19 Uhr Film: "Eat the Rich" im Metropol-Kino, Brunnenstr. 20, Düsseldorf-Bilk
ab 21 Uhr, Live-Musik (Griechisch) im SP- Saal der Uni Duesseldorf (neben
der Mensa auf dem Unicampus), danach Partie
13 Uhr Aktionsprogramm auf dem Burgplatz (Altstadt) mit Lesung (Black
Box, Fraktal), Live-Musik (Baxi, Petrograd)
15 Uhr bunte und laute Demonstration für die Anarchie mit: Schone
Deine Erben (Scherben Cover Band)
18 Uhr Lesung (Verlag Edition AV 1988)
ab 21 Uhr Punk und HC-Konzert im ‚AK 47' Kiefernstr. Duesseldorf-Flingern
mit mit Daddy Longleg (Münster), Free Yourself (D‘dorf), Kobayashi (Bremen),
Sawn Off (England)
- Anarchistischer Internationalismus ( Graswurzelrevolution )
- Anarcho-Syndikalismus (Freie ArbeiterInnen Union/Internationale ArbeiterInnen
Assoziation)
- EZLN - Karavane nach Mexiko-Stadt - Dia-Vortrag (Ya-Basta )
- Anti-A33 Aktion - Dia-Vortrag (Hüttendorf gegen die A33)
- Ökoanarchismus (Ö-Punkte)
- Sexismus in politischen Gruppen
- Anarchistische Kultur (Musik, Kabarett usw.) (Steffi, Freie ArbeiterInnen
Union)
- Formen und Utopien des Anarchismus (IMUN)
- Selbstorganisation von Flüchtlingen und ImmigrantInnen (The Voice)
- Herrschaftsformen auch jenseits des Kapitalismus (Inhak)
Resolution:
Wir, die 400 TeilnehmerInnen der "Demonstration für die Anarchie" und der "Libertären Tage" in Düsseldorf (Deutschland) grüßen euch.
Wir grüßen euch, die zehntausenden von Menschen, die überall auf dem amerikanischen Kontinent an diesem Wochenende ihre Wut über das tagtägliche kapitalistische Elend und über die FTAA-Tagung der politischen Sachwalter dieses Systems in Quebec auf die Straße tragen.
Sie werden versuchen, eure Aktionen zu verschweigen, euch an den Aktionen zu hindern, euch zu verprügeln und einzusperren. Aber sie werden nicht durchkommen. Es gibt keinen Platz auf dieser Welt mehr, wo sich die selbsternannten Herren dieser Welt treffen und ungestört ihr schmutziges Geschäft betreiben können. "Der Kapitalismus ist nicht reformierbar" haben wir auf dem Leittransparent in Quebec gelesen.
Wir tragen heute ein Transparent mit dem gleichen Slogan auf
unserer "Demonstration für die Anarchie" mit uns. Der Kapitalismus
ist nicht reformierbar, nicht hier, nicht auf dem amerikanischen Kontinent,
noch an irgendeinem anderen Platz der Welt. Kapitalismus wird überall
auf dem Globus gleich buchstabiert: Elend, Ausbeutung, Herrschaft und Zerstörung.
Eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung, ein gutes und würdiges
Leben für alle, kann es nur jenseits des Kapitalismus geben. In diesem
Sinne rufen wir euch hier und heute zu: Für ein Leben in Freiheit und
Wohlstand für alle, für die Anarchie, für den libertären
Kommunismus!
Smash the FTAA!
Düsseldorf, 21. April 2001
Ein Teilnehmerbericht
Die libertaeren Tage fand ich zu groessten Teilen ziemlich enttaeuschend,
sehr abhaengerich und ziemlich deutlich einer Labelpolitik anhaengend (vor
allem FAU). Allein in einigen Arbeitskreisen am Sonntag waren wohl die Debatten
einigermassen qualitaetsvoll. Ansonsten dumpfe Latschdemo mit Slogans auf
bemerkenswert niedrigem Niveau, offenbar mit dem Ziel, Buergers in allen Vorurteilen
zu bestaetigen; Riesenplena ohne Drive; Arroganz so einiger "Altkader" gegenueber
neuen Leuten. Ich persoenlich bin zudem hochgradig genervt gewesen, weil ich
mehrfach indirekt ueble Anmachen einstecken musste (einschliesslich der wohl
einzigen direkten Aktion auf den Tagen - gegen meinen Buechertisch), weil
ich Flugblaetter der Antikapitalismustagung (Rosa-Luxemburg-Tage) ausgelegt
hatte. Krasse Sprueche bis hin zu der sozialrassistischen Bemerkung "Bei Linksruck
sind wohl alle geklont" usw.
