A im KreisSatirischer Redebeitrag, gehalten auf dem Römer

In nominae Bakunin et Proudhon et Kropotkin. Amen

Von urbi und orbi...
- erlöse uns o Anarchie
Von Rassisten und Bellizisten...
- erlöse uns o Anarchie
Von Beulenpest und Gauweiler
- erlöse uns o Anarchie
Von einhundertundneundzwanzig
und "a" Paragraphen
- erlöse uns o Anarchie
Von Lichterketten in Weizenäckern
- erlöse uns o Anarchie
Von Gott und dem Staat
- erlöse uns o Anarchie
Von dem und dem und alledem
- erlöse uns o Anarchie

Wahrlich, wir sagen euch:

Unser Ziel ist eine herrschaftlose und freie Gesellschaft. Ohne Knäste und mit Palästen für alle. Und mit Ostereiern jeden Tag - tiefschwarzen und schwarzrot gestreiften. Möge das A im Kreis unser Alpha und Omega sein.

Aber: - so fragen Zweifler -
Wie kommen wir dort hin?
Wie geht der Weg? Ist unser Ziel überhaupt "Ziel"?
Etwas, das wir anstreben?

Oder ist "Anarchie", "Akratie", "Autonomie" - oder wie immer wir die heilige Polyfaltigkeit nennen - bloß noch nostaligische Elle, mit der wir das herrschende trostlose Jammertal vermessen, mit dem wankelmütig machenden Ergebnis: wir waren auch schon mal mehr - wenn auch nicht unbedingt heute - urbis - in Frankfurt, doch leider - orbis - draussen im Lande schon?

Und klagen nicht die Kleinmütigen -

"Dies haben wir auch schon in den Tagen unsere Väter gehört, und siehe, wir sind alt geworden, und nichts von all dem ist uns widerfahren."

Ihr Kleinmütigen!
Ihr Wankelmütigen!
Ihr Zweifler!
Ihr zweifelmütigen Kleinwankler!
Frohlockt!
Die libertären Tage sind
auferstanden!
Das Grab ist leer!
Die Erde bebt!

Tempel und sonstige Architekturen brechen spontan zusammen. Politikerminen verfinstern sich. Unsere Leichen leben noch!
Wer Augen hat zu sehen, sieht. Und dem Rest verschlägt's die Sprache.

Laßt uns fantasievoll durch die Straßen tanzen!
Laßt uns Gräuel sein allen Herren, von jetzt ab bis zum Montag und darüber hinaus.

Eternitas ad astra!

Seid zuversichtlich. Wo zwei oder drei versammelt sind, da sind die libertären Tage unter Euch. Und uns zum Gedächtnis gibt es hinterher vielleicht einen Reader.

Und damit es dabei bleibt bzw. so kommt, wie wir es wollen, laßt uns kraftvoll in unseren Schlachtruf einstimmen:

Anarchie unser,
die du bist in Utopia,
gesprüht sei dein Zeichen,
deine Herrschaftlosigkeit komme,
nur unser Wille geschehe,
wie in den gesammelten Werken
so auch im Demozug,
unsere libertären Tage gib uns heute,
vergib uns unsere revolutionäre Ungeduld,
wie auch wir vergeben allen Ungeduldigen,
verschone uns vor Paragraphen,
sondern befreie uns
- sondern befreie uns -
von allen und sämtlichen Staaten.

Venceremos!

Antiklerikaler Arbeitskreis des Libertären Forum Aschaffenburg


Kundgebung an der Hauptwache
Foto: Thomas K.



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