Bericht über ein Treffen von AnarchistInnen aus Ex-Jugoslawien vom 19. bis 22.5.2000 (Freitag-Montag)

von A - I N F O S  N E W S  S E R V I C E
http://www.ainfos.ca/


Es war das erste Treffen von AnarchistInnen aus ex-Jugoslawien nach dem Treffen im Jahr 1990, bevor die Kriege auf dem Balkan anfingen. Das damalige Treffen wurde in großem Maße vom Nationalismus dominiert und brachte nichts Konstruktives.

Danach begann der Krieg in Slowenien, Kroatien und Bosnien... und die meisten Verbindungen zwischen den AnarchistInnen zerbrachen. Bis auf zwei Anarcho-Punk-Treffen, die vorher stattfanden, gab es seitdem keine direkten Kontakte zwischen AnarchistInnen aus ex-Jugoslawien. Also war dies in gewisser Weise ein historisches Treffen. Wir einigten uns (per e-mail), dass dies erste Treffen von allen von uns gemeinsam organisiert werden sollte und das die nächsten Treffen von lokalen Gruppen organisiert werden. Wir wählten das ökologische Dorf Zelenkovac in Bosnien aus mehreren Gründen: zunächst mal hatten alle nach Bosnien ungefähr dieselbe Anfahrtstrecke, zum zweiten brauchte keineR für Bosnien ein Visum und daher gab es damit keine Probleme und natürlich ist es ein ökologisches Dorf, was zu unserem anarchistischen Konzept passt.

Wir kamen am Freitag nach und nach in Zelenkovac an und bis zum Abend waren die meisten von uns da. Es waren ungefähr 90 TeilnehmerInnen und sie kamen aus allen früheren jugoslawischen Staaten. Es waren Leute aus Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Jugoslawien (Serbien und Montenegro) und Mazedonien da. Es war toll, all diese Leute zu treffen und für die meisten von uns war es nicht nur politisch ein tolles Treffen, sondern auch emotional. Die Organisation (wie z.B. Schlafplätze und Essen) hätte schon besser sein können, aber da dies das erste Treffen war, das wir organisiert hatten, waren alle der Meinung, dass es dafür okay war. Das Treffen fing am Sonnabend an mit der Vorstellung der anwesenden Gruppen...

Aus Slowenien kam das KUD Anarchiv aus Lubljana, ZAP (Zagreb Anarchist Movement) und Anfema (eine anarcha-feministische Organisation) aus Kroatien, aus Jugoslawien die Belgrader Libertäre Gruppe und GLIB. Aus Bosnien-Herzegowina und Mazedonien waren nur Einzelpersonen und keine Gruppen da. Das Wetter war ein großes Problem, weil der Raum in dem zur Verfügung stehenden Gebäude zu klein war und wir uns draußen auf einem Feld neben dem Dorf versammelten, aber da kurz nach Beginn starker Regen einsetzte, mussten wir uns in mehreren Kleingruppen aufteilen... Die allgemeine Meinung war, dass wir mehr hätten erreichen können, wenn das Wetter besser gewesen wäre, oder wie eineR sagte: "Gott ist offensichtlich nicht auf unserer Seite, aber das macht nichts, wir sind schließlich auch nicht auf seiner Seite..."

Einige der geplanten Diskussionen mussten verschoben oder ganz gestrichen werden, aber es wurde dennoch eine Menge getan und arrangiert. Es kamen viel Kontakte zustande und viele verschiedene gemeinsame Aktionen wurden arrangiert. Es wurde über gemeinsame Publikationsprojekte gesprochen und Gegenseitige Hilfe wurde diskutiert und befürwortet. Wir stellten so was wie eine lokale Attraktion für die Leute in der Umgebung dar und es kamen viele Leute vorbei und sprachen mit uns. Die Geheimpolizei kam auch vorbei und stellte Fragen über das Treffen, aber sonst unternahmen sie nichts.

Zum Schluss des Treffens kamen wir überein, dass das nächste Treffen entweder in Zagreb (Kroatien) oder in Belgrad (Jugoslawien) stattfinden wird; der genaue Ort wird noch diskutiert werden. Ich kann sagen, dass das Treffen ein großer Erfolg war. Es zeigte sich nicht nur, dass wir, die AnarchistInnen aus ex-Jugoslawien, eine so große Veranstaltung auf die Beine stellen können, sondern wir erlebten auch, dass die meisten von uns ähnliche Ideen zu den Problemen nicht nur der Welt, sondern auch in den Ländern haben, in denen wir leben. Die meisten von uns kämpfen mit allen Kräften gegen den Nationalismus und ich meine, dass in diesen schweren Zeiten für den Balkan dieser Kampf das wichtigste ist, was wir tun können.

Anarcho-syndicalist greet

Ratibor T. Trivunac

Ljubi i voli vas

Rata

"Biti revolucionar i raditi na snazenju drzave znaci

prvo podizati pa posle rusiti, tj. znaci biti budala."

Krsta Cicvaric


Übersetzung: AFD/IFA Hamburg I-AFD_2@anarch.free.de

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