An die Frauen der Vorbereitungsgruppe
der Libertären Tage 93 in FrankfurtDabei geht es uns darum,
ein Feedback zu geben, das sich auf Aspekte bezieht, die uns unangenehm aufgefallen
sind. Abgesehen von diesen kritischen Anmerkungen, haben wir es als Provinzlerinnen
sehr genossen, an der "Oster-action" teilzunehmen. Wir sind uns
auch der Mühen bewußt, die Ihr mit Vorbereitung und Durchführung der Libertären
Tage hattet.
Aufgerüttelt wurden
wir durch die Übergriffe auf Frauen, bei denen eine von uns beiden ebenfalls
verletzt wurde. Die spontane Selbsthilfeaktionen der Frauen taten gut, während
die Forderung einer 1/2 Stunde Musikpause beim abendlichen Konzert doch sehr
bescheiden war. Die handfeste Männergewalt hat es mal wieder deutlich gemacht,
daß wir uns quasi in einem ständigen Krisenzustand befinden. Um diesem Problem
entgegenzuwirken, sollten beim Abstecken der Rahmenbedingungen einige vorbeugende
Maßnahmen getroffen werden.
So kann bekanntlich
die Auswahl der Örtlichkeit die Atmosphäre mit beeinflussen. Der Betonpalast
auf dem Unigelände scheint uns für ein lebendiges konstruktives Miteinander
eher ungeeignet. Nach unserem Gefühl hätte es vielleicht auch mal ein Gelände
in der Provinz sein können, nach dem Motto "umsonst und draußen"
(z. B. Lutter am Barenberge).
Für uns Frauen hätten
- männerfreie - Schlafräume auf dem Veranstaltungsgelände zur Verfügung stehen
sollen. Einigen Frauen wäre es somit erspart geblieben, nachts durch Frankfurt
zu irren auf der Suche nach der Schlafgelegenheit.
Zur Kulturauswahl ist
uns aufgefallen, daß ausschließlich Männer Musik gemacht haben. Da haben wir
Frauenbands, Frauenkabarettgruppen usw. vermisst.
Um die Atmosphäre insgesamt
etwas zu lockern und die Menschen einander näher zu bringen, hätten wir es
uns auch gut vorstellen können, Arbeitsgruppen und Kultur nicht so streng
zu trennen. Also nicht zuerst die Arbeit und dann das Vergnügen.
Wir halten es für zukünftige
Planungen für unbedingt notwendig, vorbeugende Maßnahmen für den Selbstschutz
von uns Frauen einzubauen. Das Thema Sexismus sollte in Zukunft wieder mehr
Raum einnehmen. So viel von unseren Überlegungen zu den Libertären Tagen!
Laßt es Euch gut gehen -
Rosi und Doris
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