Mich hat diese staendige, extrem aggressive Art der Anmache ziemlich gestresst
- zumal von Leuten, die sehr stark uniformiert rumliefen, vielfach Anstecker
mit Organisationsnamen und ohne Inhalt hatten sowie uniformierte Fahnen schwangen
(an wen mich das wohl erinnerte). Als letztes war ich ueber politische Positionen
erstaunt, z. B. dass in politischen Debatten die Idee "Freier Menschen in
Freien Vereinbarungen" bzw. wahlweise freie Kooperativen/freie Gesellschaft
auf erhebliche Bedenken stiessen und doch immer wieder durchschimmerte, dass
mensch nicht auf Menschen und kooperative Beziehungen vertraut, sondern irgendwie
von Regulativen, Kontrollen usw. traeumt, die halt irgendwie besser sein muessen
als die jetzige Demokratie. Auch DAS ist deckungsgleich mit marxistischen
Positionen - und schon weit weg von dem, was ich fuer sinnvoll halte.
Ebenso ueberraschte mit der ziemlich deutlich ausgepraegte ArbeiterInnenmythos,
der auch z. B. in FAU-Kreisen gut verbreitet ist (und wieder erinnerte mich
das an, na wer das nach noch ...). Wenn "AnarchistInnen" tatsaechlich solche
Positionen haben, muss ich klar ueberlegen, ob ich nicht deutlicher die Unterschiede
einer freien Gesellschaft auch zu sog. anarchistischen Entwuerfen benennen
muss.
Gruss ... Joerg
(Schade, dass Joerg das alles nicht in dieser Schaerfe auf dem Abschlussplenum artikuliert hat. Das waere sicher eine interessante Diskussion geworden. Immerhin hat er einen laengeren Redebeitrag - er ist ja nicht aufs Maul gefallen - auf diesem Plenum gehalten, ... auf dem ich auch anwesend war.)
R@lf, LPA
Voll ins Schwarze getroffen - eine Reflexion zu den libertären Tagen & der Versuch, Perspektiven anzudeuten
Nun, für mich waren
es die ersten libertären Tage, auf die ich mich echtgefreut habe. Gekommen
war ich, um Menschen kennen zu lernen, mich mit anderen auszutauschen und
politisch auseinander zu setzen. Doch für mich war es eine traurige, frustige
u. runter ziehende Erfahrung, die in mir viele Fragezeichen (und Trümmer von
schönen Illusionen...) hinterlassen hat.
Deshalb diese (selbst-)kritische
Reflexion, gedacht als kleiner Teil einer Aufarbeitung. Um damit klar zu kommen & anderen was zu vermitteln.
Schoen hoert's sich
nicht an - doch Solidarität bedeutet auch schonungslose Kritik, ohne leeres
"ja-aber-wir-sind-doch-alle". Deshalb habe ich auch Joergs Bericht
mit reingenommen, weil sich dass in Teilen mit meinen Eindrücken deckt &
von ihm die Widersprüche sehr gut zugespitzt werden.
Weil ich ohnehin zu
schreibwütig bin, habe ich (nicht unbedingt chronologisch...) mir einige Situation
heraus gegriffen, die für sich sprechen & auf den Punkt bringen, was alles
scheiße gelaufen ist. Nun, ich hoffe, dies ist im Sinne einer intensiven Nachbereitung,
die ich für wichtig erachte & die, wenn mehr Leute sie tragen, wenigstens
zeigen würde, dass es ein gemeinsames Interesse gibt, zu lernen.
a) Jörg berichtet *
b) meiner einer berichtet
1. Die Tage im Rückspiegel...
3. Termine
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[Dieser Bericht wurde schon als Originalmail über LPA versandt und daher hier herausgekürzt. R@lf LPA]
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b) Bericht von mir
1. Die libertären Tage
im Rückspiegel...
