A im KreisWarum gibt es nun die Libertären Tage '93?

Aus einem ganz einfachen Grund. Anarchistinnen und Anarchisten aus den Gruppen im Dezentral hatten Lust und konnten es sich vorstellen, wieder Libertäre Tage zu organisieren. Und dies aus den unterschiedlichsten Bedürfnissen heraus.

Eigentlich sollten alle Tage Libertäre Tage sein und nicht nur alle sechs Jahre für ein Wochenende.

Denn unsere Utopie von einer herrschaftsfreien Gesellschaft lassen wir uns von niemanden nehmen. Weder von den linken Realpolitikern und -politikerinnen noch von den rechten oder konservativen Kreisen. Sie alle gehen freiwillig vor sogenannten Sachzwängen auf die Knie.

Es hat sich gezeigt, daß staatliche Reformen Herrschaft zwar verändern, aber nicht aufheben.

Der Staat hat vielmehr eigenständige Herrschaftsinteressen, egal ob es ein marxistisch-leninistischer, faschistisch-totalitärer oder parlamentarisch-demokratischer Staat ist.

Beide Weltkriege, Auschwitz, Hiroshima oder auch Tschernobyl sind keine Betriebsunfälle, sondern u.a. Produkte staatlichen Eroberungsstrebens und wirtschaftlich-technologischen Wettrüstens.

Ein flüchtiger Blick auf die Geschichte und Gegenwart staatlich organisierter Gesellschaften zeigt: Das Bild, daß der Vater Staat Schutz, Wohlstand und Gerechtigkeit garantiert, gehört ins Fabelreich.

Die Menschen, auch die Privilegierten unter ihnen, leben auf einem selbstgeschaffenen Pulverfaß. Viele  spüren inzwischen angesichts von Kriegen, ökologischen Zerstörungen und Wirtschaftskrisen, daß es so nicht weitergeht.

Seit Ende der sechziger Jahre ist ein Auftrieb freiheitlicher Positionen zu spüren. Soziale Bewegungen drängten seitdem an die Öffentlichkeit, was sich auch an dem Entstehen einer recht regen anarchistischen Bewegung bemerkbar machte. Es gibt inzwischen viele anarchistisch/libertäre Projekte, Zeitungen und Gruppen.

Anarchismus sehen wir unter anderem als Lebensphilosophie und persönliches Lebensprojekt, d.h. in unserem Alltag sollten wir uns gegen jegliche Herrschaft wenden. Es geht um das persönliche Engagement eines jeden und jeder Einzelnen für ein herrschaftsfreies Leben.

Zudem brauchen wir ein Selbstbewußtsein, daß wir grundsätzliche gesellschaftliche Veränderungen wollen und auch erreichen können. Wir wollen die ganze Bäckerei und nicht nur ein paar Kuchenkrümel.

Mit den libertären Tagen möchten wir daher praktische Ansätze und Wege zu einem herrschaftsfreien Zusammenleben einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen.

Thomas

Dezentral



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