Anarchismus in Kuba

Hier findet ihr die komplette deutschsprachige Übersetzung des Buches von Frank Fernández "Anarchismus in Kuba", der auch Entstehung und Kämpfe des Anarchosyndikalismus beschreibt.

Ein gern verschwiegener schwarz-roter Faden zieht sich durch die Geschichte Kubas. Der Autor Frank Fernández hat mit diesem Buch diese Geschichte neu aufgerollt.
Er spannt den Bogen von der Zeit der spanischen Kolonialherrschaft bis hin zu dem heutigen Castro-Regime. Fernández zeichnet das Bild einer wechselvollen Geschichte der libertären kubanischen Bewegung, die oft in den diversen politischen Strömungen unterzugehen drohte. Die Unabhängigkeitsbewegungen (Loslösung von Spanien) mit ihrem Patriotismus wie auch die späteren Diktaturen von Machado und Batista konnten sie nicht klein kriegen. Das besorgte in den fünfziger Jahren erst das Regime von Castro.
Dieses Buch sei daher vor allen auch den Leuten ans Herz gelegt, die immer noch ein romantisierendes Bild eines kubanischen „Sozialismus“ mit den marxistisch-leninistischen Galionsfiguren Che Guevarra und Castro pflegen.
In diesem Sinne: „Kill your Idols“.

FRANK  FERNANDÉZ

Momente einer Bewegung

Anarchismus in Kuba

Übersetzt und bearbeitet von Wilfried Hoog

Koeln im April 2005

INHALT

Vorwort des Autors                                                                       I

Einleitung                                                                              II - VI

Kapitel 1:   Kolonialismus und Separatismus                  1 - 17

Kapitel 2:  Intervention und Republik                                 18 - 33

Kapitel 3:  Zusammensetzung und Revolution                 34 - 43

Kapitel 4:  Castroismus und Konfrontation                       44 - 56

Kapitel 5:  Exil und Schatten                                               57 - 72

Kapitel 6:  Realität und Reflexion                                       73 - 82

Original:

Cuban anarchism – the history o f a movement

2001 Seesharp Press Tuscon, Arizona


Vorwort von Frank Fernandez:                                          I

Dieses Werk ist eine kurze Übersicht über den Einfluss, der für die politische Willens-und Handlungsfreiheit auf die kubanischen Menschen gehabt hatte. Wir glauben, dass wir die Aufgabe haben, über die Geschichte der kubanischen Anarchisten frei zu berichten, die seit mehr als einem Jahrhundert gekämpft und zum Schutz der Freiheit und für die Interessen der meisten unterdrückten Klassen in unserer Gesellschaft gelitten und gestritten haben. Wir werden die Handlungen einer Gruppe von Männern und Frauen kurz in wenigen Kapiteln nachprüfen, welche völlig ohne Mittel, ohne Hilfe, ohne Schutz und weitgehend vergessen waren ....“

Dieses sind die einleitenden Worte in meiner Druckschrift „Kubas Anarchisten und die Freiheit“, die zuerst auf englisch 1987 veröffentlicht und seitdem von verschiedenen Gruppen nachgedruckt wurde.

Nun also seit kurzem in der elektronischen Form im Internet.

Die Druckschrift ist die Voraussetzung dieses euch hier vorliegenden kleinen Buches.

Die Betonung in diesem Buch liegt bei den Endkapiteln, in dem ich mich mit den letzten Jahren des organisierten Anarchismus in Kuba befasse, eine Reihe von Ereignissen und Ergebnissen betreffend, die in der Druckschrift nicht eingeschlossen waren.

Als ersichtlich war, dass meine Arbeit eine breitere Verteilung bekommen würde, versuchten Marxisten und Pro-Castrokritiker meine Druckschrift zu bezweifeln.

Da ich Anarchist bin und die Druckschrift sicher pro-anarchistisch war, ist es richtig und korrekt, dass jede soziale Gruppe seine eigene „historische Wahrheit“ veröffentlicht, solange diese Interpretation aus nachprüfbaren Tatsachen beruht.

Das war meine Absicht und Methode bei „Kubas Anarchisten und die Freiheit“ und es setzt sich hier fort.

Ich möchte mich bei den letzten Überlebenden der kubanischen anarchistischen Bewegung bedanken, die geholfen haben, dieses (Buch) Projekt möglich zu machen:

Suría Livusain

Claudio Martinéz

Léon G. Montelongo     und

Helio Nardo      

arbeiteten bei den Endkapiteln mit mir zusammen

Ich erhielt auch Hilfe von mehreren Personen, die nicht aus der „Szene“ kommen:

Marcelo Salinas                                Abeldardo Iglesias

Agustin Castro                                  Santiago Coba

Manuel Ferro                                    Manuel González

Sie alle tragen mit ihren Erinnerungen zu dieser Arbeit bei.

Schließlich sei dieses Buch vollständig all jenen Kämpfern und Kämpferinnen gewidmet, deren Namen hier nicht erscheinen, aber deren Beispiel einen unvergesslichen Eindruck auf unser aller Schicksal machten.

Ohne sie könnte diese Geschichte niemals geschrieben werden.


Frank Fernandéz ,  Miami 2001

Original :    Cuban anarchism – the history of a movement                                               II

Seesharp Press, Tuscon, Arizona 2001

Einleitung von Chaz Bufe

Dies ist keine konventionelle Geschichte. Es ist eher die Huldigung für Tausende von kubanischen Anarchisten, die im Laufe mehr als eines Jahrhunderts an einer freieren, gerechteren Welt bauten, und die ohne dieses Buch für immer vergessen blieben.

Das wäre eine Tragödie, weil sie alle bewundernswerte, sehr idealistische Menschen waren und viele von ihnen aufrichtig heroisch. Alle verdienen in der Geschichte Kubas mehr Erinnerung als solche machthungrigen Diktatoren wie Gerardo Machado, Fulgencio Batista und Fidel Castro.

Der Autor dieses Buches, Frank Fernández , ist ein Mitglied des „ Movimiento Libertario Cubano en Exilio(MLCE )“ seit Jahrzehnten gewesen und er war Redakteur der lange existierenden Zeitung „ Guángara Libertaria “ für die er unendlich viele Worte über Kubas Geschichte und Politik schrieb. Er ist auch der Autor des Buches „ Das Blut von Santa Águeda “, welches sich mit dem Mord  des spanischen Premiers Cánovas del Castillo 1897 in Kuba beschäftigt.

Wie die anderen Mitglieder des MLCE  und ihrer Vorgänger in Kuba hat Fernández  aufrichtig seine politische Arbeit getan und dafür in seinen unzähligen Stunden für die kubanische Freiheit niemals einen Cent erhalten.

Er schreibt hier aus tiefer Überzeugung und auch aus tiefen Kenntnissen der Geschichte Kubas und seiner anarchistischen Bewegung. Diese Kenntnisse umfassen auch persönliche Bekanntschaften mit den meisten in den Kapiteln 4 und 5 erwähnten Anarchisten, deren Zeugnis und Erinnerungen das Fundament jener Kapitel bilden.

Im Lesen der Geschichte des kubanischen Anarchismus wird Mensch durch sowohl den riesigen Mut als auch durch die Hingabe der kubanischen Anarchisten und die von ihren Kämpfen zu lernenden Lehren in den Bann geschlagen.

Dies trifft in negativer Hinsicht  vor allem auf die sogenannten Kriege der nationalen Befreiung zu. Um 1890 spaltete sich die anarchistische Bewegung über der Frage, ob sie an einem nationalen Unabhängigkeitskampf  teilnehmen solle. Viele Anarchisten desertierten zur Unabhängigkeitsbewegung – eine Katastrophe für die Anarchisten und für  Kuba insgesamt, starben doch  Hunderttausende in diesem Konflikt. Am Ende wurde nichts lohnenswerte erreicht: Die spanische Kolonialpolitik wurde ersetzt durch eine Republik in den Händen der Zuckerbarone und der ausländischen Investoren.

Wenigstens einige kubanische Anarchisten lernten daraus, dass es immer ein Fehler ist, seine Grundsätze zur Stütze von Möchtegerngouverneuren beiseite zu lassen ( ist es heute auch noch, d.Übersetzer ) egal ob Nationalist oder Progressiver, aber viele Anarchisten sahen es damals anders.

Zwanzig Jahre nach dieser kubanischen Katastrophe unterstützen viele Anarchisten aus aller Welt ( einschließlich der kubanischen) die Bolschewistische Regierung nach der Revolution von 1917. Trotz wachsender Beweise der brutalen, totalitären Natur des kommunistischen  Regimes setzen viele Anarchisten diese Unterstützung bis in die 20er Jahre fort, bis zwei weithin bekannte und respektierte Anarchisten, Alexander  Berkman und Emma Goldman die Wahrheit offenbarten. Sogar da weigerten sich einige Anarchisten ihre Trugbilder über Bord zu werfen

Diese Situation wiederholte sich mit Castro, um hier einen Bogen in die Zeit nach 1959 zu schlagen.

Sehr viele Anarchisten, vor allem in Europa, wollten dringend positive soziale Änderungen sehen und sie sahen nach Kuba – dank auch teilweise durch die Desinformationskampagne des castrischen  Propagandaapparates.

Trotz Unterdrückung von bürgerlichen Freiheiten, das Verbot der unabhängigen politischen Tätigkeit, die Militarisierung der Wirtschaft, die allmähliche Verarmung des Landes (trotz der massiven sowjetischen Wirtschaftshilfe), das Wiedererscheinen eines Klassensystems, die Einrichtung eines Netzes von Spionen in jeder Nachbarschaft (die sogenannten Komitees für die Verteidigung der Revolution) und der von der Regierung geförderte in der ganzen Welt wachsende Personenkult um Castro  und Che Guevara – trotz alledem unterstützten viele anarchistische Bewegungen das Castro- Regime bis in die 70er Jahre.

Dies begann sich dann  mit der Veröffentlichung des amerikanischen Anarchisten Sam Dolgoff zu ändern: „ Leuchtfeuer in der Karibik “(deutsche Ausgabe im Libertad Verlag, Potsdam, d. Übersetzer). Aber sogar dann setzten einige Anarchisten fort, sich von Castros Regime hereinlegen zu lassen.

Um die Macht auf jeden Preis zu erhalten, sorgten Castros Redekunst und ein Furnier von staatlichen Sozialleistungen dazu,  als „revolutionär“ durchzugehen.

Die kubanische Erfahrung versorgt uns mit wertvollen Lehren. Zwei der wichtigsten sind, dass Anarchisten niemals marxistische Regimes unterstützen sollten und dass sie bei der Unterstützung, ganz zu schweigen von der Teilnahme, an bzw. bei sogenannten nationalen Befreiungskriegen äußerst wachsam sein sollten.                                                           

Die positive Lehre ist, dass es möglich ist, eine große, starke revolutionäre Bewegung trotz des Mangels jedweder Mittel durch Hingabe aufzubauen.

Bevor  wir weiter zum Inhalt des Buches kommen, scheint es notwendig über die Ideologie der Anarchisten  Kubas nachzudenken. Weil es so viele populäre und falsche Auffassungen über den Anarchismus gibt, gebietet es allein deshalb, zu klären, was Anarchismus ist und was nicht.

Zuerst zu all dem, was er nicht ist:

Anarchismus ist nicht  Terrorismus :

Eine überwältigende Mehrheit der Anarchisten hat immer den Terrorismus zurückgewiesen. Sie waren intelligent genug zu begreifen, dass diese Mittel  wenn auch kurzfristig erfolgreich, immer zu schlimmen  Ergebnissen geführt hat.

Ein totaler Zusammenbruch der herrschenden Gesellschaft durch den Terrorismus gibt keine Garantie darüber, wie  und durch was sie anschließend ersetzt  werden könnte.

Wenn jedoch eine Mehrheit von Leuten die Ideen und die Organisation einer alternativen Gesellschaft verbreitet, wird man eine Welt sehen, die sich behaupten kann, weil es das ist, woran die Leute glauben, weil es unbestritten in ihrem Interesse liegt.

Befürwortern des Terrorismus soll entgegengehalten werden, dass ihre Handlungen avantgardistisch und autoritär sind, weil ihre Aktionen entweder Verdrängung ohne Ersatz sind oder ein autoritäres Regime erzeugen.

Die überwältigende Mehrheit der Anarchisten weist Terrorismus sowohl aus praktischer als auch aus ethischem Grund zurück.

Viele aktuelle Zeitschriften versuchen –wahrscheinlich absichtlich – alle Anarchisten mit der Terrorismusbürste zu teeren.

Dass soll nicht bedeuten, dass bewaffneter Widerstand niemals passend ist. Klar gibt es Situationen, in der wenig Wahl bleibt, einer Zwangsherrschaft anders ins Gesicht zu sehen, vor allem, wenn Freiheiten unterdrückt werden und die anderen abgehalten werden, sich offen zu handeln – wie wiederholt in Kuba geschehen.

Sogar dann sollte bewaffneter Widerstand widerwillig und als letzter Ausweg übernommen werden, weil Gewalt unerwünscht ist, schafft dies doch repressive Regimeentschuldigungen für die weitere Unterdrückung, weil die Gewalt dem Regime die Gelegenheit gibt, Gräueltaten gegen die Bürger zu begehen und sie dann selbst dafür verantwortlich zu machen – und letztendlich, wie die Geschichte zeigt, die Chance des Erfolges ziemlich niedrig ist.

Wenn auch bewaffneter Widerstand manchmal hier und da in repressiven Situationen verlangt werden kann, ist es eine andere Sache, der Romantik der Pistole zu erliegen und sich mit dem städtischen Guerillakrieg in relativ offenen Gesellschaften zu beschäftigen, in der die bürgerlichen Freiheiten noch relativ intakt sind und es eine populäre Massenunterstützung für die Pistole nicht gibt.

Die Gewalt in solchen Situationen tut wenig, aber treibt die Öffentlichkeit in die schützenden (Waffen-)arme der Regierung. Es engt den politischen Dialog in Pro- und Antiguerillagruppen ein, es verwandelt die Politik in einen „Zuschauersport“ für die Mehrheit der Leute, es versorgt die Regierung mit einer handfesten Entschuldigung bürgerliche Freiheiten zu unterdrücken und es veranlasst die repressiven Regierungen, ihr Regime noch besser auszubauen.

Es ist auch noch erwähnenswert, dass die Erfolgschancen  solcher gewaltsamen Kampagnen mikroskopisch gering sind.  Sie sind einfach nur arrogante, schlecht durchdachte Strassen in die Katastrophe.

Anarchismus ist nicht Verwirrung, ist nicht Verwerfung der Organisation.

Das ist eine andere sehr populäre falsche Auffassung, wiederholt bis zum Erbrechen durch die Medien und der politischen Feinde, besonders durch die Marxisten – ein kurzer Blick auf die Werke des Anarchismus bestätigt, dass dieser Glaube irrtümlich ist.

Immer wieder in den Schriften von Proudhon , Bakunin , Kropotkin , Rocker , Bookchin usw. findet man keine Verwerfung der Organisation, aber eine Hauptbeschäftigung damit, wie eine Gesellschaft in der Übereinstimmung mit den anarchistischen Grundsätzen der indivuellen Freiheit und sozialer Gerechtigkeit organisiert werden kann.

Seit jetzt eineinhalb Jahrhunderten haben Anarchisten behauptet, dass Zwangsorganisationen (wie durch eine Regierung verkörpert) nicht mit einer natürlichen lebenswichtigen Organisierung gleichzusetzen ist und dass die Zwangsorganisationen durch dezentralisierte, nicht hierarchische Organisationen gegründet auf freiwillige Mitwirkung und gegenseitiger Hilfe ersetzt werden sollte.

Das ist kaum die Verwerfung einer Organisation.

Anarchismus ist nicht amoralische Ichbezogenheit

Wie in jeder sozialen Bewegung zieht vor allem der Anarchismus Flocken, Parasiten, Soziopathen an. Personen, die einfach nur nach einem glamourösen Etikett suchen um ihre oft pathologische Ichbezogenheit, ihre Missachtung für die Rechte und die Dignität von anderen und ihren erbärmlichen Wunsch zu bedecken, das Zentrum der Aufmerksamkeit zu sein.

Diese Personen neigen dazu, Anarchismus einen Verruf zu geben, wenn sie auch selbst wenig über den wirklichen Anarchismus wissen.

Sie verhalten sich oft ganz exhibitionistisch und ihre üblen Handlungen treten dann viel zu oft ins öffentliche Auge ein. Um das ganze noch schlimmer zu machen, veröffentlichen ( V) diese Exhibitionisten manchmal ihre selbstverherrlichenden Ansichten als „Anarchist“.

Solche Personen benutzen dieses Etikett in dem Sinne, wie die jetzt verstorbene „DDR“ das Etikett „demokratisch“ und „Republik“ benutzt hat.


Das ist das, was der Anarchismus nicht ist.

Und dies, was er wirklich ist:

In seinem Grundsatz ist Anarchismus einfach die Verwerfung des Staates, die Verwerfung der Zwangsregierung. Unter dieser äußerst schmalen Definition sind sogar solche Absurditäten wie“ Anarcho-Kapitalismus “ und „ religiöser Anarchismus “ möglich.


Die meisten Anarchisten gebrauchen den Begriff in einem viel breiteren Sinne, in dem er die Verwerfung des Zwanges an sich in allen Formen definiert. Also, die meisten Anarchisten weisen nicht nur Zwangsregierung, sondern auch Religion und Kapitalismus zurück, die sie als Zwillingsübel des Zwangs sehen.

Sie weisen Religion zurück,  sie weisen Kapitalismus zurück, weil letzterer arm und reich erzeugt, einige die Ordnungen geben und andere wenig Wahl haben, sie zu nehmen. Aus gleichen Gründen weisen fast alle Anarchisten Sexismus, Rassismus zurück, von denen alle Ungleichheiten und damit Überlegenheiten produziert werden.

Um einen anderen Weg zu gehen, glauben die Anarchisten an die Freiheit (im negativen und positiven Sinne)

Im Staat wird Freiheit negativ erlebt. Viele Einschränkungen werden mit „Redefreiheit“ und „Religionsfreiheit“ kompensiert.

Aber es gibt einen starken positiven Aspekt der Freiheit, ein Aspekt, auf dem fast alle Anarchisten bestehen.

Der Aspekt ist, wozu Emma Goldmann die Freiheit anrief. Diese Freiheit ist die Freiheit der Handlung.


Diese Freiheit zu genießen oder zu benutzen, ist im Staat abhängig von den persönlichen Reichtümern.

Wegen dessen  sind die Reichen in einem bestimmten Sinne freier als der Rest von uns.

Um ein Beispiel aus der „Redefreiheit“ anzuführen:

Donald Trump konnte Dutzende von Tageszeitungen und Fernsehstationen leicht kaufen, um seine Ansichten fortzupflanzen und öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Wie viele arbeitende (und noch weniger erwerbslose, d. Übersetzer) Menschen können dasselbe tun? Ja, wie viele arbeitende Menschen können es sich leisten, eine einzelne Zeitung  oder eine einzige Fernsehstation zu kaufen? Die Antwort ist klar!

Arbeitende Menschen können solche Dinge nicht tun. Bestenfalls können sie Leserkreise bilden oder in ihren wenigen Stunden der „Freizeit“ einzelne Internetseiten erstellen.

Beispiele der größeren Freiheit der Reichen innerhalb einer staatlichen Ordnung sind im täglichen Leben im Überfluss.

Weil sie nicht arbeiten müssen, haben die Reichen nicht nur mehr Geld, und damit mehr Zugang zu allen Mitteln, sondern auch viel mehr Zeit, um ihre Interessen, ihr Vergnügen und ihre Wünsche zu verfolgen als die meisten von uns.

Um ein konkretes Beispiel anzuführen, sind die Reichen frei, ihre Kinder an die besten Universitäten zu senden, die die besten Lehrer beschäftigen. Die studierenden Kinder der Reichen sind anschließend in der Lage völlig frei ihre Studien zu verfolgen, während die anderen mindestens Teilzeit arbeiten müssen, um sich zu unterstützen, der sie vieler Stunden beraubt, die gewidmet werden könnten, um zu studieren.

Anatole France illustrierte sehr gut die o.a. Unterschiede, als er schrieb: Das Gesetz in seiner majestätischen Gleichheit verbietet es Reichen sowie den Armen, unter Brücken zu schlafen, in den Strassen zu betteln und Brot zu stehlen


Weil die primäre Absicht des Anarchismus der größtmögliche Betrag der Freiheit für alle ist, beharren die Anarchisten darauf, dass diese Freiheit  auch in ihrem negativen Sinne erreicht wird, frei zu sein, zu tun, was sie wünschen, solange sie nicht schaden oder sich direkt in das Leben der anderen einzudrängen und im positiven Sinne, dass alle Personen die gleiche Freiheit haben, sich die Welt anzueignen und all ihre Mittel und Möglichkeiten.


Anarchisten erkennen an, dass die absolute Freiheit eine Unmöglichkeit ist. Wofür sie einstehen, ist dass bei jeder gleichen Freiheit der Respekt vor dem anderen einhergeht.

Das ist Anarchismus in seinem akademischen Sinne.

In Kuba, wie in Spanien und einigen anderen Ländern, hat es ernsthafte Versuche gegeben, diese Theorien durch die Bewegung der Anarchosyndikalisten bekannt zu machen. Der primäre Zweck des Syndikalismus ist der Ersatz der Zwangsregierung durch die freiwillige Mitwirkung  in der Form der von den Arbeitern kontrollierten Vereinigungen, die die komplette Wirtschaft koordinieren. Ein riesiger Schritt zum Erzielen der Freiheit.

Das nächste dieser Visionen, was sich verwirklichte, war in der spanischen Revolution (1936-1939), als große Teile Spaniens, einschließlich der schwer industralierten Gebiete Kataloniens,unter der Kontrolle der Confederacion Nacional del trabajo (CNT) kamen.

George ORWELL beschreibt dies in seiner Huldigung an Katalonien:

Die Anarchisten hatten noch die eigentliche Kontrolle Kataloniens und die Revolution war im vollen Schwingen ... Barcelona war erschreckend und überwältigend. Es war das erste Mal, dass ich in einer Stadt war, wo die Arbeiterklasse im Sattel saß. Praktisch war jedes Gebäude jeder Größe von den Arbeitern ergriffen worden und wurde entweder mit roten Fahnen und mit den schwarz-roten Fahne der Anarchisten drapiert ...Jedes Geschäft und Cafe hatte eine Inschrift, die besagte, dies sei nun kollektiviert.

Kellner und Schuhputzer sahen Ihnen ins Gesicht und behandelten Sie wie einen Gleichen.Unterwürfigkeit war verschwunden.... revolutionäre Poster waren überall, von den Wänden in leuchtendem Rot ... all das war sonderbar und bewegend. Es gab vieles, was ich nicht verstand, was ich auch nicht sofort mochte, aber ich erkannte es sofort als einen Wert der Lage der Dinge an, um die es zu kämpfen lohnte ....“

Das ist es, worum die kubanischen Anarchisten kämpften.Auch wenn sie nicht erreichten, was ihre spanischen Genossen taten, bauten sie doch eine der größten anarchosyndikalistischen Bewegungen, die die Welt jemals gesehen hatte, welche an ihrem Höhepunkt in den 20erJahren 80.000 bis 100.000 Arbeiter in auf anarchistischen Grundsätzen beruhenden Vereinigungen umfasste.

Dieses wurde allerdings nur mit unersetzlichen Kosten erreicht: Unzählige kubanische Anarchisten bezahlten dafür mit ihrem Leben, Haft oder Exil

DIES IST IHRE GESCHICHTE


Kolonialismus und Separatismus    (1865 – 1898 )

antes

Kubanische Gesellschaften  des 19. Jahrhunderts besaßen eine Reihe von in der   Westhalbkugel einzigartigen Eigenschaften. Vom Anfang des Jahrhunderts war die Ausnutzung des wirtschaftlichen Reichtums Kubas Angelegenheit der weißen herrschenden Klasse gewesen, hier besonders der des spanischen Adels. Diese kreolische Aristokratie hatte genug Macht und Reichtümer, die spanische Politik während des Kolonialzeitalters zu beinflußen.

Während sich der Rest Lateinamerikas der spanischen Kolonialpolitik widersetzte, dachte die kreolische Geldherrschaft in Kuba mehr an sich als das Fernando der Siebte in Spanien wollte und setzte sich dann auch bewusst jedem noch so bescheidenen Reformansatz entgegen.

Die Kultivierung des Zuckerrohrs, des Tabaks und des Kaffees waren die Grundlagen des landwirtschaftlichen Überflusses in Kuba und um sich damit auf den internationalen Märkten durchzusetzen, brauchte Mann billige Arbeitskräfte. Kubas Plutokraten sorgten – oft in offenen Auseinandersetzungen mit der Kolonialregierung – deshalb für die massive Einfuhr von afrikanischen Sklaven.

So ergab sich in diesen Jahren in der kubanischen Gesellschaft folgende pyramidale Klassenstruktur

Zuckerbarone und Spanische

                                                            Kolonialbeamte

                                              Handwerker, Arbeiter in Industrie, Zucker-und

                                              Tabakplantagen zusammen mit den freien

                                              Schwarzen sowie den Campesinos

Und am unteren Ende waren all die schwarzen Sklaven aus Afrika


Zwischen den beiden unteren Klassen gab es jedoch keine klar verlaufenden Grenzen trotz der vielen rassischen und sozialen Abteilungen. Campesinos und spanische Einwanderer wurden oft genauso gesehen und behandelt wie die schwarzen Sklaven.

In dieser Gesellschaft gab es keine soziale, rassische, politische oder wirtschaftliche Integration. Das war hauptsächlich, weil Kuba eine spanische Kolonie war und dass primäre Interesse der spanischen Regierung im Machterhalt auf der Insel lag. Je mehr die kubanische Gesellschaft geteilt war, umso leichter war es für die Spanier den Reichtum der Insel auszubeuten und ihre eigene Macht zu bewahren.

Seit mehr als drei Jahrhunderte hielten die spanischen Behörden diese Situation aufrecht.

Aber trotz des vernichtenden Einflusses der spanischen Kolonialpolitik fanden neue Ideen ihren Weg nach Kuba.

kuba espanola

Bis zur Mitte des 19.Jahrhunderts gab es politische Tendenzen in folgende Richtungen:

- nationale Unabhängigkeitsbestrebungen

- Reformansätze (mit Kuba als spanische Kolonie)

- Integration in die USA oder Integration in die spanische Monarchie

In dieser Phase war die revolutionäre Unabhängigkeitsneigung eine rein intellektuelle Angelegenheit(wenn auch schon von einigen Kreolen durchaus vertreten) jedoch war die Stufe der Verschwörung noch nicht erklommen, während sich der Reformansatz (das Erreichen kleiner wirtschaftlicher und politischer Änderungen durch Anerkennung des Status quo) durchaus bei einigen Zuckerbaronen und der kreolischen bürgerlichen Klasse Anklang an, zumal der integrationale Ansatz hinsichtlich der USA misslang.

Zwei gescheiterte Invasionen Exilkubaner um 1850 sowie die Niederlage des nordamerikanischen Südens im Bürgerkrieg ließ – erst einmal – die Hoffnung auf eine Annexion durch die Vereinigten Staaten fallen.

Die wohl einflussreichste Neigung war die der Integration mit Spanien. Das war gegeben, waren doch die mächtigsten Kräfte in Kuba von der spanischen Kolonialmacht politisch wie wirtschaftlich abhängig. Ihr Slogan: !Kuba espanola! (=Kuba spanisch) zeigte ihre Position klar!

 buena idea

Um 1850 begannen sich dennoch bei den kubanischen und spanischen Arbeitern ganz neue soziale Vorstellungen auszubreiten. Die massive spanische Emigration nach Kuba ( vor allem aus Galizien) brachte eine Reihe von Vorstellungen mit, für die das kubanisch-spanische Proletariat  bei den herrschenden jämmerlichen Bedingungen sehr empfänglich war.

Spanische Einwanderer wurden von ihren eigenen Landsleuten wie Sklaven behandelt, 16-18 Stunden Arbeit bei einer 7 – Tage-Woche waren typisch.

Eine der Industrien, in der solche Arbeitsbedingungen normal waren, war die Tabakindustrie

In der nicht nur die Arbeit ungesund war und die Bezahlung niedrig, sondern die langen Arbeitsstunden von der Monotonie und der Unsicherheit geprägt waren.

So wirkten die Ideen, die die spanischen Einwanderer ihren kubanischen Elendsgenossen mitbrachten, um eine neue soziale Bewegung zu erzeugen, die schnell auch die Campesinos und afrikanischen Sklaven beeinflussten.

Es war in der Zeit, als die sozialen Ideen von Pierre Joseph PROUDHON auch in Kuba einflussreich wurden. Seine Sozial-und Wirtschaftstheorien unter dem Titel „Mutualismus“ und die damit verbundenen Ideen hatten großen Widerhall in Europa und beeinflussten nachhaltig die Anfänge des kubanischen Anarchismus. PROUDHON hatte viele Anhänger bei den progressiven Arbeitern und Handwerkern auf der Insel und hier besonders bei denjenigen in der Tabakindustrie ---- den ersten, in denen sich eine Art Klassenbewusstsein bei den kubanischen Arbeitern entwickelte.

1857 wurde der erste „mutualistische“ Verein in Kuba gegründet. Dies war der erste Schritt zur Entwicklung einer Zivilgesellschaft innerhalb des kubanischen Proletariats, wenn auch unglücklicherweise zu einer Zeit, als die in dieser Zeit gegründete Handwerkervereinigung sich elitär und rassisch von ihnen abgrenzte.

Aber die „Mutualisten“ legten das Fundament, auf dem sich die kubanischen Arbeiter organisieren und weiterentwickelten konnten.

 la aurora

1865 kam es zum ersten Aufstand. In den Tabakfabriken „El fígaro“und „Hija de Cabanas“

forderten 400 Tabakarbeiter eine Lohnerhöhung, dem die Eigentümer beider Fabriken beikamen.

In dieser Zeit kam der Asturier Saturnino Martínez in Kuba an und fand Arbeit in den Tabakfabriken. Er war rasch Mitglied der Tabakarbeitervereinigung und Ende 1865 erschien die erste, von ihm herausgegebene Wochenzeitung „ La Aurora “, in welcher er zusammen mit dem Ingenieur José Márquez Proudhons Ideen der Konsumgenossenschaft verbreitete.

Martínez, obwohl von Proudhons „gegenseitiger Hilfe“ angetan, war kein Anarchist und seine Vorschläge bezüglich der Organisation der Arbeiter in der Tabakindustrie waren nicht wirklich revolutionär. Die Zeitung „La Aurora“ sah ihre primäre Mission in der Ausbildung und Hilfe für die kubanischen und spanischen Arbeiter, sich „intellektuell“ zu entwickeln.

„La Aurora“ verteidigte das Recht der Arbeiter, freie Vereinigungen zu gründen, bezog aber strenggenommen die Position der „ Partido Reformista “, auf deren Maschinen die „Aurora“gedruckt wurde.

Dennoch war es die erste Arbeiterzeitung und Martínez stellte sich von Anfang an in den Schutz von Arbeitervereinigungen.

                                                         Er führte auch die Praxis des „ VORLESERS“

In die Tabakfabriken ein, eine Praxis, die im Fort

                                                         Pflanzen anarchistischer Ideen bei den Tabakarbeitern

                                                         Eine enorme Bedeutung bekam.

Aber die erste offen anarchistische Anwesenheit beginnt ca. 1880.

Im vorangegangenen ersten Unabhängigkeitskrieg gegen Spanien (1868-1878) war der kubanische Drucker Campos in New York mit spanischen Anarchisten in Kontakt gekommen. Diese brachten regelmäßig und geheim Druckschriften und Zeitungen von Barcelona nach New York und von da aus über u..a. Campos nach Kuba.

Es war die Zeit wo die Ideen des Anarchismus einen beispiellosen Einfluss unter Arbeitern und Bauern in Frankreich, Italien, Russland und vor allem in Spanien nahmen.

Sein Hauptvertreter war der bemerkenswerte MIKHAIL BAKUNIN, der russische Schriftsteller und Revolutionär, der Proudhons Ideen am ausführlichsten behandelte.

Die verschiedenen Richtungen zwischen Marxismus-Sozialismus und dem revolutionären anarchistischen Sozialismus waren bereits in einigen Kongressen in Europa demonstriert worden. Ideologisch waren diese Unterschiede am deutlichsten durch die Personen von MARX  zum einen und eben BAKUNIN zum anderen aufzuzeigen.

Die revolutionären Vorstellungen von Bakunin wurden durch die Federación Regional Espanola (FRE) im Kongress von Barcelona 1881 angenommen und sie hatten einen eindeutigen Einfluss auf die militanten revolutionären Arbeiter in Kuba. Die kubanische Arbeiterklasse begann ihr Klassenbewusstsein zu entwickeln und die ersten Forderungen nach Neuverteilung von Reichtum und Macht begannen.

1882 begannen die kubanischen Anarchisten gegen die Prediger des Reformismus zu Felde zu ziehen, hier vor allem gegen den o.a. bekannten Saturnino Martínez (wir erinnern uns: Herausgeber von „La Aurora“). Sein Reformismus war jetzt näher bei den herrschenden Klasseninteressen als bei den Arbeitenden. Martínez verteidigte  offen und vehement Kollaborationen mit den kapitalistischen Interessen um als Entgelt für den Arbeitsfrieden Reformen durchsetzen zu können – dies wurde nun kraftvoll von den Arbeitern zurückgewiesen.

Der kubanische Anarchismus  gewann durch diese kämpferische Haltung immer mehr Anhänger. Einer ihrer Sprecher war Enrique Roig San Martin:

Roig San Martin (1843-1889) war in La Habana geboren und wenn nicht der überzeugenste so doch wohl der am meisten respektierte Anarchist in der kubanischen Geschichte. Diese charismatische Persönlichkeit war ein Denker und Autor, dessen Schriften zuerst 1883 im „ El Obrero “ erschienen, die erste kubanische Zeitung, die eine ausdrücklich anarchistische Position innerhalb der kubanischen Arbeiter einnahm. Er schrieb danach für „ El Boletín del Gremio de Obreros “ 1884 und 1885, die Zeitung der Tabakarbeiter.

1887 gründete Roig San Martin in Havanna dann die einflussreiche Zeitung „ El Productor

die am 12.Juli diesen Jahres zum ersten Mal erschien.

„El Productor“ wurde schnell das meistgelesenste Blatt bei den Arbeitern in Havanna und so konnte sie zweimal in der Woche erscheinen. Außer San Martin arbeiteten noch weitere angesehene Anarchisten bei dieser Zeitung: Enrique Messonier, Manuel Fuentes und

Enrique Creci .

el productor

 „El Productor“ hatte über die Tabakindustrie hinaus Einfluss und vertrat tatsächlich den

Ehrgeiz der kubanischen Arbeiterklasse als Ganzes: es war die erste schriftliche Plattform, um die Idee des Klassenkampfes zu entwerfen, und bot Kuba den Arbeiter-Anarchismus als die klare Alternative zur spanischen Kolonialpolitik und Kapitalismus.

Der Sitz der Redaktion war in Havanna, die Zeitung hatte Korrespondenten in Santiago de Las Vegas, Guanabacoa,  Tampa und dem Schlüsselwesten. Als Material erschienen lokale Berichte, Briefe und Übersetzungen von Artikeln aus europäischen anarchistischen Zeitungen wie „ Le Revolté “ (editiert von Elisée Reclús in Paris) und „ La Acracia “ aus Barcelona.

El Productor “ wurde vor allem von dem Bäcker Rafael García finanziert, den der kubanische Historiker Rivero Muniz einen leidenschaftlichen“ Partisanen des anarchistischen Ideals“ nennt. Die Zeitung wurde innerhalb der Tabakindustrie aber auch von Arbeitern aus anderen Industriebereichen in Umlauf gesetzt.

alianza obrera

Die Streiks, die die kubanische Tabakindustrie am Ende des Jahrzehnts durchrüttelten, wurden auschliesslich von den Anarchisten organisiert und in „ El Productor “ ausführlich gefeiert.

Die Streikaktionen sowie die Produktion von „El Productor“ wurden von einem Komitee bewegt, die hauptsächlich von Tabakarbeitern aus den verschiedenen in Havanna gegründeten Arbeitsvereinigungen bestanden.

Um dies zu erleichtern und die Versuche der verschiedenen Arbeiter und dieProduktion der Zeitung zu koordinieren, wurde eine revolutionäre Organisation mit anarchistischen Wurzeln geschaffen:  die „ ALIANZA OBRERA “.

Diese Allianz stellte das erste anarchistische Programm als Test der kubanischen Arbeiterschaft zur Verfügung. Am 1.Oktober 1887 wurde mit Unterstützung von Roig San Martin der erste „ Congreso Obrero de Cuba“ gestartet, gesponsert von der kurz zuvor geschaffenen „ Federación de Trabajadores de Cuba“ (FTC) , eine revolutionäre sozialistische Verbindung.

Eine Mehrheit der FTC waren Tabakarbeiter, obwohl Mitglieder von vielen anderen Branchen wie Schneider, Bäcker, Barrelschöpfer und Schiffsbeladner unter ihnen waren.

Der Ablauf des Kongresses umfasst folgende sechs Punkte:

  1. Opposition gegen alle Spuren von Autorität in Arbeiterorganisationen
  2. Einheit der Arbeiterorganisationen durch föderative zusammenschlüsse entlang der linie der FTC
  3. Freiheit der Aktion bei allen zusammenarbeitenden Gruppen
  4. gemeinsame Mitwirkung
  5. Solidarität unter allen gruppen
  6. das Verbot innerhalb der Förderation von allen politischen und religiösen Doktrinen.

Durch diese Organisierung, wurden die Tabakarbeiter immer selbstbewusster und riefen weitere Streiks in Havanna aus. Im Oktober 1887, unter dem Schutz der Federación, der Alianza und „El Productor“ fanden drei Streiks gegen die Arbeitsbedingungen statt.

Der erste Streik wurde an der Fabrik von La Belinda ausgerufen, der zweite in der Hupmann

Fabrik, weil dort einige Arbeiter ohne Grund entlassen und auf die schwarze Liste gesetzt worden waren.

