KommunebewegungEs wurde an uns die
Bitte herangetragen, über die Kommunebewegung zu berichten. Ich spreche jedoch
nicht als Vertreterin der Kommunebewegung, weil es das Delegationsprinzip
bei uns nicht gibt. Ich spreche aus meiner Sicht und aufgrund meiner Erfahrungen.
Zur Kommunebewegung
in der BRD
Was eine Kommune ist,
kann nicht eindeutig definiert werden, weil der Begriff keinen eindeutigen
Lebenszusammenhang beschreibt. Jede Kommune definiert für sich, was sie ist
und wie sie sich begreift, d.h. in welchen politischen Zusammenhang sie sich
selbst stellt.
Ich will daher den Begriff
"Kommune" durch den Begriff Gemeinschaft ersetzen. Ich will in diesem
Zusammenhang auf ein anderes Begriffspaar hinweisen, das es in unserem Zusammenhang
nicht gibt. Und das ist der Begriff "Leben und Arbeiten". Es gibt
diese Unterscheidung nicht. Es gibt nur ein ganzheitliches Leben, was heißt,
daß es Arbeit gibt, Wohnen, Liebe, Beziehungen und vieles mehr.
Jede Kommune hat eine
eigene Geschichte, unterschiedliche Beweggründe zu ihrer Entstehung, eine
eigene Entwicklung in Bezug auf ihre Sozialordnung, des ökonomischen Systems.
Sie ist der Lebenszusammenhang der Menschen, die in ihnen leben. Der Regenbogen
umfaßt viele unterschiedliche Lebenszusammenhänge, so daß Menschen, die sich
mit einem anderen Leben ernsthaft auseinandersetzen wollen, ihre Gemeinschaft
finden können.
Es stellt sich also
die Frage, ob und in welchem Maße die Gemeinschaften politisch relevant sind
und wie sie in ihrer Bedeutung einzuschätzen sind. Diese Fragen werden in
unserem Spektrum und sicherlich auch von allen außenstehenden KritikerInnen
ausgesprochen unterschiedlich bewertet.
Ich lebe in der Kommune
Lutter! Ich habe es satt, auf Veranstaltungen wie dieser hier zu diskutieren,
wie eine anarchistische Gesellschaft aussehen könnte. Ich wollte sehen, ob
es überhaupt möglich ist, das zu leben, was ich mir als theoretische Utopie
erarbeitet hatte. Deshalb bin ich nach Lutter gegangen.
Dort, und natürlich
auch in anderen Gemeinschaften, sind für mich die Grundlagen für eine anarchistische
Gesellschaft ansatzweise gegeben. In bezug auf die Gemeinschaft heißt das,
daß durch die gemeinsame Ökonomie auf das Privateigentum weitgehend verzichtet
wird, die Betriebe kollektiviert sind, die Gemeinschaft eine soziale Sicherheit
schafft und ihre Stärke in der praktischen Solidarität liegt bzw. liegen sollte.
Über die Erfahrungen,
inwieweit dieser äußere Rahmen ein libertäres Zusammenleben ermöglicht, berichten
wir in unserer Veranstaltung am Samstag.
In diesem Sinne sehe
ich die Kommunebewegung als eine Form der Sozialrevolution, eine Transformierung
der Gesellschaft, ohne zentrale Planung und Leitung und ohne eigentlichen
politischen Machtanspruch. Denn dort, wo Selbstverantwortung, Selbstbestimmung
und Selbstorganisation stattfindet, hebt sich der Staat auf.
Gemeinschaften, die
sich als Kommunen begreifen, treffen sich in regelmäßigen Abständen, treffen
sich regional und bundesweit. Auf diesen Treffen finden neben politischen
Klärungsversuchen persönliche Kontakte statt, die im wesentlichen für eine
verbindliche bundesweite Vernetzung sorgen. Es versteht sich von selbst, daß
über diese Vernetzungen eine gegenseitige Hilfe stattfindet, ein Austausch
an Waren, soweit das möglich ist, und ein Austausch an Erfahrungen und Wissen.
Natürlich verändert
sich die Kommunebewegung und die Kommunelandschaft, in dem sich Gemeinschaften
auflösen oder neue entstehen. Sie lösen sich zum Teil auf, weil sich ihre
gewählte Ökonomie als nicht tragbar erweist oder weil der gruppendynamische
Prozeß in Konfliktfällen die Gemeinschaft sprengt. Sie gründen sich, wie jetzt
gerade vermehrt im Osten der BRD, weil die Hoffnungen in soziale Utopien so
stark sind.
Sössa und Uwe, Kommune Lutter
Initiative für den Aufbau einer Anarchistischen Föderation in Deutschland (I-AFD)
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