lohnarbeit nur teilweise enthalten. Durch die Verkürzung
der Erwerbsarbeit, werden die Menschen wieder mehr Zeit haben, soziale und
pflegerische Arbeiten im Freundes- oder Familienverband zu erbringen.
12. Können wir uns in einer herrschaftsfreien Gesellschaft die Produktion von hochtechnischen Gütern leisten, ohne daß durch die Wissensüberlegenheit einzelner wieder Macht über andere entsteht?
Als Ursache für das
Entstehen von Macht über Menschen sehen wir die fehlende wirtschaftliche Unabhängigkeit
des einzelnen. Sie ermöglicht politische Herrschaftsgewalt, da viele Menschen
erpreßbar werden. Durch die 5-Std.- Woche wird ein ungeheures geistiges Potential
freigesetzt.
Mit dem Einsatz neuer
Technologien steigt nicht nur die Produktivität, sondern auch stumpfsinnige
Arbeiten (Fließbandarbeit) werden vermutlich entfallen. Hieraus folgt, daß
sich die Menschen mit Lust und Freude ihrer körperlichen und geistigen Fähigkeiten
bedienen. Sie werden ihre Freizeit zur Gestaltung ihrer Umwelt, ihrer Hobbys
und zur Bildung verwenden.
Warum also sollten die
Menschen die technischen Möglichkeiten nicht zu ihrem Vorteil nutzen, da sie
bestimmen, wann und was sie arbeiten?

Das Sozialzentrum: Ort für die Arbeitsgruppen und die Selbstdarstellungsräume
Foto: Jürgen Steiner
13. Findet mit dem vorgestellten
Rätesystem nicht eine Glorifizierung der Gemeinde statt?
Die Gemeinde ist das
höchste Entscheidungsorgan. In ihr werden politische Abstimmungen und die
Versorgung mit lebensnotwendigen Grundgütern wie Brot, Fleisch und Butter
überschaubar.
Durch die entstehende
geschlossene Hauswirtschaft werden über die Gemeindeversammlung hinausreichende
Entscheidungsbefugnisse nicht nur demokratisch unsinnig, sondern auch überflüssig.
In diesem Sinne wäre sie sogar ein Verstoß gegen das demokratische Selbstbestimmungsrecht
der Menschen!
D. h., in unserem Rätesystem
fällt den Gemeinden eine Schlüsselrolle zur Verhinderung neuer Herrschaftsstrukturen
zu, da durch die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Gemeinden auch alle weiteren
Absprachen zur industriellen Massenproduktion auf freiwilliger Basis ohne
die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Erpressung erfolgen können.
18. "Den Mandatsträger
zur Verantwortung ziehen", was bedeutet das?
Wie wird das Entstehen
von informellen Herrschaftsstrukturen wirksam verhindert?
Über die jederzeitige
Abwähl- und Zurückbeorderbarkeit durch die Gemeinde wird eine Verselbständigung
des Mandatsauftrages und das Entstehen eines neuen Herrschaftsgefüges ausgeschlossen.
Jeder Mandatsträger bleibt seiner Gemeinde verantwortlich, indem er von jeder
ihn ursprünglich entsendenden Räteebene (insbesondere der Gemeinde) unmittelbar
zurückbeorderbar bleibt
Dadurch wird über die
Gemeinden für jede Räteebene sichergestellt, daß die Beauftragten jeder beliebigen
Räteebene die Mehrheitsmeinung ihres Einzugsgebietes besitzen und auch vertreten!
Eine Verselbständigung
ist somit unmöglich.
37. Wie soll ein revolutionärer
Weg in diese Gesellschaft aussehen?
Die Darstellung der
5-Std.-Woche und die Beschreibung unseres basisdemokratischen Systems sind
Wege in eine neue Gesellschaft.
42. Das vorgestellte
Rätesystem ist von seinem grundsätzlichen Aufbau eine Mehrheitenherrschaft.
Wie verträgt sich dies mit dem Ziel einer herrschaftsfreien Gesellschaft?
Jede Herrschaft über
den Menschen soll ihrem Wesen nach aufgelöst werden. Auch die Basisdemokratie
ist in ihrem Wesen eine Mehrheitenherrschaft, die verschwinden soll. Dies
bedeutet nicht, daß die aufgebauten Versammlungsstrukturen abgeschafft werden.
Diese sollen weiterhin
der Beratung bei wissenschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Problemen
sowie der Absprache von gegenseitigen freiwilligen Hilfeleistungen dienen.
Der Weg in eine herrschaftsfreie Gesellschaft führt über den "Umweg"
einer bewußten Mehrheitenherrschaft; denn wer anders könnte die Anarchie garantieren
als die überwältigende Mehrheit der Bewohner eines Landes?
"Die Anarchie ist
die reinste und vollkommenste Form jeder denkbaren demokratischen Selbstbestimmung!"
39. Der Vortrag ist
nicht detailliert genug, so daß weitere Aussagen nicht möglich sind! Natürlich
können wir den Vortrag nicht detailliert genug halten. Die Kürze der Zeit
ließ nicht mehr zu.
Wir empfehlen daher
zur ausführlichen Diskussion das Buch "5-Stunden sind genug", Band
1 und 3, D. Dante, zu lesen.
Kontaktadresse:
zum Inhaltsverzeichnis LT '93-Dokumentation
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