Schulpolitische Konferenz
Langen/Hessen, 4./5. Juli 1998
in Kooperation mit der Landeszentrale
für politische. Bildung Hessen
Informationen: Telefon 06103 - 21859
BENIRO e. V., z. Hd. Robert Hamm, Kaplaneigasse 1, 63225 Langen
Anfragen, Anmeldungen, Anregungen bitte an diese Adresse.
Per E-Mail sind wir erreichbar unter: info@anarchismus.de
Info im Internet unter: http://www.anarchismus.de/paedagogik/schule/sk98.htm
Schulpolitische Konferenz? Also wieder mal feststellen, daß die Schule nicht genug Bildung vermittelt, daß zu wenig Geld zur Verfügung gestellt wird, daß zu wenig Lehrer eingestellt werden? Du meine Güte, bloß nicht!
Schulkritik, das ist für uns nicht Effizienzkritik.
Die schulpolitische Konferenz am 04./05. Juli 1998 soll Gelegenheit bieten, sich kritisch mit dem 'System Schule' auseinanderzusetzen. In fünf Arbeitsgruppen und im Plenum wollen wir versuchen, verschiedene Aspekte der Schulwirklichkeit einer näheren Betrachtung zu unterziehen.
ReferentInnen/Arbeitsgruppen:
Einführungsreferat:
Hat die Schule versagt?
Freerk Huisken,Universität
Bremen
AG 1: Bei uns ist das Lernen anders.
Freie Schule - gelebte Schulkritik?
Katrin Horst,
Freie
Schule Untertaunus
AG 2: Kräfte lösen - Pädagogische
Spielräume und Grenzlinien in der öffentlichen Schule
Klaus Rödler,
Frankfurt
AG 3: Lehren als Lernbehinderung? -
Eine subjektwissenschaftliche Kritik der Schule
Markus Althoff,Friederike Bliss,
Thilo Busse, Berlin/Potsdam
AG 4: Lean Education - Modernisierungsstrategien
im Produktionsbereich und in der Schule
Karl-Heinz Schubert,
Berlin, Robert Schlosser, Bochum
AG 5: Schulpflicht hinterfragen
K. R. Ä. T. Z. Ä.,
(KinderRÄchtsZänker)
Berlin
Einführung: Hat die Schule versagt? Freerk Huisken, Universität Bremen
"Das hiesige Schulsystem erzieht den Nachwuchs zu einem Volk von aufgeklärten deutschnationalen Bildzeitungslesern.
Es schafft es nicht, dem Nachwuchs das in der Gesellschaft vorhandene Wissen als Instrument, sich geistig die Welt verfügbar zu machen, zu vermitteln. Im Gegenteil: Es trennt vielmehr die Mehrheit des Volkes von richtiger (natur-)wissenschaftlicher Erkenntnis.
Die Schule betreibt diese Bornierung systematisch, indem sie an den Lernstoff das Kriterium von Brauchbarkeit für 'das Leben' anlegt.
Die Staatsschule bedient die auf den Arbeitsmärkten als Nachfrage auftretenden Interessen von bürgerlicher Politik und Ökonomie an einem brauchbaren Nachwuchs quantitativ durch den Ausschluß der Mehrheit des Nachwuchses von der weiterführenden Bildung.
In der Schule ist das Lernen als Bewährung in der chancengleichen Lernkonkurrenz organisiert, in der schulisch hergestellte Lerndefizite als Versagen der Schüler (fehl-)gedeutet und mit schlechten Zensuren bestraft werden."
Freerk Huisken: Professor am FB Erziehungswissenschaften der
Uni Bremen, Schwerpunkt Schulentwicklung, Schultheorie. Zahlreiche Veröffentlichungen
zu unterschiedlichen Themen, u. a.:
- "Ausländerfeinde und Ausländerfreunde", VSA Verlag, Hamburg
1987
- "Kritik der Erziehung Teil 1 und 2" VSA Verlag, Hamburg 1991/1992
- "Alles bewältigt, nichts begriffen! Nationalsozialismus im Unterricht"
(gemeinsam mit Rolf Gutte), edition ost, Berlin, 1997
AG 1:
Freie Schule Untertaunus - bei
uns ist das Lernen anders!