Da Freitag für mich langweilig war, fang ich einfach Samstag an:
Morgens wurde nach (Orts-)Gruppen sortiert gefrühstückt, es gab kaum bis keine Gruppen übergreifenden Gespräche - kein Unterschied zu den "Stinknormalos", von denen mensch sich verbalradikal so gerne abgrenzt. Erst am Sonntag kam es durch die AG-Phase zu Austausch, Kommunikation zwischen Menschen. Mir ist das ziemlich stark aufgefallen, da ich als Einziger (aus unserer Gruppe) angereist war und ein ziemlich starkes Bedürfnis hatte, hier Menschen kennen zu lernen, was ich auch getan habe - nur ist kaum eineR auf mich zugekommen. Ausnahme waren die Menschen vom AV '88 und blackbox, die bei bzw. zwischen der abendlichen Lesung am Samstag sehr offen und herzlich auf mich zugegangen sind, so als stünde nix zwischen uns.
Das mit dem Frühstück ist nicht nur symbolisch, es zeigt, dass die angebliche Offenheit gegenüber neuen, anderen Leuten eben nicht da ist, (sondern höchstens das Wunschselbstbild im Kopf), dass nicht auf andere zugegangen wird, sondern mensch sich lieber im Sicheren der eigenen Gruppe wähnt.
Woran liegt das? Mir scheint, dass viele der anwesenden Menschen und Gruppen die ansozialisierten (und in dieser Gesellschaft erste einmal verständlichen) Ängste vor Anderen, vorm Sich-Öffnen und Zugehen nicht überwunden haben. Das ist ja nix Schlimmes - schlimm wird es erst dadurch, dass nach außen wie innen vorgegeben wird, ja so gaAaAAnz anders zu sein. Und über die realen Ängste wird ja nicht einmal andeutungsweise geredet, weil die nicht ins Wunschbild passen und weil eh nur betretenes Schweigen folgt, wenn mensch so was "Persönliches" von sich gibt.
Nun, die Demo war alles andere als ein Zugehen auf neue Leute - wie bereits auf dem Abschlussplenum von mehreren kritisiert wurde: weder wurden Flyer verteilt, noch Gespräche mit den BürgerInnen gesucht, die von den Punx u. Anarch@s wenig beeindruckt waren. Ansonsten viele schwarz-rote Fahnen, viele Parolen, viele verbalradikale Angriffe auf wenige grüne Wesen, viel Selbstverblendung. Angesichts der fehlenden inhaltlichen Verankerung, die durch Szeneoutfit und schwarze Sterne nur dünn übertüncht wird, ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Leute nach ein paar Jahren einfach wieder aus Zusammenhängen verschwinden u. ein "ganz normales" Leben führen. Für mich kam es so rüber, dass es ausschließlich darum ging, sich selber vorzumachen, "wir" seien eine starke Bewegung. So war die Demo ein Spiegel der libertären Selbstbezogenheit, die sich auch in den anarchistischen Medien wieder findet und über die später in der AG "Perspektiven des Anarchismus" auch geredet wurde. Ich konnte mich jedenfalls nicht als Teil dieser "Bewegung" fühlen, und das nicht nur auf der Demo.
Unübersehbar bei den Tagen war die klare Trennung von OrganisatorInnen und MitmacherInnen: was nicht als Programmpunkt "fest" stand, das gab's auch nicht. Eigeninitiative? Fehlanzeige. Ich kann nur noch einmal betonen, dass das Problem ganz sicher nicht bei den OrganisatorInnen lag. Der Vorwurf, dass es nicht gut genug "durchorganisiert" gewesen wäre, würde alles wiederlegen, wofür ich eintrete. Die Lücken, wo Leben wachsen könnte, sollen durch Planung zugepflastert werden? Nicht meine Utopie. Die Freiräume, die es auf den Tagen gab, wären ja eine Möglichkeit gewesen, eigene, spontane Ideen umzusetzen.
Warum diese Ebene von Selbstorganisation nicht geklappt hat, ist kein Geheimnis: Konsumhaltung bei vielen, sich Events reinziehen, ohne sich als aktiven Teil zu sehen. Es führt immer wieder dazu, dass sich wenige Organisatoren ein paar Monate selbst ausbeuten, damit überhaupt was geht. Vielleicht muss in Zukunft noch deutlicher gesagt werden, dass es keine Tage gibt, wenn es keine Beteiligung gibt. Obwohl allein das beweist, wie weit weg die Utopie eines selbstorganisierten Lebens von "uns" ist. Sauer bin ich auf mich, weil ich nicht vor den Tagen was gesagt & selber eingebracht habe, da ich so was befürchtet habe und es nix Neues ist, dass Latschdemos ausgelatscht sind und es viel kreativer zugehen hätte können, z. B. mit vielen kleinen InnenStadtAktionen oder whatever. Nur hätte das kollektive Vorbereitung, aktives Einbringen vieler erfordert. Gelernt habe ich daraus, dass ich mich in Zukunft vorher einschalten u. einbringen werde, wenn mir was nicht passt.
