A im KreisAG 3

Staatlichkeit als Okkupation

Bei der Komplexität des Themas und der zu erwartenden schwierigen Auseinandersetzung darüber waren wir von dem großen Interesse ebenso überrascht wie auch (etwas) überfordert. Die notwendige Aufteilung der 250 Menschen, die gekommen waren, um am Diskurs über "veränderte Machtmechanismen und Staatlichkeit, die den Menschen eher durchdringt als offen unterdrückt", teilzunehmen, führte - stark abhängig vom jeweiligen Klima der jeweiligen Teilarbeitsgruppen - zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Im Gegensatz zu dem bei anderen Gelegenheiten oft praktizierten rüden Umgangston zeigten sich die TeilnehmerInnen der Gruppe, die sich noch zwei weitere Tage dem Thema widmeten, darum bemüht, mit einer wohltuenden Sensibilität den anderen DisputantInnen gegenüber aufzutreten.

"Machtmechanismen veränderter Qualität", die im Gegensatz zum Staatsbegriff klassischer anarchistischer Diktion, in der Lage sind , "okkupierend auf Wünsche und Glücksgefühle der Menschen einzuwirken" und dabei auch "revolutionäre" Ansätze nicht verschonen, wurden auf eine Art und Weise diskutiert, die sich weniger durch einige klar faßbare Ergebnisse auszeichnete, als durch eine absolut spannende, von der Unterschiedlichkeit der TeilnehmerInnen geprägte Atmosphäre des Austausches von Erfahrungen - eben am Thema "neue Staatlichkeit".


Großes Gedränge in der AG 3
Foto: Klaus Malorny


Die vorsichtige Erwartung, auf den libertären Tagen mit einem Diskurs über den "Verlust von Freiheitsbegriffen" und die "subtilen Herrschaftsmechanismen moderner Machtsysteme" und das ebenso komplexe Thema "der eigenen Eingebundenheit" (siehe Text der AG 3 in der Informationsmappe für die Libertären Tage) anzuknüpfen, wurde erfüllt.

Die aufgeworfenen Fragen/Diskussionen zum Umgang mit eigener Macht, Simulation von Freiheit oder der Suche nach "dem authentischen Bedürfniskern" werden hoffentlich in den einzelnen Gruppen (interessanterweise alles keine Theoriezirkel) fortgeführt.

Teilweise finden sich die "Ergebnisse" dieser Weiterführung im "Schwarzen Faden" 2/93 als "Reden über Brot und Spiele" von Gregor Dill oder auch im "Schwarzen Faden" 1/94 "Staatlichkeit als Okkupation", II. Teil.

M. Wilk
Anarchistisches Forum Wiesbaden

Kontakt:
0611-806817



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