Freie Schule - gelebte Schulkritik?
Das ewige Diskutieren im Morgenkreis - eine zweite Schlafgelegenheit?
Unterschiedliche Lernwege: 3 + = 9 ... ist doch klar, 6, denn 3 mal
3 ist 9!
Peter (4. Schuljahr) ist in der Holzwerkstatt und repariert ein Regal.
Darf er das, wenn er immer noch nicht lesen kann?
Am Ende des Schuljahres gibt es Lernberichte - ein modernes Zeugnis
mit versteckten Noten?
Wer, wie, was - wieso, weshalb, warum? Fragen der Kinder: Chancen oder
verschwendete Zeit?
Anhand der Praxisberichte aus der Freien Schule Untertaunus sollen
diese Fragen erörtert werden.
Die Referentin Katrin Horst ist Lehrerin an der Freien Schule Untertaunus. Diese Schule wurde 1986 durch die politische Forderung der Grünen im Rahmen der Koalitionsvereinbarungen mit der SPD staatlich genehmigt. Sie ist die erste Freie Alternativschule 'auf dem Lande' in Deutschland. Die Freie Schule Untertaunus ist eine Grundschule bis einschließlich 6. Schuljahr.
AG 2:
Kräfte lösen - Pädagogische
Spielräume und Grenzlinien in der öffentlichen Schule
In der Arbeitsgruppe sollen die dem Schulsystem eigenen Strukturen benannt werden, welche eine Schularbeit auf vorrangig pädagogischer Grundlage erschweren und unmöglich machen.
Gleichzeitig soll durch Praxisberichte dokumentiert werden, wie - insbesondere in der Grundschule - auch der bestehende Rahmen für eine emanzipatorische Pädagogik genutzt werden kann.
Klaus Rödler, geb. 1956, promovierte
über die pädagogischen Motive und gesellschaftlichen Hintergründe
der Hamburger Versuchsschulen in den zwanziger Jahren.
Er arbeitete an der Freien Schule Frankfurt, der Jenaplanversuchsschule
in Ulmbach und ist seit 1990 Grundschullehrer an einer Schule in der Frankfurter
Innenstadt. Über die Erfahrungen eines vorrangig pädagogisch
motivierten Unterrichts veröffentlichte er verschiedene Aufsätze.
1991 bis 1996 bemühte er sich um die Errichtung einer reformpädagogisch
orientierten Versuchsschule in Frankfurt.
AG 3:
Lehren als Lernbehinderung?
Kritik der Schule aus subjektwissenschaftlicher
Sicht
Schule gilt als der 'Lernort' schlechthin. Wenn im Zusammenhang mit Schule von 'Lernen' die Rede ist, kommen jedoch die Lernaktivitäten der dort Lernenden kaum zur Sprache. Lernen wird ganz selbstverständlich als eine Folge des Lehrens betrachtet, ableitbar aus (curricularen) Lernzielen, in seinen Abläufen und Entwicklungsstufen unterrichtlich planbar.
Wir möchten an diesem für die Schule so typischen 'Lernverständnis' ansetzen und die darin angelegte Kurzschlüssigkeit zwischen Lehren und Lernen in Frage bringen.
Lehren als Lernbehinderung? - Mit dieser 'Verunsicherung' wollen wir zunächst das Phänomen des 'Lehr-Lernens' genauer in den Blick nehmen und versuchen, es in seiner Alltäglichkeit deutlicher herauszuarbeiten und zu begreifen. Auf diese Weise wird es möglich, sich der Frage anzunähern: Kann es ein 'Lernen gegen den Strich' in der Schule geben? Welche Möglichkeiten einer sozialen (Selbst)verständigung liegen in Lernprozessen?
Mit dem Workshop soll die 'Kritik an der Schule' also weniger im Sinne einer 'Institutionskritik' vorangetrieben werden; vielmehr wollen wir sie als 'aktiven Wider Spruch' der in der Schule Handelnden auf den Begriff bringen.
