Kommentar
zu den Libertären Tagen ´93
Wir
sind das aus den Libertären Tagen hervorgegangene Göttinger Männerplenum.
Dieses Papier ist eine Kritik an den LT´s und soll eine Anregung sein für
das nächste Mal und ähnliche Veranstaltungen. Auch wenn die Kritik sich hauptsächlich
auf die Organisation bezieht, soll das nicht darüber hinwegtäuschen, daß die
aufgetretenen Probleme in erster Linie durch unser mangelndes Bewußtsein entstanden
sind. Sie hätten durch eine andere Organisation lediglich gemindert werden
können. Zu einigen Diskussionspunkten können wir noch keine Stellung beziehen,
weil wir über diese Themen noch nicht diskutiert haben. Wir hoffen, daß mehr
Männer sich mit Sexismus insbesondere ihrem eigenen auseinandersetzen und
aktiv eingreifen.
Im Reader drückt sich männliche Dominanz
durch überwiegend von Männern vorbereitete AG's und teilweise männlicher Sprache
geschriebenen Texte aus. Die AG's sollten drei Tage statt drei Stunden dauern,
was auch von den meisten erwartet wurde. Der Reader förderte das vorhandene
Konsumverhalten. Es wäre hilfreich gewesen, wenn die Bildung von Schlafplatzplena,
Putzgruppen usw. angeregt worden wären, da sich gezeigt hat, daß wir es selber
nicht auf die Reihe gekriegt haben. Aufgrund der großen TeilnehmerInnenzahl
hätte angeregt werden müssen, daß einzelne Städte im Vorfeld AG's vorbereiten.
Im übrigen war der Reader sehr vielversprechend.
Daß
so viele Schlafplätze trotz der vielfach fehlenden
Anmeldung zur Verfügung standen, fanden wir Super!
Trotzdem
hätte es eine getrennte Anmeldemöglichkeit für Männer/Frauen/gemischt geben
sollen. Für die entstandenen Probleme in den Unterkünften waren vielfach Männer
verantwortlich. Das drückte sich u.a. durch rücksichtsloses Saufen, Spannen
und Lärm aus. Hier müßten die Männer anfangen bewußt einzugreifen, ohne in
eine Beschützerrolle zu verfallen. Ein Schlafplatzplena für jede Unterkunft
hätte den Problemen vielleicht vorbeugen können.
Das
ESSEN war SUPER und Rampenplan hat eine sehr positive Stimmung ausgestrahlt.
Wir
fanden absolut beschissen, daß von 1400 EsserInnen nur 800 bezahlt haben.
Übrigens MÄNNER, helft mehr beim Spülen und Schnippeln!!! Wir machen am 18.6.93
im Göttinger Juzi eine Rampenplan Solifete! KOMMT ALLE!!!
Die
Begrenzung des ALKOHOLkonsums durch die OrganisatorInnen war ein netter Versuch,
wurde aber vom Koz unterlaufen. MÄNNER macht euch einen Kopf um euer Saufverhalten
und greift ein, bevor es eskaliert. (Hick´s)
Es ist
schade, daß die ORDNERINNEN notwendig waren. Einzelne Ordner haben sich zu
wichtig genommen und sind durch selbstHERRliches Verhalten aufgefallen. Durch
mehr Beteiligung hätte eine Überlastung des Einzelnen vermieden werden können.
Je mehr JedeR die Augen offen hält und eingreift, desto weniger werden OrdnerInnen
gebraucht. Warum waren die OrdnerInnen fast nur Männer? Typisch?
WIR
RAUBEN UND WIR MORDEN - wir waschen uns nie - FÜR DIE ANARCHIE! Über die DEMO
gingen unser Meinungen weit auseinander. Einige von uns würden andere Aktionsformen
(Straßenfest z. B.) befürworten. Schlecht fanden wir alle, daß es keine EA-Nummer
und keine Flugis gab. Mal wieder mußten sich einige Männer durch Machoverhalten
profilieren.
SONST
noch finden wir eine Ablehnung und Ausschluß von Autonomen nicht in Ordnung.
Wir konnten uns nicht einigen, ob wir es befürworten, das nächste Mal getrennte
Männer- und FrauenTage abzuhalten. Die sexistischen Schmierereien fanden wir
primitiv und beschissen. Ansonsten fänden wir es gut, wenn es öfter LT´s in
kleinerem Rahmen in anderen Städten geben würden.
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