Und der dritte fand statt in einer Fabrik, die La Intimidad genannt wurde.  Dieser Streik dauerte den ganzen November und laut einem Artikel im „El Productor“ wurde der Streik am 24.November erfolgreich beendet.

la lucha continua

ImJuli 1880 riefen die Tabakarbeiter der Fabrik von Henry Clay zum Streik, der durch die Fabrikbesitzer selbst provoziert worden war. Der Eigentümer Francisco Gonzalez war Präsident der mächtigen „Union de Fabricantes“(eine Vereinigung von Industrieeigentümern).

Roig San Martin war an diesem Streik persönlich beteiligt und der Kampf breitete sich schnell auf die anderen Tabakfabriken in Havanna aus. Als es offenbar wurde, dass sich die meisten anderen Tabakarbeiter mit dem Streik solidarisieren würden, riefen die Eigentümer zur industrieweiten Aussperrung auf.

Die Mitglieder des „ Circulo de Trabajadores “ (eine weitere von Anarchisten organisierte Arbeiterorganisation) sowie eine Schule für 500 arme Kinder begannen im September Spenden für die streikenden Arbeiter zu sammeln. Gemäß dem amerikanischen Historiker Gerald POYO sandten sie auch drei ihrer Genossen, Fernando Royes , Eduardo González y

Isidro Graus in den Schlüsselwesten, um Hilfe von den dortigen Tabak-Arbeitern zu bekommen.

Endlich, am 18.Oktober, gab San Martin im „El Productor“ bekannt, dass Verhandlungen in mehr als 100 Fabriken aufgenommen wurden – diese Verhandlungen liefen dann auf Vereinbarungen hinaus, die einen Sieg der Tabakarbeiter wurden.

arriba

Die sich organisierenden Versuche unter den Tabakarbeitern blieben nicht auf Havanna beschränkt. Die „ Alianza Obrera “ wurde auch in den US-Zentren der Tabakindustrie und vor allem im Schlüsselwesten, in den riesigen Tabakanbaugebieten sehr bekannt.

1887 organisierten Arbeiter sich in  einer lokalen Gruppe der „Federación de Tabaqueros“ im Schlüsselwesten, die fast alle Tabakarbeiter des Gebietes umfasste. Die Organisatoren waren zwei bemerkenswerte Anarchisten, Enrique Messonier und Enrique Creci , die zusammen mit Enrique San Martin das „Trio“ genannt wurden oder humorvoll „Los tres Enriques“. San Martins  Schriften hatten enormen Einfluss unter den kubanischen Arbeitern – vor allem in sozialen Fragen. Messonier war ein glänzender Redner, Creci ein Mensch der Aktion und San Martin ein Mensch des geschriebenen Wortes –

Im Schlüsselwesten (und in Tampa) war die wichtigste Industrie der Produktion des Tabaks und der Zigaretten und die Arbeitsorganisation blieb in den Händen der Anarchisten, die von Kuba angekommen waren und die zwischen den beiden Ländern hin und her reisten.
Einige dieser herausragenden Arbeiter dieser Periode waren Carlos Balino, Segura, Leal , Palomino und Ramón Rivero y Rivero , die alle anarchistischen Glaubens waren.

1889 riefen die Arbeiter einen Generalstreik im Schlüsselwesten aus – diesmal mit Unterstützung der Arbeiter aus Havanna.

Die Emigration des vergangenen Jahres, die Reisen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten durch anarchistische Organisatoren wie Creci , Messonier und Boves , die Anwesenheit anarchistischer Arbeiter sowie die Artikel des „El Productor“ in den Tabakwerkstätten hatte ein günstiges Bewusstsein geschaffen.

Durch Missbrauch durch die Eigentümer und Gehaltsforderungen waren kurz zuvor Unruhen in verschiedenen Fabriken ausgebrochen. Diese Unruhen wurden in Havanna mit Begeisterung aufgenommen und es gab ein großes Gefühl der Solidarität beiderseitig den Kanälen Floridas.

Die Arbeiter hatten im Schlüsselwesten bereits die lokale Gruppe `Federación de Tabaqueros` gegründet und Rivero y Rivero reiste nach Havanna und die „Alianzia“ über die Möglichkeiten eines Streikes zu informieren.

La Huelga

Als dann der Generalstreik im Oktober 1889 ausbrach, waren die Tabakarbeiter alle bereit. Die Ursachen dieses Generalstreikes waren miese Arbeitsbedingungen, Gehaltsforderungen und ganz allgemein die enormen Unterschiede in den Existenzbedingungen zwischen denjenigen, die die Fabriken besaßen und denen, die in ihnen arbeiteten.

Der Schlüsselwesten war von der Tabakindustrie total abhängig und der Streik lähmte die Region.

Die kubanischen Separatisten, die, die für eine nationale Unabhängigkeit eintraten, erkannten die Gefahr, die von den streikenden Arbeitern ausging und stellten sich auf die Seite der Fabrikbesitzer. Das machte sie nicht populärer, hinderte sie allerdings auch nicht daran, die anarchistischen Streikenden in die angeblichen Dienste Spaniens zu stellen und Streikbrecher auf die Arbeiter loszulassen . Creci y Messonier wurden bedroht, behindert und schließlich durch die Behörden ausgewiesen, die im Dienst der Eigentümer standen.

Endlich, Anfang 1890 trotz  Streikbrecher, Gewalt und Ausweisung von führenden Anarchisten endete der Streik mit einem Triumph für Floridas Tabakarbeiter. Die Eigentümer kamen zu einer Überseinstimmung mit den Streikenden und gaben den Forderungen nach.

Te recuerdo a Roig

Ein harter Schlag für die Anarchisten in Kuba war der überraschende Tod von Roig San Martin, der mit 46 Jahren aus einem diabetischen Koma nicht mehr erwachte. Ein paar Tage vorher war er – da schon schwer krank – aus einem Gefängnis der spanischen Kolonialregierung befreit worden.

Er wurde von den Arbeitern überall in Kuba sowie im Schlüsselwesten, in Mérida (Yucatan) und New Orleans betrauert und laut der Tageszeitung „La lucha“ wohnten mehr als 10 000 Personen seinem Begräbnis bei. Tausende von Blumenkränzen wurden auf sein Grab gelegt und „El Productor“ widmete ihm eine Sonderausgabe, in welcher Roig´s engste Kameraden ihm ihren Respekt zollten.

Roig hatte in seinem Leben wenig Frieden. Seine Verteidigung der Arbeiter, seine sozialen Überzeugungen und seine Wirtschaftsvorstellungen brachten ihn in Konflikt mit fast jedem.

Für seine Weigerung, die Angriffe auf die Kolonialregierung und vor allem die Helfershelfer zu unterlassen, wurde er ins Gefängnis gesteckt. Als Aufhänger wurde ein Artikel von ihm im „El productor“ benutzt ( Titel : ` o pan o plomo `= entweder Brot oder Blei)

Zum nationalen Separatismus, wo mensch annehmen konnte, dass San Martin mindestens politische Sympatien haben konnte, brachte dieser jedoch nur Verachtung entgegen..

Er erklärte, dass die Errichtung einer kubanischen Republik nur die Verfolgung der unter der spanischen Regierung  begonnenen Arbeiter fortsetzen würde.

Der Konflikt zwischen Roig`s anarchistischen Ideen und seine Opposition gegen den Separatismus einerseits und andererseits die separatistischen Ideen und Antagonismen zum Anarchismus von vielen republikanischen Führern teilte Kuba in zwei sozialpolitische Bereiche und schwächte beide in Bezug auf Spanien.

Roig wird auch von den Marxisten des nationalen Nihilismus und des apolitischen Verhaltens beschuldigt ungeachtet der vielen Beiträge, die Roig San Martin mitorganisiert hatte (Kämpfe, Generalstreiks, Boykott).

Das ist eine völlige Diffamierung und entsprach der marxistischen Tendenz, Geschichte unter dem Deckel des Nationalismus umzuschreiben.

Otra huelga

Die Aktionen der anderen Anarchisten dieser Zeit stimmten mit ihren Ideen überein. Wahlpolitik und Regierungsbeteiligung liessen sie unbeeindruckt und unbeteiligt. Auch dadurch verschlechterten sich die Beziehungen zwischen den kubanischen Anarchisten und der Kolonialregierung.

Die spanische Regierung duldete Vereinstätigkeiten bis zu einem gewissen Punkt und übten so ein System der wachsamen Toleranz aus .

So war es jedenfalls bis zum 20.April 1890 !

In dieser Nacht versammelten sich mehr als ein Dutzend Arbeiter in Havanna in einem Saal des „ Circulo de Trabajadores “ und entschieden sich dafür, eine Demonstration zum Ersten Mai in Übereinstimmung mit der II.Internationalen in Paris zu veranstalten. Dieser Tag sollte den Haymarket-Märtyrern gewidmet sein. Das betreffende Gedenken würde in einer friedlichen und öffentlichen Demonstration bestehen, dessen Absicht es war, die Regierung, die oberen Klassen und die allgemeine Öffentlichkeit von dem Ehrgeiz der arbeitenden Leute erfahren zu lassen.

El 1.05.

Am 1.Mai 1890 marschierten mehr als 3000 Arbeiter durch die Strassen Havannas zu den Strophen der „Marseillaise“ – den 1.Mai zum ersten Mal in Kuba feiernd.

Danach hielten die Anarchisten eine Sitzung, wo 23 Redner sprachen, vor einem überfüllten Saal die sozialen, moralischen und wirtschaftlichen Bedingungen in Kuba angriffen und demonstrierten, dass es jetzt eine aktive anarchistische Anwesenheit innerhalb des kubanischen Proletariats gab.

Nach diesem Erfolg begeisterten die Mitglieder des „ Circulo “ durch mehrere Streiks und die soziale Umwelt begann sich zu bewegen. Der „ Circulo “ umfasst nun nicht mehr nur die Tabakarbeiter, sondern auch Arbeiter von anderen Branchen wie Feuerwehrmänner, Tischler, Drucker, Hotelangestellte und Restaurantarbeiter schlossen sich an. Zum ersten  Mal waren fast alle Arbeiter Havannas sowie einige aus dem Inneren der Insel auf föderativer Basis organisiert.

Es wäre vermessen, zu behaupten, dass all diese Arbeiter Anarchisten waren, aber es steht außer Zweifel, dass sich ihre Hauptmitglieder an Vereinbarungen hielten, die nach anarchistischen Idealen aufgebaut waren.

Was sich hier in ersten Schritten orientiert, wird in den nächsten Jahren als „ Anarchosyndikalismus “ in Kuba bekannt werden. Gemäß dem kubanischen Historiker Moreno Fraginals, war die Arbeiterbewegung in Havanna zu diesem Zeitpunkt die am meisten entwickelte Arbeiterbewegung in ganz Lateinamerika.

In dieser Zeit starb unter mysteriösen Umständen der spanische Befehlshaber General Salamanca. Sein Nachfolger wurde Generalkapitän Camilo Garcia Polaviejo – bekannt als Despot.

Die soziale Situation der Arbeiter in den Tabakfabriken verschlechterte sich, was eine erneute

Welle von Streiks mit sich zog.

Ein Direktor einer Tabakfabrik wurde bei diesen Auseinandersetzungen von aufgebrachten Arbeitern erstochen.

Die Kolonialbehörden nahmen dies  zum Anlass, 11 Arbeiter des „ Circulo “ zu verhaften und sie wegen Mordes anzuklagen. Bei der nachfolgenden Gerichtsverhandlung stellte sich jedoch die Unschuld der 11 heraus und sie wurden freigesprochen.

Nicht zufrieden mit diesem Verlauf befahl General Polaviejo im Dezember 1890 die Schließung  des „ El Productor “, kurz darauf auch die „ Alianza Obrera “ und verbot jegliche Tätigkeit der letzteren.

Polaviejo hasste die Anarchisten und handelte dabei ganz im Sinne des Kolonialregimes in Madrid, die die Anarchisten schon einige Zeit vorher einzuschüchtern versuchten. Viele tauchten unter, während die kreolischen und spanischen Kapitalisten mit offener Waffe die anarchistischen Organisationen bekämpften. Sie nutzten ihren Einfluss um reformerische Arbeiter in Konkurrenzorganisationen zu bringen und gleichzeitig Madrid dahin zu  bewegen, noch  härter gegen die Tätigkeiten jetzt jedes revolutionären Arbeiters vorzugehen – in Kuba sowie auch in Spanien.

La lucha continua

Kubas Anarchisten arbeiteten währenddessen im Untergrund weiter. Bei den  Maifeiern 1891 begannen sie mit der Vorbereitung eines großen Kongresses, der im Januar 1892 dann in Havanna stattfand – danach war General Polavieja nicht mehr Kommandant und die Behörden in Havanna zeigten eine tolerantere Einstellung gegenüber den Anarchisten

 ( Anmerk. d .Übers: Es findet sich bei Fernandéz leider keine näheren Hinweise über diese Änderung )

Der „ Congreso regional Cubano “ traf sich am 15.Januar 1892 und stieß auf großen Jubel der Arbeiterschaft. Es wurde bewusst das Wort „national“ vermieden, weil die Anarchisten zu diesem Zeitpunkt die Vorstellung des „Nationalismus“ schon verworfen hatten.

74 Arbeiter trafen sich bei diesem Kongress, er umfasste Delegierte von allen Arbeitervereinigungen aus Kuba.

Der Kongress war sich bei allen leidenschaftlichen Diskussionen einig, dass sich die Arbeiterklasse solange nicht emanzipieren kann, solange sie nicht „den revolutionären Sozialismus umarmt“, welcher sich in diesen Jahren aus den Ideen des Anarchismus bestand.

Der Kongress erklärte auch, dass sich seine Teilnehmer an alle Unterdrückten auf der ganzen Erde gebunden fühlen und nur mit ihnen zusammen mit jedem weiteren Schritt zur Freiheit kommen

Independencia o libertad

Und in Bezug des latenten politischen  Problems, das auf der Insel zwischen den Integrationsgläubigen und den Anhängern der Autonomie bestand, erklärte die 2.Klausel des Kongresses: Die arbeitenden Menschen Kubas wollen kein Hindernis sein für den Triumph der Emanzipation, weil es absurd sei, dass eine Person, die nach individueller Freiheit strebt, sich der kollektiven Freiheit entgegensetzen würde, wenn die gewünschte Freiheit die der Emanzipation von der Vormundschaft anderer sei.

Es ist hier notwendig, sich diese Klausel zu merken, weil dies zweifelsohne der Schlüssel für die künftigen Beziehungen zwischen Kubas Anarchisten und den Separatisten ist. Der Kampf für die „soziale Freiheit“ trifft auf die Aktionen zur „politischen Emanzipation“.

Schon lange war über die Befreiung von der (Auslands)Regierung nachgedacht worden und für die Anarchisten Kubas war die soziale Freiheit wichtiger als die Schaffung einer unabhängigen kubanischen Republik, weil es wenig oder gar nichts für die Arbeiter bringen würde, wie ROIG schon gestritten hatte.

 Dennoch erklärten die Anarchisten beim Kongress 1892, dass sie den Unabhängigkeitsbestrebungen von so vielen Kubanern nicht im Wege stellen wollten.

Die Unabhängigkeitsbewegung hatte viele Anhänger bei den kubanischen Arbeitern auf der Insel und vor allem in den Emigrantenenklaven gewonnen.

Die sozialen Konflikte und die Streiks, die im vorherigen Jahrzehnt stattgefunden hatten, brachte eine Krise zwischen den Anarchisten, der Tabakindustrie und den Fabrikeigentümern. Nun hatten die berüchtigtsten Unabhängigkeitsverfechter vorwiegend wirtschaftliche Gründe für ihr Eintreten eingebracht – sie wollten einen nationalen Grund-und Fabrikbesitz -  was die an den Anarchisten orientierenden Arbeiter in einen gewissen Konflikt brachten, weil die Separatisten sich Geld von der Tabakindustrie brauchten.

Die „soziale frage“ (Rechte der Arbeiter, eigene Kontrolle über das jeweilige Werk) wurde zu Gunsten der „politischen Frage“ drastisch weggeschoben.

Die Situation begann sich in den ersten Jahren der 1890er zu ändern. Das Manifest des Kongresses von 1892 ist der Beweis, dass Kubas Anarchisten dazu neigten, in Übereinstimmung mit den Separatisten zu kommen, in der Annahme, nun nicht mehr von den Spaniern als ein teilendes Element im Kampf gegen die Unabhängigkeit benutzt zu werden.

Die 2.Klausel löste einen bitteren Geschmack bei den Anarchisten aus, denen die Unabhängigkeitsbewegung als eine schlechte, ja nutzlose Verschwendung der Arbeiterkämpfe

vorkam und führte zu heftigen Debatten innerhalb der anarchistischen Bewegung.

Otra represión

Die Antwort der spanischen Kolonialregierung zum Kongress war das Verbot des freien Zusammentreffens, der Beschlagnahme und der provisorischen Schließung von „El Productor“, das Verbot von Arbeitersitzungen und die Verfolgung des „Circulo“,

Fast alle Veranstalter des Kongresses wurden eingesperrt, einige verbannt, so dass die Anarchisten sich genötigt sahen, zu geheimen Tätigkeiten zurückzukehren

Um mit den Worten des orthodoxen marxistischen Schriftstellers Aleida Plaseneia zu reden:

Am Anfang 1892 wurden die Arbeiter mehr für ihre klassenbewussten Tätigkeiten verfolgt als für ihre Unabhängigkeitstätigkeiten.

Diese Aussage spiegelt die wahre Natur der Dinge wieder und unterstützt auch die Überraschung und gewaltsame Reaktion der Kolonialregierung, als sie den Inhalt des Manifestes vom Kongress 1892 begriffen.

La independencia

Die Kubaner, die sich an der Küste Floridas auf den Unabhängigkeitskampf vorbereiteten, taten dies vor allem in den Brennpunkten von Tampa und des Schlüsselwestens, die seit Jahren die höchsten Zahlen von Kubanern im Exil hatten.

Diese Kubaner organisierten sich in Vereinigungen und in diesen Städten waren Enklaven von Patrioten, Anarchisten, Separatisten und sonstigen Gegnern Spaniens.

Es war genau in diesen Jahren des Anfangs der 90erJahre, als JOSE MARTÍ, der bemerkens-

werteste Patriot Kubas, anfing, Anhänger für diese Idee zu gewinnen.

Zur gleichen Zeit dachten die kubanischen und spanischen Arbeiter in Kuba in den verschiedenen Zweigen der Tabakindustrie über die kubanische Frage nach unter dem sozialen und dem nationalen Gesichtspunkt zum anderen.

MARTÍ , redegewandt, erklärte ihnen die sozialen Vorteile, die nach seiner Idee der Republik kommen würden.

Im Gegensatz zur Sorge von Roig Sa Martin vor einer Republik mit Hass und Blutvergießen

versprach ihnen Martí eine Republik mit Sinn für Freiheit und sozialer Gerechtigkeit.

Unter diesem Einfluss begann die Mehrheit der verbannten Anarchisten, die Unabhängigkeitsbewegung zu unterstützen.

Dies unterstrich Jahre später der Anarchist Pedro Esteve in seinem „ Memoria de la Conferencia Anarquista Internacional“ : „Diese Ideen wurden akzeptiert durch die Anarchisten, in denen das patriotische Feuer noch nicht gelöscht war. Unter der Asche gab's noch heiße Kohlen ..... und auf die Asche blasend, belebte die Kohlen wieder, sie in eine verheerende Flamme verwandelt.“

Diese Worte von Esteve konnten nicht richtiger sein und entsprachen der Redekunst von Martí , der auf diese Asche blies und die separatistische Feuersbrunst erzeugte.

Jose Martí schaffte es dadurch, solch bemerkenswerte Anarchisten wie Creci , Messonier , Rivero yRivero und Balino entscheidend zu beeinflussen, von denen alle kamen, um seine revolutionären Thesen anzunehmen

Die Mehrheit von ihnen setzte jedoch fort, sich auf die Ideen des revolutionären Anarchismus festzulegen, mit Ausnahme nun von Rivero y Rivero und Balino , die ganz zum Unabhängigkeitslager hinübergingen.

Martí nahm begeistert das Manifest des Kongresses von 1892 an und in der gleichen Zeit fanden sich viele in einer Separatistenpartei wieder, die in erster Linie aus Tabakarbeitern innerhalb und außerhalb von Kuba bestand, wo sich hier nun die anarchistischen und separatischen Gefühle versöhnten.

Aus autonomen, dezentralisierten und revolutionären Klubs entstand so diese Partido Revolucionario Cubano (PRC), mit Statuten und Strukturen zusammengehalten, die die direkte Demokratie ermöglichten, soll heißen: die PRC war nicht eine typische politische Wahlpartei, sondern eher eine revolutionäre Bewegung, ein Weg zu Unabhängigkeit.

Die Anarchisten, die sich zusammen unter der separatistischen Fahne gruppierten, waren größtenteils in zwei der Klubs organisiert – der eine trug ironischerweise den Namen von Roig , der andere wurde nach einem andalusischen Anarchisten, Fermin Salvochea, benannt.

Hinsichtlich der taktischen Verbindung zwischen Anarchisten und Separatisten während des Krieges 1895 ist es hier notwendig einen Punkt näher zu klären:

Martí  hatte einige idiosynkretische Ideen über den Anarchismus. Anarchistische Moralprinzipen zogen ihn an und er zog sie bei der täglichen Betracht durchaus in Betracht, gleichzeitig aber verabscheute er die Gewalt des Klassenkampfes zwischen Arbeiter und besitzende Klasse und er neigte weiterhin dazu, zwischen kubanischen und europäischen Anarchismus zu differenzieren.

Martí besaß, im Gegensatz zu seinen sonstigen separatischen Gesinnungsgenossen, ein starkes soziales Gewissen. Er beklagte die Klassenunterschiede und war überzeugt, dass die künftige Republik die gerechte Lösung der sozialen Probleme sein würde – zum Vorteil aller Klassen!

Für ihren Teil hatten die Anarchisten in Kuba und im Exil – verbunden oder nicht verbunden mit dem Separatismus – eine soziale Tagesordnung, die sich vom der Martí`s unterschied.

Dem Beispiel Roig San Martins folgend, strebten sie danach, freier zu agieren als vorher unter der spanischen Zwangsjacke – und die Republik sollte und würde ihr diesen Raum geben.

In Wirklichkeit waren weder der Separatismus noch die „demokratischen“ Vorteile von Martí auch nicht die Ideale einer gerechteren Republikanerregierung das Erstrebenswerte in der revolutionären Tagesarbeit der Anarchisten – wonach sie strebten, waren mehr Freiheiten in ihren Aktionen und Bewegungen in den sozialen Rechten der Arbeiter. Wenn's denn die Republik ermöglicht, dann dient diese Republik auch den Interessen der Arbeiter.

Für Martí  war die Republik das Ende aller Kämpfe,

für die Anarchisten lediglich nur ein Mittel.

Los esquiroles

1893 bestand in Kuba gemäß Pedro Esteve die Periode der „gezähmten Tyrannei“, d.h. eine Periode der stillen kolonialen Regierungswiederanpassung.

Die Anarchisten in Havanna nutzten das aus, um sich umzugruppieren und, Mitte Mai, den „ Circulo de Trabajadores“ an anderer Stelle wiederaufleben zu lassen – und zwar in die „ Sociedad Generales des Trabajadores“(SGT).

Der spanische Historiker Casanovas Codina  übermittelt uns in diesem Zusammenhang, dass in diesem Jahr das Gedenken des 1.Mai unter Ausnahmebedingungen stattfand ... es wurde mit Sitzungen in mehreren Städten und Orten im Westteil der Insel gefeiert.

Während der Depression von 1893 provozierten die Handlungen der Fabrikbesitzer im Schlüsselwesten eine sehr kritische Situation, in der sowohl die kolonialen Behörden als auch von den Eigentümern bezahlte Provos gewaltsame Taten ausführten.

Die Tabakchefs, verbunden mit den jeweiligen Ortsbehörden, bildeten und bezahlten eine bewaffnete Vigilantengruppe zum Zweck der Einschüchterung der Tabakarbeiter. In diesem Konflikt hatten die Arbeiter die Unterstützung der Anarchisten sowie die der Separatisten – hatten sie alle doch einen gemeinsamen Feind.

Diese Behörden in Kuba nutzten diese angespannte Lage im Schlüsselwesten aus, um die wachsende separatistische Bewegung in dieser Stadt zu schwächen. Zu diesem Zweck versuchte der Capitano José Arderiuis, dafür die Anarchisten durch Bestechungsgelder zu gewinnen. Dieses Manöver scheiterte natürlich!

Aber die nun erwerbslos gewordenen Arbeiter im Schlüsselwesten waren in einem elenden Zustand und viele von ihnen gingen nach Kuba, nach Havanna zurück, obwohl die Bedingungen dort auch nicht besser waren.

Die separatische Bewegung hatte vorher von diesen Arbeitern Spenden für die Bewegung bekommen und nun mit der Rückkehr, des Elends und des Wirtschaftskraches nahm die Finanzkraft der Unabhängigkeitsbewegung rapide ab.

Die massive Arbeitslosigkeit in der Tabakindustrie halfen den Anarchisten des SGT : Zwar waren sie außerstande, eine praktische Lösung des sozialen Dilemmas zu finden, jedoch trug die Ankunft der Arbeiter aus dem Schlüsselwesten enorm zum Bewusstsein des Kampfes für die Unabhängigkeit bei.

Die Destabilisierung der Wirtschaft schwächte den sozialen Prozess, in dem die kubanischen Anarchisten arbeiteten.

Dennoch brach Ende 1893 ein Streik in einer Tabakfabrik des Schlüsselwestens aus.
Die Eigentümer reagierten mit Ankündigung von Streikbrechern ( esquiroles ) – 300 Spanier wurden angefordert,

Eine Gruppe von Fabrikeigentümern reiste deshalb nach Havanna, um mit dem Stadtgeneral Callejas, aber auch mit zwei Mitgliedern des SGT, Sabino Muniz und José González Aguirre zu sprechen, um Streikbrecher zu aktivieren.

Natürlich lehnten die beiden ab.

Die Streikbrecher wurden aber an anderen Orten rekrutiert. Die Solidarität aber der Anarchisten in Havanna –vor allem im Hinblick auf das eigene wirtschaftliche Elend – den Streikenden gegenüber war ein Manifest.

Der Plan der spanischen Behörden war es, in der ständigen Debatte zwischen Anarchisten und Separatisten( die Kollision mit den Tabakchefs) eine nationalistische Zutat, Kubaner gegen Spanier, hinzuzufügen.

Die Anarchisten hielten ihre Grundsätze während dieser Zeit aufrecht. Sie gingen keinen Pakt mit den Eigentümern ein und die spanischen Behörden waren die Verlierer in dieser Angelegenheit. Die Separatisten jedoch, die die Trennungslinien zwischen Kubanern und Spaniern bevorzugten, fanden den Plan für ihre Zwecke gut.

Im Schlüsselwesten wurde inzwischen der Streik mit einer Lohnerhöhung beendet. Die (spanischen) Streikbrecher indes bekamen einen feindlichen Empfang von Anarchisten und Separatisten, welche nun zum ersten Mal – wenn auch aus verschiedenen Motiven – in einem sozialen Kampf für die Rechte der Arbeiter vereinigt waren.

Die Kämpfe im Schlüsselwesten hatten leichte Rückschläge, als in Washington der Rechtsanwalt der PRC, Horatio Rubens, in Absprache mit Martí die amerikanischen Behörden überzeugte, das Zusammenziehen von nichtkubanischen Arbeitern in Kuba zu verbieten. So erlitten die Anarchisten in Havanna einen Rückschlag, diejenigen im Schlüsselwesten profitierten allerdings von dieser Situation.

In Anbetracht der gegenwärtigen Schwäche der SGT war es für die Behörden in Kuba nun leicht, das Gedenken zum 1.Mai 1894 zu verbieten. Pedro Esteve besuchte um diese Zeit Havanna und blieb dort drei Monate, währenddessen er ein wöchentliches „soziales Archiv “ veröffentlichte. Er interviewte auch Creci vor dessen Rückkehr nach Paterson, New Jersey, um am „ El Despertar “(Das Erwachen) zu arbeiten.

Esteve, der den Krieg in Kuba kommen sah, fühlte keine Zuneigung für die Unabhängigkeitsbewegung trotz der Freundschaft mit Creci. Er dachte wie Roig San Martin, dass ein separatistischer Krieg niemandem nützen könne und er einer Teilnahme von Anarchisten im kommenden Unabhängigkeitskampf entweder auf separatistischer Seite oder kolonialer widersprechen würde. Esteve bevorzugte eher eine Einstellung der apolitischen Neutralität.

La guerra 1895

Im Februar 1895 brach der kubanische Unabhängigkeitskrieg aus. Durch Martí initiiert fanden sich die Anarchisten, die sich um ihn gesammelt hatten, als Soldaten wieder. Unter diesen trat Enrique Creci , der in dieser Zeit in Tampa lebte, besonders hervor. Er gründete 1895 die Zeitschrift „ El Esclavo “, in der er die Unabhängigkeit Kubas von Spanien verteidigte, in ständigen Diskussionen mit Esteve in Paterson und mit Cristóbal Fuente in Havanna.

Creci kehrte 1896 nach Kuba zurück und starb in einem Feldlazarett in Matanzas an Machetenhieben im Kampf gegen die spanischen Truppen!

Messonier dagegen war 1893 nach einer Rede im Payet Theater für die Unabhängigkeit aus Kuba vertrieben worden. Nach seiner Ausweisung spielte er die Doppelrolle eines „Anarcho-Separatisten“ und diskutierte die Sache der Unabhängigkeit mit dem Rest der anarchistischen Welt.

Zum Unglück von allen starben dann die versprochenen sozialen Änderungen durch Martí selbst.

In den Händen der spanischen Truppen starb am 19. Mai 1895 José Martí, 44 Tage nach Beginn des Unabhängigkeitskrieges.

Im Laufe des Krieges (1895 – 1898) neigten kubanische Anarchisten dazu, zuhause als auch auswärts, mehr in Übereinstimmung mit ihren Grundsätzen zu handeln und weniger wegen ihrer Staatsangehörigkeit. Während in Tampa und im Schlüsselwesten Anarchisten wie Creci, Messonier und Miranda für den Aufstand waren, hörte man in Havanna eher die Meinungen für eine Antikriegsneutralität.

Während also die kubanischen Anarchisten in den Vereinigten Staaten dazu neigten, sich unter der separatistischen Fahne zu versammeln, oder wenigstens wirtschaftlich dazu in Havanna beizutragen, waren viele Anarchisten der Überzeugung, dass der Katastrophe des Bürgerkrieges widersprochen werden sollte und dass solch ein Krieg ihre Aufgabe nicht leichter machen würde.

El carnicero

Zur gleichen Zeit waren die Unterschiede im anarchistischen Lager während des Krieges aber in Kuba nicht spaltend, wo, trotz ihrer Meinung über den Krieg, viele aktiv mit den Separatisten zusammenarbeiteten.

Zum Beispiel wurde die Ankunft von Valeriano Weyler-The als neuer Generalkapitän der Insel von beiden Seiten wahrgenommen, weil er als skrupelloser, brutaler Mensch bekannt war. Der leider erfolglose Dynamitanschlag auf ihn wurde von drei Anarchisten und einem Separatisten durchgeführt, der aus dem Schlüsselwesten kam.

In Havanna wurden Flugblätter an spanische Soldaten verteilt, damit diese ihre Posten verließen und überlaufen sollten.

Es gab auch Dynamitangriffe an verschiedenen Plätzen in Havanna wie Brücken und Gaslinien, die von Casanovas den Anarchisten zugeschrieben wurden.

Die behördliche Vergeltung ließ nicht lange auf sich warten. Weyler unterdrückte streng die Arbeiterbewegung, er verbot das Vorlesen in den Tabakwerkstätten, schloss den SGT und deportierte viele Anarchisten.

Wenn auch lt. Casanovas der Beitrag der Arbeiter zur separatistischen Sache enorm war, war dies nicht allgemein so. Viele Anarchisten setzen dem Krieg ihre Grundsätze entgegen und glaubten, dass dieser den Weg der sozialen Freiheit keineswegs erleichtern würde.

Sie dachten, wie es Roig San Martin tat, das eine Republik in Kuba die soziale Situation nicht ändern würde und nahmen als Beispiel die Republiken in Amerika.

Von Alaska bis Patagonien wurden die Anarchisten mit demselben Eifer verfolgt wie in Spanien.

Die durch den separatischen Aufruhr eingeleitete Gewalt erwiderte die spanische Regierung von Cánovas del Castillo mit ihrer üblichen Brutalität. So kriminell und repressiv, dass es dazu wenig Parallelen im übrigen Amerika fand.

Weyler war mit der kategorischen Order gesandt worden, den Aufruhr zu beenden. Er tat dies mit der so genannten „ Wiederkonzentraionsverordnung “, die mehr Tote seitens der kubanischen Campesinos verursachte als es die spanischen Kugeln taten. Hunger und Krankheit liquidierten in weniger als drei Jahren fast eine ganze Generation von Kubanern, mehr als 300.000.

La sagrada familia

Diese Gräuel wurden intellektuell 1896 durch den katholischen Hilfsgeistlichen Juan Bautista Casas vorbereitet, der Gouverneur der Diözese von Havanna war.

Im Sommer diesen Jahres und mit offizieller kirchlicher Billigung erschien sein Machwerk

La guerra separatista en Kuba, sus causas, medios de terminar y evitar otras“ (Der Unabhängigkeitskrieg in Kuba, seine Ursachen, Mittel der Beendigung und Vermeiden von anderem) in Madrid.

In diesem Werk verteidigte Bautista eine den Nordamerikanern ähnliche Strategie, wie wir sie später auch aus dem Vietnamkrieg kennen, nämlich die Konzentration der Campesinos auf einen engen Raum, damit sie außerstande waren, den Rebellen zu helfen.

Dem Vorschlag Bautistas folgend bestellte Generalkapitän Weyler unter der direkten Befehlsanordnung des spanischen Premiers, Cánovas, dass sich alle Campesinos in einigen wenigen Städten zu konzentrieren hätten. Zum Teil mit Schüssen der spanischen Kolonialarmee wurden die Bauern von ihren Häusern und von ihren Ländereien vertrieben.

Die Städte wurden nun durch die hungrigen, jetzt völlig mittellosen Campesinos regelrecht „überschwemmt“. Weder Weyler noch die spanischen Behörden hatten irgendwelche Pläne für diesen Notfall – Mengen von Menschen starben, nicht nur unter den Campesinos, sondern auch unter den Einwohnern der betroffenen städtischen Gebiete.

La conquista nueva

Die Sterblichkeit erreichte Zahlen, wie sie auf Kuba seit Hunderten von Jahren nicht mehr bekannt war. Die Spanier hatten vor langer Zeit den Krieg nach Kuba gebracht, sie beendeten ihre Regierung auf dieselbe Weise wie sie es 400 Jahre früher schon gemacht hatten, als sie die Stammbevölkerung der ganzen Insel ausgerottet hatten.

Der Umfang dieser „Wiederkonzentrationsverordnung“ wird vom britischen Historiker Hugh Thomas als „Rassenmord“ treffend beschrieben.

Vergleiche mit den russischen Menschenverlusten im 2.Weltkrieg, den serbischen Toten im 1. liegen nahe, die Zahl der Toten des spanischen und amerikanischen Bürgerkriegs verdoppelnd.

Die bewaffnete separatistische Bewegung reagierte auf das von Spanien geschaffene Entsetzen mit dem Terror. Vor dem August 1897 gab es ein Patt – die kubanischen Separatisten hatten keine wesentlichen Fortschritte gemacht und Weyler hatte Kuba nicht beruhigt.

Als ein Beispiel der geteilten Gefühle von Anarchisten über den kubanischen Unabhängigkeitskrieg bildete sich im Januar 1896 das“ Komitee für ein Freies Kuba“ in Paris unter der Federführung von Betances mit Unterstützung von Charles Malato .

Diese Komitee wurde hauptsächlich von französischen Anarchisten wie Achille Steens, Elisé Reclús , Louise Michell , Léopold Lacour , Jean Grave , Sébastien Fauré , Paul Adam und Malato gebildet.

Im Gegensatz dazu hielten Peter Kropotkin in London und Emma Goldman in den Vereinigten Staaten ihre Neutralität aufrecht.

Los imperialistas

All dies brachte die Akademiker bald durch die Ereignisse in Spanien und durch den US-Einmarsch in Konflikte.

Das erste und hauptsächliche Ereignis war der Mord am spanischen Staatschef, Antonio Cánovas, in Santa Agueda in Spanien im August 1897 als Antwort auf Folter und Mord an spanischen Anarchisten im Montjuich-gefängnis und als Antwort auf das kolonialistische Entsetzen, das in Kuba und Philippinen begangen wurde.

Das verschwinden dieses Hauptakteurs der spanischen Außenpolitik war der Endschlag zum

schon dekatenden spanisches Reich. Die Liquidierung von Cánovas, begangen von Miguel Angiolillo mit Mitwirkung von Betances, änderte das Schicksal von fünf Ländern.

Der unfähige Nachfolger von Cánovas, Práxedes Mateos Sagasta, brachte ein zweideutigen diplomatischen Kurs, eine Autonomieverfügung, die keinen zufrieden stellte. Das war zu wenig und zu spät – demonstrierte nur die Schwäche der spanischen Kolonialpolitik.

Die US-amerikanische Regierung nutzte diese Situation aus und begann einen Krieg gegen Spanien im April 1898 und marschierte zeitgleich in Kuba, Philippinen und Puerto Rico ein. Schnell zwangen die Vereinigten Staaten dem, was das kaiserliche Spanien war, ein Friedensabkommen im August desselben Jahres ab.

Der Krieg endete formell mit der Vertragsunterzeichnung im Dezember 1898 in Paris, das den Verlust aller spanischen überseeischen Kolonien verfügte.

Das war eine einzigartige und wohlverdiente Katastrophe für Spanien.