Literatur: Klaus Holzkamp; 'Lehren als Lernbehinderung'; in: Forum Kritische Psychologie 27, pp. 5-21; Argument Verlag, Hamburg 1991
Die ReferentInnen
Markus Althoff, Grundschullehrer in Berlin,
Friederike Bliss, wissenschaftliche Mitarbeiterin
am Institut für Lern-, Lehrforschung, Universität Potsdam,
Thilo Busse, Studienrat an einer Gesamtschule
in Berlin,
arbeiten gemeinsam im 'Projekt Subjektwissenschaftliche Lernforschung'.
AG 4:
Lean Education - Modernisierungsstrategien
im Produktionsbereich und in der Schule!
Lean Production - Lean Management - Lean Education - wer gibt den Rhythmus vor, in dem Veränderungen stattfinden? Welche Strategien stecken hinter den Modernisierungsbestrebungen in Wirtschaft und Schule? Müssen LehrerInnen Beamte sein? Was ist die 'Nachholende Modernisierung der Schule'? Welche Rückkopplungen gibt es zwischen dem Produktionsbereich und dem Bildungssektor?
Am Konzept 'Autonomie der Schule' läßt sich zeigen, daß in die Debatte aufgenommene Strukturmerkmale einer zukünftigen 'autonomen' Schule keinesfalls darauf abzielen, das bisherige Gewaltverhältnis zwischen Staat und bürgerlichem Individuum aufzuheben. Im Sinne einer vergesellschafteten individuellen Bildungsaneignung mit entsprechender sozialer Kompetenz kann wirkliche 'Autonomie der Schule' nur Rückverlagerung des Bildungserwerbs weg vom Staat in die Gesellschaft bedeuten.
Die Referenten Karl-Heinz Schubert (Berlin) und Robert Schlosser
(Bochum) kommen aus zwei sehr unterschiedlichen Arbeitsfeldern.
K.-H. Schubert ist Lehrer im Sonderprojekt 'Anders Lernen' in Berlin-Schöneberg.
R. Schlosser ist nach langjähriger Tätigkeit als Arbeiter
in verschiedenen Metallbetrieben heute als technischer Redakteur tätig.
Aus ihren jeweiligen Blickwinkeln heraus haben sie die Thematik untersucht.
Dadurch ergeben sich spannende Einblicke in die Verschränkung von
Entwicklungsprozessen verschiedener gesellschaftlicher Bereiche. Dieser
Workshop fand schon im Rahmen der Volks-Universität in Berlin ein
positives Echo.
AG 5:
Schulpflicht hinterfragen! K. R.
Ä. T. Z. Ä., Berlin
"An die Schulleitung der Robert-Blum-Schule
Sehr geehrter Herr K...!
Ich habe beschlossen, im laufenden 2. Schulhalbjahr ... den Chemieunterricht
nicht mehr zu besuchen.
Meine erziehungsberechtigte Mutter ... ist mit dieser Entscheidung
einverstanden und übernimmt in den entsprechenden Freistunden die
volle Verantwortung.
Da ich meine Unterrichtsverweigerung wie folgt begründe, beantrage
ich, im Fach Chemie zukünftig nicht mehr benotet zu werden.
Mit freundlichen Grüßen..."
Mit dieser Erklärung, der eine mehrseitige detaillierte Begründung beigefügt war, verabschiedete sich Benjamin Kiesewetter, ein Berliner Schüler im 10. Schuljahr aus dem Chemieunterricht. Es folgte eine über ein Jahr dauernde juristische Auseinandersetzung mit der Schulbehörde.
Benjamin Kiesewetter gehört zu einer Gruppe von Jugendlichen, die unter dem Namen K.R.Ä.T.Z.Ä. (KinderRÄchtsZÄnker) verschiedene Projekte in Angriff nimmt. Die bekannteste Initiative der Gruppe ist wohl die Bundesverfassungsgerichtsbeschwerde für das Wahlrecht von Kindern und Jugendlichen.
Anhand der konkreten Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit Schulbehörden und Verwaltungsgericht stellen die KinderRÄchtsZÄnker ihre Position zur Schulpflicht zur Diskussion.
TeilnehmerInnenkreis:
Die Veranstaltung richtet sich an
ALLE an Schulentwicklung
interessierte Personen. Es gibt keine Begrenzung des TeilnehmerInnenkreises.
