G8-Pressemitteilung von einigen anarchistischen Tatsachen
Als aktive Mitglieder ('militanti') der unten aufgelisteten anarchistischen
Initiativen erklaeren wir hiermit nach den Ereignissen der letzten Tage in
Genua,
- in Erinnerung daran, dass tausende von Anarchisten am friedlichen
Protest gegen den G8 teilgenommen haben,
- im Protest gegen die provozierende Polizeigewalt, die unter anderem
die Erschiessung eines jungen Demonstranten zur Folge hatte
- sowie die kriminelle Attacke ('mattanza'?) auf den Sitz des Genoa Social
Forum Samstag Nacht,
- in Solidaritaet mit den Hunderten von Demonstranten, die verpruegelt,
festgenommen und angezeigt wurden,
- unter Verurteilung der offensichtlichen Absicht von Seiten der Regierung,
die anarchistische Bewegung und die gesamte Anti-Globalisierungs-Bewegung,
die in Genua auf die Strasse gegengen ist, zu kriminalisieren
dass:
1) wir nichts mit den "Anarchisten" des Schwarzen Block und aehnlichen
Strukturen gemeinsam haben. Jeder, der will, kann sich als Anarchist bezeichnen
oder so bezeichnet werden: wir achten auf die Verhaltensweisen, nicht auf
die Bezeichnungen.
2) Jeder muss fuer sich selbst die Verantwortung uebernehmen. Genau
das Gegenteil davon ist die nicht zu rechtfertigende Praxis, Gewalt auszuueben
und sich dann zwischen die anderen Demonstranten "zurueckzuziehen", so dass
diese den brutalen Angriffen der Ordnungskraefte ausgesetzt werden.
3.) Unsere Art der Teilnahme am sozialen Konflikt ist von Werten inspiriert,
die in der mehr als hundertjaehrigen Geschichte der organisierten anarchistischen
Bewegung zum Ausdruck kommen, welche aus der Ersten Internationale hervorging
und sich dann in den Gewerkschaftskaempfen, im Antifaschismus und in der leidenschaftlichen
Verteidigung der persoenlichen und gesellschaftlichen Freiheiten entwickelt
hat. Wir sind der Meinung, dass die wahllose ('indiscriminata') Gewalt und
der Terrorismus (auch der psychologische) Instrumente im Dienste der Macht
sind, und bestimmt nicht derjenigen, die ohne Zwang eine gruendliche Transformation
der Gesellschaft unter libertaerem Vorzeichen verwirklichen wollen: Instrumente
derer sich die Macht wie in Genua bedient, um Freiraeume und Orte politischer
Handlungsfaehigkeit zu vernichten.
Wer Paketbomben verschickt, wer eine Stadt in Schutt und Asche legt,
- beguenstigt durch die Toleranz und die sonnenklare Komplizenschaft
der Polizei (die sich so eifrig mit den friedlichen Demonstranten beschaeftigt)
- hat nichts mit uns gemein, unabhaengig von moeglicherweise gleichlautenden
Selbstetikettierungen.
Circolo libertario "Pisacane" - Bassano del Grappa
Massimo Ortalli von historischen Archiv der Federazione Anarchica Italiana
- Imola
Circolo anarchico "Ponte della Ghisolfa" - Milano
"A" rivista anarchica - Milano
Cooperativa Alekos - Milano
Milano, 23 luglio 2001. (radio popolare)