Was ich insgesamt auf den Tagen erlebt habe, war leider viel Entfremdung, politische wie persönliche Beziehungslosigkeit zwischen Leuten, der ganze Mist, der mich immA wieder fertig macht u. der so kennzeichnend für diese Gesellschaft ist. Und so kam es mir auch "utopisch" vor, das sich Menschen hier auf den Tagen spontan umarmen oder gar knutschen würden, obwohl ich sowas superschön fände. Doch die Verhältnisse sind nicht so - auch in libertären Kreisen.
2. und wie weiter?
Hier ein paar Eckfeiler der Kritik (für Ergänzungen bin ich dankbar) & vorsichtige Hinweise, wie es besser werden könnte:
- Selbstorganisation:
Veranstaltungen sollen nix "Fertiges" sein, dass ein paar Checker klar machen, d. h. Konsumhaltung durchbrechen u. offen legen, wie Veranstaltungen vorbereitet werden. Und dass setzt Prozesse in jeder Gruppe vor Ort voraus. Wie kann selbstorganisiertes Leben aussehen?
- Inhalte:
Wichtig ist, wieder inhaltliche Auseinandersetzung voranzutreiben, um zu verhindern, dass schwarze Fahnen den fehlenden Inhalt ersetzen u. Leute nach kurzer Zeit wieder "abwandern", weil das Revoluzzen an & um sich nur oberflächlich blieb.
- Aktionen:
Mit einfallsreichen Aktionen aus der Reihe tanzen statt geordnetem Latschen, d. h. Auseinandersetzung über und WeiterEntwicklung von Direkten Aktionen (z. B. über bestehende Sachen wie das DAN oder Hopetosse-Netzwerk, die ja nicht gerade über Überfüllung klagen...).
- Beziehungen:
Entwicklung von anderen Formen des Zusammenlebens, um nicht wieder in alte Muster zurückzufallen u. irgendwann entpolitisiert & gefrustet in einer Zweierkiste zu enden. Und ich will nicht, dass "Politkram" nur der Kitt für menschliche Beziehungen ist, mensch nach Demo, Aktion oder Plenum wieder getrennte Wege geht u. Bedürfnisse nach Nähe als "unpolitischer Emokram" abgetan werden.
Wenn endlich über die Ängste u. Probleme geredet wird, die uns an so Vielem hindern, wäre dass schon verdammt viel. Mit der AG "Andere Formen des Zusammenlebens" beim anarchistischen Sommercamp und vielleicht auch bei den libertären Wochen möchte ich einen kleinen Beitrag dazu leisten u. hoffe auf rege Beteiligung. Einen Text dazu (den ich auch gern an euch maile) werde ich bald ins Netz auf http://www.free.de/schwarze-katze/ setzen.
Für mich ziehe ich aus den Tagen die Konsequenz, dass ich mich nun viel stärker als zuvor einbringen werde, damit ich irgendwann nicht mehr solche Texte schreiben muss [;-)]
Weiterführendes
Ein etwas perspektivischerer u. durchdachterer Text als dieser, an dem es sich anzuknüpfen u. weiter zu diskutieren lohnte: "Strategie für Anarchie" von somebody called Robin Wut - zu finden auf der Schwarze Katze homepage (-> www.free.de/schwarze-katze/anarch.html#strategie1) oder in abgewandelter Form in dem Buch "Freie Menschen in freien Vereinbarungen".
3. Termine
11.-13. Mai 2001 in Dresden: Menschen statt Profite (http://www.menschenstattprofite.de)
Anmerkung: Ach so, bitte denkt einmal drüber nach, was die Boykottaufrufe wg. Linksruckbeteiligung gegen dieses Treffen bedeuten & welche Chance ihr euch entgehen lasst, wenn ihr ALLE zuhause bleibt. [;-)]
18.-20. Mai 2001 in Saasen: Seminar "Entscheidungsfindung von unten", Anmeldung an sehrbunt@gmx.net, Infos unter http:/www.projektwerkstatt.de
1.-4. Juni 2001 in Bielefeld: Direct-Action-Gathering (http://www.aktionsinfo.de/DAN)
bye, buy!
trotzdem & sowieso Lust & Freiheit,
espi aus Hemer