Kosten:
Der Konferenzbeitrag liegt bei DM 90,-; ermäßigt
für Nichtverdienende: DM 45,-. Der Konferenzbeitrag ist im voraus
mit der Anmeldung auf das Konto Nr. 27112309 bei der Sparkasse Langen-Seligenstadt,
Konto-Inhaberin: Beniro e. V., zu zahlen.
Anmeldung:
Eine Anmeldung erfolgt stets für eine feste
Arbeitsgruppe. Durch die Beschränkung auf jeweils ca. 15 TeilnehmerInnen
pro Gruppe wird um möglichst FRÜHZEITIGE Anmeldung gebeten. Die
Anmeldung muß schriftlich erfolgen (Anmeldebogen am Ende des Textes).
Wir bitten Sie, mit ihrer Anmeldung eine Telefonnummer anzugeben, unter
der Sie erreichbar sind. Dies ist insbesondere für den Fall wichtig,
daß die Arbeitsgruppe, für die Sie sich anmelden wollen, schon
voll ist. Nach Anmeldung und Zahlungseingang des Konferenzbeitrages geht
Ihnen eine Anmeldebestätigung zu.
Unterbringung:
Für TeilnehmerInnen, die von weiter her kommen,
organisieren wir eine PRIVATE Unterbringung. Dabei sind wir darum bemüht,
Schlafmöglichkeiten bei den TeilnehmerInnen aus dem näheren Umkreis
zu organisieren. Der Sinn dieses Vorgehens ist es, den 'informellen' Kontakten
im Rahmen der Konferenz einen größeren Stellenwert einzuräumen.
Die Quartiervergabe wird am Freitagabend geregelt. Es besteht jedoch auch
die Möglichkeit, im voraus telefonisch eine Quartierabsprache zu treffen.
Kinderbetreuung:
Auf Anfrage bieten wir eine Kinderbetreuung an.
Allerdings ist es aus organisatorischen Gründen nötig, FRÜHZEITIG
und VERBINDLICH zu wissen, welche Kinder (Alter) mitkommen. Anfragen nach
Kinderbetreuung müssen deshalb spätestens bis 7. Juni 1998 an
uns gerichtet werden. Wir bitten um Verständnis für diese Frist.
Versorgung:
Im Konferenzbeitrag enthalten ist das Essen für Samstag (Mittag
und Abend) und Sonntag (Mittag). Getränke (Teeküche) stehen im
Kulturhaus zur Verfügung.
Zeitplanung
3. Juli 98 (Freitag):
Anreise (möglichst), (Quartierverteilung)
4. Juli 1998 (Samstag):
9-10 Uhr: Organisation, Eröffnung
10.30 - 12.30 Uhr: 'Hat die Schule versagt?'
Eingangsreferat: Freerk Huisken
12.30-15 Uhr: Mittagspause
ab 15.00 Uhr: Arbeitsgruppen
Die Zeitplanung der Arbeitsgruppen obliegt den ReferentInnen. Die Räumlichkeiten im Kulturhaus stehen bis maximal 22 Uhr zur Verfügung.
5. Juli 1998 (Sonntag):
9-10.30 Uhr: Arbeitsgruppen
11-13 Uhr: Abschlußplenum
Mittagessen
Abreise
ANMELDUNG
FÜR DIE SCHULPOLITISCHE KONFERENZ, LANGEN/HESSEN, 4./5. Juli 1998
Name ___________________________________________________
Anschrift _________________________________________________
Telefon __________________________________________________
Fax _____________________________________________________
E-mail ___________________________________________________
Beruf ____________________________________________________
Hiermit melde ich mich zu der Schulpolitischen Konferenz
in Langen/Hessen am 4./5. Juli 1998 verbindlich an, und zwar bevorzugt
zur (Zutreffendes bitte ankreuzen):
o AG 1 'Freie Schule -
gelebte Schulkritik?'
o AG 2 'Spielräume
und Grenzlinien in öffentlichen Schulen'
o AG 3 'Lernen - subjektwissenschaftliche
Kritik'
o AG 4 'Lean Education'
o AG 5 'Schulpflicht'
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Datum, Unterschrift