A im KreisInitiative für eine Anarchistische Föderation in Deutschland I-AFD

Liebe Leute,
bei der Eröffnungsveranstaltung der LT '93 sollte ich im großen Hörsaal eine kurze Ansprache zur Vorstellung der I-AFD halten. Dafür habe ich mir einen Text und eine Struktur in meinem Kopf zurechtgelegt.

Als ich dann nach den hervorragenden und locker vorgetragenen und locker vorgetragenen Ansprachen der VerteterInnen der LT, der FAU, der FöGA, des Projekt A, einer Anarchafeministin und einer Großkommunebewohnerin ans RederInnenpult trat, war ich erschlagen von all den Menschen (fast 2000) und der Tatsache, daß jeder/r einzelne jetzt von mir etwas anderes erwartete, ich schlotterte vor Nervosität und das ganze, in meinem Kopf zurechtgelegte Konzept fiel in sich zusammen, so daß ich nur noch unzusammenhängendes Zeug stammeln konnte und mir zunehmend schwarz vor Augen wurde.

Zur Wiedergutmachung hier jetzt also der Text, den ich lieber direkt vom I-AFD Flugblatt "Wer wir sind - was wir wollen " hätte vorlesen sollen. Vielen Dank übrigens, daß Ihr trotz allem nach meiner Ansprache geklatscht und mir auch später für dieses Versagen viel Verständnis entgegengebracht habt - ich hab' mich nämlich wirklich geschämt!

Richart


Eine Aktion des Antiklerikalen Arbeitskreis im Libertären Forum Aschaffenburg während der Demonstration auf dem Römer

Foto: Thomas K.


Initiative für eine Anarchistische Föderation in Deutschland I-AFD
Wer wir sind - was wir wollen

Seit Ende 1989 gibt es die Initiative für eine anarchistische Föderation in Deutschland - I-AFD. In ihr haben sich einige AnarchistInnen aus unterschiedlichen Zusammenhängen assoziiert, die mit dem Zustand der (west-) deutschen A-Szene (Vereinzelung, kein eigenes Profil, keine Perspektiven, Rivalität und Konkurrenzdenken sowie gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit) unzufrieden sind und aktiv für den Aufbau einer organisierten anarchistischen Bewegung eintreten wollen.

Die I-AFD will zum Auf- und Ausbau anarchistischer Strukturen in diesem Land beitragen, den Informations- und Meinungsaustausch im libertären Spektrum der BRD unterstützen sowie Vernetzungs- und Organisationsprozesse anregen. Langfristiges Ziel ist die Schaffung einer handlungsfähigen Anarchistischen Föderation in Deutschland, die als gesellschaftlich relevante Kraft in die sozialen Auseinandersetzungen eingreifen kann.

Um dabei Mißverständnissen vorzubeugen: Wir sind kein Verein, der - mal wieder - versucht eine A-Föderation auf nationaler Ebene zu "gründen". Dies wurde ja in den letzten zwanzig Jahren schon mehrfach erfolglos ausprobiert. Das spricht aber, wie wir meinen, weder gegen die Möglichkeit, noch gegen die Notwendigkeit einer solchen anarchistische Organisation.

Die verschiedenen Fehlschläge auf bundesweiter und regionaler Ebene haben aber bewiesen, daß es nicht ausreicht, wenn ein paar Gruppen ein Gründungstreffen veranstalten, sich zur Föderation ernennen und damit beginnen, wie wild Programme, Theoriepapiere und politische Richtlinien zu verfassen. Von daher kam und kommt für uns nur der Ansatz einer Initiative in Frage, in der sich solche FreundInnen und GenossInnen organisieren können, die wie wir eine libertäre Vereinigung wollen, die AnarchistInnen mit verschiedenen theoretischen Ansätzen und aus unterschiedlichen Gruppierungen zusammenführt, sich an den Prinzipien des Föderalismus, der freien Vereinbarung und der gegenseitigen Hilfe orientiert und in der jedes Mitglied, jede lokale und regionale Gliederung völlige Autonomie genießen.

Wir sind davon überzeugt, daß eine solche Organisation notwendig ist, um den Anarchismus wieder ins Blickfeld vieler Menschen zu rücken, als erstrebenswerte Alternative zu den herrschenden Verhältnissen attraktiv zu machen und unsere "reale Utopie" von einer freien Gesellschaft gegen diese Verhältnisse durchzusetzen!

Nicht zuletzt die Internationalisierung von Kapital- und Staatsmacht, die weltweit immer rapider unter imperialistischen Vorzeichen voranschreitet, hat auch den Aufbau internationaler, anarchistischer Strukturen wieder zu einem zentralen Thema für libertäre Militante in vielen Ländern werden lassen.

