A im KreisHalli, hallo liebe FrankfurterInnen!

 Ich schreibe Euch eine Zusammenfassung von einer Diskussion, die wir (AnarchistInnen aus Kiel) in einem Nachbereitungstreffen der Libertären Tage '93 geführt hatten. Es gab bei uns viele positive und negative Aspekte, die ich jetzt berichten will.

In dem Reader waren zu wenig antipatriarchale und feministische Beiträge vertreten.

Die Arbeitsgruppen waren positiv, da nicht soviel Wissen vorausgesetzt wurde. Teilweise war ein gutes Reden möglich und ein Austausch konnte stattfinden (z.B. über Erfahrungen, Lebensstile) besonders in den AG's 17, 18). Es wurden viele Informationen vermittelt (AG 5), aber zu wenig Perspektiven entwickelt. Das Diskussionsverhalten war sexistisch. In den AG's waren zu viele Leute, so daß die Räume zu klein waren und ein intensives Reden fast unmöglich war. Außerdem gab es heftige Diskussionen bei den AG's 12 und 14, ob Männer an der AG teilnehmen durften oder nicht. Es wäre toll, wenn es ein Referat am Anfang geben würde, daß sich alle (Frauen und Männer) anhören könnten und sich dann Diskussionsgruppen (Männer, Frauen, gemischt) bilden würden (nicht dogmatisch).

Im allgemeinen war die Stimmung aggressiv und auf dem Platz war ein männerdominantes Verhalten zu spüren. Bei sexistischen Vorfällen haben die Leute nicht reagiert, was ganz schön ätzend war. Jede/r muß bei sich selbst anfangen (sensibler werden) und ist für ihr/sein Verhalten verantwortlich! Hinzu kommt der Drogenkonsum, der eigenverantwortlich ablaufen sollte.

Viele Leute sind nur nach Frankfurt gekommen, um Party zu machen. Wäre klasse gewesen, wenn mehr Gewicht auf inhaltliche Diskussionen gelegt worden wäre.

Die Buchmesse war toll!

Das Unigelände war kein so guter Rahmen für die Libertären Tage, ein anderer wäre besser gewesen. Außerdem waren die Libertären Tage zu groß und es wäre gut, kleine anarchistische Kongresse zu einem Thema zu machen. Kontakte zu knüpfen war deshalb auch sehr schwer. Viele Leute, die schon lange dabei sind, haben wenig berichtet. Es fehlten auch Ruheräume.

Das Kochkollektiv war super, obwohl das Essen zu teuer war. Die allgemeine Organisation war klasse (gerade für die Menschenmasse)! Es wäre schön gewesen, mehr Kultur zu erleben, z.B. Straßenmusik/-theater, verstecktes Theater, Fußballturnier.

Über den "Sicherheitsdienst" gibt es eine gespaltene Meinung. Bei externen Sachen ist er gut, z.B. Feuer, um den Überblick zu haben. Leider war er auf den Libertären Tagen auch für die internen Sachen notwendig, z. B. bei Übergriffen auf Frauen.

Frage: "Brauchen wir so einen Sicherheitsdienst?"

Im Grunde nicht, aber durch mangelnde Diskussionen in der Gruppe über Konsequenzen war er notwendig.

Die Demo war gut organisiert und die Band war klasse.

Beim Abschlußplenum waren die Berichte aus den AG's gut, aber der Streß untereinander war sehr groß (Ost/West, Frauen/Männer), so daß ein Gefühl hochkam, daß es gleich zu einer "Hauerei" kommen würde. Leider wurde auf den Libertären Tage wenig gelacht (also noch mehr!).

So, abschließend muß noch gesagt werden, daß es uns dank Anmeldung sehr gut ging. Merci!

Viele liebe anarchistische Grüße

und VIVA

Die A-KielerInnen

PS: Es gibt noch weiterhin viele kleine anarchistische Kongresse.



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