Der Pariser Vertrag, mit dem Spanien seine Kolonien an die Gnade des US-amerikanischen Kapitalismus lieferte, sicherte den Schutz der Eigentümer, die Industrien, die Banken, Geschäfte und Ländereien, besessen von spanischen Bürgern in Kuba.

Qué horror

Ironischerweise hatte die kubanische Unabhängigkeitsbewegung, verbunden mit den Yankees, den Krieg gewonnen, aber den Frieden verloren.

Nach 30 Jahren des Kampfes um die Unabhängigkeit bewegte sich Kuba aus dem Joch der spanischen Kolonialpolitik in das des nordamerikanischen Imperialismus!

Intervention und Republik (1899-1933)

Nachdem die Feindschaft mit Spanien beendet war, fanden sich die Vereinigten Staaten als die dominante Macht in Amerika wieder. Ihre Ausdehnung zum Pazifik war Anfang der 90erjahre beendet, nun wandten sich die Augen des Adlers mit seinem wirtschaftlichen und politischen Ehrgeiz der Karibik zu. Kuba stellte seit den Tagen von Kolumbus den Schlussstein der Nord-Südregion und wurde als Türöffner zum geplanten Panamakanal gesehen. Seit Jahrzehnten war auf dem Potomac heftig darüber nachgedacht worden, Kuba zu besitzen – durch Kauf oder gewaltsame Übernahme .

Es gab jedoch auch Sympathien für die kubanische Unabhängigkeit bei den Nordamerikanern. Das Segment der öffentlichen Meinung widersprach anfangs der Annexion Kubas und der imperialistische Sektor der nordamerikanischen Außenpolitik suchte nach einer Lösung, damit alle Parteien Geschmack am spanisch-amerikanischen Krieg finden könnten – und die Lösung kam.

la grande ilusión

Die US-amerikanische Beschäftigung mit Kuba begann am 1.Januar 1899. Der Militärgouverneur John Brook , beauftragt vom Präsidenten McKinley und in Übereinstimmung mit dem Friedensvertrag von Paris, bot Posten in der neuen Zivilregierung für diejenigen, die zwar Autonomie von Spanien, jedoch keine formelle Unabhängigkeit wollten, aber auch an diejenigen, die die Unabhängigkeit gesucht hatten.

Er entwaffnete die Armee von Máximo Gomez auf dieselbe Art wie die USA die Apachen entwaffnete –  sie kauften sie ihnen ab.

Und vor allem versprach er Kubas Unternehmern und Industriellen Wirtschaftswachstum und sozialen Frieden.

Die Anhänger der Unabhängigkeit schienen sich mit dem Versprechen der künftigen Unabhängigkeit( und mit einigen politischen Ämtern) zufrieden zu geben. Diese versprochene Unabhängigkeit war auf ihr Talent für „gutes“Benehmen und ehrliche Absichten während der nun folgenden Periode abgestimmt, womit sie nun auf die Probe gestellt wurden.

Immer natürlich vorausgesetzt, dass die Regierung in Washington ihnen das Recht auf die Unabhängigkeit abtrat, nahm man allgemein an, dass diese domestizierten Separatisten die Spiele mitspielten.

In dieser Szenerie öffnet sich der erste Vorhang der nordamerikanischen Politik in Kuba.

Die erste soziale Unruhe kündete sich bei einer Ausgrabung in Matanzas an. Offiziere und Veteranen des Unabhängigkeitskrieges transportierten die Leiche von Enrique Crecí von einem nicht markierten Grab nach Havanna. Die neugegründete kubanische Polizei verbot einem Arbeiter mit einer roten Fahne vorneweg zu marschieren.

Ein Handgemenge entstand zwischen den Anarchisten und Veteranen auf der einen und der Polizei auf der anderen Seite.

Und so floss neues Blut.

Die separatistischen Führer im Leichenzug umschlossen Betancourt und Juan Gualberto Gómez,  während Dr. Francisco Federico Falco von der Polizei daran gehindert wurde, seine Lobrede auf Crecí zu halten.

Dr. Falco kam Ende des Krieges von Italien nach Kuba. Er folgte seinem Landsmann Orestes

Ferraras , der sich trotz seiner anfänglichen Verbindung mit dem Anarchismus nun mit der kubanischen Unabhängigkeitsbewegung verbunden hatte. Ferrares , im Range eines Oberst, war zum Zwischenzivilgouverneur der Provinz von Las Villes ernannt worden.

Er erinnerte sich in seinen Lebenserinnerungen, dass in Sagua dal Grande ein Streik gegen Großhändler, spanische Industrielle und der britischen Eisenbahngesellschaft ausbrach.

Ferraras ergriff Partei für die Arbeiter. Das Einkommen der Kapitalisten war um 200 % gestiegen, während Lohnerhöhungen aufgehoben worden waren.

Sein Rangieren für die Arbeiter brachte ihm Probleme mit der Besatzerregierung und er wurde gezwungen, seinen Posten aufzugeben und Kuba provisorisch zu verlassen. De Falco folgte ihm.

Huelgas

Im selben Jahr (1899) begann eine neue Stufe des sozialen Kampfes in Kuba. Seine erste Manifestation war ein Streik der Maurer, der am 20.August begann. Er streckte sich später auf den kompletten Gebäudehandel aus und wurde durch Kubas Anarchisten organisiert, die in einer neuen Organisation mit dem Namen „ Allianza de Trabajadores “ auftraten.

Im September, nach einer öffentlichen Sitzung und Bekanntgabe eines Manifestes, in welchem die Anarchisten auf den internationalen Kampf für den Achtstundentag anspielten, hissten sie in Erinnerung an die Haymerket-Märtyrer eine rote Fahne.

Auch hier griff die kubanische Polizei ein.

Hauptveranstalter der Manifestation waren Francisco de Armas , Serafin Busto , Juán Aller, Francisco Cartalleda  und Evanlisto Estenoz (der während eines Rassenkrieges 1912 ermordet wurde).

Der Gouverneur Havannas, William Lodlows , drohte eine entsprechende Strafe gegen die Feinde der Gesellschaft an, die die Fahne der Anarchie schwenkten.

 Diese „Feinde“ umfassten zwei neue anarchistische Veröffentlichungen, die „ Tierra “ unter der Richtung von Abelardo Saavedra und dem kurzlebigen „ El nuevo Idea “ unter der Richtung von Adrián Valle, der zusammen mit Luís Barcia und anderen Companeros aus Nueva York mit der Idee zurückgekehrt kam, diese Zeitung zu gründen.

Der Streik selbst endete mit einem Misserfolg. Die Arbeiter hatten die ganze Zeit über nicht die volle Unterstützung der Öffentlichkeit erhalten, die , eingeschüchtert und gezwungen, pessimistisch geworden waren. Immer wieder wurde ihnen durch die Regierung eingetrichtert, Streiks würden die weitere Entwicklung Kubas gefährden.

Erst später erhielten die Maurer eine kleine Erhöhung und das Versprechen, studieren zu können. Ihre Forderung allerdings nach einem Achtstundentag wurde erst 34 Jahre später bewilligt.

Im September 1899 gab es einen neuen, diesmal weitaus gemässigteren Streik – aber unter dem bemerkenswerten für politische Willens-und Handlungsfreiheit stehenden Einfluss der Arbeiterorganisation „Allgemeine Arbeiterliga“. Seine Gründer waren die schon bekannten Enrique Messonier, Ramón Rivero y Rivero sowie Ambrosio Borges und José Rivas.

Diese Liga gab eine neue Zeitschrift –geleitet durch Messonier – heraus „!Alerta!“

Diese Anarchistengruppe war aus dem Schlüsselwesten unter der Fahne der Unabhängigkeit zurückgekommen und hatte noch ein distanziertes Verhältnis zu ihren alten Genossen in Havanna .Aus diesem Grund entschieden sie sich, ihre eigene Gruppe neben der „ Allianza de Trabajadores“ aufzustellen.

Gemäß dem amerikanischen Historiker Scheffler veröffentlichte „El Nuevo Ideal“ einen Artikel, der von Luis Barcia unterzeichnet war.  

Barcia griff die Us-Aussenpolitik an, die seines Erachtens die Absicht hatte, Kuba an sich anzufügen und forderte die Leser auf, gegen diese Absichten zu kämpfen. Dann erinnerte Barcia die US-amerikanischen Behörden an die Krise, die sie auf den Philippinen provoziert hatten, ihr Vergessen gegenüber den Versprechungen der Unabhängigkeit für dieses Land und der Weigerung, die von Emilio Aguinaldo geführte Republik anzuerkennen.

Barcia erinnerte auch die kubanischen Separatisten an ihre Aufgabe, für die totale Unabhängigkeit zu kämpfen.

In derselben Veröffentlichung beharrte Barcia auf konkrete Hilfe für die Campesinos, die noch aufgrund der „Wiederkonzentrationsverordnung“ in den Städten elendig litten. Nach Schefflers Notizen behauptete Barcia, dass 400.000 „Reconcentrados“langsam vor Hunger starben .... die Familien sollten, so Barcia, in die Situation versetzt werden, zu ihren Ländern zurückzukehren.....aber die Reichen und die Regierenden schien das nicht zu kümmern.

Barcia demonstrierte nicht nur humanitäre Sorge, sondern verkörperte auch den Wunsch der kubanischen Anarchisten, eine Solidarität zwischen den städtischen Arbeitern und ihren ländlichen Vertretern herzustellen.

yo soy Malatesta

Inzwischen sprach sich Adrian del Valle gegen die Wünsche aus von Messonier , Rivero y Rivero und den Vertretern der typografischen Arbeiter, eine „Arbeiterpartei“ zu gründen. Er erinnerte an die Abmachungen des Kongresses von 1887 und den Lehren während des Unabhängigkeitskrieges gegen Spanien, in dem weder die Anarchisten noch die Separatisten an der Kolonialwahlpolitik teilgenommen hatten.

Im Dezember ersetzte McKinley John Brooke durch Leonard Wood – der nun als militärischer Gouverneur kompromissloser und autoritärer war – und zum beginn dieser „hölzernen“ Regierung  kam MALATESTA in Havanna an.

Der italienische anarchistische Schriftsteller und Denker war einer der fortgeschrittensten Theoretiker seiner Zeit. Als ein Einwohner von Paterson, New Jersey, war auch Malatesta den Besatzerbehörden bekannt. Seine zahlreichen Gespräche im „ Circulo de Trabajadores “ und im Stadtteil Regla wurden von einem breiten Publikum begleitet. Er füllte die Säle.

Interviewt von zahllosen Zeitschriften, trat er immer offensiv für die Anarchie ein, auch wenn ihm immer öfter verboten wurde, dieses Wort zu benutzen.

Irgendwann war ihm jedes öffentliche Reden in Kuba untersagt worden, so dass auf seine Initiative hin Adrian del Valle zu einer gemeinsamen Veranstaltung  mit Malatesta und dem Zivilgouverneur Emilio Nunez einlud.

Nunez war den kubanischen Anarchisten bekannt, die in den Vereinigten Staaten lebten. Er war derjenige, der verantwortlich dafür war, Malatesta das Recht zu bestreiten, öffentlich zu reden.

Bei dieser Veranstaltung erklärte Nunez , dieses Gesetz(Gegen Malatestas Auftritte) bestehe schon aus der zeit der spanischen Regierung, um anarchistische Propaganda zu verbieten.

Lt. Del Valle antwortete Malatesta , dass bei allem gebührenden Respekt man nun beobachten muss, wie General Nunez gegen die Spanier und ihre Gesetze kämpfe, um sie nun für sich hochzuhalten.

Nunez schien die Ironie nicht zu bemerken(?) und Malatesta verließ Kuba, nicht ganz freiwillig, ein Land, in dem es verboten war, öffentlich zu sprechen.

Manuel M. Miranda , während des Krieges deportiert, schrieb mehrere Artikel in der liberalen Zeitschrift „ La Discusion “ über den Angriff des Gouverneurs und jener nationalistischen Kräfte: `Wer hatte Nunez unter Druck gesetzt und gezwungen, diese willkürliche Entscheidung gegen Malatesta zu treffen?` Und das, obwohl Malatesta die kubanische Unabhängigkeitsbewegung positiv bewertet hatte.

Während des Unabhängigkeitskrieges, rief del Valle ins Bewusstsein zurück, hatte Malatesta

Andauernde Pro-Haltung zu Unabhängigkeit gehabt und kann eine Person, die gegen die Tyrannei jedes Typs kämpft nicht auch im Kampf für die Unabhängigkeit Kubas helfen? so Del Valle weiter  (Dies stellte Malatesta aber eher ins Lager von Messonier, Crecí und Miranda und weniger in das von Roig  San Martin).

Vor der Rückkehr in die USA schrieb Malatesta noch einen Artikel für „La Discusión“. Darin drückte er seine starke Zuneigung für die tapferen kubanischen Arbeiter aus, schwarz wie weiß ... die ihn so herzlich empfangen hätten. Er schrieb weiter, dass er in diesem Kuba überzeugt sei, dass die Anarchisten hier ihren Platz finden würden unter den am meisten fortgeschrittenen Elementen, für  die totale Emanzipation der ganzen Menschheit kämpfend.

Malatesta bedauerte die Anwendung der gleichen spanischen Gesetze gegen die Menschen, die genauso für die Unabhängigkeit gekämpft hatten wie die, die nun diese Gesetze anwandten. Aus der Kritik der Macht war eine Macht über die Kritik geworden . Tausende von Kubanern, darunter Martí , Maceo und Crecí seien dafür gestorben.

Der Klassenkampf, so Malatesta weiter, hört mit dem Errichten einer Republik nicht auf und d er erinnerte seine Companeros daran, dass die soziale Frage weiter Bestand hätte in der Gegenwart genauso wie in den spanischen Kolonialzeiten. Die Gesetze haben sich nicht geändert. Die künftige Republik, so hoffte Malatesta, würde den Anarchisten mehr Raum geben zu handeln, aber gleichzeitig sagte er auch, dass sich das soziale Umfeld weiter verschlechtern würde.

Die jetzige Situation in Kuba war für die Anarchisten die gleiche wie die, als Spanien über die Insel mit den sich verschärfenden Faktoren herrschte.

Die Reste der Unabhängigkeitsbewegung schienen die Ideen für die politische Willens-und Handlungsfreiheit nicht mehr zu verstehen. Die progressive Ideologie der PRC war mit José Martí gestorben. Kubas Anarchisten sahen sich vor einer schwierigen Aufgabe.

la situación desagradable

An der Jahrhundertwende wurde Kuba noch durch ein stark polarisiertes Klassensystem geteilt. Einerseits gab es eine starke Minderheit, die das Kapital und die Auslandsinteressen vertrat. Diese Klasse wurde durch die Verfassung von 1901 legitimiert und von der aktuellen Regierung unterstützt. Diese Klasse umfasste Kubaner genauso wie Spanier und bestand aus Unternehmern, Großhändlern und Industriellen.

Andererseits gab es die große Mehrheit – die Arbeiter und die Campesinos, die immer tiefer in die Armut abglitten, versuchten dem Hunger zu entkommen und sich ins Elend gelassen vom Krieg zu erholen.

Die Insel war in einem Zustand des totalen Zusammenbruchs und deshalb mangelte es überall an Mitteln. Für die Anarchisten in Kuba schwer genug, unter solchen Bedingungen einen sozialen Kampf zu führen. Aber trotz alledem gelang es ihnen, viele Streiks zu organisieren, von denen einige gewonnen, andere verloren wurden.

la democracia norteamericana

Vor der Amtseinsetzung der erträumten Republik schob der US-Imperialismus noch einen Zusatzartikel in die kubanische Verfassung ein. In Ergänzung zum Vertrag von Paris schrieb die USA sich das Recht rein, in Kuba und andren ehemaligen spanischen Kolonien zu intervenieren, wenn seine politischen und wirtschaftlichen Interessen bedroht würden.

Dieser Zusatzartikel war nicht nur beleidigend, sondern den Kubanern auch ziemlich lästig, weil sie nicht nur für die US-amerikanischen militärischen Einrichtungen, sondern auch für die damit verbundenen Berufe und die sie begleitende Bürokratie bezahlen mussten.

Der Grund für diesen Zusatzartikel war es, die bereits schon riesigen US-amerikanischen Wirtschaftsinteressen zu schützen, falls es die kubanische Republik nicht mehr geben sollte bzw. nicht mehr den US.Interessen zugeneigt war, konnte der Zusatzartikel ein Vorwand sein, für das Eingreifen oder die Annexion der Insel.

Aber trotz der verhassten Natur des Zusatzartikels war die Opposition dagegen in den frühen Jahren des 20.Jahrhunderts schwach.

Die Anarchisten waren unter den wenigen, die diesen Missbrauch angriffen. Beide Zeitschriften, „ Tierra! “ und „ El Nuevo Ideal “ veröffentlichten energische Proteste gegen den Zusatzartikel. Die Gründe dafür waren klar. Gemäß Shaffer war aus der anarchistischen Perspektive dieser Zusatzartikel ein „Nein“ zu Kubas Unabhängigkeit. Später würde Del Valle die Kubaner an den Geist ihres Aufruhrs erinnern, das Gedächtnis von Antonio Maceo,

der berühmteste und erste schwarze General in der kubanischen Geschichte, hervorrufend, der einer der Helden des Unabhängigkeitskrieges war und dort, wie Martí, im Kampf gefallen war. Del Valle erklärte dass, wenn Maceo von den Toten auferstehen würde und sehen konnte, was in Kuba nun geschah, Scham und Empörung ihn wieder töten würde.

Es ist schon Ironie, dass diese Aussage von einem Anarchisten kam, der von Natur aus antinationalistisch war. Und eben dieser Anarchist appellierte an das Gedächtnis an einen kubanischen Helden, um dieses politische Argument auf den Punkt zu bringen – eigentlich eine Aufgabe die von den ehemaligen separatistischen Führern und ihren Angehörigen gemacht werden sollte. Aber diese wollten die Unabhängigkeit um jeden Preis.

Am 20. Mai 1902 trat die Verfassung der scheinbar unabhängigen Republik Kuba in Kraft und die Kubaner feierten es enthusiastisch trotz des Zusatzartikels. Der neue Präsident Tomás Estrada, hatte als PRC-Vertreter in New York gedient und war jetzt ein alter Mann von 70 Jahren. Er hatte wenig Zuneigung für die Anarchisten trotz deren Unterstützung für die Sache der Unabhängigkeit.

Der zweite wichtige Mann in der kubanischen Politik zu dieser Zeit war General Máximo Gomez, ein älterer, autoritärer Mensch, der bisher allen Arten von sozialen Reformen widerstanden hatte und, wie Estrada, kein Verständnis für anarchistische Ideen hatte.

Otra vez

Am 4.11. 1902 stand die Arbeit wieder still! Ein Lehrlingsstreik in der Tabakindustrie. Dieser Streik entstand aus der Einstellung der Spanier für die Kubaner und wurde von den Anarchisten in den Vereinigungen und Zeitschriften vorangetrieben.

Der Streik erstreckte sich nach den südlichen Gegenden aus, die an Havanna grenzten und führte zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei. Der Streik griff auf andere Industriezweige über und die Gewalt eskalierte. Trotz der Zuneigung vieler Patrioten für die Anarchisten weigerte sich die Regierung von Estrada zu verhandeln, was auf weitere gewaltsame Zusammenstöße mit der neuen repressiven Regierung hinauslief.

Der Streik wurde schließlich durch ihre Anführer beendet.

Der kubanische Geist der Freiheit hatte sich durch Pessimismus und Anpassung in eine Furcht verwandelt, die jeden Typus der sozialen „Störung“ als Misserfolg scheitern ließ.

Der Misserfolg des Lehrlingsstreiks betraf vor allem die „ Allgemeine Liga der Arbeiter “ mehr als die der radikalen Anarchisten des „ Circulo de Trabajadores “. Die Liga war am Streik mehr beteiligt und seine Führer hatten versucht, zu einer Einigung mit Estrada zu kommen, etwas Unterstützung von ihrem `alten `Pro-Unabhängigkeitsverbündeten erwartend.

Wie gesehen, gab's keine Einigung.

„Tierra!“

Im landwirtschaftlichen  Sektor begannen die Anarchisten ungefähr um diese Zeit, sich in der Zuckerindustrie zu organisieren. Das war das erste Mal, dass solch ein Versuch in der größten und reichsten Industrie Kubas gemacht wurde.

Die Antwort der Eigentümer in Zentralcuba war heftig. Zwei Hauptarbeiter, Casaries und Montero , wurden ermordet, was natürlich zu anhaltenden Protesten durch „ Tierra!“ und „ Alerta! “ führte. Das Verbrechen blieb unbestraft. 1903 gab es einen erfolglosen Streik am 1.Mai, der noch einmal gegen diese Morde protestierte.

Im selben Jahr verschwand „El Nuevo Ideal“ von der Zeitungsbildfläche. aber „ Tierra !“, gegründet und geleitet seit 1899 durch Abelardo Saavedra mit Francisco González Sola als Mitarbeiter erschien weiter. „Tierra!“ war aus zwei Gründen bemerkenswert: es war eine Wochenzeitung, die das Auf und Ab des kubanischen Anarchismus am Anfang des Jahrhunderts überlebte und es war eine außergewöhnlich hohe Anzahl von Ausgaben. Zwischen 1899 und 1915 erschienen mehr als 600 Ausgaben – und dies trotz stetiger Repression.

Saavedra wurde bestraft, eingesperrt  und schließlich 1911 nach Spanien deportiert. Aber trotz alledem erschien „Tierra!“ weiterhin regelmäßig bis 1915 – jetzt unter der Leitung von Sola und Antonio Ojeda.

Eine Auferstehung erlebte „Tierra!“ 1924 unter der Leitung von Jesus Iglesias – 42 Ausgaben erschienen in diesem Jahr. Die gleiche Anzahl im nächsten, bis sie von der Regierung geschlossen wurde. „Tierra!“ erschien immer weiter unter schwierigen Umständen -  und dann unter der Leitung von Manuel Fero erschienen im Sommer 1933 noch einmal acht Ausgaben

Diese bemerkenswerte Zeitung konzentrierte sich auf die landwirtschaftlichen Probleme wie die Errichtung von landwirtschaftlichen Konsumvereinen, die Existenzbedingungen der Campesinos und die Organisation der Arbeiter in der Zuckerindustrie!!

Das zweite Eingreifen der USA in Kuba fand 1906 statt in Folge der politischen Krise, die von Estrada provoziert worden war. Er wollte wieder gewählt werden und Kuba stand kurz vor einem Bürgerkrieg zwischen der Regierung von Estrada und den Anhängern der Partido Liberal.

Am Ende blieb Estrada im Amt und eine Welle von Streiks in Havanna, Ciego de Avila und Santiago de Cuba brach aus, an dem Gleisarbeiter, Arbeiter der Tabakindustrie und des Transportes beteiligt waren.

Die Regierung versprach leichte Erhöhung der Löhne und die Streiks flauten ab und die soziale Situation wurde dadurch nicht besser.

Viele Jahre später, 1956, berichtete die anarchistische Zeitung „ Solidaridad Gastronomica

Von einer 1907 stattfindenden landesweiten „Tour“ anarchistischer Redner, Mit dabei waren die feurigen Sprecher González Solá , Abeldardo Saavedra , Vicente López und Domingo Germinal.

Der für politische Willens-und Handlungsfreiheit bekannte Pädagoge und Begründer der freien Schulen , Francisco Ferrer , war ebenfalls anwesend – jener Francisco Ferrer, der 1909 in Barcelona im Auftrag der spanischen Regierung ermordet wurde.

Dieses Verbrechen hallte in Kuba heftig nach. Zahllose Proteste, die von der Regierung gewaltsam niedergeschlagen wurden. Die Protestaktionen bestanden grössenteils aus Straßenprotesten, ausgeführt von den Anarchisten und mit Beteiligung der nichtreligiösen Schulen in Kuba, die nach den Grundsätzen Ferrers unterrichteten.

Alles in allem, das soziale Panorama in Kuba im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts konnte enttäuschender nicht sein. Der neue Präsident, José Miguel Gómez aus der liberalen Partei, der auf Estrada gefolgt war, war General während des Krieges gegen Spanien. Trotz besserer Wirtschaftsbedingungen der Insel und vor allem der Zuckerindustrie änderte sich die Situation der Arbeiter auch jetzt nicht.

los azules rojos

Politisch war Kuba in dieser Zeit zwischen den Liberalen und den Konservativen aufgeteilt, sowie Spanien es unter Cánovas war. Nicht, dass es einen Unterschied machte, wer an der Macht war. Generale und Ärzte stellten dabei die herrschende Politikerclique und richteten danach ihr soziales Gewissen aus. Die Probleme der Arbeiter und Campesinos waren von diesen Politikern weiter entfernt als es Kuba von Sibirien war.

Sie teilten die Bevölkerung einfach in zwei Gruppen auf: diejenigen, die sich unterstützen und diejenigen, die ihnen widersprachen. Und der „Anarchist“ war ihr natürlicher Feind!

Der einzige Unterschied zwischen den Liberalen und den Konservativen war, dass die Liberalen in der Opposition versuchten, die Unterstützung der Anarchisten mit kleinsten Vorteilen zu gewinnen – Bonbons eher, so z.B.bei der gerichtlichen Verteidigung oder Verminderung der Haftzeit – dies mehr mit dem Ziel der Manipulierung und dem Schaffen sozialer Probleme, um die konservative Regierung herauszufordern. Echte Zuneigung bestand bei den Liberalen allenfalls in der Aussicht auf eigene Macht.

Die Konservativen handelten dann einfacher: Die Anarchisten wurden offen verfolgt.

viva zapata !

Der Ausbruch der mexikanischen Revolution 1910 übte eine starke Faszination auf die kubanischen Arbeiter und Campesinos aus. Die Worte von Ricardo Flores Magón und Práxedis Guerrero in der revolutionären Zeitung „ Regeneración “ und die Pistolen von Emiliano Zapata dienten als Ansporn auf das Denken der kubanischen Zuckerarbeiter.

Dies war möglich, weil Magón eine (Seelen-)Verwandtschaft mit der kubanischen Zeitung „Tierra!“ hatte, die wiederholt den mexikanischen Diktator Porfirio Díaz angegriffen hatte.

Dies brachte Abelardo Saavedra eine weitere Geldstrafe von der kubanischen Regierung ein.

Am 14.07. 1911 wurde die Regierung von Gómez mit Streiks durch die Tabakarbeiter, Frachtführer und Bäcker konfrontiert, mit der offenen Unterstützung von „Tierra!“. Der neue Regierungssekretär , Gerardo Machado , errichte repressive Verordnungen und ließ viele spanischstämmige Anarchisten (dabei auch der Redakteur der „Tierra!“ Saavedra sowie die beiden Streikführer Antonio F. Vieytes und Francisco Peréz ) deportieren („unerwünschte Ausländer“) und viele kubanischen Anarchisten wanderten ins Gefängnis.

Diese Regierungspolitik der Zwangsdeportationen würde nun 20 Jahre so weitergehen. Es gab kaum Proteste dagegen in der arbeitenden Öffentlichkeit und ihren Organisationen. Die Regierungspropaganda, die Verleumdung gegen die Anarchisten und die Spaltung in der nationalen Frage, „schädliche Gastarbeiter“ auf der einen, gehorsame einheimische Arbeiter auf der anderen Seite schien zu funktionieren.

azúcar

Im selben Jahr gab es Unruhen bei der Zuckerrohrkultivierung um die Gegend von Manzanillo in der Provinz Oriente. Im Februar 1911 verurteilte „Tierra!“ den dortigen Verhältnisse sowie die Waffengewalt, die die Zuckerarbeiter durch ihren Streik erleiden mussten, der dann allerdings 1912 wieder aufflammte,

In diesem Jahr (1912) fand der 1.Kongreß der landwirtschaftlichen Arbeiter und Campesinos statt. Shuffler bemerkte dazu, dass der „ Cruces Kongress “ nach der Region Cruces benannt sei, ein Zentrum der anarchistischen Tätigkeiten.

Er fährt fort, die marxistische Historikerin Olga Cabrera zitierend:

`Vor 1912 war Cruces ein Zentrum der Zuckerproduktion geworden. Von 1910 bis zu seiner Deportation 1911 hatte Saaverdra dort seinen anarchistischen „Rebelión“ veröffentlicht. Saaverdra organisierte Arbeiter im Zentrum von Cruces im Juli 1911, um die Koalition zwischen den ländlichen und städtischen Gebieten zu stärken. `´

Hier nun setzte der „ Cruce Kongress “, eröffnet im Februar 1912, an. Eine landesweite Arbeitsförderation sollte geschaffen werden, rationalistische Schulen eingerichtet, ein Arbeitsplatzunfallgesetz wurde diskutiert sowie ein garantierter Mindestlohn.

Das waren deutlich mehr Punkte als die Anarchisten beabsichtigten, aber die breite Palette der Sorgen der Arbeiter widerspiegelte.

Während Saavedra 1911 deportiert wurde, halfen andere Anarchisten, einschließlich Enriquete de Fernandéz und die weithin bekannte Anarchistin Emilia Rodriguez de Lipiz bei der Organisierung des Kongresses.

1913 übernahm General Mario Garcia Menocal die Präsidentschaft und wurde Kubas erster Diktator. Im selben Jahr wurde die Organisationskampagne unter den Campesinos in Cruces mit Unterstützung der lokalen Förderation von Villaclara erneuert, die sich auf die Campesinos von Sagua la Grande, Cienfuegos und Caibarién erstreckte. Die Druckervereinigung „Asociación de tipógrafos“ verstärkte sich ebenfalls in diesem Jahr und setzte fort, das Organ dieses alten anarchistischen Gewerbes „Memorándum Tipógrafico“ zu veröffentlichen. Das war nicht überraschend.

Ab Mitte des 19.jahrhunderts hatten die Drucker die meisten kampfbereiten Vereinigungen auf der Insel gehabt. Die Drucker brachten Personen wie Enrique Crecí und J.C. Campos hervor.

Im neuen Zeitalter waren einige der bemerkenswertesten Gestalten in dieser Branche wie z.B. Alfredo López, Antonio Penichet und Pablo Guerra. Sie führten Streiks in Santa Clara an und nahmen an gewaltsamen Aktionen in Camaguey teil (wobei die Regierung die Redakteure von „Tierra!“ der Teilnahme anklagte). Hier gab es für die Anarchisten keine Zweifel, dass sie auf die Gewalt der Regierung mit dementsprechender Gegengewalt antworteten. Diese bestand aus Straßenaktionen und bewaffneten Angriffen auf die Polizei in städtischen Gebieten sowie auf die Guardia in ländlichen – hinzu kamen einige Bombenanschläge!

manifestación de cruces

Anfang 1915 deportierte die kubanische Regierung in Übereinstimmung mit den neuen anti-anarchistischen Gesetzen Juan Tenorio , Vicente Lípiz und Román Delgado nach Spanien, die alle beschuldigt waren, Streiks der Zuckerarbeiter in Camaguey und Guantanamo gefördert zu haben sowie Demonstrationen in Havanna zu unterstützen.

„Tierra!“ wurde  verboten und seine Veröffentlichungen beschlagnahmt.

Zwar waren die Anarchisten nun ohne eigenes Blatt, aber ihre Ansichten wurden nun von gleichgesinnten Zeitungen gedruckt, wobei die Anarchisten ihre Artikel selbst setzten und druckten.

Beteiligt an der Campesinokampagne in Cruces veröffentlichten sie ein als „ Manifest von Cruces “ bekannt gewordenes Dokument, das durch seine literarische Qualität beträchtlichen Einfluss hatte und als Ode zum anarchistischen Kampf diente.

Fernando Iglesias unterzeichnete das Manifest, dass bei den meisten kubanischen Zuckerarbeitern zirkulierte und in dem das Recht auf Rebellion gegen Ausnutzung und Missbrauch durch die Grundbesitzer und Kapitalisten – einschließlich der nordamerikanischen, die den größten Teil kontrollierten – hervorgehoben wurde.

Als das Manifest veröffentlicht wurde, wurde Iglesias einige Tage arretiert.

An der Unterzeichnung dieses Dokumentes waren beteiligt:

Lauraeno Otero   Manuel López  José Lago  Benjamin Janurass  Luis Menegas  Santos Garós  Miguel Rapoll  Francisco Baragoitia  Andrés Fuentes  Tomás Rayón und Francisco Ramos.

Konkret forderte das Manifest eine Lohnerhöhung von 25% und den Acht-Stunden-Tag.

la respuesta

Die Zuckerindustrie hätte dem leicht nachgeben können, vorausgesetzt, dass der Zuckerpreis auf dem Weltmarkt während des 1.Weltkrieges über dem Niveau des vorigen Jahrhunderts lag.

Stattdessen wählt sie die Repression. Die Regierung von García Menocal unterdrückte gewaltsam alle Proteste, die Ejército Pretoriano („Pretorianische Armee“) und die ländliche Guardia verfolgten, deportierten und mordeten.

In Santiago de Cuba wurde der junge Anarchist Adolfo Peréz Rizo ermordet, der in der „Tierra!“ Menocal persönlich herausgefordert hatte.

Im April 1917, einen Tag nach den USA, trat Kuba in den 1.Weltkrieg ein. Eine Entscheidung, die durch die US-günstigen Zuckerpreise beeinflusst wurde.

Die folgende Periode wurde als die Zeit der „ fetten Kühe “ benannt.

Vielleicht aus der Unabhängigkeitskatastrophe gelernt, entschlossen sich die Anarchisten neutral zu bleiben, obwohl Kropotkin von London aus drängte, sich den Verbündeten anzuschließen ( hatte er doch noch 1897 für eine Neutralität der Anarchisten plädiert ). Demzufolge wurde die Weigerung der kubanischen Anarchisten, Partei zu ergreifen, als „deutschtümelnd“abqualifizierte.

centro obrero

1917 wurde in der Calle Egido in Havanna das „ Centro Obrero “ gegründet. Es bestand aus einem Versammlungssaal und einigen Büros in einem Armenviertel nahe dem Stadtzentrum. Das „Centro Obrero“ wurde schnell das bemerkenswerteste anarchistische Zentrum seiner Zeit und Streiks, Boykott und viele andere Tätigkeiten im ganzen Land wurden in seinen Räumen geplant.

All dies geschah unter den wachsamen Augen der kubanischen und US-amerikanischen Wirtschaftsinteressen, die schon einen Bürgerkrieg heraufkommen sahen(sehen wollten).

1918 und 1919 gab es in allein in Havanna vier(4) Generalstreiks und der repressive Staatsapparat war Ziel mehrere Bombenanschläge. Die Antwort des Staates waren die Verhaftungen und Todesurteile gegen die anarchistischen Hauptveranstalter dieser Zeit: Marcelo Salianass, Antonio Penichets, Alfredo López, Alejandro Barreiros und Pablo Guerras.

Der erste Tote in dieser Auseinandersetzung war der anarchistische Schneider Robastiano Fernández, der bei einer Konfrontation mit der Polizei vor dem „Centro Obrero“ erschossen wurde. Später tötete die Polizei einen anderen Anarchisten, Luis Díaz Blanco auf der Strasse.

Blancos Tötung ließ eine Reihe von gewaltsamen Aktionen explodieren, die an seinem Begräbnis in einer massiven Demonstration gegen die Regierung kulminierte.

Die USA, am 1.Weltkrieg beteiligt, konnte diese Unruhen so nah ihren eigenen Küsten nicht erlauben. Auf Bitten der US-amerikanischen Botschaft sandte Washington eine Flotte nach Havanna. Gemäß dem kubanischen Historiker José Duarte Oropesa lieferte der kubanische Geheimdienst eine Liste aller Vereinigungen der Insel mitsamt den Namen ihrer Führer.

Dann hob die kubanische Regierung einige grundgesetzliche Garantien auf, mit dem Ziel, das Klima des Terrors zu verschärfen: es deportierte 77 Arbeiter nach Spanien, die als Anarcho-Syndikalisten charakterisiert wurden, verbot anarchistische Veröffentlichungen und schloss das „Centro Obrero“. In dieser Beziehung hatte sich wenig seit den Zeiten von Canovas und Weyler geändert.

Wegen der Stabilisierung des Zuckerpreises stand eine relative Ruhe ein, sie wurde die Periode der „mageren Kühe“ genannt wegen des niedrigen Zuckerpreises.

 Kubas Anarchisten nutzten diese Phase, um die Arbeiter weiter zu organisieren. Ein Kongress griff die hohen Lebenshaltungskosten an und schlug eine Reihe unmittelbarer und vorübergehender Wirtschaftsmaßnahmen vor. Die Delegierten stimmten des weiteren der Bildung des „ Confederación Nacional del Trabajo “ ( CNT ) zu – und sie sandten einen Gruß an die Brüder und Schwestern der russischen Revolution.

ni estado ni partido

Kubas Anarchisten schienen keinerlei Zweifel an der Oktoberrevolution zu haben, hatten doch die Anarchisten dort eine tragende Rolle gespielt, was für Kubas Arbeiter eine faszinierende Nachricht war. Mit der Machtübernahem der Sowjets (Räte) erschien der Traum von drei Generationen von Kämpfen gegen den Kapitalismus und den Staat ihre Erfüllung zu finden. Die kubanischen Anarchisten verwiesen immer wieder in dieser ersten Periode bei ihren Aktionen, an dem auch nun sozialdemokratische und marxistische Elemente unter der anarchistischen Fahne teilnahmen, auf die Sowjetrepublik als strebenswertes Ziel hin.

Aber schon in dieser frühen Periode waren kleine Nachrichten von Barcelona oder New York über die Verfolgung der Anarchisten unter Lenin. Aber erst einmal reagierte der anarchistische Kongress von 1920 in Havanna noch sehr wohlwollend auf die bolschewistische Regierung von Lenin und Trotzki, wie es fast das gesamte Proletariat auf dem Kontinent machte.

Diese Einstellung sollte sich, zumindest in Kuba, sehr bald ändern.

Nach dem Kongress von 1920 stellten Kubas Anarchisten ihre Forderung mit erneuter Kraft. Das provozierte die unvermeidliche Repression der Regierung. Bombenanschläge erschütterten Havanna und der 1.Mai sah einen erneuten Generalstreik. Penichet und Salinas wurden erneut verhaftet, dann aber entlastet und Anfang 1921 mit dem Fall der Regierung Menocal freigelassen.