Dabei hat der Zusammenbruch des "real existierenden Sozialismus" völlig neue Möglichkeiten und Perspektiven eröffnet. Gerade wegen der relativen Isolation der diffusen, bundesdeutschen A-Strukturen innerhalb der weltweiten, anarchistischen Bewegung vertritt die I-AFD einen praktischen, libertären Internationalismus und hat von Anfang an größten Wert auf eine grenzüberschreitende Kooperation gelegt, die über das Unterzeichnen gemeinsamer Demoaufrufe und Plakate hinausgeht.

Konkret heißt das, daß wir uns auch international organisiert haben. So gehört die I-AFD inzwischen der Internationale der Anarchistischen Föderationen (IFA) an, mit der wir schon seit fast drei Jahren zusammenarbeiten. In der IFA sind außerdem die FAI (Italien), die FAF aus Frankreich, die FLA (Argentinien), die FAI (Spanien) und die exilbulgarische UAB vertreten.

Außerdem gehört die I-AFD zu den Gründungsgruppen des internationalen A-INFOS Netzwerkes, einem losen Zusammenschluß von libertären Gruppen, Vereinigungen und Organisationen, der 1990 ins Leben gerufen wurde.

An diesem Netzwerk beteiligen sich inzwischen Gruppen und Vereinigungen aus Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Portugal, Großbritannien, Griechenland, der Schweiz, Rußland und Uruguay. Die meisten angeschlossenen Projekte bringen (mehr oder weniger) regelmäßig erscheinende Informationsbulletins, die A-INFOS, heraus, und es finden etwa zweimal im Jahr informative Treffen von VertreterInnen des Netzwerkes statt.

Die I-AFD versteht sich nicht als Repräsentantin oder "Sprachrohr" der deutschen A-Szene und stellt auch keinen unrealistischen Versuch dar, das gesamte libertäre Spektrum durch Aufforderung zur Vereinigung bewegen zu wollen. Wir wollen vielmehr langfristig vor allem einzelne FreundInnen und GenossInnen ansprechen, die in ihre lokalen und regionalen Projekte eingebunden sind; aber auch diejenigen, die - meist in Kleinstädten oder auf dem "flachen Land" - als unfreiwillige "EinzelkämpferInnen" isoliert dastehen und/oder Schwierigkeiten haben, Kontakte zu mobilisieren, die aus Frust über die scheinbare Perspektivlosigkeit des "A's im Kreis" und dauernde Szene-Querelen das Handtuch geworfen und sich in den letzen Jahren aus der aktiven Arbeit zurückgezogen haben.

Außerdem sind wir natürlich auch an ständigen Kontakten mit anderen anarchistischen Projekten in der BRD sowie an Informations- und Meinungsaustausch und praktischer Zusammenarbeit interessiert.

Mitglieder der I-AFD können alle libertären AktivistInnen und Gruppen werden, die wie wir die Notwendigkeit des Aufbaus organisierter A-Strukturen sehen, sich auf lange Sicht dafür engagieren wollen und unsere Arbeitsgrundlage anerkennen, die auf dem allgemeinen I-AFD Treffen am 15./16.9.'90 verabschiedet wurde.

Diese allgemeine Treffen, die mindestens einmal pro Jahr stattfinden, sind praktisch Minikongresse unserer Initiative, auf der wir gemeinsame Projekte, auftauchende Probleme und die Ergebnisse unserer Arbeit diskutieren und solche Fragen regeln, die alle Mitglieder oder die gesamte I-AFD betreffen.

Dabei gilt in der Regel das Konsensprinzip, d. h. es wird über strittige Punkte solange verhandelt, bis ein für alle Parteien akzeptables Ergebnis erzielt wird. Ist dies nicht möglich, wird die Entscheidung entweder auf einen späteren Termin verschoben, in gegenseitigem Einverständnis eine Abstimmung durchgeführt oder es werden parallel unterschiedliche Möglichkeiten praktiziert.

Internationalismus und libertäre Organisationsfragen sind natürlich nicht die einzigen Themen, mit denen sich Mitglieder und SympathisantInnen der I-AFD/IFA beschäftigen. So sind wir z. B. in Bereichen wie Antifa, Antisexismus, Kommunal- und Drogenpolitik, A-Medienarbeit aktiv und beteiligen uns an verschiedenen anderen alternativen und libertären Vereinigungen und Basisprojekten.

FreundInnen und GenossInnen, die weitere Informationen über unsere Arbeit wünschen, sich daran beteiligen und mit uns zusammenarbeiten wollen, können sich über unsere offenen Kontaktadressen mit uns in Verbindung setzen.

Im Herbst 1993

Initiative für eine Anarchistische Föderation in Deutschland

Kontaktadresse:
I-AFD, c/o Eine-Welt-Laden, Westwall 62, 47798 Krefeld

Zusammenfassung von weiteren anarchistischen Richtungen



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