Anmerkungen
zur AG 5Als AG Antifaschismus
der FAU/Ortsgruppe Stuttgart arbeiten wir seit geraumer Zeit am Thema, auch
in Antifa-Zusammenhängen bei uns in der Region.
Wir machten jedoch die
Erfahrung, daß der antifaschistische Kampf - wie so oft in breiten Bündnissen
- um so perspektivloser und verwaschener wird, je breiter dieses Bündnis angelegt
ist (bis hin zu internen Machtkämpfen, Intrigen, unsolidarischem Dominanzverhalten
Einzelner oder ganzer Gruppen).
Wir haben uns deshalb
innerhalb unserer AG Antifa verstärkt Gedanken dazu gemacht, wie sich Antifa
effektiver organisieren könnte, ohne über dem alltäglichen (Abwehr-)Kampf
gegen immer offensiver auftretende faschistische und faschistoide Tendenzen
zu vergessen, daß diese Entwicklung ihre Ursachen hat. Und eben diese Ursachen
des Faschismus gilt es zu erarbeiten, wenn man den Faschismus nicht nur in
seinen Auswirkungen, sondern auch von seiner "Wurzel" her bekämpfen
will.
Mit der AG "Antifaschismus
als Teil des Weges zu einer anarchistischen Gesellschaft" innerhalb der
Libertären Tage '93 verbanden wir die Absicht (wie der Titel schon sagt),
Antifaschismus unter dem Aspekt als "ein Teil des Weges zu einer anarchistischen
Gesellschaft" in die Diskussion einzubringen.
Unser Anliegen war es,
sich gemeinsam Gedanken zu machen über die derzeitige Form der "Antifa",
deren Ziele und dabei unsere (anarchistischen) Vorstellungen effektiverer
Antifa-Arbeit zur Diskussion zu stellen und an einer anarchistischen Strategie
gegen Faschismus und Herrschaft schlechthin zu arbeiten.
Ganz verkürzt unsere
Thesen:
Anhand dieser Thesen
wollten wir Möglichkeiten diskutieren und suchen, durch libertäre Antifa-Arbeit
wegzukommen, immer nur auf FaschistInnen reagieren zu müssen, sondern die
Perspektive zu entwickeln, den Faschismus an seiner Wurzel bekämpfen zu können.
Allerdings wurde in
der Arbeitsgruppe im Verlauf der Diskussion recht schnell klar, daß es im
Plenum die unterschiedlichsten Interessen und Themenschwerpunkte gab, die
die verschiedenen Leute diskutieren wollten.
Offensichtlich hatten
die wenigsten TeilnehmerInnen unseren Text im Vorbereitungsreader gelesen,
noch das Thema der AG zur Kenntnis genommen, wonach es uns um "Antifaschismus
als Teil des Weges zu einer anarchistischen Gesellschaft" ging.
Andererseits war es
leider so, daß diese AG die einzige angebotene war, innerhalb der Antifa-Arbeit
diskutiert werden sollte. So waren alle, die zu Antifa arbeiten wollten, auf
diese AG angewiesen. Entsprechend chaotisch verlief dann auch die Arbeitsgruppe.
Das Plenum spaltete
sich immer deutlicher in mehrere Fraktionen, die heftig gegeneinander polemisierten,
ohne erkennbare Bereitschaft, auf Gegenargumente einzugehen. Nachdem sich
allmählich herauskristallisierte, welche Themenbereiche die einzelnen Fraktionen
des Plenums diskutiert haben wollten, kam von uns der Vorschlag, das Plenum
entweder nach diesen Themenschwerpunkten in drei Untergruppen aufzuteilen
oder diese drei Themen wenigstens nacheinander zu diskutieren:
1. Austausch über die
Situation in den neuen Ländern.
Erst sehr viel später
kam eine konstruktive Diskussion auf. Aber bis dahin hatte schon die Mehrzahl
den Raum verlassen. Wir hätten auch lieber die Erfahrung von je drei Kugeln
Frankfurter Speiseeis gemacht und dafür auf die Erfahrungen dieses Nachmittags
verzichtet. "Eine Gruppe Potsdamer und Magdeburger AntifaschistInnen"
schrieb, daß sie frustriert und sehr verärgert nach Hause gefahren sind. U.
a. wegen einem "kleinlichen Streit zwischen "Anarchisten"
und Autonomen" ... "in der AG "Antifaschismus"".
Auch wir empfanden diese
Auseinandersetzung als kleinkarierte Anpisserei, halten eine Klärung in dieser
Frage aber für wichtig, weil wir vor Ort so unsere Erfahrungen gemacht haben.
In Stuttgart treffen wir nur auf Autonome, die erklärtermaßen NICHT libertär
sind. ("Es kommt nicht darauf an, die Betriebe in Selbstverwaltung
zu übernehmen, sondern darauf, wer sie führt." Originalzitat 1. Mai-Plenum
1993).
In einer "libertären
Antifa" haben wir die Zusammenarbeit mit autoritär/hierarchisch strukturierten
Gruppen ausgeschlossen. Natürlich ist die von uns vorgeschlagene Antifa, die
selbstbestimmte, hierarchiefreie gesellschaftliche Strukturen entwickelt,
die Sache aller libertär eingestellter Menschen, egal ob AnarchistIn oder
AutonomeR. Trotzdem konnten die anwesenden autonomen Antifas offensichtlich
nicht überwinden, daß wir den autoritären Autonomen die libertäre Gesinnung
abgesprochen haben.