Mit dem neuen, gemäßigten Präsidenten Alfredo Zayas 1921, begann die wohl konstruktivste Phase des kubanischen Anarchismus. Der Samen, der am Ende der 1880erJahre von Roig San Martin gepflanzt war, erblühte und begann Früchte zu tragen.

Los periódicos

Anarchistische Zeitungen wucherten regelrecht. Nachdem „Tierra!“ eingegangen war, begannen seine Redakteure in dieser Phase mit der Veröffentlichung von Büchern und Druckschriften. Andere Zeitschriften erschienen regelmäßig. „ La Batalla “, „ Nuevos Rumbos “ (Neue Pfade), „ Vía Libre “, „ El Memorándum Tipográfico “,“ Espártaco ” und  „ Nuevo Luz “.

Fast alle diese Zeitschriften wurden in Havanna veröffentlicht, obwohl es auch sporadische anarchistische Veröffentlichungen in Matanzas, Cienfuegos, Camagüey und Santiago de Cuba gab. Sie wurden in den jeweiligen Arbeitsplätzen, in Geschäften und Tabakfabriken verteilt. Hin und wieder auch durch die Post. Es gibt keinerlei Hinweise über die Stückzahlen dieser Zeitschriften, obwohl es als wahrscheinlich gilt, dass „Nueva Luz“ und „ El Memorándum Tipográfico“ in mehreren tausend Exemplaren im Umlauf waren.

Deutlich fand eine kulturelle Renaissance der Proletarier statt, in dem sogar der bescheidenste Handel Öffentlichkeit bekam. Für politische Willens-und Handlungsfreiheit stehende literarische und wissenschaftliche Vereinigungen wurden gegründet, als wären die Arbeiter Schriftsteller oder Naturforscher.

Anarchistische Literatur wurde auf der ganzen Insel in Umlauf gebracht, und die Arbeit von anarchistischen Veranstaltern, Schriftstellern, Rednern und Kulturarbeitern wurde durch Überfülle charakterisiert.

Die Anarchisten hatten mit geringsten wirtschaftlichen Mitteln und ohne Hilfe außerhalb der Insel eine Kraft in der Stadt wie auf dem Land entwickelt, die ohne gleichen war in der kubanischen Geschichte – 80.000 bis 100.000 Arbeiter bei einer Gesamtbevölkerung von rd. 2.9 Millionen konnten organisiert werden.

los anarquístas-sindicatos

Eine neue kubanische Generation erschien in der Mitte der Gesellschaft. Aufgewachsen mit Kolonialpolitik, Klassen -und Rassentrennungen, autoritären Regierungen und nordamerikanischer Einmischung. Diese neue Generation forderte radikale Änderungen in der sozialen und politischen Struktur des Landes und ihr Kampf ging gegen heimische als auch gegen ausländische Ungerechtigkeiten. In ihrer Arbeit für soziale Gerechtigkeit schufen sie bei den meisten kubanischen Arbeiter die Idee des Anarcho-Syndikalismus .

Der Mensch, der viel für dieses Zustandekommen gemacht hatte, war Alfredo López. Er war Anarchist – obwohl die Marxisten ihn gerne als den ihren später ernannten – und wurde in den Ideen von Pablo Guerra , einen schwarzen Arbeiter im selben Druckgewerbe wie López sowie von Antonio Penichet eingeführt..

Als bemerkenswerter Kämpfer in seinem Gewerbe erschien López als eine Art prominente gestalt beim Kongress von 1920 und sein Kampf für die Vereinheitlichung der kubanischen Arbeiter endete erst mit seiner Ermordung 1926.

Wie sehr viele andere kubanischen Arbeiter seiner Generation war López tief anarchosyndikalistisch. Durch seine Schriften, seine kurze und knappe Redekunst, seine Vereinigungsaktionen, seine pragmatische Einstellung und die Übereinstimmungen, die er auch außerhalb des anarchistischen Lagers erreichte, war er einzigartig.  Fern von jeder Sektiererei, wusste er, wie Mensch die marxistischen Kräfte in Kuba einbinden konnte. Er integrierte sogar reformistische Elemente in den Klassenkampf, eine positive Aktion, für die er verständlicherweise allerdings wenig Applaus fand.

Die Gründung der „ Federación Obrera de La Habana “ 1921, in welchem López der Leim war, der alles zusammenhielt, führte zu  einer anarchosyndikalistische Kampagne in den Arbeiterorganisationen. Die „FOH“ war keine exklusiv anarchistische Organisation, wenn sie auch deren Ideen am zahlreichsten und populärsten vorhanden waren. Pragmatismus war hier an der Tagesordnung mit der Idee, die ganzen Arbeiter und Campesinos aus den ganzen Splittergruppen zu einer einzigen Organisation zu vereinigen, obwohl dem einige Anarchisten durchaus widersprachen, die eine reine anarchosyndikalistische Organisation nach dem Muster der CNT in Spanien anstrebten.

Aber am Ende wurde der Vereinigungsantrag von Alfredo López angenommen . (Diese Auseinandersetzungen wurden von marxistischen Kommentatoren benutzt, um López in ihrem Lager sehen zu wollen).

1923 gewann eine reformistische Bewegung Einfluss auf die Universität Havannas. Einer ihrer Führe war Julio Antonio Mella . Alfredo López bot seine Hilfe an und schaffte es, Mella davon zu überzeugen, mit anderen Studenten im kürzlich gegründeten „ Escuela Racionalista Nocturna “(Rationalistische Abendschule) zu arbeiten. Diese Schule wurde in Überlieferung und zum Gedenken des ermordeten spanischen Pädagogen Francisco Ferrer gegründet. Und am Ende desselben Jahres wurde die „ Universidad Popular José Martí “ mit dem Ziel der Lehre aller gegenwärtigen politischen und sozialen Ideen.

Die direkte Beziehung zwischen dem zukünftigen Gründer der „ Partido Comunista Cubano (PCC) Mella und Alfredo López hat mehrere Hypothesen über den Einfluss von Mella auf López verursacht. Tatsächlich war es eher umgekehrt, wie Mella später erklärte würde, als er López seinen Lehrer nannte.

1924 mit der unleugbaren Toleranz des Präsidenten Zayas fanden mehrere Streiks der Zucker-und Eisenbahnarbeiter statt. Im Februar 1925 wurde der  zweite „ Congreso Nacional Obrero “ in Cienfuegos mit mehr als 100 Delegierten gefeiert, 75 verschiedene Arbeiterorganisationen vertretend. Die getroffenen Hauptvereinbarungen sollten beim 3.Kongreß in Camagüey die Absicht haben, ein landesweites Arbeiterbündnis zu schaffen, was auf dem FOH ja schon modelliert war.

Dieser dritte Kongress wurde dann im August in dieser Stadt mit 160 Delegierten abgehalten. Er schuf dann die „Confederación Nacional Obrera de Cuba“ (CNOC), der alle Vereinigungen, Bruderschaften, Innungen und Arbeitervereinigungen in Kuba, insgesamt 128 Organisationen mit einer Mitgliedschaft von 200.000 Arbeitern vereinigte.

Dieser Kongress, in seiner Struktur, seinen Übereinstimmungen und seinen Grundsätzen, stand stark unter anarchosyndikalistischem Einfluss, der bei seinen Delegierten vorherrschten.

In den Gesetzen des Kongresses, der den CNOC schuf, waren die wichtigsten Übereinstimmungen die kollektive Verweigerung des Parlamentarismus, die Forderung nach dem Acht-Stunden Tag und keine Bürokratie sollte die gerade geschaffene Organisation zerschlagen.

Juana María Acosta , von der Vereinigung der Zigarrenindustrie, wurde zum ersten provisorischen Präsidenten des CNOC resp. Präsidentin, denn dies war das erste Mal in der kubanischen Geschichte, dass eine Frau solch eine Stellung innehatte – und sie gleich die Forderung nach gleiche Entlohnung für gleiche Arbeit stellte.......

Wenige Tage später nach dem Beschluss des Kongresses wurde in Havanna die „Partido Comunista Cubano“(PCC) von militanten Marxisten wie Julio Antonio Mella gegründet, und Ex-Anarchisten wie Carlos Balino und Alejandro Barreiro, mit Hilfe der 3.Internationalen, die vertreten war von Ricardo Flores Magón – dem Bruder des mexikanischen Anarchisten Enrique Magón Flores war extra dafür von Mexiko nach Kuba gekommen.

Die Mitglieder des PCC waren eine disziplinierte, selbstlose Minderheit, die, selbst wenn sie ursprünglich anarchistischen Fahnen gefolgt war, in Zukunft gehorsame Mitglieder der Comintern-Ordnung werden würden – alle Spuren des Anarchosyndikalismus verdrängend, die seit Jahrzehnten die treibende Kraft der kubanischen Arbeiterklasse gewesen war.

el tirano no.1:  Máximo Gerardo MACHADO

Der Wahltriumph im August 1925 der Partido Liberal, dessen Gewinner Máximo Gerardo Machado wurde, provozierte eine abrupte Krise in den Reihen des kubanischen Anarchosyndikalismus.  Machado begriff schnell, dass der kürzlich gegründete CNOC entweder ein wichtiger Mitarbeiter oder ein gefährlicher Feind sein würde. Er hatte erst einmal Grund auf Kooperation zu hoffen.

Innerhalb des CNOC bestand ein reformistisches Element, das in Übereinstimmung mit der nordamerikanischen „Föderation der Arbeit“ – eine von Samuel Gompers eher reaktionäre Arbeitsföderation- handelte. Machado schaffte es, dieses reformistische Element innerhalb des CNOC mit Regierungsposten anzuziehen, während sich die Verbündeten, auf die die Anarchisten innerhalb des Partido Liberal zählten, sich unsichtbar machten

Für die Marxisten der PCC galt nun – nach einer Periode der offen politischen Tätigkeit- im direkten Widerspruch zum CNOC, sich zurückhalten und auf bessere Zeiten hoffend.

Machados Regierung begann mit repressiven Moralprinzipen. Sie schloss völlig willkürlich den „ Sindicato de la Industria “, weil es gestreikt hatte, hielt seinen schwarzen anarchistischen Leiter , Margarito Iglesias gefangen und deportierte mehrere streikende Arbeiter.

Im September gab es einen anderen Streik unter den Zuckerarbeitern von Camagüey und der dortige anarchosyndikalistische Leiter Enrique Varona wurde zuerst eingesperrt und später ermordet. ( Varona vertrat die „ Unión de Ferrocariles del Norte “(Nördliche Eisenbahnvereinigung), welche in dieser Zeit die Zuckerarbeiter vertrat).

Diese Repressionen führten zu starken Protesten, die jedoch zu nichts führten.

Wegen diesen Verfolgungen war die politische Situation für die Anarchisten wieder schwieriger geworden. Die Regierung war unterdrückender als zuvor, sich vor allem auf die Anarchosyndikalisten konzentrierend, weil sie der bestorganisierte Sektor der Arbeiterklasse waren und weil sie Menschen von der Größe eines López, eines Iglesias u.a. hatten.

Unter Machado wurden die Proteste, die andere Regierungen geduldet hatten oder überschaubar unterdrückt, als Vorwand für grausame und mörderische Verfolgung.

Nach dem Mord an Varona verurteilte López öffentlich dieses Verbrechen als ein Regierungsverbrechen und diese Anklagen kamen auch ins Ausland. Aber es gab keine Gewalt seitens der Arbeitervereinigungen.

Streiks wurden mit Androhung von Gefängnisstrafen verboten und ein Zustand des Staatsterrorismus begann in Kuba unter Machado.

Im Oktober 1925 wurde Alfredo López Gefangener nach einer Serie von Bombenanschlägen in Havanna, die von einem Agent provocateur der Machado-Regierung verübt worden war.

Vor dem Dezember waren die aktivsten Anarchisten in Kuba entweder im Gefängnis oder waren nach Florida oder Yucatan geflohen.

Die politischen Waffen der Machado-Regierung waren nun Einschüchterung, Provokation und Morde geworden.

López und einige andere Anarchisten wurden im Januar 1926 freigelassen, mit der Auflage sich in den Dienst der Regierung zu stellen. Bei einer Sitzung mit Machados „Botenjungen“, dem Regierungssekretär, Rogerio Bazán, bot dieser Alfredo López einen bezahlten Regierungsposten für seine Mitarbeit an.

López lehnte ab und versuchte seine anarchistischen Tätigkeiten fortzusetzen. Er wurde wiederholt von der Polizei vorgeladen und diesmal mit dem Tode bedroht.

Am 1. Mai wurde im „Centro Obrero“ eine heimliche 1.Maifeier abgehalten, in der López Machado der repressiven Taten beschuldigte und die Arbeiter aufrief sich all dem zu widersetzen.

Am 20. Juli wurde López gekidnappt und verschwand(Sieben Jahre später, einige Tage nach dem Sturz von Machado, wurden die Gebeine von López gefunden).

Mit den Todesfällen von Varona und López verlor die anarchosyndikalistische Bewegung in Kuba im entscheidenden Moment zwei ihrer herausragenden Führer.

Die Repressionspolitik Machados gegen die Arbeitervereinigungen hatte keine Parallele in der Geschichte der Insel. Weder in Kolonialzeiten noch unter der Herrschaft von Menocal erlitten die Anarchisten eine solche Verfolgung und Unterdrückung.

Während Machado durch die privilegierten  Klassen gefeiert wurde in einer Gesellschaft, in der sich USA permanent einmischte, wurden die Anarchisten unablässig verfolgt.

1927 erlitt der CNOC einen weiteren Schock. Margarito Iglesias , der anarchosyndikalistische Enkel von schwarzen Sklaven und ein Hauptmitglied des „ Sindicato Fabril “ verschwand spurlos.

Die Marxisten innerhalb des CNOC nutzen diese Gelegenheit und begannen auf Anordnung des PCC, die Positionen der deportierten, verbannten oder ermordeten Anarchisten mit PCC Leuten zu besetzen.

Die Antwort von radikalen Anarchisten zu der Repression der Regierung ließ nicht lange auf sich warten. Sie gründeten militante Gruppen wie „ Éspartaco “ und „Los Solidarios“ und später die „ Federación de Grupos Anarquistas de Kuba“(FGAC ) und begannen in Verbindung mit Studenten und einigen Politikern, eine gewaltsame Kampagne gegen Machado, der gerade erst gesetzwidrig für weitere sechs Jahre im Amt blieb.

Sie agierten auf der Strasse, die u.a. mit mehreren erfolglosen Attentaten Machado vergebens bekämpfte. Natürlich, sie waren die einzigen, die so etwas versuchten.

Es gab auch andere bewaffnete Oppositionsgruppen, wie „ Directivo Estudiantil Revolucinario “(Revolutionäres Studentendirektorat) und eine Geheimorganisation ABC .

1930 brach ein Straßenbahnerstreik aus, der durch fast alle Arbeitervereinigungen ging. Dieser Streik weitete sich innerhalb von 24 Stunden zu einem Generalstreik aus und war der erste seiner Art in Kuba, der unter einem diktatorischen Regime versucht wurde.

Die Anarchisten waren führend und aktiv bei diesem Streik, während die kapitalistische Anti-Machado-Presse Lob auf die PCC ausstieß und deren Führer interviewte.

Dies erscheint im ersten Moment sonderbar, aber während dieser großen Depression war nicht nur anscheinend die Arbeiterklasse sondern auch die bürgerliche Klasse gegen die Zwangsherrschaft Machados, soweit er die Wirtschaft, ihre Wirtschaft, immer mehr zerstörte.

Der Preis des Zuckers war ins Bodenlose gefallen und die soziale und politische Ruine wurde mit der Wirtschaftskatastrophe verbunden.

Der Generalstreik selbst war ein großer Misserfolg wegen seiner schlechten Planung durch den CNOC, der jetzt in den Händen der PCC war.

 Die mündlichen Überlieferungen von Casto Moscú , Manuel Gonzalez und Agustín Castro (letzterer nahm bei FGAC am geheimen Kampf gegen Machado teil) und von Eusebio Mujal , dessen Vater ein anarchistischer Bäcker aus Guantanamo war, sind übereinstimmend.

Hugh Thomas zitiert Mujal:

Die Kommunisten waren über die Anarchisten genauso besorgt wie über Machado...getreu der Parteipolitik sollten alle Mitglieder der CNOC die nicht kommunistisch waren, verdrängt werden, ja, einige wurden auch an Machados Polizei verraten. Mehrere spanische anarchistische Führer wurden daraufhin von Machados Schergen ermordet.“

Trotz der Verfolgung durch Machados Regime und der Hinterlist des PCC gaben die Anarchisten, jetzt allerdings im Untergrund, nicht auf

Am 28.Juli 1933 brach ein anderer Transportstreik in Havanna aus und die Stadt wurde dadurch gelähmt, als sich die Straßenbahnarbeiter wieder am Streik beteiligten. Die Krise wurde größer, als die Anarchisten im FOH weitere Transportarbeiter mobilisieren konnten und es wurde wieder einmal ein Generalstreik.

Die USamerikanische Botschaft suchte nach einer politischen Lösung, aber Machado klammerte sich rasend an der Macht fest.

Seine Zwangsherrschaft soll enden im August, als sich die PCC auf Anraten der Comintern  heimlich mit der USamerikanischen Botschaft zusammentat, die  Machado liquidieren wollte. Am 7.August ging ein Gerücht durch Havanna, dass Machado aufgegeben hätte und die Leute auf den Strassen feierten – worauf sie von durch Machado bezahlte Killer mit Maschinengewehren beschossen worden.

comunista perfidia

In einem politischen Manöver, das nur als unverschämt bezeichnet werden kann,machte der PCC, im Namen des CNOC, ein Geschäft mit Machado, um den Generalstreik zu beenden(als ob sie diejenigen waren, die ihn begonnen hatten). Die Belohnung würde eine förmliche Anerkennung des PCC und des von ihnen dominierten CNOC durch Machados Regierung sein. Der Ehrgeiz auf sich bietende Macht hatte den PCC völlig verblendet. Heutige marxistische Schriftsteller versuchten diese Taten als taktischen Fehler zu entschuldigen.

In Wirklichkeit war dies mehr als nur ein Fehler, es war ausgewiesener Verrat an der Arbeiterklasse und den Menschen in Kuba.

Die Situation der nächsten Tage blieb reizbar, als die PCC in ihrem Versuch, die Arbeiter zurück an ihre Arbeit zu bringen und nicht davor zurückschreckte durch Streik vakante Arbeitsplätze neu zu besetzen, mit Machados Regime manövrierte. Die Anarchisten der FOH waren darüber so aufgebracht, dass sich die Geheimpolizei, die berüchtigte „ Porra “(Knüppel)

einschaltete. Sie hatte sich in der Vergangenheit schon mehreren Morden an Arbeitern schuldig gemacht.

Am 12.August endlich wurde Machado durch einen durch die USA initiierten militärischen Staatsstreich entmachtet.

Am 28. August wurden die Gebeine von López und Iglesia aus einem oberflächlichen Grab exhumiert und von einer großen Menschenmenge in einer Feier wieder begraben.

Am gleichen Tag veröffentlichte die FGAC ein Manifest, in dem die verräterischen Aktionen des PCC und deren Angriffe gegen einige Büros der Anarchisten bekannt gemacht wurden.

Die einzigen noch übrigen Büros der kubanischen Anarchisten waren 1933 diejenigen des FOH, von dem die Spartacusgruppe geheim funktioniert hatte:

In der Verwirrung der ersten Momente nach dem Triumph über Machado hatten sich die Kommunisten entschieden, sich mit den militantesten der Anarchisten zu befassen. Das anschließende Wortgefecht eskalierte mit Waffengewalt, wobei ein Anarchist getötet wurde und mehrere Menschen auf beiden Seiten verwundet wurden.

Schließlich musste die Armee dazwischen gehen, um weiteres Blutvergießen zu verhindern.

Das Manifest verurteilte diese verräterischen, mörderischen Aktionen des PCC.  Unterzeichnet durch den FGAC gab es ausführliche Informationen über die Antiarbeiter Tätigkeiten des PCC und wie er versucht hatte, sich unter dem Mantel des CNOC seine Machtanteile zu sichern.

Die immer unsichere kooperative Beziehung zwischen Kubas Anarchisten und den Kommunisten, die sich seit den beunruhigenden Nachrichten über die Verfolgung der Anarchisten unter Lenin und dann Stalin stetig verschlechtert hatten, kam im Sommer 1933 zu einem blutigen Ende

Zusammensetzung und Revolution (1934-1958)

Trotz Machados Sturz war die Situation für die Anarchisten eher ungünstig.

Viele ihrer Aktivisten waren durch die Regierung ermordet worden oder deportiert. Infolgedessen überraschte der durch die USBotschaft herbeigeführte Staatsstreich – die Anarchisten waren insofern unvorbereitet, dass sie mit dem nun entstandenen Vakuum zumindest erst einmal nicht viel anfangen konnten.

Die neue provisorische Regierung war eine ehe linksliberale mit nationalistischen Tönen. Ihre

Bekanntesten Gestalten waren Ramón San Martin und Antonio Guiteras . Sie waren an die militärischen Männer gebunden, die den Staatstreich durchgeführt hatten, Unteroffiziere und Sergeanten von eher bescheidenem Hintergrund und mit den sozialen Ideen eines ihrer Führer, den Sergeanten Fulgencio Batista.

Diese Regierung, die erste ihrer Art auf der Insel, widersetzte sich sofort den US-amerikanischen Interessen und verordnete Gesetze, die eher einer breiteren Öffentlichkeit nutzten, sie entfernte auch den (nordamerikanischen) Zusatzartikel aus der kubanischen Verfassung.

Diese Regierung dauerte – wie zu erwarten war – noch nicht einmal 100 Tage. In Anbetracht seines Nationalismus ohne Nation, seiner Eliminierung des Zusatzartikels, sein Eingreifen in die der USAgehörigen elektrischen Telefondienstprogramme und  seine Gesetzvorhaben für einen Acht-Stunden-Tag war ihr Untergang ohne große Überraschung.

50:50

Was die Regierung jedoch schaffte, war, die Fabrikbesitzer zu veranlassen, die Hälfte aller zu vergebenden Jobs für Kubaner vorzubehalten. Das zwang viele spanische Anarchisten, die Insel zu verlassen und in ihr Heimatland zurückzukehren, wo bald ein tragischer Bürgerkrieg stattfinden sollte.

So fanden sich die kubanischen Anarchisten in einem elementaren Punkt der Geschichte erneut geschwächt, während die Kommunisten größere Teile der Arbeiterklasse mit dem momentanen Erfolg zu gewinnen versuchten. Sie griffen die Anarchisten weiterhin heftig an, mit körperlicher Gewalt und in Form von Verleumdungen. Diese Taktik würde im folgenden Jahr stinkende Früchte tragen – und sie würden dies mit noch größerem Erfolg 1960 wiederholen.

Die Kommunisten beschuldigten Kubas Anhänger der politischen Willens-und Handlungsfreiheit Yankee-Agenten zu sein und sogar mit Ex-Machadoanhängern, ja sogar Faschisten kontaktiert zu haben.

Trotz des großen Schadens durch die Regierung von Machado, die Verluste durch das nationalistische Arbeitsgesetz und den unaufhörlichen Angriffen durch die Kommunisten entwickelten Kubas Anarchisten nun eine neue Energie und Widerstand, der für alle erstaunlich war. Sie vergrößerten ihre Propagandaarbeit unter Kubas Jugend und eine zweite Generation von Kubanern sammelte sich unter den anarchistischen Fahnen, in den Organisationen und Arbeitsvereinigungen.

Ende 1933 wurde mit Unterstützung der USA und des kubanischen Bürgertums der inzwischen zum Oberst beförderte Batista der neue starke Mann Kubas.

Einige junge Anarchisten nahmen daraufhin Kontakt auf  zu Mitgliedern der revolutionären Opposition der sozialistischen Organisation“ Joven Cuba “ (Das junge Kuba), die vom Erzfeind der Kommunisten, Antonio Guiteras , gegründet worden war.

El tirano no. 2: Fulgencio Batista

Wieder einmal sahen sich  Anarchisten und Arbeiterbewegung der Unterdrückung ausgesetzt: Im März 1935 bekämpfte Batista einen Generalstreik, der daraufhin von der PCC abgebrochen wurde. Und bald würde die PCC die Volksfrontlinie Moskaus annehmen, sich mit der Regierung Batista selbst verbünden und dessen Weg mitgehen.

Batista selbst versuchte seine Zwangsherrschaft durch eine Wahlfarce zu legitimieren. Er hatte keine politische Unterstützung außer der militärischen durch Streitkräfte und Polizei und dies reichte nicht für eine politische Vertrauenswürdigkeit.

Der PCC kam ihm zur Rettung. Er bot ihm das Geschäft an, die ganze Maschinerie des kubanischen und internationalen Kommunismus an seine Seite zu stellen und ihm die nötigen Stimmen für die nächste Wahl zu besorgen. Batista brauchte dringend Wahlunterstützung.

Für die Anarchisten änderte sich dadurch die politische Situation drastisch. Seit dem Sturz von Machado hatten die Behörden eine eiserne Aufsicht über die Arbeitstätigkeiten der Anarchosyndikalisten. Sie zensierten kräftig deren Presse und zerstörten Materialien aus dem Ausland mit Ausnahme der unter Beobachtung stehenden Zeitschrift „Cultura Proletaria “, die 1920 von Pedro Esteve gegründet und in New York von einer Gruppe spanischer Exil-Anarchisten veröffentlicht wurde. Frank González und Marcelino Garcias berichteten dort oft über die Verfolgung der kubanischen Anarchisten.

Gemäß Helio Nardo , einem Zeitzeugen, fanden sich die Anarchisten nach dem Misserfolg des Generalstreiks vom März 1935 unter brutaler Unterdrückung. Tausende von Batistagegnern fanden sich im Gefängnis wieder .... Alle Städte kamen unter militärische Kontrolle.

nueva generación

Zur gleichen Zeit, so Nardo, entstanden Spannungen zwischen den verschiedenen Generationen der kubanischen Anarchisten. Die jüngeren kritisierten, dass sich die älteren in den Zeiten Machados und des frühen Batista hinter ihrer Organisation FGAC verschanzt hätten und z.B. nicht deutlich genug gegen die nationalistische 50:50 Arbeitsgesetze agiert hätten.

Sie gründeten deshalb die „ Juventud Libertaria de Cuba “. Nardo teilt mit,  wer ihre Gründer waren: Gustavo López , Floreal Barreras, Luis Pulzaides , Miguel Rivas , Julio Ayón Morgan , Toedoro Fabel, Abelardo Barroso , Modesto Barbeito sowie Fernández Marktí und ein junger Anarchist mit dem interessanten Namen Gerardo Machado . Er teilt auch mit, dass die Sitzungen dieser Gruppe streng geheim waren.

Für seinen Teil notierte Pulzaides Jahrzehnte später seine ersten Eindrücke. Er stellte fest, dass er sich der „ Juventud Libertaria “ durch Fernández Marktí anschloß, und dieser kam, um die wichtigsten Gestalten des militanten kubanischen Anarchismus kennen zu lernen.

Domingo Díaz, ein junger Apotheker aus Arrayo Arenen (nahe Havanna) ruft sich zurück, dass er kam, um Turón, einen alten Eisenbahnarbeiter und Gründer des CNOC kennen zu lernen sowie auch Rafael Serra , einen schwarzen Tabakarbeiter der als Reliquie aus der heroischen Arbeiterzeit übrig geblieben war und schließlich Marcelo Salinas , einen der prominentsten kubanischen Intellektuellen seiner Generation.

la revolución espanol

Beim Ausbruch der spanischen Revolution und des Bürgerkrieges im  Juli 1936 sammelten sich Kubas Anarchisten um die Verteidigung der spanischen Revolution und deshalb gründeten sie die „ Solidaridad Internacional Antifascista “( SIA ) in Havanna, dessen Mitglieder eifrig daran arbeiteten, Geld und Waffen ihren spanischen Kameraden der CNT/FAI zu senden. Berücksichtigen wir die deprimierende Wirtschaftslage in Kuba dann war die Hilfe, die den spanischen Kameraden zuteil wurde, beträchtlich. In dem Zusammenhang sei erwähnt, dass auch einige kubanische Anarchisten direkt in die Kämpfe in Spanien eingriffen.

Die schon unter Machado deportierten kubanisch-spanischen Kameraden kämpften so in den Reihen der CNT/FAI, dabei Abdelardo Iglesias und Manuel de la Razza . Einige andere gingen von sich aus von Kuba nach Spanien, u.a. Adolfo Camino ,  Gustavo Malegamba , José Perdas, Humberto Monteagudon , Pedro Fajardo Bonvas , Julio Constantino Cavarraos u.a.m.

Mit dem Misserfolg der spanischen Republik 1939 gingen viele der überlebenden kubanischen Anarchisten zurück nach Kuba und mit ihnen taten es viele spanische Anarchisten, die von Frankreich und Spanien aus kubanische Pässe erhalten hatten. In dieser Zeit sammelte man in Kuba Geld, um den ehemaligen Kämpfern in der Not zu helfen. Als diese in Kuba ankamen, gab es reichlich Begrüßungen.

Als einige ankommende durch die Einwanderungsbehörden festgehalten wurden, werden sie nach Intervention der kubanischen Anarchisten mit Hilfe einiger Sympathisanten an „höherer Stelle“, die auch die Pässe besorgt hatten, bald wieder freigelassen.

Paulino Diez erzählt in seinen Lebenserinnerungen, dass für viele spanische Anarchisten Kuba als Trampolin diente, als Reise zu amerikanischen Ländern wie z.B. Argentinien.

marionetas

Ende der 30erJahre war Batista ein Militär, dessen Popularität gleich Null war. Also entschloss er sich, eine Koalition mit der PCC einzugehen und die Kommunisten stimmten dem erfreut zu. Als Entgelt für ihre Unterstützung in der folgenden Präsidentenwahl würde die PCC die neu geschaffene Gewerkschaft „Confederación de Trabajadores de Cuba“(CTC) bekommen. Die CTC war eine Gründung der Batistaregierung in Zusammenarbeit mit ihren Wahlverbündeten und diente dazu, als größte zentralistische Arbeitsorganisation in Kuba, alle sozialen Splittergruppen einschl. eines kleinen obskuren Anarchistenzirkels zu vereinigen und auf Linie zu bringen.

Der Hauptunterschied zwischen CTC und der vorherigen CNOC bestand darin, dass der CTC von Anfang an Werkzeug der staatlichen Politik war und unter Kontrolle des PCC durch Batista gestellt wurde. So gab es zum ersten Mal eine Beziehung zwischen Regierung und einer Arbeiterunion.

la constitución

Die Verfassung von 1940 kennzeichnet die Geburt einer neuen Republik. Zum ersten Mal gab es unter Batista eine günstige Entwicklung. Ein grundgesetzliches Dokument zog soziale Probleme in Betracht und seine Autoren versuchten, die Fehler und Unterlassungen der Verfassung der ersten Republik zu korrigieren. Besonders hob es (diesmal mit Zustimmung der US-Amerikaner) den Zusatzartikel auf ( bis auf Guantanamo , d.Übers.), der US-amerikanische Einfluss in Politik, Soziales, Wirtschaft und Kultur war inzwischen dominant geworden.

Modern und progressiv war diese kubanische Magna Charta – ein Werk von zwei Generationen. Mitglieder aller sozialen Klassen und Lebensbereiche hatten dazu beigetragen. Es zog die kleinste Einzelheit aller Probleme in Betracht, die aufgetaucht waren und all die, von denen die Autoren glaubten, dass sie als soziale, politische oder landwirtschaftliche Probleme kommen könnten – in Erfahrung der letzten Jahrzehnte kubanischer Geschichte.

Die  Verfassung von 1940 war als ein Instrument sozialdemokratischer Reformen gedacht, nun musste es auf die Probe gestellt und in der Praxis umgesetzt werden.

organizar

die überlebenden Sektoren der revolutionären anarchistischen Bewegung zwischen 1920 -1940, jetzt in SIA und FGAC organisiert, waren verstärkt worden von jenen kubanischen Kämpfern und spanischen Anarchisten, die aus dem jetzt faschistischen Spanien geflüchtet waren. Sie begannen nun mit dem Zusammenbau zu einer einzigen Organisation.

Die Garantien der Verfassung von 1940 erlaubte ihnen nun eine Organisation dieses Typs legal zu schaffen, und so lag es nahe, SIA und FGAC aufzulösen, um  eine neue,vereinigte Gruppe, die „ Associación Libertaria de Cuba „( ALC) zu schaffen, einen Organisation mit mehreren tausend Mitgliedern.

Über 100 Delegierte (Kubaner und spanische Emigranten) trafen sich auf der Mordazo Ranch, im Hause von Juan Nápoless und seiner Companera Maria , im Barrio Palatino am Stadtrand von Havanna. Sie wählten Domingo Díaz als Generalsekretär und Abelardo Barroso als organisatorischen Sekretär. Sie waren auch bereit, all denen spanischen Exilanten zu helfen, die jeden Tag auf der Insel ankamen. Die Verantwortung für die Veröffentlichungen übernahm anfangs die Zeitschrift „ Rumbos “, die schon sporadisch Ende der 30er Jahre erschienen war und zu einem „ Nationalen Libertären Kongress “ 1944 aufrief.

emigración

Um die große Zahl von Cenetistas (Mitglieder des spanischen CNT ) wurde sich zwar gekümmert, jedoch trieb die allgemeine Arbeitslosigkeit in Kuba Anfang der 40erjahre die große Mehrheit dieser Companeros in Länder wie Panama, Mexico und Venezuela zur Emigration, was andererseits die ALC schwächte.

Dennoch erschien das neue Propagandaorgan „ Rumbos Nuevos “ unter der Chefredaktion von Marcelo Salinas. Mitwirkende waren Domingo Alonso und Claudio Martinez.

Auch der Kongress fand statt. Er wurde im Gipser-Vereinssaal in Havanna gehalten unter dem Vorsitz von Manuel Pis. Generalsekretär wurde nun Gerado Machado und der organisatorische Sekretär wieder Abelardo Barroso.

Während der frühen 40erJahre organisierte die ALC weiterhin ihre Anhänger innerhalb der Arbeiterbewegung. In Anbetracht ihrer Geschichte und Tätigkeiten in der kubanischen Arbeiterbewegung und ihre führende Rolle darin bis Mitte der 20erJahre genossen Kubas Anarchisten weiterhin große Popularität. Auch gingen ihnen der Ruf der Ehre, der Kampfbereitschaft und des Opfermutes für eine revolutionäre Geschichte voraus.

Der ALC begann, aus den kürzlich gegründeten „ Juventudes Libertarias “ Kampfgruppen zu formen, um verlorenen Boden gegenüber den Kommunisten und Reformern zurückzugewinnen. Sie gründeten Aktionsgruppen bei den Studenten als auch bei den Arbeitern. Dies waren in der Regel Propagandatrupps von Studenten der höheren Schulen und junge anarchistische Arbeiter, die sich zum Verteilen anarchistischer Bücher, Zeitungen und

Zeitschriften in Schulen und an Arbeitsplätze begaben.

cambio corto

Inzwischen hatte die Verfassung von 1940 den Achtstundentag beschlossen, der schon 1933 vorgeschlagen worden war, So wurde endlich eine der utopischen Visionen des „El Productor“ aus dem Jahre 1888 Wirklichkeit. Gleichzeitig regelte die Verfassung das Streikrecht, ohne es gleich offiziell anzuerkennen.

Diese Situation und die politische Infiltration innerhalb des CTC nötigte die Anarchosyndikalisten  dazu, Druck zu machen auf die Trägheit und Bürokratie der CTC sowie die offene Kollaboration des PCC und Co. mit der kubanischen Regierung herauszufordern.

Batista war mit Hilfe und Unterstützung des PCC zum Präsidenten gewählt worden.Dafür erhielten die Kommunisten Ministerposten, Geld und Propagandamittel. Den CTC hatten sie in eine politische Gefolgschaft, ein Verrat an den wahren Ursprüngen und Grundsätzen der Gewerkschaftsbewegung in Kuba.

Dafür wurden sie von den Anarchisten „ frente crapular “ genannt, so was wie „verdorbene Front“ in Anlehnung an den Slogan der Komintern  „ frente popular

Überraschend gewann bei den Wahlen 1944 der Kandidat der so genannten „Partido Revolucionario Cubano Auténticos „( PRCA) , Ramón Grau San Martín , der 1933 schon mal dran war. Die Menschen erwarteten nun wesentliche materielle Veränderungen dieser neuen, frei gewählten sozialdemokratischen Regierung. Die Kommunisten blieben erstmal in der Regierung.

Die einzige bedeutende Änderung für die kubanischen Arbeiter kam am 1.Mai 1947. Infolge des „kalten Krieges“ zwang die USA die kubanische Regierung, die PCC von ihrem Posten aus der CTC zu vertreiben. Diese Entscheidung diente als Beweis, dass trotz der Streichung des Zusatzartikels aus der Verfassung eine US-unabhängige Situation noch weit entfernt war.

Es gab einen Wiederbeginn für die Anarchisten in diesen Jahren. Mehrere kleine anarchistische Informations-und Propagandaveröffentlichungen erschienen in Havanna unter der Schirmherrschaft der „ Federación de Juventudes Libertarias de Kuba “( FJLC ) sowie eine regelmäßige Veröffentlichung einer Untergruppierung der spanischen CNT mit der Leitung von V.Velasco und C.Trigo. Sowohl die FJLC als auch die CNT nannten als ihre Adresse die der ALC in der Calle Jesús María 310 in Havanna.

Die Entscheidung der kubanischen Regierung, die Stalinisten aus der CTC zu entfernen, nutzen die Anarchosyndikalisten aus. Sie schaffte es in den anstehenden Wahlen der verschiedenen Branchen, einige Companeros in gute Positionen einzelner Vereinigungen zu bringen. Das Prestige und die Anerkennung ihrer Kämpfe für die soziale Gerechtigkeit brachte die Anarchosyndikalisten in solche bedeutende Vereinigungen wie die der Transportarbeiter, der Koch-und Bauarbeiter sowie die der elektrischen Dienstprogramme-Anbieter und erlaubte ihnen, Gruppen in fast allen anderen Vereinigungen zu bilden, die den CTC zusammensetzten. Kubanische Anarchisten im Innern der Insel schufen auch die „ Asociaciones Campesinas “ , um damit die ärmsten Campesinos zu organisieren.

