A im KreisAllgemeiner Anarchismus

Ich stelle Euch nun eine Form des Anarchismus vor, die bisher keinen speziellen Namen hat.

Etliche der heute aktiven Anarchistinnen und Anarchisten stehen in der Tradition der weltweiten, antiautoritären Bewegung gegen Ende der 60er Jahre. Damals wurden anarchistische Ideen auch in der Bundesrepublik Deutschland - zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg - wieder breiter aufgegriffen, diskutiert und praktiziert.

Anarchistinnen und Anarchisten haben sich - und sind zum Teil noch - in den verschiedenen sozialen Bewegungen engagiert, die sich in den 70er und 80er Jahren gebildet haben: in der Ökologie- und Friedensbewegung, in der Frauen- und Männerbewegung, in der SchülerInnen- und StudentInnenbewegung, in der Jugendzentrums- und HausbesetzerInnenbewegung und anderen sozialen Bewegungen.

Diese Anarchistinnen und Anarchisten haben sich in anarchistischen oder libertären Foren, Gruppen oder Plena organisiert. Sie betreiben Infoläden oder Zentren, beteiligen sich an Demonstrationen und Aktionen. Ihr Aktivitätsfeld reicht von politischer Aufklärungsarbeit bis zum Widerstand gegen konkrete Projekte der Herrschenden.

Diese Richtung des Anarchismus hat, wie erwähnt, keinen eigenen Namen. Ihm fühlen sich jedoch die meisten Anarchistinnen und Anarchisten verbunden. Das Spektrum reicht von der Jugendantifa bis hin zu Theoriezirkeln; von ZeitungsmacherInnen bis zu HausbesetzerInnen. Es sind junge sowie ältere Menschen, die sich von anarchistischen Ideen angezogen fühlen. Teilweise fühlen sich diese Anarchistinnen und Anarchisten auch spezielleren Richtungen des Anarchismus verbunden. Da der Anarchismus jedoch grundsätzlich alle Lebensbereiche betrifft, gibt es immer wieder vielfältige Überschneidungen und Verbindungen.

Diese Gruppen und Menschen sind vor Ort aktiv. Es bestehen allenfalls regionale Vernetzungen. Ein bundesweiter Austausch läuft eher über persönliche Kontakte sowie über die anarchistischen Medien. Diese Zusammenhänge waren auch bei der Mobilisierung der Libertären Tage tragende Stützen.

Gemeinsam ist allen Anarchistinnen und Anarchisten die Ablehnung jeglicher Herrschaft. Als Herrschaftsstrukturen werden Sexismus und Rassismus, Patriarchat, Kapitalismus und Faschismus im Alltag angegriffen. Diese Herrschaftsinteressen sind wesentliche Bestandteile eines jeden Staates. Daher werden Staaten von uns grundsätzlich abgelehnt und bekämpft. Staaten sind nie herrschaftsfrei.

In lockeren Gruppen werden herrschaftsfreie Formen des Zusammenlebens und des Zusammenarbeitens ausprobiert. Denn die Versuche, Anarchie zu leben, sind wichtig, damit wir als Menschen greifbar und kritisierbar werden. So sollte unser Leben die theoretischen Aussagen des Anarchismus bestimmen und nicht umgekehrt die Theorie die Praxis.

Die Freiheit jeder einzelnen Frau und jedes einzelnen Mannes ist genauso wichtig wie die Solidarität mit anderen. Autonomie in allen Lebensbereichen sowie die Selbstverwaltung der Gesellschaft ist das Ziel aller Anarchistinnen und Anarchisten.

Rike

Kontaktadresse:
Libertäres Forum Frankfurt, c/o Dezentral, Wittelsbacherallee 45, 60316 Frankfurt

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