Von verschiedenen Seiten
ist unsere AG kritisiert worden. Dazu wollen wir hier Stellung beziehen:
Die o. g. "eine
Gruppe Potsdamer und Magdeburger AntifaschistInnen" wirft uns als Referenten
dieser AG (vorbereitet und angeboten von Leuten aus der FAU!) vor, "statt
eine konkrete Gesprächsgrundlage zu geben, ihre anarchosyndikalistische Hinterzimmerideologie
durchdrückten". Was sie darunter verstehen, haben sie nicht dargelegt.
In einem kurzen Beitrag im "Schwarzen Faden" wurden wir als "anarchistische
Korinthenkacker" bezeichnet (auch wg. unserer Kritik an autoritären
Autonomen). Was soll mensch dazu sagen? Zumal er uns und wir ihn persönlich
kennen, hätten wir eine etwas differenziertere Auseinandersetzung erhofft.
Ein absolutes Highlight
stellt in unseren Augen die Kritik von Anika & Tom dar, die ebenfalls
in diesem Dokumentation abgedruckt ist. Vorneweg möchten wir uns bei Euch
beiden entschuldigen, daß wir nicht auf Eurem Frankfurter Diskussionsstand
sind. Erst jetzt wurden uns die Augen geöffnet.
Anika & Tom arbeiten
mit einer demagogischen Mischung von Unterstellungen und Verdrehungen, die
wir nur zum Teil auf ihre Unkenntnis unserer anarchosyndikalistischen Inhalte
zurückführen können.
Sätze wie: "Wir
[die FAU] erfassen zwar noch nicht ganz die Problematik, aber irgendwie
sind wir auch gegen Faschismus - und vor allem, wir haben die Lösung",
"...besonders ärgerlich, wenn z. B. Faschismus auf ein Führertum reduziert
wurde...", "Als Lösungsstrategien stellten die SyndikalistInnen
in Aussicht, daß mittels Aufklärungsarbeit in den Betrieben über die wa(h)ren
Verhältnisse, die Beschäftigten ihre Interessen erkennen würden und sich sogleich
in der FAU organisieren, um sodann die Revolution zu vollbringen." ,"...die
von den SyndikalistInnen zu befreienden Werktätigen..." dienen doch
allein der persönlichen Herabwürdigung und sollen den "politischen Gegner"
lächerlich machen.
Ihr erwartet in einer
kurzgefaßten Diskussionsgrundlage "sozio-ökonomische und gesellschaftsstrukturelle
Zusammenhänge" und liefert auf ein paar Zeilen solch eine Analyse
der zum Rechtsextremismus getriebenen postfordistischen WohlstandschauvinistInnen
ab. Wir hätten doch zumindest gern berücksichtigt gesehen, daß soziopolitopsychocosinusdingsda-mäßig
dermaßen was rüber kommt - und jetzt das. Wir sind schwer enttäuscht, echt
ey. Ihr habt mit Unterstellungen gearbeitet.
Wo Ihr Euch inhaltlich
mit uns auseinandersetzt, habt Ihr uns die Aussagen untergeschoben, verdreht
oder ins Lächerliche verzerrt, bei den anderen PlenumsteilnehmerInnen (mit
denen auch wir z. T. unsere Probleme hatten) verfahrt Ihr genauso. Für uns
stellt sich Euer Text so dar, daß Ihr "falsche" Meinungen nieder
macht, mit demagogischen Mitteln andere Leute politisch fertig machen wollt,
um Euch dann als die großen DurchblickerInnen zu präsentieren. Eine weitere
Auseinandersetzung erübrigt sich da wohl.
Leider ist es auch kein
Trost zu wissen, daß es zumindest in Frankfurt/M. linksradikale und Antifa-Zusammenhänge
gibt, die sich dieser Problematik bewußt sind und deshalb in erneute inhaltliche
Diskussionen getreten sind.
Wenn dann das Abschlußzitat
von Assata Shakur ("...daß revolutionärer Kampf eher wissenschaftlich
als emotional ist") als Eure Alternative zu unserer "Befreiung
der Werktätigen" den Weg deutlich machen soll, wird uns ganz mulmig
bei der Vorstellung, von Euch der Befreiung zugeführt zu werden. Wer sich
inhaltlich mit unserem Beitrag auseinandersetzen will oder unseren Vortrag
im Wortlaut einfach nur nachlesen will, kann ihn bei uns gegen 3.- DM in Briefmarken
anfordern:
FAU-IAA, c/o ZFB Universität
Stuttgart, Kepplerstr. 17, 70174 Stuttgart
Uns geht es nicht darum,
Recht haben zu wollen oder unsere Meinung durchzudrücken sondern darum, den
aufkommenden Faschismus zu verhindern. Das geht nur gemeinsam und deshalb
muß eine Diskussion dazu anlaufen.
ALLEIN MACHEN SIE DICH
EIN
... In dem Land, in
dem wir wohnen,
(Ton,
Steine, Scherben)
Antifa AG in der FAU-OG
Stuttgart
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