Diese Versuche trugen ihre größten Früchte in der Provinz Camagüey, der alten anarchistischen Bastion sowie im Hafen von Nuevitas und der südlichen Kaffeezone in der Provinz Oriente in der Bergkette von Baracoa-Guantanamo, wo viele Jahre lang die Anarchisten landwirtschaftliche Kollektive aufrechterhielten.

Solidaridad gastronómico

1948 gab es einen anderen landesweiten Kongress. 155 Delegierte nahmen am Paseo de Martí in Havanna daran teil. Der Kongress wurde durch Agustin Souchy eröffnet, der in jenen Tagen die AIT ( Asociación Internacional de Trabajadores ) der anarchosyndikalistischen internationalen Förderation vertrat. Marcelo Salinas, Modesto Barbeito und Helio Nardo sprachen auch. Der Kongress hielt am nächsten Tag eine Plenarsitzung ab mit dem Vorsitz von Rafael Sierra und Vicente Alea , der als provisorischer Architekt agierte. Vier Arbeitskommissionen würden gebildet : Organisation, Propaganda, Finanzen und Sonstiges.

Der Zweite Kongress verabschiedete am 24.Februar eine Reihe von Forderungen, die später im Jahr als Druckschrift veröffentlicht wurden. In der Schrift wurde über die Entwicklung einer anarchistischen Gesellschaft in Kuba nachgedacht und an alle wirtschaftlichen, industriellen und landwirtschaftliche Vereinigungen appelliert. Der Verlauf der Jahre zeigt dann, wie bedeutend diese Druckschrift für den kubanischen Anarchismus war. Sie skizzierte die Situation in jenen Jahren der Verfassung und Republik mit sicherer Hand, sie griff den ständigen Feind des kubanischen Anarchismus, die stalinistische PCC an, warnte vor der Bedrohung durch die katholische Kirche. Als überzeugte Antikapitalisten und Antimperialisten kritisierten sie die UDSSR als auch die USA, um so ein bisschen an den gerade modischen kubanischen Nationalismus zu appellieren.

Einer der vielen ehrgeizigen Punkte, auf den die Delegierten sich einigen konnten und der fast alle Aspekte des sozialen und wirtschaftlichen Lebens in Kuba betraf, war der, ein wirksames und regelmäßiges Propaganda-Organ zu haben.

Sie wählten die monatlichen Veröffentlichungen der gastronomischen Arbeiter „Solidarid Gastronómica“ , welche bereits bestand und der Kongress beschloss, dies als das offizielle Organ der ALC zu machen. Es würde ein langes Leben in der kubanischen Arbeiterkultur haben.

Solidarid Gastronómico “ erschien dann als offizielles Organ zuerst am 22.Dezember 1949, als eine Zeitung mit vier Seiten, auf Zeitungspapier gedruckt zum Preise von fünf Centavos.

Es wurde das Organ der Orientierung und des Kampfes. Sein Personal umfasste José Fuentes Candón als Direktor, Domingo Alonso und Jorge Jorge als Betriebsleiter und als Redakteure waren Claudio Martinez, Cato Moscú, Juan R.Avarez , Jose Rodriguez und Robert Cabanellas tätig. In diesem Format erschien die Zeitung bis Februar 1951. Ab da wurden es regelmäßig sechs Zeiten, bis dann im Dezember 1954 sie auf acht Seiten anwuchs und auf besserem Papier gedruckt wurde. Im Juli 1956 erschienen jeweils 12 Seiten und diese Größe würde bis zur letzten Ausgabe im Dezember 1960 so bleiben.

125 Ausgaben erschienen insgesamt und es wurden jeweils 1000-1500 Exemplare kopiert. Auch wenn es das Organ der Gastronomiearbeiter war, erreichte es ein unermesslich breites Publikum und seine Autoren gehörten zu den bemerkenswertesten Denkern anarchistischer Ideen. Zusätzlich zu Nachrichten und Analyse enthielt es eine von Domingo Alonso editierte Buchabteilung, die sich mit Büchern zu verschiedenen anarchistischen Themen befasste. „ Solidaridad Gastronómica war eine der letzten unabhängigen Veröffentlichungen vor dem Castro-Regime.

cambio permanente

Carlos Prío Socarrás übernahm 1948 die kubanische Präsidentenschaft und folgte demselben toleranten Pfad wie Grau im sozialen Bereich. Die Anarchisten hatten also noch genügend Freiheit sich zu organisieren und ihre Ideen in aller Ruhe zu verbreiten.

1949 scheiterten sie allerdings innerhalb der CTC eine neue, eher syndikalistische Organisation zu schaffen. Die Idee dabei war, eine Organisation unabhängig des politischen Einflusses und der Wahlteilnahme aufzubauen. Also eher wieder zurück zu traditionellen anarchosyndikalistischen Positionen, die Vereinigungen zurückweist, die als politische Instrumente des Staates fungieren. Gemäß Helio Nardo war die Idee, eine zweite zentrale Arbeiterorganisation zu schaffen, der Glauben an eine nicht-politische und nicht-parlamentarische Gewerkschaftsbewegung, an der ich ( der Autor ) zusammen mit Abelardo Iglesias und Modesto Barbeito arbeiteten. Mit der Unterstützung von Angel Cofino , ein Vertreter der elektrischen Dienstanbieter und Vicente Rubieras von den Telefonarbeitern wurde dann das „ Comité Obrero Nacional Independiente “ gegründet. Nardo bemerkte, dass das Komitee eine tägliche Rundfunksendung machte und die Beiträge dazu im Saal des ALC schrieben. Trotz großer Opposition gegen diese neue Entwicklung in der kubanischen Gewerkschaftsbewegung entstand daraus die „ Confederación General de Trabajadores “ ( CGT ) mit seinen Büros in der Calle Aguila ....

Der dritte nationale Kongress wurde am 11. und 12.März 1950 gehalten und sein Hauptgegenstand war die Ortsbestimmung innerhalb der kubanischen Arbeiterunion und die Agitation gegen Bürokratismus und Kontrollen der Arbeiterbewegung durch Politiker, Kulte und religiöse Schwärmer und für die wahre Bedeutung der Gewerkschaftsbewegung , die apolitisch, revolutionär und föderalistisch ist und dadurch die vorhandene Gewerkschaft zu bekämpfen, die in eine Agentur des Staates umgewandelt war.

Die Schaffung der CGT erregte großes Aufsehen. Die Gefahr, Einfluss zu verlieren, schreckte Reformisten, Kommunisten und Regierung.gleichzeitig. Präsident Prio war sich der Gefahr durchaus bewusst, dass seine Partei dieses neue Arbeiterbündnis nicht manipulieren konnte und er begann eine Propagandakampagne gegen den CGT in den kubanischen Medien sowie in den offiziellen Vereinigungen mit dem Ziel, die CGT Initiative zum Scheitern zu bringen.

In dieser Periode des „Kalten Krieges“ ließ sich Prio gern auf Vorschläge der USA und seinen Parteimitgliedern ein, auch gegen die Kommunisten vorzugehen.

Dies veranlasste die kubanischen Stalinisten, nach einer neuen Beziehung zu ihrem alten Freund Fulgencio Batista zu suchen.

escritos

Die Furcht der kubanischen Regierung vor den kubanischen Anarchisten war nicht grundlos. Bereits am Ende der 40er Jahre hatten die Anarchisten beträchtlichen Einfluss innerhalb der kubanischen Arbeiterbewegung wieder gewonnen. Auf der ganzen Insel arbeiteten die Anarchisten oft in kleinen lokalen Gruppen. Anarchistische Propagandisten waren auch in jeder Provinzhauptstadt tätig.

Sam Dolgoff („ Leuchtfeuer in der Karibik “) bemerkt, dass die Zahl ihrer Sympathisanten und ihr Einfluss größer war als die Zahl ihrer Mitglieder. Anarchosyndikalistische Gruppen bestanden in der Regel aus einigen Personen, mehr waren in vielen lokalen und regionalen Vereinigungen. So waren z.B. die einflussreichen Anarchisten  Casto Moscú ,  Juan Àlvarez und Bartolo García in der Gastronomiearbeiterföderation , Francisco Bertau und sein Bruder Roberto in der der Elektriker . Santiago Cobo als der organisatorische Sekretär in der nationalen Transportarbeiterföderation und Abelardo Iglesias , der Generalsekretär der Provinz Havanna in der Föderation der Bauarbeiter .

Man sollte auch auf das Äußere einer neuen, von Anarchisten geprägte Zeitschrift schauen, die im April 1950 in Havanna erschien: „ Estudios ... Mensuario de Cultura “. Sie hatte ein modernes Layout sowie interessante moderne Inhalte. Seine soziokulturellen Texte wurden durch zahlreiche Fotos und Zeichnungen und ausgezeichneter Typografie ergänzt.

Diejenigen, die für den Inhalt verantwortlich waren, waren neben den bekannten Verdächtigten wie Iglesias und Salinas auch als drittes Mitglied des Verwaltungsrates Luis Dulzaides, der Betriebsleiter Santiago Velasco und der Werbungsdirektor Roberto Bretau .

Estudios “ hatte eine Auflage von 1000 Stück und wurde durch die verschiedenen Vereinigungen finanziert.

Diese großartige Zeitschrift hatte 52 Seiten und fiel vor allem auf durch die Zeichnungen des Malers José Maria Mijares , die in jeder Ausgabe erschienen, sowie dem regelmäßigen Gebrauch von Fotos.

Eine andere anarchistische Monatszeitschrift war „ El Libertario “, das Organ des ALC . Diese Zeitschrift war sporadisch seit den 40erJahren erschienen unter der Leitung von Salinas. Sein unregelmäßiges Erscheinen wurde durch die mangelnden Finanzen diktiert, war aber neben der schon erwähnten „ Solidaridad Gastronómica “ eine der letzten unabhängigen Zeitschriften, bevor das Castro-Regime alles beendete.

Es war eine vierseitige Zeitung zu fünf Centavos und seine Mitarbeiter waren aus dem Ausland Agustin Souchy aus Schweden und Silvia Mistral aus Mexico.

un golpe de estado

Im März 1952 führte Batista einen weiterer Staatsstreich aus. Die Kubaner reagierten fast teilnahmslos in Anbetracht der moralischen und administrativen Verkommenheit der Prío -Regierung. Ein Ruf nach einem Generalstreik versagte völlig und der CTC mit Eusebio Mujal (Ex-Kommunist und Ex-Trotzkist) einigte sich schnell mit Batista trotz der Opposition der Anarchisten in der CTC.

Mujal erklärte dieses Verhalten damit, dass PCC- Mitglieder durch Batistas Militär mit an die Macht kämen um damit verloren gegangenen  Einfluss in der CTC zurückzugewinnen. Letzteres gelang nicht.

Batista nahm die Kommunisten zwar als Verbündete, verhielt sich diesmal aber etwas distanzierter. Der „Kalte Krieg“ war in vollem Gange und er musste bei seinen stalinistischen Verbündeten vorsichtig sein.

Fidel – al principio

In dieser Zeit erschien zum ersten Mal eine andere, bedeutend werdende Gestalt: Fidel Castro , einer junger, jesuitengebildeter Politiker mit großbürgerlicher Herkunft, der sich bemühte, das Vakuum der Opposition auszufüllen.

Am 26.Juli 1953 führten Castro und eine Gruppe von Revolutionären einen Angriff auf die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba, der in einem Blutvergießen mit vielen Toten endete. Castro s elbst wurde gefangen genommen und nutzte seine Gerichtsverhandlung als Probe, um ein revolutionäres Programm zu entwerfen. Revolutionäres Programm? Es war alles andere als das – es war nur reformistisch und grundsätzlich sozialdemokratisch. Sein primäres Ziel war die Verfassung von 1940 wieder herzustellen, die Batista gebrochen hatte, als er Prío stürzte. Die Verhandlung endete damit, dass Castro zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Er nutzte die Gelegenheit, die „ Bewegung des 26.Juli“(M26J) zu gründen. Nach einigen Monaten in Haft, wurde Castro durch eine Regierungsamnestie  frei und reiste nach Mexico.

sigue organizado

Zu diesem Zeitpunkt war die Opposition gegen Batista heftig und er reagierte dementsprechend. Das politische Klima wurde angeheizt und die Opposition, in Pro-Castro und No-Castro aufgeteilt, wuchs schnell.

Durch die politische Situation im März 1955 völlig in Anspruch genommen, verlangte der ALC einen nationalen Kongress, der am 24.4. in einer ökologischen Enklave in der Stadt Campo Florido am Rande von Havanna stattfand.

Die Konferenz hatte eine Tagesordnung von 10 Punkten, von denen die wichtigsten landesweite Angelegenheiten waren. Sein  Bericht bewertete alle anarchistischen Tätigkeiten seit dem 3.Kongress. Er bemerkte das Schließen des „ El Libertario “ im April 1952 vom Batistaregime. Er äußerte sich auch über die gegenwärtige politische Situation in Kuba, die Beschränkungen der Freiheiten in all seinen Aspekten, die Kontrolle, die Verfolgungen. Der Bericht endete damit, dass „ wir Anarchisten all unsere Kräfte konzentrieren auf den Kampf gegen Batista, wir werden mit Initiativen zusammenarbeiten, die bereit sind, die Freiheit zurückzubringen.“

1956 wurde Kuba völlig zwischen Batista und seinen politischen Feinden einschließlich der politischen Parteien polarisiert. Das war grössenteils ein Ergebnis des Bruchs der Verfassung von 1940.

Die Anarchisten hielten ihre antidiktatorische Position aufrecht und verurteilten die Politik Batistas. In diesem Jahr veröffentlichte der ALC eine Druckschrift, geschrieben von Salinas und Moscú mit dem Titel „ Proyecciones Libertarias “, in welcher zum einen die Politik Batistas verurteilt wurde und zum anderen Fidel Castros zukünftige Politik schon vorausgesehen wird.

Beim 24. landesweiten Rat der CTC 1957 verurteilte Moscú den offiziellen Bericht des Generalsekretärs dieser Organisation, den schon bekannten Eusebio Mujal . Entgegen den Übereinstimmungen des CTC führte diese unter der Leitung von Mujal Wahlkampfaktivitäten durch. Infolge dieser Richtungsänderung verließen Iglesias und Barbeito den CTC.

Trotz all der Schwierigkeiten in dieser dunklen Zeit erschien „ Solidaridad Gastrónomica “ weiter monatlich. Sie erschien in Zeiten der Zensur und Suspendierung von grundgesetzlichen Rechten, war sowohl anti-kommunistisch als auch anti-faschistisch und verteidigte eifrig den für politische Willens- und Handlungsfreiheit stehenden Sozialismus.

Das Büro befand sich bis zum Schluss in der Calle Jesús María 310, dem Büro des ALC.

Am 14.April 1957 fand in Montevideo die „ Conferencia Anarquista de las Americas “ statt. Der ALC sandte Moscú und Àlvarez als ihre Vertreter hin. Die Konferenz verurteilte u.a. alle Zwangsherrschaften, die Lateinamerika einschl. Kuba zu diesem Zeitpunkt plagten.

Fidel – segundo

In dieser Zeit öffnete sich eine andere Bühne am Hauptquartier des ALC, ein Ort, der schon oft eine Stelle von geheimen Sitzungen war. Unter denjenigen, die sich dort nun verschwörten, waren Gruppen wie das „ Revolutionäre Direktorat “(eine sozialdemokratische Gruppe) und M26J. Das ALC Hauptquartier war vorher oft genug von Batistas Schergen überfallen worden, allerdings ohne nachhaltigen Erfolg. Diesmal war alles ruhig.

Die Anarchisten nahmen an den geheimen Tätigkeiten teil, u.a. waren Gilberto Lima und Luis Linsuáin bei der M26J. Die Untergrundbewegung wurde in Zonen eingeteilt, und Lima nahm am städtischen Kampf im Gebiet von Havanna-Matanzas teil, während Linsuáin an  den Guerillatätigkeiten im nördlichen Teil der Provinz Oriente teilnahm.

Ein anderer Anarchist, Placido  Méndez , war als Guerillero bei der Segundo Frente in den Escambray Bergen aktiv. Dies waren nur einige von den vielen Anarchisten, die an den bewaffneten Aktionen dieser Zeit teilnahmen.

1957 und 1958 waren dies unter anderem : einen Angriff auf eine Marineeinheit in der Nähe von Cienfuegos, einer auf die Goicuría Kasernen in Matanzas, eine Landung an der Nordküste der Provinz Oriente sowie ein (fehlgeschlagenes) Attentatsversuch auf Batista beim so genannten „Palastangriff“ .

Viele starben dabei, ohne dass es zu nennenswerten Erfolgen kam.

Es gab gleichzeitig eine Guerilla im Zentrum Kubas in den Escambray Bergen . Mehrere bewaffnete Gruppen waren in dem Bereich von Las Villes besonders im gebirgigen Teil sehr aktiv. Dabei waren das „ Revolutionäre Direktorat “ und die Segundo Frente del Escambray . Viele von denen, die teilnahmen, waren Veteranen des städtischen Kampfes, die in den Bergen Unterschlupf gesucht hatten. Auch viele Campesinos waren hier am bewaffneten Kampf beteiligt. Castros Truppen, die M26J, unter der Führung von „ Che“ Guevara war beim Versuch, die Macht über die anderen Gruppen zu übernehmen,  gescheitert, und überließ ihnen die  weiteren Kämpfe.

Bis Mitte 1958 hatte Batista den politischen Kampf verloren und konnte auch militärisch gegen die Rebellen nicht mehr mithalten. Washington drehte ihm den Rücken zu und weigerte sich, ihm weitere Waffen zu verkaufen. Zur gleichen Zeit reisten Mitglieder der Kommunistischen Partei ( PCC) ins Lager von Fidel Castro in der Sierra Maestra und begannen die ersten Geschäfte mit gleichgesinnten Rebellen und dann später auch mit Castro zu machen. Der bärtige Leader wurde nun politisch jeden Tag stärker und in Caracas unterzeichnete er mit all den Oppositionsgruppen einen Pakt, die ihm wohlgesonnen waren.

Castros wirtschaftliches, soziales und politisches Programm war immer noch dasselbe wie 1953, zumindest erklärte er es so: soziale Gerechtigkeit, Wahlreformen und die Wiedereinführung der V erfassung von 1940 !

Endlich floh Batista am 31.12.1958 aus Kuba.

Eine andere, historische Epoche in der Geschichte Kubas und seiner Anarchisten begann !!!

Castroismus und Konfrontation (1959 – 1961)

Kubas Anarchisten hatten am Kampf gegen Batista aktiv teilgenommen. Einige kämpften als Guerilla in den Bergen des Ostens und in den Escambray Bergen im Zentrum der Insel, andere hatten am städtischen Kampf teilgenommen. Ihre Absicht war dieselbe wie die der Mehrheit der Kämpfenden: das Militärregime zu vertreiben und die politische Korruption zu beenden. Dazu glaubten die Anarchisten, dass sie danach wieder einen größeren Rahmen für ihre Arbeit erkämpfen könnten.

Keiner erwartete eine radikale Änderung der sozioökonomischen Struktur des Staates.

el tirano No.3: Fidel Castro

Die schon früher erwähnte Druckschrift „ Proyecciones Libertarias “, die Batista bekämpft hatte, charakterisiert nun Castro als jemanden „ der kein Vertrauen verdiente, weil er Versprechen nicht respektierte und nur um die Macht kämpft.“

Aus diesem Grund hatten die Anarchisten geheime Kontakte mit anderen revolutionären Gruppen, besonders zum „ Revolutionären Direktorat “, obwohl es auch Kontakte zu Lima innerhalb von M26J gab. Viele dieser Treffen wurden heimlich im Büro des ALC gehalten, um, wie in Batistas Zeiten, Sabotageakte zu koordinieren und die Oppositionspropaganda zu erleichtern.

Nun im Triumph der Revolution war Castro der unbestreitbare Führer des „revolutionären“ Prozesses größtenteils infolge einer Fehleinschätzung durch die politische Opposition unter Batista geworden – sie sah Castro als zwar notwendiges, aber provisorisches und kontrollierbares Übel an.

Während die Anarchisten über Castro, den Rest der politischen Opposition und der kubanischen kapitalistischen Elite beunruhigt war, hoffte die USBotschaft, diese zu manipulieren.

Die Mehrheit der Kubaner unterstützte am Anfang Castro mit grenzenlosem Jubel. Es kam ihnen so vor, als ständen sie am Tor zum Paradies, in Wirklichkeit war es das Vorzimmer zur Hölle

adelante – atrás

Castro weigerte sich anfangs, die offizielle Regierung zu übernehmen. Eine „revolutionäre Regierung“ seiner Unterstützung wurde dann geschaffen, deren Zweck es war, mit den Verbrechen der ehemaligen Regierung abzurechnen.

„Revolutionäre Tribunale“ wurden eingesetzt, lange Gefängnisstrafen und Todesurteile wurden durch sie verhängt. War 1940 die Todesstrafe offiziell abgeschafft worden, trat sie nun wieder in Kraft – diesmal gegen die politischen Verbrecher.


Die Führer der neuen „revolutionären“ Regierung verstanden die Bedeutung der kubanischen Arbeiterklasse. Sie hatten aus einem bemerkenswerten Misserfolg gelernt. Im April 1958 hatte M26J einen Generalstreik in Havanna befohlen, der schlecht organisiert und noch schlechter koordiniert war. Der Streik war ein Desaster und diente allenfalls der Erkenntnis, dass M26J keine Basis in den Vereinigungen oder bei der Arbeiterklasse hatte.

In Anbetracht dieser Erfahrung war nach der Machtergreifung eine der ersten Absichten dieser so genannten Revolutionäre, die Kontrolle über den CTC zu bekommen. Sie wandelten ihn schlichtweg um in den CTRC-CTC Revolucionario . In den ersten Tagen von 1959 brachten sie noch dafür die Entschuldigung, den CTC von Mitarbeitern des „alten Regimes“ zu beseitigen, dabei meinten sie nicht die PCC, sondern vertrieben willkürlich alle Führer anarchosyndikalistischer Vereinigungen, im einzelnen die Leute aus den gastronomischen Vereinigungen, denen aus Transport, Gebäude und den elektrischen Dienstprogrammen sowie einigen anderen Vereinigungen des Bündnisses.Viele dieser Verriebenen hatten aktiv und offen gegen das Bastistaregime gekämpft, andere Gefängnis und Exil ertragen. Ihr Verbrechen bestand nun darin, Anarchosyndikalisten zu sein. Drei von ihnen, die Opfer dieser Säuberungen wurden, waren Santiago Cobo von den Transportarbeitern, Casto Moscú von der Gastronomie sowie Iglesias von den Bauarbeitern. Wären andere Kollegen nicht dazu gekommen, um die drei zu schützen, sie hätten nach dem Willen der Regierung im Gefängnis geendet.

Diese Maßnahmen schwächten natürlich die syndikalistische Bewegung, aber das Prestige und der Einfluss auf das kubanische Proletariat blieb.

Die Säuberungen waren aber noch nicht abgeschlossen. Das neue Regime konnte noch nicht alle beseitigen, z.B. die, die neutral im Konflikt zwischen Castro und Batista geblieben waren, hinzu kam, dass es immer noch innerhalb der „neuen “ CRTC-CTC Menschen gab, die die Unterstützung der kubanischen ArbeiterInnen hatten und die unbekannte Menge derjenigen, die gezwungen war, unter dem Batistaregime ins Exil zu gehen.

Trotz der Säuberungen hatten die Veröffentlichungen „ Solidaridad Gastronómica “ und „El Libertario“ am Anfang eine zwar vorsichtige, aber doch günstige Meinung zur neuen Regierung.

Aber auch da gab schon der nationale Rat des ALC ein Manifest heraus, in dem für die Gegenwart und die nahe Zukunft eher düster gesehen wurde. Die so genannte revolutionäre Regierung „ verdiene die Begeisterung nicht und man solle sich keine Trugbilder über sie machen.“

Mit einer deutlichen Ironie wird dann festgestellt, dass seine Autoren „ davon überzeugt sind, dass für einige Zeit wenigstens so viel Freiheit genossen werden kann, um unsere Propaganda zu veröffentlichen.“ Das Manifest machte mit einem gezielten Angriff auf den „ Zustandszentralismus “ weiter, es würde zu einer autoritären Ordnung kommen und spielt dann auf die Durchdringung der Kirche und der kommunistischen Partei im „revolutionären“ Prozess an. Das Manifest hörte mit einer Referenz auf die Arbeiterbewegung auf, wo es noch einmal auf die PCC zurückkam, die die Hegemonie „zurückfordere“, die es  beim Batistaregime mit seiner Unterstützung angeblich gehabt habe und bemerkt, dass es auch in Zukunft nicht geschehen werde.

Das Manifest endet mit dem optimistischen Satz: „Das Panorama, trotz aller, ist ermutigend“.

In einem ähnlichen Stil schrieb „Solidarid Gastronómica “ am 15.Februar 1959 an Kubas Arbeiter und Menschen im Allgemeinen eine Warnung: „ Eine revolutionäre Regierung kann nicht revolutionär sein, solange sie eine Regierung ist“ und pocht darauf, dass die Arbeitervereinigungen ihre eigenen Wahlen durchführen sollen und dass alles andere wieder in die Geschichten der Vergangenheit zurückfallen würde, was bekämpft werden muss.

Dieses Manifest wiederum schwang in der kubanischen Arbeiterklasse nicht mit.

In seinem Artikel vom 15.März 1959 bemerkt Solidaridad Gastronómica“ bitter, dass der CTCR diktatorische Verhandlungen geführt habe, Abmachungen und Mandate weiter von oben aus diktiert wurden und den Vereinigungen Direktoren vorangestellt wurden

.

Die Zeitschrift berichtete weiterhin.“ Bei Wahlangelegenheiten sind die Gesellschaftssäle von bewaffneten Männern voll gewesen, die in schamloser Form Mittel des Zwangs und Mangel am Respekt jeglicher Moral einsetzten.“ Und welches zeige „ dass die Marxisten jede nur erdenkliche Unart wählen, um die Kontrolle über die Vereinigungen aufrechtzuerhalten“

Die Opposition gegen die Anarchosyndikalisten ging in erster Linie von M26J aus und wurde durch Mitglieder der PCC dazu angestiftet, die auf fast militärische Art und  Weise nun daran ging, die Kontrolle über alle Vereinigungen auf der Insel zu bekommen. Wieder einmal betonten sie, dass sei nur provisorisch und diene nur der „Säuberung von korrupten Elementen aus der Batistazeit“ und dass ihre Kontrolle nur bis zu den Vereinigungswahlen dauern würde. Wie in Kuba inzwischen üblich, das „vorläufige“ wurde dauerhaft.

M26J

Aber welche Leute steckten in der M26J, wer übernahm da die Vereinigungen, kam woher? Es war allgemein bekannt, dass die M26J nie eine echte Basis bei den Arbeiterorganisationen gehabt hatte, von Zuneigung der Arbeiter gar nicht zu reden und auch keine Arbeiterführer hatte.

Die angeblichen revolutionären Vereinigungsdirektoren kamen in der Mehrheit von zwei gegnerischen Lagern: Eins war der „ Syndicalist Comisiones Obreras „(Kommission der reformistischen Arbeiter), der sich zu Wahlen gefunden hatte und dessen Mitglieder Feinde des Batistaregimes gewesen waren: der Comisiones  Obreras gehörten die „ Orthodoxen “ sowie zum anderen die Partido Revolucionario Cubano Auténico an. Die Kommission war am ende der 49er Jahre gegründet worden und beide waren schon vor der CTCg ründung bekannt als tiefe Antikommunisten.

Das andere Lager war die PCC.

Das erste Lager fiel durch zynischen Opportunismus auf, die PCC wiederum hatte trotz ihrer sumpfigen Vergangenheit Unterstützung der höheren Beamten der Regierung. Beide Seiten hassten sich gegenseitig und sie bereiteten sich auf einen offenen Kampf um die Hegemonie bei der Arbeiterbewegung vor, stattdessen wurde daraus, wie wir später sehen werden, eine Fusion, die eine Katastrophe für die kubanischen Arbeiter wurde.

Im Juli 1959 war der kubanische Staat völlig in den Händen von Castro und seinen engen Beratern, von denen alle direkt aus dem Kampf gegen Batista gekommen waren. Die Anwesenheit der PCC war schon durch namentliche Mitglieder der Regierung bemerkt worden, z.B. der Bruder von Fidel Raul Castro sowie Ernesto „Che“ Guevara waren beides Marxisten-Leninisten. So etwas provozierte eine Reaktion in dem politischen Klima, das durch den Antikommunismus charakterisiert war.

Die Anarchisten registrierten den Einfluss der PCC sehr genau, weil sie ahnten, dass die PCC in der Regierung und in den Arbeitervereinigungen zu einem tödlichen Schlag gegen den Anarchismus und auch gegen die Autonomie der Arbeiter führen sollte. Ihre Albträume würden bald Wirklichkeit werden.

Für seinen Teil erklärte Castro öffentlich, dass er keine Beziehung zur PCC habe, aber dass er Kommunisten in seiner Regierung genauso habe wie Antikommunisten darin seien.

Die Situation der letzteren wurde in den Endtagen von 1959 kritisch. Im Laufe des Jahres hatten die politischen Gegner von Castro schon das Anwachsen und den Einfluss der PCC zur Kenntnis genommen und begannen nun eine schüchterne Oppositionskampagne, die sich gegen die „kommunistische Infiltration der Regierung“ richtete.

Die Antwort war drastisch. Sie wurden auf  zu „ aufrührerischen Feinden der Revolution “ und „ Agenten des US-Imperialismus “ erklärt. Als solche wurden sie eingesperrt oder ins Exil gedrängt.

Das erste Opfer dieses machtpolitischen Mänovrierens war Manuel Urrutia . Urrutia , ein ehemaliger Richter aus Santiago de Cuba und M26J Sympathisant sowie Antikommunist, wurde nach dem Sturz von Batista eben von M26J als Übergangspräsident benannt. Als ihm seine eigenen Minister(darunter auch Fidel Castro) dazu bringen wollten, nun Castro als “ Maximo Lider de la Revolución “ zu benennen, lehnt er dies ab. Er wurde dann gezwungen, zurückzutreten und unter dem Vorwurf der Bestechung in einer ausländischen Botschaft um Exil zu bitten.

Ein schlimmeres Schicksal erwartete einen seiner engsten politischen Verbündeten und Mitglied seines Kabinetts. Humberto Sori Marin , der ehemalige Befehlshaber der Rebellenarmee und Autor des landwirtschaftlichen Reformgesetzes, wurde unter der Anschuldigung der „ Verschwörung gegen die Revolution “ eingesperrt.

Einen anderen ehemaligen Rebellenanführer traf ein nicht minder          unerfreuliches Schicksal.

Hubert Matos , ehemaliger Militärchef des Bezirkes Camagüey, beklagte sich bei Castro selbst über die „kommunistische Infiltration“ in den Reihen der revolutionären Streitkräfte.

Matos wurde dann wegen „Aufwiegelung „ und später wegen“ Verrat beschuldigt, zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er 16 Jahre „absaß“.

( Die einzige Erinnerung ist sein rechter Arm auf den Fotos vom 1.Januar 1959 neben Castro, ihn konnten die anschließenden Fotomontagen nicht beseitigen, d.Übersetzer )

Dann gab es den Fall von Pedro Luis Diaz Lanz , Hauptmann der Rebellenluftwaffe. Lanz entdeckte ein marxistisches Indoktrinationszentrum in einer Ranch in der Nähe von Havanna mit dem Namen „El Cotijo“. Er meldete dies Castro, der ihm auf der Stelle verbot, dies öffentlich zu machen. Lanz wurde durch die zunehmende Macht der PCC sowohl in den Streitkräften sowie in der Regierung immer stärker unter Druck gesetzt. Er gab daraufhin seinen Posten auf und flüchtete noch rechtzeitig nach Miami, bevor ihn das Schicksal von Soli Marin oder Matos ereilen konnte.

la purga

Die Reaktion gegen diese Säuberungen waren Sabotage und einige Bombenanschläge. Diese geheimen Aktionen wurden von verschiedenen Oppositionsgruppen ausgeführt, die anfangs antikommunistisch und am Ende Anti-Castro waren. Fast alle dieser Gruppen waren auch am Kampf gegen Bastita beteiligt und hatten sich der M26J angeschlossen. Sie wählten nun die direkte Aktion wegen des unleugbaren und wachsenden marxistischen Einfluss in der höchsten Regierungsebene.

Sie sabotierten elektrische Dienstprogramme, brannten mehrere Geschäfte und Warenhäuser nieder, legten Bomben an öffentlichen Stellen und sammelten Waffen und Explosivstoffe, um dies den Guerrillakämpfern zu schicken, die erneut in den Escambraybergen und im Gebirge von Los Organos kämpften.

Die Antwort von Castro auf all das war vorhersehbar: er stellte die Revolutionstribunale wieder her, die nun wieder Todesurteile wegen „umstürzlerischer Taten“ aussprachen und die sofort ausgeführt wurden.

So begann ein langer Zeitraum des Terrors und de Gegenterrors.

camilo cienfuegos

inzwischen betrauerte die internationale anarchistische Gemeinschaft den Verlust, dessen  Verwinden mysteriös blieb. Camilo war eines der Kinder von Ramón Cienfuegos , der an der anarchistischen Bewegung in den zwanziger Jahren teilgenommen hatte. Er hatte mit dem SIA gearbeitet und nahm an der Gründung des ALC teil, aber gemäß Casto Moscú, „sahen wir ihn dann nie wieder, bis sein Sohn Camilo ein nationaler Held wurde“

Das Verschwinden von Camilo wurde von fast allen Kubanern und auch im Ausland von vielen Anarchisten betrauert, obwohl er niemals ein Mitglied der kubanischen anarchistischen Bewegung war. Dennoch, die Hälfte der anarchistischen Welt weinte über den Verlust dieses Revolutionärs, als ob er ein neuer Durutti gewesen war.

Das ist insofern nicht überraschend, weil die kubanische Regierung selbst (vor allem in Europa) bis zur Erschöpfung behauptete, dass Comandante Camilo Cienfuegos angeblich ein anarchistischer Kämpfer war – zum Zweck, Unterstützung für das Castro Regime innerhalb der internationalen Bewegung zu gewinnen.

Der Mythos blieb bei den Anarchisten bis heute:“ Heiliger Camilo, der kubanische Anarchist.“

el decimo congreso

Ende 1959 wurde der zehnte nationale Kongress des CTRC einberufen. Eine Mehrheit der Delegierten akzeptierte die Absicht des „ Humanismus “.

„Humanismus „ wurde als philosophischer Begriff benutzt, um sich von den traditionellen kapitalistischen und kommunistischen Lagern des Kalten Krieges zu entfernen. Die Slogans dieses „Humanismus“ a la cubana waren „ Brot mit der Freiheit “ und „ Freiheit ohne Terror “. Die Kubaner hatten mit der ihr eigenen Kreativität ein neues sozialpolitisches System erfunden, um dem neuen Regime eine ideologische Erklärung zu geben.

Für ihren Teil rief die PCC, gut vertreten und doch in der Minderheit, den miefigen Slogan „ Einheit “ aus.

Am 23. November fand sich der Kongress völlig aufgelöst in verschiedenen Sachen, Vereinbarungen und dem Versuch, für alles Vertreter zu wählen. Verwirrung herrschte infolge der Unfähigkeit der verschiedenen Sektoren, Vereinbarungen zu treffen. Es gab 2854 Delegierte am Kongress, wobei die Kommunisten nur 265 beeinflussten. Damit war es für sie unmöglich, den Kongress zu kontrollieren. Aber sie hatten die Unterstützung der revolutionären Regierung und seines neuen Arbeitsministers. Augusto Martinez Sanchez , Befehlshaber der Armee und enger Vertrauter von Raul Castro , der Nummer zwei in der neuen kubanischen Hierarchie.

Die Marxisten schlugen dann die Errichtung einer einzigen Liste von Kandidaten vor, die die Richtung der CTRC übernehmen sollten. Das heißt, sie schlugen vor, dass die Kontrolle der CTRC in die Hände eines Komitees gelegt würde, in der sie (die PCC) den gleichen Vertretungsanspruch wie die M26J und die antikommunistischen Unionisten haben sollten. In Anbetracht ihrer kleinen Vertretung innerhalb der ganzen Vereinigungsbewegung wurde dieses Manöver von nicht wenigen als zynisch angesehen.

Zur Überraschung von Martinez wiesen Raul Castro, die M26J Splittergruppe und der unabhängige Unionsblock mit viel Geschrei und Pfeifen von Seiten der M26J diesen Vorstoß zurück.

Wie gesagt: der Kongress war mehr oder weniger auf Eis gelegt, als aus deren Schatten Fidel Castro selber auftauchte und die Bedeutung unterstrich, die Revolution zu verteidigen, für die es lebensnotwendig war, dass alle Delegierten „aufrichtig revolutionäre Direktoren“ unterstützen. Er schlug vor, aus der M26J Gruppe David Salvador (der Begründer des kubanischen „Humanismus“) zum Leiter des CTRC zu machen.

Die einzige Gruppe, die nun vorherrschen müsse, wäre die „ Partei des Heimatlandes “, so Castro weiter.

Salvador wurde dann gewählt und die Aufgabe gegeben, ein „neues revolutionäres Direktorat“ zu benennen. Die Nominierung von Salvador durch Castro machte ihn zu einem Regierungsanhang, wenn nicht sogar zu einem Minister.

Am 25.November endete der Kongress. Der CTRC war jetzt in den Händen der „unabhängigen“ Unionisten, die der Regierungslinie folgten.

Es war vorhersehbar, dass die Syndikalisten innerhalb der M26J, die der PCC Kontrolle des Kongresses und des CTRC noch widersprochen hatten, die durch die Regierung bestimmte Wahl von Salvador stumm, bzw. zähneknirschend akzeptieren würden. Dies aus dem einfachen Grund, dass die Anordnungen, die von oben kamen, klar anzeigten, dass sich entweder angepasst wird oder me4nsch im Gefängnis endet. Der Slogan des Tages war „ Heimat oder Tod! Wir werden siegen“( Venceremos !)

Auf diese Weise endete ein Jahrhundert des Kampfes der kubanischen Arbeiter gegen die Missbräuche der Chefs mit dem Kongress der „Melonen “(olivgrün auf der Außenseite, die Farbe der Militäruniformen der M26J und dem Rot der Innenseite, die Farbe der PCC).

Der Kampf gegen den einzelnen Chef war zu Ende, in ein paar Monaten würde der kubanische Staat der Chef sein – einer, der die einzig fähige Organisation für die Rechte der Arbeiter kontrollieren und kastrieren würde.

final

Der 10.Kongress kennzeichnete den Schluss einer fast 100 jährigen Geschichte der Arbeiterkämpfe und der Streiks, die mit der ersten Arbeiterorganisation 1865 begonnen hatte.

20 Jahre später wurden diese Organisationen militante Vereinigungen in der beginnenden kubanischen anarchosyndikalistischen Bewegung mit ihren Streiks in den Tabakfabriken, Demonstrationen, Kongressen, freien Schulen, Zeitungen und anderen Tätigkeiten.

Bis ein paar Monate nach der Gründung des CNOC(zu der Zeit offen syndikalistisch) setzte die Bewegung eher auf die Anti-Politik und damit gegen die Teilnahme von Führern der Bewegung in Wahlen oder politischen Büros.

Die Etablierung der PCC und seine opportunistischen Handlungen zielten darauf, die CNOC zu übernehmen, um sie an die Verfügungen von Machado 1933 und Batista 1939 zu setzen – ein gezielter Auftritt auf die kubanische Arbeiterbewegung.

Die Kontrolle des CTC durch solche Elemente schloss sich dann Eusebio Mujal während des kompletten Jahrzehnts der 50er Jahre an. Ein weiterer Rückschlag für die Emanzipation von Arbeitern.

Aber mit dem 10.Kongress kam der Henker. Das kubanische Proletariat war in die Zwingen der Regierung fest eingespannt.

comentarios

Am Ende dieses 10.Kongresses kommentierte ` Solidaridad Gastronómica ´, dass „ es am Kongress demonstriert wurde, dass die marxistischen Senores nicht nur keine Kraft innerhalb der kubanischen Arbeiterbewegung sind, sondern auch die Repulsion, die sie im Proletariat entfachen, weithin bekannt ist... das unterstreicht noch einmal die Neigung zur totalen Kontrolle über die Bewegung der Arbeiter durch die politische Strömung, die über die Nation herrscht.“

Das neue von Salvador benannte Direktorat begann nun mit dem „Reinigen“ von Vereinigungen und Föderativen und den antikommunistischen Elementen hin, die den Marxisten während des Kongresses noch widerstanden hatten. Bereits zuvor im April 1960 hatte diese Regierung in dieser Sache „befriedigende“ Ergebnisse gebracht.

Eines dieser Ergebnisse war die Militarisierung  der Arbeitskräfte. Der CTRC erzwang bei den Vereinigungen und Föderativen die Schaffung von Milizen. Weil die Mitgliedschaft in einer Vereinigung bei allen Arbeitsplätzen obligatorisch war, zwang es so die kubanischen Arbeiter „freiwillig“ in die Militarisierung.

Nun dermaßen vom Direktorat und dem Sekretär der Arbeit, Martinéz Sanchéz , unter druck gesetzt, gab Salvador seinen Posten wieder auf. Wenig Zeit später brachte dann die PCC ihr Mitglied Lazaro Pena dort unter – die Rechnung der PCC ging voll auf.

Salvador, der Mann, der die kubanische Arbeiterklasse an Fidel Castro ausgeliefert hatte, wurde dann unter dem Globalverdacht der „konterrevolutionären Tätigkeiten“ festgenommen, interniert und mit der Auflage, ins Exil zu gehen, wieder freigelassen. Die damals noch „gesündeste“ Behandlung für tatsächliche oder vermeintliche Regimekritiker.

Dies waren schwere Zeiten. Die Menschen debattierten den „revolutionären“ Prozess mit Furcht und Hoffnung. Die Anarchisten traf es am schlimmsten. Anfang des Jahres begann das Organ von Castro „Revolución“ eine Kampagne der anti-anarchistischen Provokationen- voller Beschuldigungen, Verschleierungen und Falschmeldungen. PCC und Regierung schmähten nun in schlimmer Regelmäßigkeit die stärksten Verteidiger der Rechte von Arbeitern.

dictatorial

Am 25.01.1960 hielt der ALC eine landesweite Versammlung ab. Übereinstimmend kam sie zu „einer Unterstützung der kubanischen Revolution“ wegen seines unbestreitbaren Vorteils für die Menschen in Kuba, die „mehr soziale Gerechtigkeit und dem Vergnügen der Freiheit“

hätten. Gleichzeitig verwahrte sich der ALC gegen jede Form von „Imperialismus, Totalitarismus und Zwangsherrschaft in der Welt und in Kuba“.

Der ALC wählte u.a. einen neuen landesweiten Rat, mit Jorge Rodriguez Gonzaléz als Generalsekretär.

Später dann, kurz vor der allgemeinen „ revolutionären Zensur “ veröffentlichte Solidaridad Gastronómica, die Zeitschrift des ALC, ihre letzte Ausgabe. Diese Ausgabe vom 15.Dezember 1960 enthielt als Titelgeschichte den Tod Durrutis während der Verteidigung Madrids. Darin bemerkte die Zeitschrift, eine Zwangsherrschaft „kann auch durch die Politik einer Klassenüberlegenheit entstehen.“

Ein Leitartikel in derselben Ausgabe spezifisierte:

Eine kollektive Zwangsherrschaft der Arbeiterklasse wird ein Widerspruch in der Bezeichnung sein, vorausgesetzt, dass die Eigenschaft aller Zwangsherrschaften einschl. „ Völker “ oder „ Proletarier “ das Konzentrieren der Macht in den Händen einiger Personen, nicht das Teilen durch das Volk ist ....Diktatoren haben absolute Herrschaft nicht nur über die politischen und sozialen Klassen, sondern vor allem zuallererst über die Mitglieder der angenommenen dominanten Klasse. Der Tag wir nie kommen, dass es eine Zwangsherrschaft von Arbeitern, Campesinos und Studenten gibt ...oder was man so nennen will ... Die Macht der Diktatoren fällt auf alle... nicht nur auf Industrielle, Grundbesitzer und Plantageneigentümer .. sondern auch auf das Proletariat und auch auf jene „ Revolutionäre “, die nicht direkt an der Ausübung der Macht teilnehmen.“

por ejemplo: Souchy

Bezüglich nicht-kubanischer anarchistischer Analysen reiste der deutsche Augustin Souchy nach Havanna. Souchy war von der Regierung eingeladen worden, die Situation der kubanischen Landwirtschaft zu studieren und die Anarchisten waren über seinen Besuch begeistert. Der Schriftsteller wurde von Kubas Anarchisten am 15.August 1960 warm begrüßt. Er war ein Student der Landwirtschaft und hatte die bekannte Druckschrift „ Die israelischen Konsumvereine“ über die Organisation der Kibbuzim geschrieben.

Das war der Grund für die Einladung durch die kubanische Regierung – die nun etwas Ähnliches von ihm erwartete. Sie hoffte, dass er eine ähnliche positive Würdigung ihres riesigen Agrarprogrammes schreiben würde, dass u.a. als Propaganda in den anarchistischen Medien für die Regierung benutzt werden sollte.

Dies geschah allerdings nicht. Souchy bereiste mit offenen Augen die Insel und seine Analyse konnte pessimistischer nicht gewesen sein.

Er entschied, dass Kuba in der Nähe des sowjetischen Modells ging und dass der Mangel an der individuellen Freiheit und Einzelinitiativen zu nichts als Zentralismus im landwirtschaftlichen Sektor führen wird, der bereits im Rest der Wirtschaft bekannt war. Seine Analyse wird in der Druckschrift veröffentlicht „Testimonios sobre la Revolución Cubana“(Zeugnisse über die kubanische Revolution) und das ohne offizielle Zensur.

Drei Tage, nach dem Souchy die Insel verlassen hatte, wurde die komplette Auflage der Druckschrift gegriffen und von der Castroregierung auf Vorschlag der PCC Führung eingestampft.

Zum Glück funktionierte dies nur national. Souchy gab in Buenos Aires das Werk erneut in Druck und dort erschien es im Dezember 1960 mit einem Vorwort von Jacobo Punce .

declaración de principes

In diesem Sommer 1060 war die ALC i mmer mehr davon überzeugt, dass Castro von Tag zu Tag mehr zu einer marxistisch-leninistischen Regierung neigte und damit die Freiheit des Ausdrucks, der Kommunikation, der Vereinigungen und Bewegungen ersticken würde. So entschloss sich die Mehrheit im ALC, ihre „ Declaración de Principes “ unter einem anderen Namen herauszugeben.

Dieses Dokument wurde von der ` Grupo de Sindicalista Libertarios ` unterzeichnet und durch den ` Agrupación (=Zusammenschluss) Sindicalista Libertaria `im Juni gutgeheißen.

Der Grund, diesen Namen zu gebrauchen, sollte Vergeltungsmassnahmen gegen Mitglieder des ALC vermeiden. Dieses Dokument ist für das Verständnis der Situation der kubanischen Anarchisten in dieser Zeit lebenswichtig.

Die acht Punkte der Deklaration griffen den kubanischen Staat in all seinen Formen an:

1 .definierte es in Übereinstimmung mit anarchistischen Ideen die Funktionen von Vereinigungen und Föderationen hinsichtlich ihrer wahren Rolle in der Wirtschaft.

2. erklärte, dass das Land denen gehöre, die es bearbeiten.

3 . bevorzugt sie kooperative und kollektive Arbeit im Gegensatz zum landwirtschaftlichen Zentralismus.

4. verlangte sie freie und kollektive Ausbildung von Kindern.

5 . schimpfte sie über den schädlichen Nationalismus, Militarismus, Imperialismus und der Militarisierung.

6 . griff sie den bürokratischen Zentralismus an und stellte den Föderalismus heraus.

7. schlug individuelle Freiheit als ein Mittel vor, kollektive Freiheit zu erlangen.

8 . und erklärte am Schluss, dass die kubanische Revolution wie das Meer war für jeden und verurteilte die autoritären Tendenzen, die im „Busen der Revolution wogen“.

Das war einer der ersten direkten Angriffe gegen den ideologischen Gesichtspunkt des Regimes. Die Antwort kam prompt. Im August 1960 reagierte das Organ der PCC „ Hoy “. Mit der Unterschrift des Generalsekretärs Blas Roca, der prominenteste Führer im kommunistischen Lager, stieß die PCC die gleichen Beleidigungen aus wie 1934 – diesmal ergänzt mit der gefährlichen Behauptung, dass die Autoren der Deklaration „Agenten der Yankees“ sein sollten.

Gemäß einem Autor der Deklaration, Abelardo Iglesias , „am Ende antwortete der Ex-Freund von Batista, Blas Roca, auf uns nur noch mit unsäglichen Beleidigungen.“

Es ist hier wichtig zu erwähnen, dass die anarchistische Kritik an der Castroregierung von einem der höchsten Führer der PCC beantwortet wurde, aber nicht von einem Regierungsmitglied direkt.

legal -illegal -igual

Im Sommer 1961 verblassten die letzten Zweifel über die Richtung der Regierung. Von diesem Moment an mussten sich die Anarchisten mit geheimen Operationen beschäftigen.

Sie versuchten noch als Antwort auf Blas Roca eine 50seitige Druckschrift herauszugeben, aber es fand sich keine Druckerei, die ohne Angst vor den Repressionen der Castroregierung war.

Die meisten kampfbereiten kubanischen Anarchisten hatten wenige Optionen über ihre Zukunft. Nach der Antwort auf ihre Deklaration wussten sie,  dass sie von der Regierung bekämpft würde –mehr als irgendwelche anderen. Die Beschuldigung „konterrevolutionär“ zu sein, bedeutet Gefängnisaufenthalt und Exekutionskommando.

Also tauchten sie unter und griffen wieder zu geheimen direkten Aktionen.

Ihre gründe sind heute genauso gültig wie sie es damals waren. Wie wir Anarchosyndikalisten innerhalb der kubanischen Vereinigungen gesehen haben, waren die Föderationen unterdrückt worden. Die Pressefreiheit war aufgehoben und es war lebensgefährlich Meinungen gegen die Regierung zu haben. Die Regierung anzugreifen war in ihrem Sinn ein Angriff auf Kuba. Und die politische Wirtschaftspolitik des Regimes führte schnell zu einer Sowjetisierung Kubas mit all seinen negativen Folgen.

Das Regime führte diese Wirtschaftskampagne mit aller Strenge gegen die Großindustrie, Rancheros, Zuckermühlen, Tabakfeldern usw. Mit anderen Worten, das Castroregime beschlagnahmte den ganzen landesweiten Reichtum, der bis dato in den Händen des Großbürgertums, des nationalen Kapitalismus und des US-Bankenwesens war. Diese „Nationalisierungsmaßnahmen“ wurden selbstredend von den Anarchisten nicht in Frage gestellt – sie widersprachen allerdings der Zwangsherrschaft, dem Eigentumsrecht der Regierung über Kubas Reichtum.

Für Kubas Anarchisten blieb nun der schwere Pfad des Exils oder die des geheimen Kampfes. Casto Moscú erklärte: „ Wir wurden überzeugt, dass all unsere Versuche und diejenigen unserer Leute für nichts waren und dass wir jetzt einen schlimmeren stand hatten als jemals zuvor.“

Dieser totalitären Situation entsprechend entschied sich die große Mehrheit der kubanischen Anarchisten zur Rebellion. Sie begannen einen Kampf, der von Anfang an zum Misserfolg verurteilt war.

Unter den gewaltlosen anarchistischen Oppositionstätigkeiten in dieser Zeit sei der „ Movimiento de Acción Sindical “ ( MAS )zu erwähnen,  der überall auf der Insel und in Übersee zirkulierte. Der MAS  zeigte in seinen wenigen Monatsausgaben (Dezember – August 1961) die Angriffe gegen de PCC und ihre Anhänger im Allgemeinen und gegen Castro im Besonderen auf. Diese Situation beschrieb Moscú so: „ Eine unendliche Anzahl von Manifesten wurden geschrieben, um die falschen Postulate der Castroregierung zu verurteilen und das Volk aufzurufen, sich dem entgegenzusetzen. Viele Sitzungen wurden festgelegt, um Sachen zu diskutieren und das Bewusstsein zu erheben ... es wurden dann Pläne ausgeführt, um die elementaren Dinge zu sabotieren, die den Staat stützen.“

Die Methoden schlossen nun bewaffnete Kämpfe mit ein. Moscú weiter: „ Ich nahm an Versuchen teil, Guerillaaufstände in verschiedenen Teilen des Landes zu unterstützen.“

Zwei wichtige Operationen wurden erwähnt, beide in der Nähe von Havanna. „ Es gab direkten Kontakt mit den Guerillakämpfern unter Kapitän Pedro Sanchéz in San Cristobal; seitdem einige unserer Companeros bei der Gruppe mitmachten .. wurden sie mit Waffen beliefert ... und wir taten alles, um die Guerilla um Francisco Robeina (bekannt als „ Machete “) zu unterstützen“

Das Regime behandelte die Guerillakämpfer als „Banditen“ und hatte wenig Respekt für das Leben derer, die sie gefangen nahmen.

Neben dem anarchistischen Kämpfer Augusto Sandez wurde folgende Companeros von der Castroregierung ermordet: Rolando Tamargo , Sebastian Aguilar und Ventura Suaréz wurden erschossen,

Eusebio Otero tot in seiner Zelle aufgefunden, Raul Negun , nach tagelanger Folter, steckte sich in seiner Zelle selbst in Brand. Viele andere wurden lebenslang interniert:

Francisco Aguire starb wenige Tage nach seiner Festnahme im Gefängnis.

Victoriano Fernandéz , durch Folter krank und blind geworden, tötete sich selbst. José Alvarez starb wenige Wochen nach seiner Freilassung an den Folgen seiner Haft.

Die Situation der kubanischen Anarchisten wurde von Tag zu Tag angespannter. Die erfolglose Invasion der Schweinebucht, in Playa Giron, im Süden der Provinz Matanzas 1961, geplant und finanziert durch den CIA, gab der Castroregierung Anlass, die innere Opposition völlig zu liquidieren, die selbstredend die Anarchisten mit einschloss. Castros Macht stieg unaufhörlich.

incomparable

Am 1.Mai 1961 erklärte Castro seine Regierung als „ sozialistisch “ – in der Realität war sie stalinistisch. Das präsentierten die Anhänger der politischen Willens -und Handlungsfreiheit sowohl innerhalb als auch außerhalb an einem ethischen Dilemma: das Castroregime fordert entschiedene Treue von seinen Sympathisanten und Kämpfern, Enthaltung oder Neutralität erkannte es nicht an. Das bedeutete, entweder mit Verbrechern schlafen oder schlaflos bleiben, weil Exil oder Friedhof drohten. In der vorhergehenden Epoche gab es noch andere Wege. Im 19.Jh konnte man die separistischen Kräfte entweder wählen oder man konnte neutral bleiben. Als Machado oder Batista an der Macht waren, konnten sich die Anhänger der Anarchisten für antipolitisch erklären, zu Oppositionsgruppen mit den größten Sympathien für anarchistische Ideen gehen oder sich liberalen oder sozialdemokratischen Gruppen anschließen.

Aber nun, die 3. Republik, geleitet von einem wachsenden Diktator, bot zynischerweise immerhin noch vier Alternativen:

Sich der Diktatur zu unterstellen   oder Gefängnis oder Exil oder Exekution .

la perfidia

Ein paar Monate nachdem sich Castro als Marxist - Leninist erklärte, passierte ein beispielloses Ereignis in der Geschichte des kubanischen Anarchismus:

Manuel Gaona Sousa , ein alter Gleisarbeiter aus der Zeit des CNOC, ein Anarchist sein Leben lang und Mitbegründer des ALC, war in den ersten Jahren des Castroregimes noch Sekretär des ALC.

Nun verurteilte er offen in einem am 24.November 1961 veröffentlichten Dokument all die kubanischen Anarchisten, die seine Begeisterung für die Castrorevolution nicht teilten

In allen Ländern und zu allen Zeiten gab es immer welche, die irgendwann die an anarchistischen Ideen aufgegeben und zurückgewiesen haben. Darin war Gaona nicht ungewöhnlich. Der Verzicht auf den Anarchismus  durch prominente Vertreter war nichts Neues. Personen mit gleicher oder ähnlicher Verantwortung wie Gaona hatten es getan, oft ihre gesellschaftliche Ansichten gegen die kubanische Wahlpolitik ausgetauscht.

Enrique Messonier ging 1901 zu den Liberalen, Antonio Penicher zur Partido Auténtico Anfang der 30er Jahre und Helio Nardo zu den Orthodoxen Ende der 40erJahre.

Dies alles wurde von der Mehrzahl der anarchistischen Kämpfer nicht unbedingt als verräterisch empfunden. Sie gingen davon aus, dass diese Ex-Companeros das Recht hatten, ihr eigenes politisches Schicksal zu bestimmen. Außerdem hatten sie ihre elementaren Positionen nicht drastisch geändert und hatten die rechten oder totalitären Parteien auch weiterhin bekämpft.

Bei Gaona war all dies nicht mehr der Fall. Er verband sich nicht nur mit dem Castroregime, sondern drohte auch, seine ehemaligen Kameraden als „ imperialistische Agenten “ zu verurteilen, wenn sie seine pseudorevolutionäre Haltung zu den kürzlich gebildeten „ Verteidigungskomitees “ nicht teilten – was in der Konsequenz mindestens Gefängnis wenn

nicht sogar Exekution bedeutete.

Nach den ersten Konfrontationen mit den meisten stalinistischen Sektoren der PCC kamen viele zu der Erkenntnis, dass das Regime auf seinem Weg zum Totalitarismus die Existenz einer anarchistischen Organisation nicht erlauben würde. Der PCC hatte noch einige Rechnungen mit den Anarchisten offen. Gaona , um die Rettung seiner eigenen Haut bemüht, ließ sich nun in deren Lager nieder, um von dort aus seine ehemaligen Kameraden zu denunzieren und zu beschimpfen. Er ging noch weiter. Er zwang einige ältere Anarchisten wie Rafael Sera dazu, Komplizen seines Verrates zu werden. Er verfasste mit ihnen ein Dokument, indem er versuchte, eine Kampagne gegen überseeische Anarchisten zu führen. Er warf ihnen vor, in ihren Zeitschriften eine böswillige Aktion gegen die kubanische „Revolution“ zu führen. Des Weiteren schrieb er, dass auf der ganzen Insel kein einziger Anarchist zurückgehalten oder gar für seine Ideen verfolgt würde . Und das, nachdem Gaona die Anarchisten aus der ALC vertrieben und die Organisation aufgelöst hatte.

Im zweiten Teil dieses Dokumentes erklärt Gaona, dass es überhaupt keinerlei politische oder religiöse Verfolgung in Kuba gebe und versucht dann, die Anarchisten als „ Unterstützer“ der Schweinebuchtinvasoren darzustellen. Um dies zu bekämpfen, so Gaona, erfordert die äußerste Aufmerksamkeit bei den Leuten durch die neuen Komitees für die Verteidigung gegen die „Terroristen“ – dies in jedem Block auf dem ganzen Land.

Gaona rechtfertigt so den Terrorismus des Staates durch Komitees der Denunzianten. Er deutete auch an, dass jeder Bürger, der diesen „revolutionären Prozess der Komitees“ nicht unterstütze, ein Verräter sei, der es verdiene, verurteilt zu werden.

Gaona log, als er erklärte, dass „sich fast die Gesamtheit der anarchistischen Kämpfer in Kuba in den verschiedenen Organisationen der kubanischen Revolution integriert haben“

Gemäß Gaona „integrierten“ sich die Anarchisten natürlich spontan in die reale Zwangsherrschaft von Castro, weil es ja das Ziel von all ihren sozialen Kämpfen seit mehr als einem Jahrhundert sein sollte. Gaona geht sogar so weit und sagte, dass die Castroherrschaft die wahre Ordnung und die Absicht von allen Anarchisten in der Welt verkörpert. Hurra!

Gaona endet mit der Ermahnung an alle nichtkubanischen Anarchisten sich nicht von „schlechten Absichten und falschen Informationen überraschen zu lassen“ die sie von denjenigen erhalten werden, die im Dienste der kubanischen Konterrevolution stehen würden – gegen die „progressivste, demokratistische und humanste Revolution unseres Kontinents.“

Dieses Dokument wird hier so ausführlich behandelt, weil es dem Leser helfen wird, besser die unheilvollen Folgen in den kommenden Jahren zu verstehen.

Gaona, am Ende seines Lebens, hatte seine Kameraden verraten, zwang fünf ältere Mitglieder der anarchistischen Bewegung, die schon krank und schwach waren, die unvorstellbaren Behauptungen des Dokumentes zu unterstützen. Sie unterschrieben zusammen mit 16 anderen, die wenig oder gar nichts mit dem kubanischen Anarchismus zu tun hatten.

Viele Anhänger der anarchistischen Bewegung, die noch auf der Insel waren, wiesen diese schändlichen Aussagen zurück und wurden folglich als „Feinde der Revolution“ betrachtet: man zwang sie früher oder später, das Land zu verlassen.

Unter diesen war einer der bemerkenswertesten kubanischen Intellektuellen, Marcelo Salinas , der, hätte er das Gaona-Dokument mitunterzeichnet, alle Auszeichnungen und das Prestige bekommen, was Tyrannen ihren Lakaien angedeihen können

Gaona verriet auch Manuel Gonzaléz und Casto Moscú , die am Transport von Waffen und Propaganda beteiligt waren. Sie wurden in Havanna festgenommen und in ein Gefängnis der Staatssicherheit gebracht, in der Sorge, das gleiche Schicksal aller „Konterrevolutionäre“ zu erleiden – die Erschießung.

Sie hatten Glück. Sie gerieten an einen Abteilungsleiter, der mit der Arbeit der Anarchisten in der Arbeiterbewegung vertraut war und mit Stolz berichtete, Salinas aus vergangenen Zeiten zu kennen. Er ließ sie frei und Gonzaléz und Moscú gingen direkt vom Gefängnis zur mexikanischen Botschaft, wo sie fast informell empfangen wurden. Nach dem unmittelbaren Exil in Mexiko sahen sie später viele ihrer Kameraden in Miami wieder.

Exil und Schatten (1962 – 2001)

Wenn auch einige Anarchisten, ungeachtet der Oppositionsbeteiligung, schon Mitte 1960 ins Exil gegangen waren, begann im Sommer 1961 ein kollektiver Exodus  in die Vereinigten Staaten.

Dies war das erste Mal, dass Kubas Anarchisten Unterschlupf in diesem Staat fanden.

Seit dem Ende des 19.Jh. waren Schlüsselwesten, Tampa und New York die von den verfolgten kubanischen Anarchisten gewählten Plätze gewesen, weil sie die besten Gelegenheiten boten, ein Leben zu verdienen und weil die Städte von Florida in der Nähe von Kuba waren, nah genug den politischen Kampf fortzusetzen. Während der Diktaturen von Machado und Batista waren verbannte Anarchisten in diese Städte gegangen und die in Kuba hatten ihrerseits Kontakte mit anarchistischen Gruppen in anderen US-amerikanischen Städten.

Die US-amerikanischen Einwanderungsgesetze waren in den 20er Jahren verschärft worden, vor allem gegen Anarchisten aus aller Welt und diese Gesetze hatten auch zu Beginn der 6oerJahre ihre Gültigkeit, aber die Einwanderungsbehörden machten bei den kubanischen Anarchisten gerne eine Ausnahme, weil sie aus Castros Zwangsherrschaft flüchteten. Nach dem Motto „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ sahen sie die Anarchisten als Verbündete.

Die US-Behörden fragten alle Flüchtlinge zuerst nach ihren politischen Vorlieben und die Anarchisten machten auch bei ihnen keinen Hehl aus ihren Überzeugungen. So fanden sie Einlass und Unterkunft in den USA.

Selten gab es allerdings die Vorstellung, länger in den USA zu bleiben. Man war überzeugt, dass die Rückkehr nach Kuba nahe war – folglich planten sie darauf ihre Aktivitäten.

Im Sommer 1961 wurde die „ Moviemiento Libertario Cubano – en el Exilio (MCLE )“ in  New York durch einige Exilanten formell eingesetzt. Zur gleichen Zeit organisierte sich eine andere syndikalistische Gruppe in Miami. Dieser gehörten an: Claudio Martinéz , Abelardo Iglesias und Rolando Pinera und war als die „ Delegación General “(des MCLE ) bekannt. Die New Yorker Gruppe des MCLE wurde fast völlig durch Mitglieder des „Sindicato Gastronómica“ gebildet, zusammen mit Juan R. Alvarez , Floreal und Omar Dieguez, Bartolo Garcias, Fernando Gomez, Manuel Rodriguez und Juan Fidalgo.

Fidalgo schuf die ersten Kontakte mit den verbannten Anarchisten des „ Auroraklubes “ in Boston. Es bestand auch noch eine Gruppe von spanischen Anarchisten um die Zeitschrift „ Cultura Proletaria “, mit denen die Kubaner gute Kontakte hatten.

Die primäre Quelle der Solidarität und Mitwirkung für die kürzlich angekommenen Kubaner war die Liga in New York, geführt von Sam Dolgoff und Russell Blackwell .

Blackwell war ein Kämpfer im spanischen Bürgerkrieg gewesen und in der amerikanischen anarchistischen Bewegung hoch angesehen, trotz oder weil er vorher Trotzkist war.

Sam Dolgoff war in jenen Jahren einer der anerkanntesten Gestalten im nordamerikanischen Anarchismus und nach einer langen revolutionären Karriere mit beträchtlichem Einfluss auf die Amerikaner. Immer an seiner Seite und zuweilen vorne an der Front, seine companera, Esther Dolgoff , die seit ihrer Jugend anarchistische Politik machte.

Ein anderes bemerkenswertes Mitglied dieser Gruppe war Abe Bluestein , der auch enge Beziehungen zu den Kubanern hatte. 1954 hatte diese Gruppe die anarchistische Liga gegründet, die als ihr Organ die „ Rundschreiben “ genannte Zeitschrift für ihre Ansichten und Anmerkungen hatte.

Ohne die Kooperation mit dieser Liga wäre das Exil für die anarchistischen Kubaner weitaus härter ausgefallen.

 la ayuda

Bei den Anarchisten in den USA, Mexiko, Chile und Argentinien fanden viele Sammlungen statt sowie in fast ganz Europa für den Zweck, gefährdeten Anarchisten und/oder ihren Familien zu helfen, Visa und Passage aus dem Land zu ermöglichen.

Die Lebensbedingungen waren in Kuba in diesen Jahren für die Feinde des Castroregimes unbeschreiblich hart. Sie waren die schlimmsten je bekannten in Kuba. Es herrschten barbarische Zustände in den Gefängnissen, Gefängniswärter verübten täglich Qualen und Folter an ihren Gefangenen, Kubaner wie sie selbst, nun im Namen des „ Sozialismus “.

Der Wunsch, diesem großen Kerker zu entkommen, der Kuba geworden war, war eine Obsession fast aller Kubaner.

Die Spenden beliefen sich im August 1961 auf umgerechnet 12 600 US-Dollar, was eine wütende Reaktion von Gaona in Havanna hervorrief. Er verurteilte öffentlich die verbannten Anarchisten als „Konterrevolutionäre und US-Agenten“.

Das Geld, so nach den Aufzeichnungen des Buchhalters des MCLE, kam von vielen verschiedenen Stellen, z.B. trugen die Genossen der „ Freien Arbeiterstimme “, die jiddisch anarchistische Zeitung aus New York, 425 Dollar bei. 600 kamen von der SIA in Argentinien. Und viele Einzelpersonen spendeten, darunter Augustin Souchy und ein holländischer Anarchist, der Sympathien für die kubanische Revolution hatte und aus humanitären Gründen

Spendete (eine typische europäische Haltung, die viele verwirrte).

Diese Sammlung ermöglichte es immerhin, 66 Companeros mit ihren Familien in die USA zu bringen, zu der Zeit, als die kubanischen Anarchisten im Exil eine weitere Kampagne begannen, das marxistisch-leninistische Regime, das Kuba quälte, zu demaskieren.

Aber zum Erstaunen der kubanischen Anarchisten, wurde der Spendenbereitschaft nach anfänglichem Erfolg immer geringer. Das hatte zwei Gründe: Zum einen wirkte die von Gaona neu iniierte anti-anarchistische Propaganda, vor allem in Mexiko, Venezuela und Argentinien und zum anderen reagierten nicht alle neu angekommenen Kubaner auf die Spendenbitten.

Deshalb beschloss das MCLE bis Mitte 1962 von jedem Mitglied 2 Dollar monatlich zu nehmen, um die dringendsten Kosten für die angekommenen Kameraden und die Kampagne für die kubanischen politischen Gefangenen zu decken.

la prisión

Kubas Anarchisten erlitten dieselbe Strafe wie die anderen Angeklagten, denen „ Konterrevolution “ vorgeworfen wurde. Der Missbrauch, die schlechte Behandlung und die Folter an Kubas politischen Gefangenen der letzten vier Jahrzehnte werden gut durch Amnesty International und anderen Menschenrechtsorganisationen dokumentiert. Qualitativ war dieser Missbrauch schlimmer als die der politischen Gefangenen in den meisten anderen Ländern, zusätzlich dokumentiert durch die Erfahrungen von Marcelo Salinas (1917-18 inhaftiert in USA, Spanien und Kuba), Abelardo Iglesias (1939 in Frankreich) und Casto Moscú (1933 in Kuba).

Ein Hauptunterschied zwischen dem Castroregime und seinen Vorgängern war vor allem die Zahl der politischen Gefangenen. Nach Notizen des Schriftstellers Juan Clark betrug sie zeitweise 60 000 während der 60erJahre. Amnesty bewertete, das bis zur Mitte der 70erJahre die offizielle, von Kuba autorisierte Zahl 20 000 politische Gefangene waren.

Am Anfang des Castroregimes gab es nicht genug Gefängnisse, um diese riesige Anzahl von politischen Gefangenen aufzunehmen – also gab es eine offizielle Regierungskampagne für den Bau weiterer Gefängnisse.

Interessant auch der Bevölkerungsanteil. Gemäß den zwischen 1970 – 1980 entlassenen politischen Gefangenen, entstammte der vorwiegende Teil von ihnen aus der Arbeiterklasse und den Campesinos. Eine Menge von Beweisen legt den Schluss nahe, dass das Castroregime seine Proletarier und Campesinos mehr verfolgte als seine kapitalistischen Feinde. Viele Anarchisten litten demzufolge außerordentlich unter dieser Politik.

Die Zeugnisse der ehemaligen politischen Gefangenen Luis Linsuaín (ursprünglich zum Tode verurteilt), Placido Mendez und Isidro Moscú, alle zwischen 15-20 Jahre in Haft, zeigt die durch Castro hervorgerufenen Missbräuche gegen politische Feinde.

In den ersten Jahren nach der Revolution hielt man die Gefangenen in sehr engen Räumen. Die Behandlung war und blieb brutal. Diejenigen, die widersprachen, wurden mit Stöcken geschlagen oder mit Bajonetten gestochen. Viele wurden gezwungen, in Steinbrüchen oder Zuckerrohrfeldern zu arbeiten oder hatten andere schwerste körperlichen Arbeiten zu verrichten. Die Behörden errichteten auch ein aus der UDSSR importiertes System, wo die, die sich „ marxistisch-leninistischen Unterrichtsstunden “ unterwarfen mit einer besseren Behandlung rechnen konnten im Gegensatz zu denjenigen, die ihren Überzeugungen treu blieben.

Letztere wurden als „gefährlich“ etikettiert und so schikaniert, dass sich viele im Gefängniskrankenhaus wieder fanden. Andere versuchten dagegen mit Hungerstreiks anzukommen.

Die meisten von ihnen wurden grundsätzlich wegen „ asozialem Verhalten “ zeitweise in das „Loch “ gesteckt: äußerst kleine Zellen, wenig größer als ein Sarg, in den die betreffenden Gefangenen Tage, ja Wochen gehalten wurden.

las prisioneras

In zwei individuellen Beispielen  wollen wir die Erfahrungen von Suria Linsuaín (Schwester von Luis) und Carmelina Casanova erwähnen.

Suria wurde als „Konterrevolutionärin“ zu 30 Jahren verurteilt. Zwischen 1964 – 1969 saß sie davon fünf Jahre in Haft. Als sie im Sterben lag, wurde sie entlassen.

Carmelina Casanova wurde auch zu 30 Jahren verurteilt. Ihr Verbrechen: Sie hatte Anti-Castrokämpfer versteckt. 8 Jahre verbrachte sie im Gefängnis, mit kaputter Gesundheit wurde sie freigelassen, floh nach Miami und starb kurz darauf.

Dies sind nur zwei Beispiele von unzähligen anderen politischen Häftlingen

Anderen politischen Gefangenen half der MCLE, indem sie internationale anarchistische Aktionen mobilisierten, z.B. um das Leben von Luis Linsuaín zu retten.

Aber bestimmte Sektoren des internationalen Anarchismus reagierten distanziert.

Die kubanische Revolution war ein totalitäres Regime geworden, welche Andersdenkende verfolgte und einsperrte und auf die anarchistischen Kameraden schießen ließ. Der kubanische Anarchismus formulierte nun seine Ethik neu, um das Regime, das sie verfolgen ließ, zu bekämpfen und lieferte nun auch Beweise für die Verfolgung.

Doch Gaona `s Desinformation hatte begonnen, in fast allen anarchistischen Milieus zu zirkulieren, zu dem Gaona und seine Autoren Zugang hatten – unterstützt durch die Agenturen des internationalen Marxismus von Moskau bis Sydney.

Als Antwort begannen 1962 Mitglieder des MCLE eine Propagandakampagne mit der Veröffentlichung des „ Bulletin de Información Libertaria (BIL)“, welches in New York und von der Federacion Libertaria in Argentinien unterstützt wurde. Die argentinischen Genossen wie diejenigen in den Vereinigten Staaten reagierten von Anfang an auf die Anrufe der kubanischen Anarchisten und sie verließen sie nie – vor allem nicht in den schweren kommenden Jahren.

los emponzonadores

Die Verwirrung im anarchistischen Lager über die kubanische Situation wurde vom Propagandaapparat der Castroregierung angefacht, die enorm hohe Mittel zur Verfügung stand. Sie antwortete den Anarchisten mit den gleichen ideologischen Mitteln, die der Marxismus schon im spanischen Bürgerkrieg erfolgreich eingesetzt hatte.

Die internationale Szene bestand aus mehreren politischen, sozialen ja sogar religiösen Gruppen, die ständig Kapitalismus, Militarismus, die herrschende Klasse und die offizielle Religion angriffen. Durch die Bezeichnung „ sozialistisch “ fand das Castroregime Eingang in diese politische Kriegszone und entwickelte eine wirkungsvolle Taktik im Beibehalten internationaler Zuneigung für das Regime sowie in der Fähigkeit, an der Macht zu bleiben.

In der Kombination mit ständigen Verleumdungen und Verdrängungen festigte sich das Castroregime.

In diesem Propagandakrieg gebrauchte der „ Castroismus “ natürlich Gaona`s Dokumente bis in die entlegensten Teile der Erde, um betrügerisch zu beweisen, dass die Anarchisten Anti-Kubaner seien – tatsächlich war es ein Produkt von Ex-Anarchisten und schlimmster kapitalistischer Elemente. Sie nannten die kubanischen Anarchisten „CIA-Agenten“, „Batistaunterstützer“ und viele andere zur marxistischen Propaganda gehörenden Beschimpfungen. Aber vor allem setzte die Regierung die Dokumente in anarchistische Milieus in Umlauf, um Verwirrung und später auch Zweifel hinsichtlich der MLCE zu schüren.

Natürlich war dieses Manöver zu erwarten gewesen. As die kubanischen Anarchisten wirklich überraschte, war die Reaktion darauf in der anarchistischen Welt. Von Anfang an glaubten die Kubaner, Wahrheit und Gerechtigkeit würden obsiegen. Nachdem sie nach ihrer Verbannung versorgt waren und die nordamerikanischen und argentinischen Genossen offen ihre Solidarität erklärten, nahmen sie irrtümlich an, dass Anbetracht der Wahrheit ihrer Anklagen gegen das Castroregime, der Rest der anarchistischen Welt ihnen helfen würde, wie es bei den spanischen Genossen unter Franco geschehen war. Aber dies passierte nicht.

Zweifel wurden in Mexiko, Venezuela, Uruguay, Frankreich und Italien laut. Am Anfang waren diese Zweifel in Bezug auf den revolutionären Prozess verständlich, waren es doch die kubanischen Anarchisten, die jetzt im Exil und im Visier von Castro waren, die Am Anfang das revolutionäre System unterstützt hatten.

Mitte bis Ende der 60erJahre gab es Zeichen dafür, dass Gaona`s Verleumdungen ihren Schaden taten. Der MLCE bemerkte es, tat aber wenig, um es zu bekämpfen. Er nahm an, dass keiner diesen Verleumdungen und Scheinbeweisen Glauben schenken würde. Die Strategie des MLCE war es, das Castroregime als einzigen politischen Feind anzugreifen. Im Nachhinein erwies es sich als Fehler.

In diesen Jahren gab es eine Konvergenz in den Anklagen die der MLCE gegen das Castroregime machte und die Klagen, die die US-Regierung führte.

Keiner hat davor den Zufall der gemachten Anklagen bestritten. Das war einfach nur eine Tatsache. Aber jeder, der sich nur etwas in der Geschichte des Anarchismus auskennt und die seiner Partisanen, wird anerkennen, dass es immer wieder passiert, dass in verschiedenen Zeiten ähnliche Anklagen ob von der kapitalistischen Klasse , die kommunistische Partei und sogar der Vatikan gemacht wurden. Und immer und vor allem im kubanischen Fall waren die Anarchisten immer unabhängig. Es sei hier in der vorliegenden Situation erwähnt, dass die kubanischen Anarchisten Castro schon widersprachen, lange bevor es z.B. die US- Regierung tat.

resistir

Während das kubanische Regime Verleumdungen wuchern ließ, breitete sich die Verwirrung aus und die Polemik eskalierte. Augustin Souchys „ Zeugnisse über die kubanische Revolution“ und das Anti-Castro-Manifest  „ Manifiesto de los Anarquistas de Chile “ zirkulierten nur langsam in Lateinamerika und es gab einige Verteidiger des kubanischen Anarchismus, z.B . Edgar Rodriguez in Brasilien und Ricardo Mestres in Mexiko.

Doch die im „ Boletin de Información Libertaria “ (BIL) ausgedrückte Überraschung über den nur kleinen Beitrag der Solidarität wird erklärt durch den Mangel an der wahren und genauen Information über die kubanische Situation. Bereits vor 1962 berichtete das BIL über eine gewisse Feindschaft in einigen anarchistischen Medien und zumindest Verständnislosigkeit in vielen anderen.

In dieser Zeit verstärkte sich die Polemik bezüglich der kubanischen Revolution beunruhigend.

Über diesen nutzlosen rhetorischen Streit zitiert Alfredo Gómez 20 Jahre später Jacobo Prince ( der die Einführung in Souchy`s Druckschrift geschrieben hatte), der in einem Brief vom 5.12. 1961 die Tatsache betont, dass die heftigsten Angriffe gegen das Castroregime eher aus den reaktionären Sektoren kam, was die Verwirrung vermehrte und nun noch mehr zivilen Mut erforderte, den Mythos dieser Revolution wirklich anzugreifen.

Es erscheint ihm begreiflich, dass die anarchistischen Medien die Feinde des Castroregimes „unlauterer Motive“ verdächtigen, aber es war für ihn schwer zu verstehen, warum sie die Kritik ihrer verbannten kubanischen Kameraden bezweifelten, vorausgesetzt, dass es keine Beweise gegen sie gab, und sie das Gaona-Dokument nicht als ein bösartiges Stück Desinformation lesen wollten.

In Venezuela und Mexiko war es am deutlichsten. Im Laufe einer Kampagne für die Freilassung von L. Linsuaín (zum Tode verurteilt wegen eines Attentatsversuchs auf Raul Castro) in Caracas und Mexiko D.F. mussten die Anarchisten genau erklären, was sie wollten und dass eine Kritik am Castroregime keine Zustimmung der vorhergehenden Zustände einbezog.

Immerhin hatte die Kampagne Erfolg: das Todesurteil gegen Linsuaín wurde abgewendet, wenn auch nur umgewandelt in 30 Jahre Haft.

Ende 1962 erklärte Castro, dass er schon immer ein Marxist-Leninist gewesen sei.

Dafür waren andere Companeros, die seiner Tyrannei entkamen, auf dem Weg nach Miami. Santiago Cobo Céser vom ` Secretaria de la Federación Nacional de Transporte `, eine der größten und wichtigsten Vereinigungen auf der Insel, kam über Venezuela nach Miami, wo ihm politisches Asyl gewährt wurde. Sofort setzte er all die Energie bei der MLCE ein, die ihn sein ganzes Leben charakterisiert hatte.

emigración y europa

Ein anderer Emigrant, Manuel Ferro , bereits im Pensionsalter, erwachte bei der MLCE mit neuem Aktivismus. Ferro war ein scharfsinniger anarchistischer Schriftsteller, der zahlreiche internationale Kontakte hatte und der sich nicht lange mit der Aufgabe aufhielt, etwas Licht innerhalb der Verständnislosigkeit zu bringen, die die anarchistische Welt zur Lage in Kuba hatte.

Zusammen mit seinem alten italienischen Freund Enrico Arrigoni und von ihm angetrieben, fing Ferro an, mehrere Artikel über die kubanische Wirklichkeit zu schreiben, welche mit Hilfe von Arroginis Übersetzungen in der anarchistischen Presse Frankreichs, Italiens, Mexikos und Argentinien veröffentlicht wurde. Gemäß Ferro waren diese Artikel in der Mehrheit der anarchistischen Milieus mit Unwillen empfangen worden, infolge der Begeisterung mit der die kubanische Revolution dort empfangen wurde.

Aber es gab auch andere Reaktionen. In Buenos Aires wurden vom Colectivoverlag, der sich mit dem kubanischen Anarchismus identifizierte, die Werke von Ferro veröffentlicht.

Ferro sandte regelmäßig seine Artikel gen Europa an die verbannte spanische anarchistische Führung, die in dieser Zeit in Toulouse, Frankreich, wohnte. Federica Montsenny , stellvertretend für andere, veröffentlichte allerdings nur drei von seinen Artikeln. Sie erklärte mit zynischem Freimut, dass es nicht populär sei, in Europa Castro anzugreifen .

Was Ferro antworten ließ, dass es in Miami nicht populär sei, Franco anzugreifen.

Die intellektuellen Tätigkeiten von Ferro und Iglesias , um zwei der kubanischen Anarchisten rauszugreifen, waren Anfang und Mitte der 60er Jahre endlos. Als Beispiel anschließend einer der 30 kurzen Merksprüche, die in der „Acción Libertaria “in Buenos Aires unter dem Titel „ Revolución y Contrarevolución “ veröffentlicht wurde.

Iglesias erklärte dort die wahren Unterschiede zwischen den marxistischen und anarchistischen Vorstellungen der Revolution:

Um kapitalistische Unternehmen zu enteignen und sie den Arbeitern und Technikern zu übergeben, dafür ist Revolution.

Aber es in ein Monopol umzuwandeln, in denen das einzige Recht des Erzeugers ist zu gehorchen, das ist Konterrevolution.“

italia contra

Auch in diesen Jahren gab es schon lange feststehende Kontakte mit italienisch-amerikanischen Anarchisten in Tampa und Mexiko. Diese älteren Kämpfer scharten sich um eine Veröffentlichung  „ Die Wiedervereinigung des Widerspenstigen “, in der zur Verteidigung des Castroismus bzw. der kubanischen Revolution aufgerufen wurde.

Ferro und Arrigoni begannen aufgrund der bleibenden Verwirrung eine Kampagne in Italien selbst, um nach eigenen Aussagen, den Stier bei den Hörnern zu fassen. Deshalb wandten sie sich an die wichtigste Zeitung der italienischen Anarchisten „ Umanita Nova “, das offizielle Organ der „ Federación Anarquia Italiana “, um auf eine Reihe pro-kubanischer Revolutionsartikel zu reagieren, die wöchentlich von Armando Borgli geschrieben wurden. „ Umanita Nova “ weigerte sich, Ferro zu veröffentlichen.

Auf Grund dessen beschuldigte Arrigoni sie, von den Kommunisten bezahlt zu werden und sie veröffentlichten schließlich Ferros Antwort auf Borgli.

Ein paar Monate später veröffentlichte Borgli erneut, ungeachtet der Argumente von Ferri, eine neue Verteidigungsrede des Castroismus.

represión subsistir

In Kuba gab es noch einige Anarchisten, die in dieser Zeit unter der Zwangsherrschaft des Castro Regimes direkt litten. Guerra, Montana und Salinas , die alle ältere Kämpfer der 20 und 30er Jahre waren, wurden trotz aller Anstrengungen der Companeros im Exil aufgegeben.

Die ersten zwei hatten Gaona`s Erklärung mit unterschrieben, gegen ihren Willen, wie sie privat immer wieder versicherten. Salinas , der sich geweigert hatte, ein Komplize dieses Verbrechens zu werden, wurde in eine Art inneres Exil in Santiago de las Vegas getrieben, von dem er später dann ins wirkliche Exil nach Miami gehen konnte.

Ein anderer Veteran, Modesto Barbeito , würde bald darauf wegen Haft und schlechter Gesundheit sterben

Während dieser Jahre gab es viele Anarchisten, die dafür eingesperrt waren, dass sie angeblich konterrevolutionäre Tätigkeiten gemacht hätten, wie Antonio Dagas , ein Spanier, der der CNT Delegation in Kuba angehörte, der im berüchtigten La Cabana Gefängnis in Havanna eingesperrt war.

Sandalio Torres , beschuldigt wegen Komplott gegen die Staatsgewalt wurde zu 10 Jahren verurteilt, weil er sich weigerte, falsche Aussagen gegen andere Anarchisten zu machen.

Ein anderes Mitglied der CNT Delegation war Salvador Garciá , der schließlich Asyl in Mexiko erhielt. Bei seiner Ankunft stellte er Kontakt mit anderen verbannten Spaniern her, wie Ricardo Mestre , Fidel Miró , Rojas, Ismael Viadu und Marcos Alacón her, die alle mit der MLCE sympathisierten.

Nach seiner Ankunft veröffentlichte „ Tierra y Libertad “ das Zeugnis von García, der nicht nur darin versicherte, dass eine Verfolgung von Anarchisten in Kuba stattfand, sondern auch die Überzeugungen der MLCE guthieß. 1962 wurden seine Aussagen in Argentinien veröffentlicht.

In ungefähr derselben Zeit wurde das „ Komitee für anarchistische Gefangene “ in Miami geschaffen, um Kapital zu sammeln, um das Elend der in Kuba leidenden Gefangenen zu erleichtern.

revolución y dictadura

Mitte 1963 beendete Abelardo Iglesias eine Broschüre von fast 100 Seiten mit dem Titel „ Revolution und Zwangsherrschaft in Kuba “, die mit einem Vorwort von Jacobo Prince im Oktober in Buenos Aires veröffentlicht wurde. Mit der Autorität von 30 Jahren Militanz war es von Iglesias eine stille Anklage an Castro geworden und bot eine Beschreibung der kubanischen Gesellschaft von unten im Revolutionsregime. Es endete mit einigen Beschlüssen über die Unterordnung der kubanischen Außenpolitik zur UDSSR und darüber, was der Autor an richtiger Taktik im revolutionären Krieg gegen das Zwangssytem in Kuba ansah.

Inzwischen (1964) setzte die anarchistische Liga unter Sam Dolgoff seine Propagandakampagne gegen das Castroregime fort und organisierte öffentliche Demonstrationen. In dieser Zeit entstand eine Meinungsverschiedenheit zwischen Dolgoff und Dave Dellinger , dem pazifistischen Schriftsteller. Dellinger kehrte gerade aus Kuba zurück, wo er an den Feiern des 1.Mai in Havanna teilgenommen hatte. Hintergrundmusik waren natürlich die militärischen Pflichtparaden, sowjetische Slogans und das Absingen der „Internationale“.

Dieser Dellinger schrieb nun ein Pro-Castro-Stück, das in einer anarchopazifistischen Zeitung mit dem Titel „ Befreiung“ veröffentlicht wurde, editiert von David Wieck.

Mitglieder der anarchistischen Liga und einige kubanische Anarchisten protestierten öffentlich vor der Redaktion. Sie beschuldigten Dellinger und Wieck, Verteidiger des Castroregimes zu sein.

Während sich die meisten Linken in den USA einschließlich einiger ehemaligen Anarchisten der Anklage gegen MLCE als „CIA Stichwortgeber“ anschlossen, protestierten mit Argumenten und Manifesten Mitglieder der MLCE gegen die eigenwillige Blindheit dieser „linken“Verteidiger.

Diese Blindheit erlaubte Castro die Verfolgung der kubanischen Anarchisten. Es ist schwer, genau zu wissen, wie viele Anhänger der politischen Willens- und Meinungsfreiheit eingesperrt waren – wie z.B. Cuco Sanchéz , ein Bäcker aus Holguin in der Provinz Oriente, der seit vielen langen Jahren im Cárcel de Bonviato in Santiago de Cuba eingesperrt war,.

Ein anderer, der schon ältere Jesus Iglesias (keine Verwandtschaft mit Abelardo) war zu 20 Jahren auf der Isla de Juventud und im Cárcel Combinado de Este in der Nähe von Havanna verurteilt worden. Als er freigelassen wurde, hatte er keine Familie und keinen Platz zum Bleiben mehr. Er starb elendig schließlich in Guanabacao.

Da die anarchistische Bewegung bei Castros Machtergreifung relativ schwach war und sehr viele kubanische Anarchisten ins Exil flohen, waren es vielleicht nicht mehr als 400 in Kuba, von denen ca. 100 irgendwo als politische Gefangene interniert waren.

el congreso

Anfang 1965 wurde das Fraternisieren des südlichen Kegels bei einem Kongress der „ Federación Anarquista Uruguaya“ (FAU) mit dem Castroregime deutlich. Eine Mehrheit der FAU Mitglieder, mit einigen Ausnahmen wie Luce Fabbri , bekannten sich offen dazu.

Dem widersprach die argentinische Delegation, eingeladen die „ Federación Libertaria Argentina“ zu vertreten. Die FAU war also gespalten, in Pro- und Anti-Castrogruppen.

Luce Fabbri schrieb Jahre später in seinem Artikel „ Mein Leben lebend “ in der italienischen anarchistischen Zeitung ` Rivista Anarchica `, dass FAU Mitglieder entweder ins schwedische Exil gingen oder in den Reihen der städtischen Guerilla, den Tupamaros ; endeten. Nach Meinung von Fabbri erreichte letztere nichts Positives. Sie provozierte den Untergang der demokratischen Regierung Uruguays und ihren Ersatz durch ein militärisches Regime.

el cambio

Im Hinblick auf die Verwirrung, die die kubanische Situation in der anarchistischen Welt verursachte, organisierte die „ Federación Anarchica Italiana “ eine Konferenz in Bologna, um diese Dinge zu klären. Diese Konferenz wurde vom 27.März – 29.März 1965 abgehalten und ein Delegierter von der MLCE wurde eingeladen, seine Position zu präsentieren.

Die Kubaner sammelten Kapital und sandten Abelardo Iglesias als ihren Vertreter, weil er Erfahrungen mit dieser Art Diskussion hatte und sehr wohl in der Lage war, den Standpunkt der MLCE auszudrücken.

Nach einem Besuch in Toulouse und Paris mit anderen Veteranen der spanischen Revolution reiste Iglesias nach Bologna, wo er erfolgreich die MLCE Argumente gegen Castro präsentierte.

Die FAI verurteilte anchliessend energisch den Castroismus als Vasall der Sowjetunion und bot der MLCE nun volle Unterstützung im Kampf gegen den Castrokommunismus.

Sie verpflichteten sich auch, Kampagnen in Kuba selbst zu unterstützen.

Der Kongress endete damit, in dem er alle italienischen anarchistischen Zeitungen und Zeitschriften aufforderte, die Übereinstimmung zu veröffentlichen.

Zusätzlich zur FAI taten dies die Libertären Föderationen von Argentinien und Mexiko , die anarchistische Liga(USA), die Föderation aus London , die schwedische Hauptarbeiterorganisation und der Movimiento Libertario aus Spanien.

Nach dem Kongress von Bologna kehrte Iglesias nach Toulouse zurück, wo er die MLCE Position beim Kongress der französischen Föderation präsentierte.

Dieser Kongress verurteilte die marxistisch-leninistische Gegenrevolution – sie hatte die entstehende kubanische Revolution gestürzt – und das Castroregime verglich er mit faschistischen Zwangsherrschaften oder wie in der von den USA bezahlten Marionettenrepubliken.

Die französische Föderation versprach Unterstützung für die Anarchisten in französischen Gefängnissen und ließ verlautbaren, dass in der französischen anarchistischen Zeitung `Le Monde Libertaire´ sich jeder über das Schicksal der kubanischen Brüder informieren könne.

Auf der Rückfahrt in die Vereinigten Staaten schien es, dass Iglesias die lange und vitriolische Debatte mit Castro nicht nur Sympathisanten gewonnen hatte, sondern er hatte auch fast alle Föderationen in Europa und Lateinamerika zum Verurteilen des Castroregimes gebracht. Ein wahrhaft doppelter Sieg – oder doch nicht?

„el camino tercero“

Das castroische Durchdringen von anarchistischen Milieus oder besser die Selbsttäuschung von sehr vielen in jenen Milieus hatte aber die Idee von der Notwendigkeit einer dauerhaften Revolution in Lateinamerika und Afrika geweckt. Jede Kritik am Castroregime wurde so zu einer Kritik dieses neuen politischen Abenteuers umgedeutet. Diese Idee ging von Havanna aus, das sich zu einem Kopf der sozialistischen Weltrevolution machte.

Dieser totalitäre Mindset,  zwischen Castroismus und „ Dritte-Welt-Ideologie “ angesiedelt, war ein Feind der Menschen. Unglücklicherweise ging dabei die Mehrheit der anarchistischen Gruppen in Europa und in Lateinamerika (hier in Uruguay, Chile, Peru und Venezuela) ins Lager der kubanischen so genannten Revolution, die sich immer mehr kapitalisiert hatte, über und vergaß dabei die MLCE und die kubanischen Anarchisten.

Gaona`s „Dokumente“ und all anderen Formen der Desinformation durch die Marxisten waren nun nicht mehr nötig. Es war gelungen, die Anarchisten aus dem Rest der Welt mit der kubanischen kommunistischen Partei zu identifizieren.

Aber trotz allem setzten die kubanischen Anarchisten im MLCE ihre Kampagnen für die politischen Gefangenen in den Gefängnissen und gegen das Castroregime fort.

Entre las sombras

1967 kam Marcelo Salinas in Miami an. Er setzte dort in fortgeschrittenem Alter seine anarchistischen Ideale fort. Schrieb für die anarchistische Presse und sprach auf Konferenzen.

Er war bereits schon im Ausland bekannt, vor allem durch das Schreiben für „Reconstruir“ in Buenos Aires. Im Exil ergänzte er die Tätigkeiten von Ferro und Iglesias, bis er im Alter von 87 Jahren starb. Damit verlor der MLCE nicht nur einen hingebungsvollen Kameraden, der in der anarchistischen Bewegung seit 70 Jahren kämpfte, sondern Kuba verlor mit dieser dünnen Gestalt einen der besten Intellektuellen seiner Generation. Er war ein Dramatiker, Dichter, Romanschriftsteller, Essayist und Geschichtenerzähler. In der Summe war er ein erleuchteter Autodidakt, der eine intellektuelle Kraft der ersten Ordnung war – innerhalb wie auch außerhalb von Kuba.

el gusto de la época

Die chaotischen 60erjahre neigten sich in ihrem Ende. 1968 predigte Herbert Marcuse in Berkeley einen Marxismus in der Nähe des Anarchismus und in New York kritisierte Noam Chomsky den nordamerikanischen Staat.

In Paris griffen die neuen französischen Philosophen Marx an und im Mai brach ein Generalstreik aus, an dem Studenten und Schüler mit anarchistischen Slogans und schwarzen Fahnen teilnahmen. Amerikanische Jugendliche forderten das Kriegsende in Vietnam und illegale Rauschgifte drängten in die Öffentlichkeit. Die USA war rassisch und politisch durcheinander geschüttelt. Die UDSSR marschierte in der CSSR ein, um den Marxismus eines Marcuse zu verhindern, mit großem Beifall pries Castro den sowjetischen Überfall und Mao rief zur „kulturellen Revolution“ auf.

Am Ende diesen Jahres veranstaltete die FAI einen Internationalen Kongress der anarchistischen Föderationen.

Carrara

Bekannt als der Kongress von Carrara wurde er vom 30.August bis zum 8.September 1968 gehalten und nicht nur die anarchistischen Medien nahmen davon Kenntnis.

Diese Konferenz umfasste Vertreter aus praktisch allen westeuropäischen Ländern sowie Delegierten aus Mexico (die Bulgaren ausgenommen). Der schwedische SACK , die „ Internationale Rechereches sur l`Anarchisme “ aus der Schweiz und die „ Asociación internacional de los Trabajadores“ (internationale Anarchosyndikalisten) nahmen als Beobachter teil.

Es war eine der größten anarchistischen Konferenzen des letzten Jahrhunderts.

Wegen Kapitalmangel war der MLCE außerstande, einen Delegierten zu senden und baten deshalb Domingo Rojas aus Mexiko, die kubanischen Anarchisten an der Konferenz zu vertreten.

Der Kongress arbeitete acht Punkte heraus und der am häufigsten diskutierte war der Punkt 3: die Beziehungen zwischen Anarchismus und Marxismus speziell in Russland, Spanien und der kubanischen Revolution.

Die Konferenzteilnehmer hatten Zweifel über die Taten der Marxisten in Russland und Spanien, das Unheilvolle ihrer Taten war allen bewusst, aber Kuba war für sie eine andere Sache.

Mit dem Hintergrund der anarchistischen Katastrophen in Russland und Spanien erklärten die Konferenzteilnehmer das Castrosystem zwar als ein System der Zwangsherrschaft und zum UDSSR-Satelliten, nannte das System in Kuba allerdings durchlässiger für andere Themen und Theorien und damit anders als die UDSSR und ihre Satellitenstaaten.

Mit anderen Worten, der Sozialismus in Kuba war ein anderer Fall und deshalb gäbe es Hoffnung, ins Castroregime einzudringen, um es zu veranlassen, seine totalitäre Haltung zu modifizieren und anarchistische Grundsätze bezüglich Freiheit und Gerechtigkeit anzunehmen.

30 Jahre später wirken diese Einstellungen erbärmlich, sogar wenn man die Zeit in Betracht zieht, in der es geschrieben wurde. Die Welt der Anarchisten hatten ihre Perspektive auf  Kuba verloren. Die anarchistischen Medien in Europa und Lateinamerika unterstützten das kubanische Regime jeden Tag mehr, so wie sie jeden Tag weniger an ihre kubanischen Companeros, den Opfern dieses Regimes, dachten.

Und bis heute haben fast alle, bis auf wenige Ausnahmen, diese Fehler nie öffentlich zugegeben.

Es ist wahr, dass sich viele Anarchisten in Europa und Lateinamerika Castros Natur bewusst waren, die Zwangsherrschaft und Castros Verfolgung der kubanischen Anarchisten. Aber es ist auch wahr, dass außer in der „ Umanita Nova “ keine einzige anarchistische Zeitschrift in Europa und nur wenige in Lateinamerika in Artikeln aus erster Hand über Castros Zwangsregime und der politischen Verfolgung berichteten.

informes

Vor 1970 wusste der MLCE , dass er den Kampf verloren hatte. Wenn auch die kubanischen Anarchisten den Propagandakampf aufrechterhielten, wussten sie, dass sie Taube ansprachen. In diesen  bitteren Worte von Abelardo Iglesias werden die Menschen und Gruppen genannt, die die kommunistische Beschuldigung, die kubanischen Anarchisten seien im Dienste der Reaktion, sich eigen machten: die Föderationen aus Uruguay und Italien mit ihrer Zeitschrift sowie u.a. auch Daniel Cohn-Bendit , der in Carrara die MLCE beschuldigte, vom CIA finanziert zu sein.

Alfredo Gómez erwähnte später, dass „ Le Monde Libertaire “, das Organ der Federación Anarchiste Francaise , alle gegenwärtigen Zwangsherrschaften veröffentlicht hatte,  außer der in Kuba. Das die französischen Kameraden bei Kuba eine Ausnahme machte, betrachteten die kubanischen Anarchisten als Herabwürdigung zur zweiten Klasse, unwichtig der Solidarität.

Bis 1975 blieb viel Misstrauen gegenüber den kubanischen Anarchisten. Ende 1975 veröffentlichte in Stockholm „ Comunidado! “ einen Artikel über Flüchtlinge hauptsächlich aus Uruguay von den Zwangsherrschaften in Südamerika, die später in der spanischen Zeitschrift „Bicicleta “ neu veröffentlicht wurde – in einer Sonderausgabe für den weltweiten Anarchismus. In dem Hinweis auf die kubanischen Anarchisten wird festgestellt, dass der MLCE nur aus bloßen Antikommunisten zusammengesetzt sei und ihre Positionen seien regressiv.

Die Anklage war so lächerlich, dass der MLCE an „ Bicicleta“ nur eine eher scherzhafte Antwort zusandte.

Die wurde von der Zeitschrift nie veröffentlicht, obwohl in der Sonderausgabe zu Debatten aufgerufen wurde.

Die Beschuldigungen von „ Comunidad/Bicicleta “ waren typisch. Die Anklage war, dass der MLCE eine reaktionäre Organisation ohne Programm außer dem des Antikommunismus sei.

Keine Erwähnung darüber, warum die Anarchisten im Exil waren. Die Anklage passte zu Castros Propaganda, die unaufhörlich wiederholte, dass ganz Miami reaktionär sei, von Kapitalisten besetzt und mit Rauschgifthandel und weißer Sklaverei beschäftigt – so also auch die anarchistischen Emigranten.

Jeder, der mit der Situation vertraut war, hätte gewusst, dass dies unerhörte Verleumdungen gegen den MLCE waren, aber für den Rest der Welt zählten die Desinformationen aus Havanna.

Es dauerte bis 1976, bis sich die Atmosphäre des Verdachts und des Misstrauens gegen den MLCE langsam veränderte. Maßgeblich daran beteiligt war das Erscheinen des Buches von Sam Dolgoff „Die kubanische Revolution – eine kritische Perspektive“

Dieses Buch wurde in der englischsprachigen Welt von London bis Sydney herausgebracht und hatte einen gewaltigen Aufprall bei den Linken im Allgemeinen und bei den Anarchisten im speziellen.

Es war die wohl schärfste Kritik, die der Castroismus in diesen Jahren erhalten hatte und war der entscheidende Faktor in der Meinungsänderung zur MLCE innerhalb des Weltanarchismus.

Das Buch wurde ins Spanische und später ins Schwedische übersetzt ( inzwischen auch in Deutsch erhältlich, die Übers.).Dolgoff erklärte nachher, dass er nie einen Cent für den druck erhielt, aber er sich glücklich fühle, seine Überzeugungen über den MLCE und seinen Kampf gegen Castro mit diesem Buch weiterführen könne.

transición

Ende 1979 in den ersten Jahren nach Franco in Spanien, als der CNT/AIT wieder funktionieren konnte ohne von einer Regierung verfolgt zu werden, wurde in Madrid feierlich ein Kongress einberufen. Ein MLCE Delegierter wurde eingeladen und wurde von fast allen Auslandesvertretungen anerkannt.

An diesem Punkt erneuerte der MLCE, der in dieser Zeit in erster Linie mit besser werdenden Beziehungen mit anderen Sektoren des internationalen Anarchismus beschäftigt war, seine brüderlichen Kontakt mit der AIT („ Asociación Internacional de los Trabajadores “). Ein paar Monate später veröffentlichte die spanische „Bicicleta “ das früher hier zitierte Stück von Alfredo Goméz Die kubanischen Anarchisten oder das schlechte Gewissen des Anarchismus“. Dieses Stück wurde später von den verbannten bulgarischen Anarchisten in ihrem Organ „IZTOK “ in Paris nachgedruckt und noch mal später durch die neue Zeitschrift des MLCE in Miami „ Guángana Libertaria “ in der Ausgabe vom Sommer 1981 nachgedruckt.

Iglesias folgte mit einem aufklärenden Artikel in der Herbstausgabe, der weiter die Position des MLCE hinsichtlich Castro skizzierte und sich vor allem an die anarchistische Welt in dieser Periode wandte. Er zitierte Progreso Alfarache Arrabal (ein spanischer Anarchist der CNT, der nach Mexiko geflohen war und dort Mitherausgeber der `Tierra y Libertad´) Alfarache äußerte sich über die Handlung und Einstellung von vielen Anarchisten in der kubanischen Sache und beklagte, das der scharfe Instinkt für die Freiheit, die die Essenz des Anarchismus war, bei Kuba völlig versagt habe.

Man kann den Artikel von Iglesias wohl als das Ende der langen und zerstörerischen Angelegenheit betrachten.

Aber es gab auch Änderungen in der Welt, die die Anarchisten von einer anderen Sicht aus betrafen.

Eine neue antiautoritäre Bewegung hatte begonnen in den 70erJahren zu greifen und in den 80erJahren wurde der Castroismus von den Anarchisten so gesehen, wie er wirklich war, eine Zwangsherrschaft, und kein Stellvertreter.

Obwohl nun eine sichere Nichtanerkennung des Castroismus in der Welt begonnen hatte, kam es für die kubanischen Anarchisten zu spät.

Sie waren Opfer des Vorurteils und der Diffamierung in der anarchistischen Welt gewesen, zusätzlich zu den Verhaftungen und Internierungen – in eine schattenhafte Einsamkeit übergeben.

guángara libertaria

Im November 1979 starteten die kubanischen Anarchisten trotz alledem ihre neue vierteljährliche Zeitschrift „ Guángara Libertaria “.

Sie wurde in Miami veröffentlicht und die erste Ausgabe erschien im Januar 1980. Guángara ersetzte die zwei vorhandenen kubanischen anarchistischen Veröffentlichungen, den BIL und El Gastrónomico , die bescheidene Meldungen in geringer Auflage brachten.

Guángara wurde dafür bestimmt, breitere Aufforderungen in größerem Umfang über die Exilgemeinschaft zu haben.

Diese Zeitung wurde von ihren Gründungsmitgliedern sowie dem MLCE finanziert.

Der Name war von Abelardo Iglesias vorgeschlagen worden. Für Kubaner bedeutete er ` Geräusch ´, ´ Unordnung´ sowie einen rüden Witz. „ Guángara “ kann also als ein Synonym für die Verwirrung und Unordnung genommen werden.

Das Herausgeberkollektiv umfasste    Santiago Cobo Omar Dieguez Luis Dultaides den Autor himself   sowie  Casto Mosú

Die Verwaltungsaspekte wurden durch das Kollektiv einschl. José Àlvarez , Agustin Castros , Manuel Gonzalez und Aristide Vazquez behandelt.

Der Inhalt in dieser Zeit bestand aus Artikeln, Geschichten von der Redaktion und ihren Lesern, in der Hauptsache kubanische und spanische Anarchisten. Ihre Ausgaben zirkulierten

in der anarchistischen Diaspora gesamt Amerikas. Übersetzungen erschienen ebenfalls.

Guángara   hatte zum Inhalt eine Buchbesprechung (editiert von Manuel Ferro ), Bildnisse historischer anarchistischer Gestalten und Nachrichten und Meinungen über die Ereignisse in Cuba und der Exilgemeinschaft.

Während der ersten Jahre seiner Existenz hatte Guángara eine Auflage von 1000 Stück und wurde nur in Miami verteilt, obwohl es ungefähr 100 rund um den Erdball verstreute Gründungsmitglieder gab.

In Anbetracht des Ortes, in dem Guángara veröffentlicht wurde, Miami , eher eine Basis der exilkubanischen äußeren Rechten, musste die Redaktion von Anfang an vorsichtig sein. Es gab eine sehr reale Gefahr durch körperliche Gewalt der Rechten und permanente Beobachtung durch lokale und nationale Behörden.

Guángara befürwortete daher einen eher gedämpften Anarchismus, der auch Artikel von Nichtanarchisten bis hin zu Sozialdemokraten veröffentlichte, solange sie im progressiven Sinne waren. Aber so manchem Puristen kam der Verdacht auf, dass Guángara eher eine literarische Zeitung war und weniger eine anarchistische.

la ola

Anfang 1980 demonstrierten in der peruanischen Botschaft in Havanna viele Kubaner und baten um Asyl. Der MLCE in Miami nahm aktiv an diesen Demonstrationen teil, zeigte seine Farben und organisierte Kundgebungen gegen das Castroregime.

Die ersten Zeichen erschienen in den frühen Morgenstunden vom 4.April 1980 , als eine kleine Gruppe von Kubanern in die peruanische Botschaft eindrang und Asyl beantragte. Die peruanische Regierung weigerte sich, die Asylsuchenden an das kubanische Regime auszuliefern. Als Antwort rief Havanna dann seine Wächter aus der Botschaft zurück – mit ungeahntem Effekt. Denn dies nutzten weitere Kubaner, so dass in dieser Zeit bis zu 10.000 Menschen um Asyl baten. Trotz der bedrückenden Allgegenwart der kubanischen Regierung und der Bereitwilligkeit von vielen Unterstützern des Castroregimes, die Flüchtlinge auch mit Gewalt aufzuhalten, begann ein Exodus riesigen Formates. Mehr als eine Viertelmillion verließen ihr Heimatland auf Booten, die von kubanischen Emigranten geliefert wurden.

Dieses Schauspiel würde einen internationalen Rückschlag für das Castroregime haben.

Die Medien der ganzen Welt zeigten diesen größten Ansturm politischer und wirtschaftlicher Flüchtlinge in der Geschichte Amerikas. Dies war eine Katastrophe für die Public Relation des Castroregimes trotz aller Desinformationsversuche.

Dadurch wurde auch Guángara nun von mehreren Intellektuellen verstärkt., unter ihnen Schriftsteller wie Benjanim Ferrera , Enrique G.Morato , Miguel Sánchez und der afro-kubanische Dichter Esteban Luis Cárdenas , die Kuba entkommen konnten. Dies schuf ein neues Kollektiv, das Schriftsteller, Essayisten, Historiker und Dichter, Personen  wie Pedro Leyva, Angel Aparcicio Laurencio, Benito García , Ricardo Pareja und Sergio Magaroles mit einschloss.

nueva información

In dieser Zeit schlug Sam Dolgoff vor, Guángara zu einem gemeinnützigen Verein zu machen, unter dem Titel der „ Internationalen Gesellschaft für die historische und Gemeinschaftskunde“( ISHSS) . Verschiedene von der MLCE wurden dessen Mitglieder. Guángara konnte nun steuerabzugsfähige Quittungen erhalten und seine Ausgaben mit minimalen Kosten innerhalb der Vereinigten Staaten verschicken.

Nach der Gründung der ISHSS stieg die Auflage auf 3000 Stück. Das machte es zu einer der auflagenstärksten anarchistischen Zeitschriften in den USA – und das in spanischer Sprache.

Nun begann Guángara Übersetzungen von französischen und italienischen Artikeln zu veröffentlichen und verbesserte das Vertriebsnetz nun auch nach Miami.

Mit wachsender Selbstsicherheit begann das Kollektiv mehr anarchistische Materialien zu veröffentlichen, die über die Angriffe gegen das Castroregime hinausgingen. Nun wurden auch die reaktionäre Exilgemeinde und die USamerikanische Regierung aufs Korn genommen.

Die Angriffe gegen die rechte Exilgemeinde konzentrierten sich auf ihren Mangel an politischer Einbildungskraft, seiner religiösen oder pseudodemokratischen Orientierung sowie ihrer politischen und sozialen Position, die häufig von Castros Desinformationspolitik gebraucht wurde.

Diese Desinformationen bestanden darin, keine Unterschiede zwischen der demokratischen und der autoritären und rechten Opposition zuzulassen.

Im Herbst 1985 hatte Guángara mehrere internationale Korrespondenten: Stephan Baciu auf den Hawaiiinseln, Ricardo Mestre in Mexiko, Cosme Paules in Chile, Abraham Guillen in Spanien, M.A.Sanchez in New York und Victor García in Caracas. Sowohl García als auch Guillen waren bei den spanischen Anarchisten bekannt, und ihre Mitarbeit gab Guángara die internationale Dimension, die die MLCE immer gesucht hatte.

1986 produzierte das Kollektiv eine Sonderausgabe und bis 1987 hatte die Zeitschrift eine Auflage von 5000 Stück. Die Qualität wie auch der Inhalt mit ihrer graphischen Präsentation hatte sich verbessert und zwei neue Schriftsteller, María Teresa Fernández und Lucy Ibrahim, trugen Übersetzungen und Gedichte bei.

Guángara änderte seine Untertitel, zuerst „ Ein Schrei der Freiheit in Schwarz-Weiss “ und dann später 1990 in „ Von der Freiheit für die Freiheit“

Der Untergang der UDSSR und ihre längst fällige Entsorgung auf den Müllhaufen der Geschichte wurden in Guángara mit Jubel empfangen. Sie veröffentlichte einen Leitartikel, der nun einen schnellen Untergang von Castro voraussagte.

(Natürlich täuschte man sich hier gewaltig, aber solche Voraussagen waren in diesen Tagen überall anzutreffen, waren doch die UDSSR der große Schutzpatron von Castro).

1992 veröffentlichte Guángara seine 50.Ausgabe, nun waren insgesamt mehr als 225.000 Exemplare veröffentlicht und gelesen worden. Aber zu diesem Zeitpunkt war das unbezahlte Personal müde geworden und es wurde eine der letzten Ausgaben der Zeitung.

Es wäre übertrieben, zu behaupten, dass Guángara die Hälfte der Welt über das Castroregime überzeugt hätte. Es wäre genau so eine Übertreibung, zu sagen, dass es die ideologische Basis des Castroismus zerstört hätte.

Aber es ist angemessen zu sagen, dass Guángara die Festung des bezahlten Antikommunismus in der Exilgemeinschaft durchbrach und es das Recht zurückforderte, nicht damit über einzustimmen. Es ist genauso erlaubt zu sagen, dass es die Augen vieler öffnete, die unter der  Last des Castrostalinismus litten.

Am Ende war eine der anerkanntesten Erfolge von Guángara, dass sie 54 Ausgaben in mehr als 13 Jahren veröffentlicht hatten, ohne jemals an einem Zeitungsstand verkauft oder einen festen Deckelpreis gehabt zu haben.

Diejenigen, die bei Guángara gearbeitet hatten setzten andere Projekte fort, wie das Schreiben von Büchern und Veröffentlichungen in anderen anarchistischen Organen.

el resumen

In ihrer langen mehr als ein Jahrhundert andauernden Geschichte hatten die Anarchisten alle Typen von Verfolgung überlebt. Ihre Ideen hatten lange die kubanischen Arbeiter beeinflusst, sie widersetzten sich spanischer Kolonialpolitik, USamerikanischer Intervention, den Zucker-und Tabakmagnaten, den Haciendros und Plantagenbesitzer, kapitalistischen Industriellen, der ersten und der zweiten Republik sowie am Ende auch dem despotischen, totalitärem Regime von Castro.

In ihrer langen Geschichte hatten die Anarchisten die Schlagzeilen, die Schriftsteller, Theoretiker, Redner, hatten ihre Vereinigungsaktivisten und Propagandisten bis hin zum Letzten ihrer Kämpfer, hatten viele Fehler gemacht und Fehler, die es noch zu akzeptieren gilt.

Aber wir können sicher sein, dass der Geist des unvoreingenommenen Kampfes zum Nutzen Kubas und seiner Leute immer aufrechterhalten war.

Diejenigen, die überlebt haben, sind die Erben einer langen Überlieferung der Freiheit und der Gerechtigkeit, vereinigt durch die Zuversicht, dass dieses neue Jahrhundert die Morgendämmerung einer besseren Welt bringen wird, in der ihre Ideen endlich in die Praxis umgesetzt werden.

realität und reflektion

Der jetzt offensichtliche sozioökonomische Misserfolg der kubanischen Revolution konnte nicht vor Mitte der 70erJahre eingeschätzt werden.Während der 60er hatte Kuba genügend Geldreserven, um diesen Misserfolg zu verbergen, Kassenbestand, fremde Währung und exportfähige Agrarprodukte ( in der Hauptsache Zucker und Tabak ). Diese Wirtschaftsreichtümer, geerbt vom vergangenen kapitalistischen System, hielt das Castroregime während des ersten „sozialistischen“Jahrzehnts aufrecht, dessen Start 1961 offiziell bekannt gegeben worden war.

Der revolutionäre Kurs beruhte in der leninistischen Vorstellung des „demokratischen Zentralismus“, in dem das komplette sozioökonomische Leben Kubas in den Händen der PCC war und diese hatte, getreu den europäischen marxistischen Modellen, die Richtung und die Aufsicht in den Organen des Politischen Büros und der Exekutivausschüsse sowie Fidel Castro als deren erster Sekretär.

más rápido

Das erste und wesentliche durch den neuen Staat gewählte Projekt war der schnelle Ersatz eines riesigen Vorhabens des Industriewachstums und der landschaftlichen Diversifikation, um die Kultivierung des Zuckerrohrs als Kubas Monokultur zu ersetzen, die die kubanische Wirtschaft seit Anfang des 19.Jahrhunderts gestützt hatte. Die diplomatischen und Handelsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten waren zerbrochen und mit der nun eingetretenen US-Wirtschaftsblockade würde es diese neue Wirtschaftsrichtung schwer haben, zum alten Wirtchaftssytem zurückzukehren. Das zu verhindern war das Ziel der Castroregierung.

Während dieser Änderung begann das Castroregime, engere Bande mit der Sowjetunion zu knüpfen, ein Land, mit dem Kuba diplomatisch und wirtschaftlich schon seit 1933 verbunden war.

Kuba machte nun eine 180 Gradwendung, zuerst wirtschaftlich dann politisch, so wie es fast sieben Jahrzehnte vorher die USA gewesen war.

Kubas Arbeiter und Campesinos zogen aus diesem Übergang vom Kapitalismus zur leninistischen Zentralwirtschaft und dem politischen Wechsel keinen Nutzen. Tatsächlich brachte dieser Übergang einige der schlimmsten Missbräuche seit den dunkelsten Tagen der spanischen Kolonialpolitik.

Parallel dazu begannen diese Wirtschaftspläne als Mangel im Alltag zu erscheinen und die Regierung veranlasste eine Rationierung. Jeder Bürger hatte nun eine monatliche Essens-

sowie einen Kleiderzuteilung, die die Regierung nicht immer einhalten konnte.

Dies führte dann schnell zu Protesten, aber diese Proteste wurden vom Sicherheitsapparat und den Verteidigungskomitees aufgelöst. Die Proteste waren jedoch ein Warnruf und die Regierung begriff schnell, dass seine neuen Wirtschaftsmaßnahmen zu schnell geplant und durchgeführt eine soziale und wirtschaftliche Katastrophe geworden war. Also änderte sie ihren Kurs wieder einmal.

voluntarios?

Die Regierung führte dann die alten Vorschläge von Ernesto Guevara der „Kollektivierung der Produktionsmittel“ wieder ein, um sie zu vollenden und ein System zu schaffen, dass die Kubaner verpflichten würde, „neue Menschen“ zu werden – ehrlich, egalitär, nichtegoistisch und vor allem im Besitz eines „höheren revolutionären Bewusstseins“ und so bereitwillig, alles für die Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft zu opfern. Also so, 1968, griff die Regierung als Teil einer „revolutionären Offensive“ alle restlichen kleinen Geschäfte auf mit der Absicht, für immer das Kleinbürgertum zu liquidieren – also damit jeden, der auf persönlichen Reichtum beharrte.

Trotz dieser Maßahmen, die nicht nur die Dinge nicht verbesserten, sondern sie noch schlimmer machten, konnte sich das Castroregime dabei  noch auf diejenigen stützen, die am untersten Ende der sozialen Pyramide standen.

Das Regime errichtete „freiwillige“ Stunden von Extraarbeit mit dem Ziel, ein „sozialistisches“ System zu schaffen, dass nur keiner zu verstehen schien. Zu diesen Überstunden kamen die „ Roten Sonntage “dazu, unbezahlte Arbeit von Studenten und Schülern. Ein täglich wiederholter Slogan aus dieser Zeit war, „ Lasst die Arbeitslosigkeit verschwinden “ und mit all diesen „freiwilligen“ Tagen und Stunden des unbezahlten Arbeitens würde es das Regime sicher schaffen, diese Absicht zu verwirklichen..

10 milliones

 Dinge begannen sich drastisch nach dem Misserfolg der Getreide-und Zuckerkampagnen von 10 Millionen anvisierten Tonnen 1970 zu verändern. Diese Kampagne schloss eine beispiellose Militarisierung der Arbeitskräfte für das Aussäen, den Anschnitt und das Mahlen des Zuckers und auch das Schneiden und Verbrennen von Wald und anderen natürlichen Gebieten ein, um das Gebiet für das Pflanzen von Zuckerrohr zu vergrößern.

Dieser Prozess, der das Fällen von zahllosen Bäumen und der Umwandlung der Farmfelder und Weideländer mit einschloss, um die Produktion zu kristallisieren, verursachte andauernde und eventuell nicht wieder gutzumachende Schäden in Kubas natürlicher Umwelt. Dieser Prozess war so riesig, dass er sogar Niederschlag und Dränage beeinflusste. (Leider hält dieser Mangel an der Sorge für Kubas natürliche Umgebung bis heute an).

Aber trotz dieser drakonischen und umweltmäßig katastrophalen Maßnahmen wurde die Menge von 10 Millionen nicht erreicht.

Nach diesem dramatischen Misserfolg begann die UDSSR zu begreifen, dass die versuchte schnelle Industrialisierung der Insel und die Reorganisation der Landwirtschaft ein kolossaler Fehler war. Als erster Importeur von Kubas Produkten schlug die UDSSR vor, dass das Castroregime zu den alten Methoden zurückkehren solle, was die Pflanzung, die Ernte und das Mahlen des Zuckers betraf. Aber der Schaden war getan. Zukünftige Zuckererträge litten darunter, was bisher geplant war und die Insel war ein Jahrzehnt früher als vorausgesagt wirtschaftlich ausgezehrt.

Kubas Arbeiter hatten fast ein Jahr an Castros Projekt „ 10 Millionen Tonnen “ vergeudet.  Jeder konnte sehen, dass dieser Plan sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch eine Katastrophe war und die Menschen begannen sich von der Regierung zu distanzieren.

Natürlich verstand die sozialistische Bürokratie in Moskau, dass das kubanische Projekt nicht die erhofften Dividenden brachte und begann zu pokern. Es vergrößerte 1971 radikal die Unterstützung der kubanischen Regierung. Diese Unterstützung bestand diesmal nicht aus Interkontinentalraketen oder Atomwaffen – sondern aus massiven Mengen der Entwicklungshilfe und kommerziellen Subventionen. Die jährliche Subvention in den Jahren 1961 – 1970 betrug im Durchschnitt 327 Millionen Dollar und in den Jahren 1971 – 1980 1.573 Milliarden . Aber trotz dieser massiven Hilfe von der UDSSR wuchs die Unzufriedenheit im Volk. Die öffentliche Enttäuschung über die falschen Versprechen der Revolutionsführer wuchs schnell in den 70er Jahren und mit ihr – der Bau von Gefängnissen.

celdas

Um besser zu begreifen, was in diesen Jahren von der Regierungsseite verdrängt wurde, sollte man bemerken, dass nun in jeder Provinz verschiedene Strafanstalten gebaut wurden. Diese bestanden aus normalen Gefängnissen(für Gefangene wegen Devisenvergehen), Gefängnisse mit Zwangsarbeit (man konnte sie zu Recht als „Konzentrationslager“ bezeichnen) und Gefängnisfarmen. Natürlich bauten Gefangene all diese Stätten.

1984 gab es 144 Gefängnisse und Konzentrationslager überall auf der Insel mit mehreren zehntausenden von Gefangenen – gewöhnliche wie politische. Die letzten Daten sprechen von 168 Gefängnissen, in denen allgemeine und politische Gefangene inhaftiert waren und jene, die versucht hatten, zu entkommen.

In jenen Jahren nahm die Zahl der Gefängnisse und die der Gefangenen immer mehr zu!

acción mortal

Die Kubaner waren nicht die Einzigen, die unter den Verhaltensweisen der Castroregierung in dieser Zeit litten; die Leute in Lateinamerika und Afrika waren es auch.

In Übereinstimmung mit der Politik der „ nationalen Befreiung “ unterstütze das Castroregime Guerrillabewegungen – städtische wie ländliche – in fast allen Ländern südlich des Rio Grande.

Diese Bewegungen führten zu eisernen Entschlüssen der US- Regierung ihre Kontrolle über die jeweiligen Länder zu behalten und brachte eine Inthronisierung von  militärischen Zwangsherrschaften durch Banden von uniformierten Gorillas, die mit Kidnapping, „Verschwindenlassen“, Vergewaltigung, Raub, Folter und Mord gegen die jeweilige Bevölkerung diese US-Interessen durchsetzten.

Hunderttausende starben in Ländern wie Guatemala, El Salvador, Argentinien und Kolumbien.

In Afrika stand das kubanische Regime militärisch in mehreren Ländern, am meisten in Äthiopien auf der Seite der mörderischen marxistischen Regierung,  um die Unabhängigkeitsbewegungen in Tigre und Eritrea zu unterdrücken sowie in Angola.

Über die Dauer von mehr als einem Jahrzehnt sandte Kuba 100 000 Soldaten, um in den erwähnten Staaten sowie in Algerien, im Kongo und Sudan zu kämpfen und die kubanischen Truppen verwickelten sich in Bürgerkriege, Stammeskonflikte und „unterirdische“ Kriege. Dieselben Truppen, die gegen das weiße Südafrika um die Unabhängigkeit Namibias kämpften, rotteten komplette Dörfer in Angola und Äthiopien aus.

All dies kostete Kuba Millionen Dollars sowie einige tausend Tote.

Diese lange Geschichte von Katastrophen und Ungerechtigkeiten sowohl innerhalb als auch außerhalb Kubas führte bei vielen Kubanern von Zweifeln über Teilnahmslosigkeit bis hin zur Frustration. All dies erweckte den massiven Wunsch, dem Land zu entkommen. Aber das war fast unmöglich – in der Verfassung von 1976 wurde Kubas Bürgern das Recht bestritten, ins Ausland zu reisen oder gar aus einer Regierung zu flüchten, die sie unterdrückte.

sabotage

Nach der Massenflucht 1980 schien sich Castros Kuba wenigstens wirtschaftlich stabilisiert zu haben, wenn auch der soziale Druck weiterging.

Die UDSSR trug weiterhin wesentlich zu dieser Stabilisierung bei. In der Periode 1981-1985 brachte sie rd. 13 Mill. Dollar an, das war bei weitem der größte Teil der Hilfe, die Kuba jemals in seiner Geschichte erhalten hatte. Diese riesige Zahl demonstriert die starke Verwicklung Moskaus in die entlegene karibische Insel.

Trotz dieser massiven Hilfe könnten die Ergebnisse nicht negativer gewesen sein. Kubas Wirtschaft war direkt und massiv von der UDSSSR abhängig und seine Regierung war eine Zwangsherrschaft, die keine Kritik erlaubte. Die arbeitenden Menschen begriffen, dass der Staat seinen sozialen Vertrag gebrochen hatte und sie entschlossen sich der passiven Sabotage. Diejenigen, die nicht flüchten konnten, um zu überleben, arbeiteten nun so wenig wie möglich. Die Produktion fiel in allen Bereichen beunruhigend.

Zu diesem Ergebnis kam die Konferenz der staatlichen Gewerkschaft CTCR im Oktober 1979.  Sie bemerkte „ eine Reihe von ernsten Modifizierungen im kubanischen Arbeitsleben.“

Sie beschuldigten dann Kubas Arbeiter der „ mangelnden Disziplin, Diebstählen und Nachlässigkeiten“ . Sie kam dann am Ende zu einem überraschend aufrichtigen Ergebnis. Sie stellten fest, dass „1.600.000 Personen“ zwar einen Arbeitsplatz hätten, aber „ nur eine halbe Million“ auch wirklich arbeiten würden . D.h., wenn wir diese statistischen Daten wirklich ernst nehmen, dass etwa nur ein Drittel von Kubas Beschäftigten die Wirtschaft des Castroregimes unterstützen.

Diese Daten können enthüllender nicht sein. Es zeigt an, dass die Mehrheit der kubanischen Arbeiter wegen fehlender Motivation und anderer Gründe sich weigerte, für das „Gebäude des Sozialismus“ zu arbeiten, ein Slogan, der ständig von den höchsten Regierungsstellen der Zwangsherrschaft ausging und bis zum Erbrechen in allen Mitteilungen wiederholt wurde.

Die Kubaner hatten jedenfalls ihren Glauben an ihre Regierung verloren und würden ihn bald auch an ihrem Land verlieren.

bienvenidos capitalismo

1982 erlässt der kubanische Staat ein Gesetz, das zum ersten Mal nach zwei Jahrzehnten Auslandsgesellschaften erlaubt, in Kuba zu investieren. Dies entsprach großenteils der neuen sowjetischen Wirtschaftpolitik ( NEP ) der 2oerJahre, die zum Zwecke errichtet war, eine „Zustandgliederung“ zu vermeiden.

Diese Politik der kapitalistischen Investitionen wurde ironischerweise als eine helle Zukunft im „sozialistischen Kuba“ gesehen.

Die Landwirtschaftsreform bezüglich der „ freien Märkte der Bauern “ hatte dagegen eine düstere Zukunft. Diese Reform erlaubte es ursprünglich Campesinos, einige ihrer Produkte direkt an die Verbraucher außerhalb des staatlichen Rationalisierungssystems zu verkaufen.

 Da die rationalisierten Produkte in der Vergangenheit nicht zuverlässig genug geliefert wurden, erlaubte der Staat anfänglich diese Methode. Dieses kleine Experiment wurde dann jedoch von der Regierung wegen unkontrollierbarer Geldströme wieder geschlossen – während der „bewundernswerte“ Stil des wissenschaftlichen Sozialismus Investitionen durch multinationale Vereinigungen ermutigte – so als würden die Bauernmärkte ein für die Regierung gefährliches Kleinbürgertum schaffen, dass natürlich im Widerspruch  zu allen Prinzipien des „revolutionären“ Sozialismus stehen würde.

periodo especial

Die sozialpolitische Krise der UDSSR Ende der 80er Jahre und das jämmerliche Ende des Systems 1991 hatte beklagenswerte Folgen für die kubanische Wirtschaft. Während der letzten 5 Jahre der sozialistischen Hilfe (1986-1990) war die Wirtschaftshilfe auf 5 Milliarden Dollar pro Jahr angewachsen und für das sich auflösende System der UDSSR nicht mehr aufrechtzuerhalten.

Das Castroregime entschied sich dafür, ihre politische Wirtschaft zu ändern und trat in eine „spezielle Periode “ ein, was bedeutete, dass die soziale Situation schlechter und die Lebensqualität schlimmer wurde – schlimmer als in anderen Ländern Lateinamerikas.

Um das „ Bukarest-syndrom “( Erschießung des Diktators durch sein eigenes Personal ) zu verhindern, errichtete das Regime sogar noch mehr repressive Maßnahmen, vergrößerte die Strenge seiner Gesetze und nahm sein eigenes Militär ins Visier.

General Arnaldo Ochoa , ein nationaler Held, mehrmals dekoriert als ein „Held der Republik Kuba“ wurde wegen des Verdachtes der Untreue und der privaten Bereicherung zum Tode verurteilt. Er wurde am 13.Juli 1989 erschossen. Oberst Antonio de la Guardia am selben Tag wie auch zwei andere Offiziere, Amado Padrón und Jorge Martínez .

Patricio de la Guardia , der Bruder von Antonio, ein General der Elitetruppen, wurde zu 30 Jahren verurteilt.

Diese Säuberungen von hohem Militär endeten im September 1989 mit der Verhaftung und Verurteilung des Generals der Geheimpolizei José Abrantes, der bald darauf unter mysteriösen Umständen im Gefängnis starb.

In der gleichen Zeit, als das Castroregime sein Militär und seine Geheimpolizei „reinigte“, begann es eine Öffnung zur so genannten kubanischen Exilgemeinde in den USA. Die Öffnung bestand darin, dass die Emigranten Kuba besuchen und Geld direkt an ihre Familienangehörigen in Kuba senden konnten. Die Regierung eröffnete auch eine große diplomatische Kampagne, Wirtschaftbeziehungen zu den kapitalistischen Staaten in Europa und Asien, ja sogar zum Vatikan und zu Israel.

Die Bauernmärkte wurden wieder erlaubt, kleine Geschäfte im Privatbesitz geduldet (gegen hohe „ Revolutionssteuer “ allerdings) und es fand eine „ Dollarisierung “ der kubanischen Wirtschaft statt. Das bedeutete, dass der (nordamerikanische) Dollar ebenso frei in Kuba in Umlauf kam wie der einheimische Peso. Die Absicht war es, die Geldsendungen der Emigranten zu beschleunigen. Dieser Betrag wuchs schnell auf 800 Millionen Dollar an, ein Betrag, höher als es die beste Zuckerernte bringen konnte, die ansonsten immer mehr verfiel.

Inzwischen wurden die Slogans über die „ einmalige Gesundheitsvorsorge und Ausbildung “ vor allem im Ausland permanent wiederholt, während die Klassenunterschiede im Land immer schärfer wurden – zwischen denen, die Gelder von den auswärtigen Verwandten erhielten und denjenigen, die sich auf die Pesogehälter verlassen mussten.

Wieder einmal breitete sich Hoffnungslosigkeit aus wie ein Krebsgeschwür bei den am wenigsten begünstigten und die mutigsten (oder verzweifelten) von ihnen entschieden sich dafür, die Insel auf zerbrechlichen Rettungsflössen in einer sehr gefährlichen Reise zu verlassen, die Tausende von Opfern im Laufe der nächsten Jahre forderte.

Man kann dies als eine Form eines Selbstmordes sehen, hervorgerufen durch die Verzweiflung, in der das Regime Kuba führte. Die Auseinandersetzungen um das Kind Elian Gonzalez illustriert gut diese Tragödien.

Das vielleicht schlimmste Ereignis in dieser traurigen Situation war das, was auf dem Schleppdampfer „ 13 de Marzo “ passierte.

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Am 13.Juli 1994 waren es mehr als 70 Personen, die mit diesem Dampfer von Havanna nach Florida wollten.

Er wurde außerhalb der Bucht von Havanna durch die kubanische Küstenwache abgefangen, die ihm befahl nach Havanna zurückzukehren.Die Besatzung lehnte dies ab und setzte die Flucht fort.

In diesem Moment griff die kubanische Küstenwache das Schiff mit Hochdruckwasserschläuchen an und versenkte es. 41 Personen starben, als der Dampfer unterging. Die Überlebenden wurden als Gefangene genommen.

Dieser schmutzige Angriff auf unbewaffnete Menschen wurde sehr wahrscheinlich direkt von Fidel Castro befohlen.

atrás

Während dies alles passierte, hatte Castro sein „sozialistisches“ Experiment nun vollendet mit der Absicht, seine Macht für immer aufrecht zu erhalten. Er hatte eine Form des Kapitalismus erreicht, die dem des neofaschistischen „roten“ China gleicht, in dem Auslandskapitalanleger in direkter Partnerschaft mit dem kubanischen Staat die Produktion von Waren und Dienstleistungen beherrschte.

Als herausragendes Beispiel sei die Tourismusindustrie genannt. Die Arbeiter in diesem Bereich, ausschließlich in den Händen der kubanischen staatlichen und spanischen Kapitalanleger, erhielten ihre Gehälter in kubanischen Pesos, welcher sie wirksam aus der Welt der „Dollarisierung “ ausschloss. Ebenso waren ihnen die Hotels und Strände verriegelt, die ausnahmslos den Auslandstouristen vorbehalten war, ein Typus der Rassentrennung also von einer „sozialistischen“ Regierung auferlegt.

Das war eine erbärmliche Entwicklung bei einer Revolution, die mit Jubel und großen Hoff- nungen begann. Nach 40 Jahren hat die kubanische Revolution mit Wirtschaftsraub, Verzweiflung, deutlichen Klasseneinteilungen, massiver Emigration und einer kriminellen Tyrannei geendet.

Wie kam das zustande? Wie konnte das, was mit dem Versprechen der Freiheit, politischen und sozialen Reformen und einer gerechteren Verteilung der Reichtümer des Landes angefangen hatte, so schlimm enden? Wie endete diese Revolution, die anfangs so eine große populäre Unterstützung hatte?

los burócratas

Es gibt viele Gründe für diesen Misserfolg, aber unserer Ansicht nach gibt es zwei primäre: der sozioökonomische Kurs und die Geschwindigkeit mit der er von Kubas herrschender Elite aufgenommen worden war und die dauernde massive Verdrängung der individuellen Freiheiten.

Hinsichtlich des ersten Punktes brachte der Übergang vom Kapitalismus zum autoritären Pseudosozialismus nicht die erwarteten Ergebnisse. Zu idiotisch, zu egoistisch und mit großer Geschwindigkeit sollten die Änderungen durchgeführt werden. Die „Bärtigen“ waren zu hastig im Auferlegen ihres Systems und planten nie ernsthaft den Übergang von einem System zum anderen. Das war ihre Art des „Sozialismus“. Statt die Felder, Fabriken und Werkstätten direkt nach der Enteignung den Arbeitern als die realen Eigentümer zu übergeben, mit dem Kubas Anarchisten einverstanden gewesen waren – stellte die kubanische Regierung alle großen Geschäfte, die Industrie, Banken, Transportnetze usw. unter die Kontrolle des Staates – und setzte staatstreue Elemente dafür ein, ohne einen Hauch einer Ahnung davon zu haben, wie diese Unternehmen zu führen waren.

Es ist nicht überraschend, dass diejenigen, die ohne Erfahrung die Felder kontrollierten ein Durcheinander mit all den Sachen machten, die sie eigentlich ganz schnell verändern sollten.

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Der zweite Grund, vielleicht bedeutender noch als der erste, war die Entwicklung einer militärischen Zwangsherrschaft, schlimmer als das repressive System, das ihm vorausging, fähig zu Gewalt und Mord um die Macht aufrechtzuerhalten, immer mit Verwüstungen und Folterungen gegenüber ihren politischen Gefangenen.

Castro in Verbindung mit der PCC vernichteten über die Jahre hinweg jede individuelle Freiheit, ein Verbrechen gegen die kubanischen Leute, deren Lebenschronik die der Liebe zur Freiheit und der Kampf dafür war.

Diese Vernichtung der persönlichen Freiheit war der Hauptgrund für die kommunistische Katastrophe auf der Insel. Erschütterte, versklavte Menschen auf Kuba kommen sozial und politisch nicht effektiv zusammen. Das ist genau das, warum der Marxist versucht, eine freie, friedliche, egalitäre Gesellschaft durch den systematischen Gebrauch von Zwang und Gewalt zu schaffen und der Terror durch kleine Eliten so schrecklich in der ganzen Welt versagt hat.

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Für ihren Teil haben die Anarchisten in Kuba gegen die Tyrannei überall in der kubanischen Geschichte gekämpft, gegen den repressiven Kapitalismus der Zuckerbarone bis hin zum Pseudosozialismus eines Castros. Die Anarchisten waren die ersten, die das Castroregime durchschauten und dagegen kämpften. Der Kampf begann schon 1960 in den „ Testimonios “ von Agustin Souchy und der öffentlichen Anklage gegen Castro im selben Jahr durch die Asociación Libertaria de Cuba.

Nun scheint sich das Ende des Castroismus so langsam zu nähern. Mit dem Tod von Castro wird es eine neue Dämmerung der Freiheit geben in Kuba. Diese Morgendämmerung wird es Kubas Anarchisten erlauben noch einmal ihre Ideen fortzupflanzen und sich neu auf der Insel zu organisieren. Die Solidarität der überseeischen anarchistischen Gruppen wird eine große Hilfe in jenen Anstrengungen sein, aber nicht notwendig.

Es werden Kubas Arbeiter selbst sein, die sich organisieren werden, mit der Freiheit in seinem ganz konkreten Sinn, nämlich der Bestimmung über das eigene Leben, die Möglichkeit, die Aufsicht über die Reichtümer zu bekommen durch die Aufsicht über ihre eigene Arbeit, die diese Reichtümer schafft.

Wie heißt es doch bei der alten Asociación Internacional de la Trabajadores : „ Die Emanzipation der Arbeiter muss die Aufgabe der Arbeiter sein“.

Aber Kubas Anarchisten haben den Weg zu dieser Emanzipation angelegt. Seit dem 19.Jh. führten sie einen doppelten Kampf: gegen die Tyrannei und für die Begleitung der Arbeiter. Bei Castro haben Kubas Anarchisten seiner Gegenrevolution immer widersprochen. Bemerkenswert früh drückten sie ihre Opposition gegen die Zentralisierung, Gewalt, Zwang und die außerordentliche Militarisierung Kubas aus (dies eine Sache, auf die viele USamerikanische und europäische Antimilitaristen erstaunlich zurückhaltend reagiert haben) und ihre Unterstützung für die von Arbeitern kontrollierten Vereinigungen war bekannt, für die befreiten Stadtbezirke, landwirtschaftlichen Konsumvereine und kollektiven Arbeitsplätze.

Um diesen Weg zu gehen, haben Kubas Anarchisten eine wirklich Revolution unterstützt und nicht die falsche, die Gegenrevolution Castros , die so viele Linke (und Anarchisten auch) stützen.

adelante

Der Anarchismus und seine Ideen sind in Kuba nicht tot – wer wünscht diese Vorstellung der sozialen Tagesordnung einzugliedern, wünscht sich, dass der Marxismus die Utopie einer besseren Welt sei, aber wir glauben, dass diese Idee durch die Praxis eines Lenin, Trotzki, Stalin, Mao, Kim II, Pol Pot und Castro von vorneherein zum Scheitern verurteilt war.

Die Ideen des Anarchismus sind im Gegensatz dazu noch ziemlich lebendig – und sie zeigten ihre ganze Lebenskraft in einem der großen sozialen Härtetests, in dem sie jemals gestanden haben: die spanische Revolution 1936-1939 . Also, etwas verfrüht, diese Ideen zu begraben

Anselmo Lorenzo sagte einmal: „Das erste, wofür ein Anarchist zu haben ist, ist die Sache der Gerechtigkeit“. Wir fügen hinzu, dass es genauso lebenswichtig ist, ein Optimist zu sein.

Die neue Generation von Kubanern, die den Terror des Castroregimes seit Jahrzehnten zu ertragen hat, wird die anarchistischen Ideen finden, das beste und wahrscheinlich das einzige Mittel für eine Welt frei von Intoleranz, Überlegenheit, Hass, Hunger und Rache.

Optimismus ist der Schlüssel in der Aufgabe, Anarchismus in Kuba teilweise wieder aufleben zu lassen, weil es ein Schlüssel für die kubanische Psyche ist.

Aber es gibt noch andere psychische Faktoren, die in Betracht gezogen werden müssen:

Da ist die ideologische Verwirrung und Enttäuschung auf der Insel. Marxisten haben immer darauf bestanden, dass der richtige Pfad zum Sozialismus die Entwicklung einer Elite ist, einer „ revolutionären Avantgarde “, die den Leuten nach der Machtergreifung die sozialistischen Utopien bringen wird, in dem sie „wissenschaftliche“ politische und soziale Grundsätze errichtet. Natürlich hat dies im politischen Alltag immer zu Misserfolgen geführt, wo die Grundsätze von Marx und Lenin eingesetzt wurden. In Kuba hat dieser Versuch einen „neuen Menschen“ zu schaffen, zu einer Katastrophe geführt.

Die Kubaner haben fast zwei Jahrhunderte lang ihre Liebe zur Freiheit erhalten. Diese äußerte sich zuerst im Kampf um die Unabhängigkeit von Spanien, wo einige den Pfad des gewaltsamen Aufstandes nahmen, andere Reformen forderten und die Mehrheit einfach ein anderes, besseres Regierungssystem als die spanische Kolonialpolitik wollte.

Später, im 20.Jh. verhinderte der Misserfolg von zwei Republiken die Unabhängigkeit von den USA und ermöglichte den Aufstieg zweier mörderischen Regime (denen von Machado und Batista ), aber nicht den Kampf für die kubanische Freiheit.

Aber die Erniedrigungen dieser idealistischen, revolutionären Generation durch die (zuerst) autoritäre und später despotische Gestalt des Fidel Castro stellte die größte Sperre da für diese jahrhundertelange Suche nach Freiheit.

Wenn es einen positiven Aspekt der Zwangsherrschaft gibt, dann der, dass viele Kubaner ihre Erfahrungen machten nie mehr einem „ maximo lider “ zu dienen, egal, welch „revolutionärer “ Sprache er sich auch bedienen mag.

 impresiónes

Es gibt viele andere soziale, moralische und psychologische Eigenschaften der Kubaner, die sie instinktiv in die Nähe des Anarchismus bringt. Ihre Verachtung oder Gleichgültigkeit gegenüber dem Staat, ihr dauerhafter Aufruhr gegen die Autorität und deren Vertreter und ihre systematische Opposition gegen Gesetze, Regierungen und Regulierungen, die versuchen, ihre Freiheit zu beschneiden.

Der kubanische Charakter hatte immer eine Sympathie für den Anarchismus, ohne nun deshalb Anarchist zu sein.

Die Castroregierung war sich dieser Neigung bewusst und es strengte sich an, sie von Anfang an mit dem massiven Gebrauch des Terrors durch Zwang zu unterdrücken.

Die durch Castro ausgelöste Furcht hat die Liebe zur Freiheit und die Verachtung für Tyrannen ausgetrocknet. Kuba heute mit seinen Massen von Gefängnissen, Geheimpolizei und Regierungsdenunzianten in jedem Straßenblock (CDR) ist eine aufs bloße Überleben gegründete Gesellschaft.

Nur durch den Gebrauch der unendlichen Verdrängung hat Castro seine Macht aufrechterhalten können.

Und nicht nur die hat er behalten, er hat auch eine andere kubanische Einstellung geschaffen – diejenige nämlich, die die individuelle Freiheit als „ bürgerliche“ diffamiert und das Repressive respektiert. Kurz gesagt: Castro hat was Erstaunliches zustande gebracht: Ersatz der traditionellen kubanischen Liebe zur Freiheit ins Gegenteil, die kriecherische Ergebenheit.

dolarés, dolarés

Zur gleichen Zeit, indem das gegenwärtige Regime die große Verantwortung für den oben beschriebenen Zustand trägt, gab es schon vor Castros Wachsen Tendenzen in diese Richtung und Kubas Anarchisten aus der Zeit des „El Productor “ hatten diese Tendenzen angegriffen.

In erster Linie war es die Sache des Rassismus. Kuba (neben Brasilien) war das letzte Land, das die Sklaverei abgeschafft hatte und die in dessen Kielwasser entstandenen Wirtschaftsverhältnisse waren ein großes Hindernis für die soziale Emanzipation des 20.Jh. in Kuba gewesen.

Das Castroregime hatte viel für die Beseitigung des Rassismus in der kubanischen Gesellschaft getan, aber in den letzten Jahren tauchte er nun wieder aus wirtschaftlichen Gründen auf. Seit dem die Regierung den freien Umlauf des US-Dollars und die Geldsendungen aus dem Exil ( vorwiegend Weiße ) erlaubte, waren nun viele weiße kubanischen Familien imstande zu überleben. Das hat zu beträchtlichen Ressentiments seitens derjenigen geführt, die keine Gelder aus dem Ausland( in erster Linie Schwarze ) empfingen. Durch dieses de facto geschaffene Klassensystem kam es immer wieder zu schweren rassistischen Tönen.

Dieses Klassensystem hat zu weiterer Teilnahmslosigkeit und Faulheit in der Landwirtschaft und in der Zuckerindustrie geführt. Arbeiter und Campesinos weigerten sich, mehr zu arbeiten als das absolute Minimum es erforderte – wo doch die Reisedollars mehr Wert und Bedeutung hatten als das Geld derjenigen, die für die einheimische Produktion verantwortlich waren.

Neben den Mitteln der Castroregierung an  der Macht zu bleiben – Zwang, Gewalt und Kontrolle –muss man seinen Propagandaapparat erwähnen. Die kubanische Regierung kontrollierte jede Radiostation, Fernsehanstalt und alle Veröffentlichungen auf der Insel. Dadurch erhielten die Kubaner ihre tägliche Dosis des marxistisch-leninistischen „wissenschaftlichen“ Sozialismus, eine Doktrin, gegen die die Kubaner öffentlich nicht vorgingen. Sie erhalten auch tägliche Berichte darüber, wie glücklich sie wegen der „revolutionären Gewinne“ der Castroregierung zu sein scheinen und wie „herrlich gleich“ alle sind. Das Anhören solcher Aussagen wiederholte sich Tag für Tag, Jahr für Jahr ohne öffentlichen Widerspruch. Die einen hatten Angst vor Repressalien, die anderen waren in erster Linie diejenigen im Staatsapparat, die ihre privilegierten Positionen rechtfertigen wollten.

Kubas Erziehungssystem diente auch der Indoktrination. Studenten und Schüler empfangen mehrmals täglich mehr Dosierungen des Marxismus als ausreichendes Essen und sie sind nicht frei, es zu kritisieren. Sie sind auch nicht frei, ihren eigenen Lebensweg zu wählen. Der Staat entscheidet, welche ihrer Begabungen in den Dienst des Staates gestellt wird.

el árbol

Seit ewigen Zeiten haben Menschen die Gesellschaft verändert. Anarchismus ist eine relativ neue Erscheinung in dieser edlen und humanen Geschichte, die als ein roter Faden von Socrates , die Stoiker bis hin zu den Philosophen der Neuzeit reicht. William Goodwin in England und P.J.Proudhon in Frankreich sind nur zwei erste Beispiele von denjenigen, die diese Entwicklung mitprägten und den Anarchismus entstehen ließen.

Wenn ich sie richtig gelesen habe, war ihre Absicht, wie auch von den späteren Anarchisten wie Enrico Malatesta und Peter Kropotkin , nicht nur den Staat abzuschaffen, sondern auch eine freie, gerechtere menschliche Gesellschaft zu schaffen. Diese Absicht – und da muss keiner das Etikett „ Anarchist “ gebrauchen – wird m.E. nie sterben.

Sie wird von Generation zu Generation trotz der vorläufigen Rückschläge in Kuba und sonst wo überleben.

Bei Kuba muss ich an das Bild von Roig San Martin von dem „ Baum der Freiheit “ denken. In Kuba schlug der Anarchismus Wurzeln und trieb seine Zweige bis in die 60er Jahre, sie wurden beschnitten oder gar verbrannt. Aber der Baum starb nicht.

Es wird denjenigen vorbehalten sein, die uns nachfolgen, die das menschliche Vermächtnis ihrer Vorfahren aufnehmen werden, so dass die Wurzeln des Anarchismus, die Wurzeln der Freiheit, die jetzt noch begraben sind im kubanischen Boden, wieder ausgegraben werden im Frühling des Lebens und die Früchte der Freiheit und sozialen Gerechtigkeit tragen werden.