Aufruf zum Internationalen Aktionstag wegen des Massakers von Suruç

 Am 20. Juli 2015 wurden (mindestens 32) Menschen, darunter einige unserer anarchistischen Genoss*innen, die nach Suruç gekommen waren, um beim Wiederaufbau Kobanês zu helfen, durch den Angriff eines ISIS-Selbstmordattentäters getötet. Die Türkische Republik betreibt unter der Hand weiterhin ihre Unterstützung des ISIS. Wir werden unseren Kampf mit all unserer Kraft aufrecht erhalten, um ihnen den Weg zu verstellen.

Deshalb rufen wir alle Anarchist*innen weltweit dazu auf, am 26. Juli 2015 um 19 Uhr dort, wo ihr wohnt, Wut und Widerstand vor den Konsulaten der türkischen Republik zum Ausdruck zu bringen.

In Solidarität
Anarchistische Initiative
KARAKOK AUTONOME

UNSERE TRAUER WIRD UNSERE WUT SEIN, KOBANÊ WIRD WIEDER AUFGEBAUT WERDEN

Gestern machten sich knapp dreihundert Menschen aus verschiedenen Städten, dem Aufruf der Föderation Sozialistischer Jugendvereine folgend, auf den Weg um das von ISIS attackierte und geplünderte Kobanê wiederaufzubauen. Bei einem Zwischenstopp im türkischen Suruç an der Grenze unmittelbar vor Kobanê organisierten die jungen Leute eine Pressekonferenz vor dem Amara-Kulturzentrum in Suruç (Pîrsus). Am Ende ihrer Erklärung explodierte eine Bombe inmitten der Menge, und brachte die Herzen zum verstummen, die für die Hoffnung des Wiederaufbaus geschlagen hatten.

Nach jetzigen Informationen starben bei der Explosion 31 Menschen und Hunderte wurden verwundet.

Nach dieser Explosion erfahren wir nun die Namen der Gefallenen aus dem Krankenhaus in Suruç (Pîrsus). Jene, die aus vielen verschiedenen Städten aufgebrochen waren, jene mit Herzen voller Hoffnung, sind nun Gefallene, gefallen durch die Hände der Mörder. Den Menschen, die auf die Straßen gehen, um die Mörder zur Rechenschaft zu ziehen für die Gefallenen, den Menschen, die vor den Krankenhäusern warten, wird nun mit Verhaftung gedroht durch die Polizei, die das Amara-Kulturzentrum noch vor den Krankenwägen erreichte. In Mersin in İstanbul, wollen der mörderische Staat und die Kollaborateure der Mörder die Menschen massakrieren, die auf die Straße gehen.
 
Diejenigen die unzählige Leben auf dem Gewissen haben, seit dem ersten Tag des Widerstands von Kobanê, wollen uns nun einschüchtern, indem sie unsere Geschwister ermorden.

Wir versuchen ein neues Leben aufzubauen gegen den ISIS, gegen den Staat, der mit ISIS kollaboriert, gegen die Kriegspolitik des Staates, die nie endet. Was immer es kosten wird, wir werden unsere Trauer in Wut wandeln, wir werden Kobanê wiederaufbauen und ein neues Leben errichten auf dieser geplünderten Geographie!

(Zwei unserer anarchistischen Freunde mit den Namen Alper von der Anarchistischen Initiative Eskişehir und Evrim Deniz Erol aus Urfa wurden bei dem Angriff ermordet.)

Bijî Berxwedana Kobanê! / Lang lebe der Widerstand Kobanês!
Bıjî Şoreşa Rojava! / Lange lebe die Revolution Rojavas!

Revolutionäre Anarchistische Aktion
[Devrimci Anarşist Faaliyet]

Quellen:

 

ERKLÄRUNG DER BLACK ROSE ANARCHIST FEDERATION ZUM MASSAKER IN SURUÇ
[20. Juli 2015]

Wir trauern heute über den Verlust von Freund*innen und Genoss*innen und erneuern unseren Einsatz für einen internationalen revolutionären Kampf im Gedenken an sie.

Gegen Mittag riss in der Grenzstadt Suruç im türkischen Kurdistan eine Bombe durch die Körper von Kommunist_innen, Sozialist_innen und Anarchist_innen, die sich auf den Weg gemacht hatten, um den Wiederaufbau Kobanês zu unterstützen. Dutzende Menschen wurden getötet, viele mehr verletzt. Ein Mitglied unserer Föderation war vor Ort um bei den Vorbereitungen für eine Kampagne zur Unterstützung des Wiederaufbaus von Kobanê und Rojava zu helfen, blieb bei der Explosion aber unverletzt.

Eine halbe Stunde nach dem Bombenanschlag wurde die Stadt Suruç erneut von einer Detonation erschüttert, als eine zweite massive Bombe an der Grenze Kobanês detonierte. Aus Nachrichtenberichten geht hervor, dass es sich um einen Angriff mit einem mit Sprengstoff beladenen Auto handelte, der durch Selbstverteidigungskräfte gestoppt werden konnte, so dass die Zahl der Opfer gering blieb.

Die Reise nach Kobanê war von der marxistisch-leninistischen Organisation Sosyalist Gençlik Dernekleri Federasyonunun (SGDF) organisiert worden. Sie hatten Jugendliche - ganze Familien - aus allen Teilen der Türkei und darüber hinaus zusammengebracht, um der sich entwickelnden sozialen Revolution im syrischen Kurdistan revolutionäre Unterstützung zu leisten. Bis zu 300 Menschen hatten sich darauf vorbereitet, die mit einem Embargo belegte Grenze zu überqueren um beim Wiederaufbau der Stadt zu helfen, die politischen Entwicklungen dort kennenzulernen und die Kämpfe der türkischen Linken mit der kurdischen Bewegung zu verbinden.
 
Nach dem Bombenanschlag kam die erste Reaktion von gepanzerten Militärfahrzeugen des besetzenden türkischen Staates, die auf das Amara-Kulturzentrum zufuhren um die Straße zu blockieren und ihre Gewehre auf die kürzlich verletzten und traumageschüttelten Revolutionär_innen zu richten. Bis Krankenwägen den Ort des Geschehens erreichten, verging so viel Zeit, dass Privatfahrzeuge organisiert werden mussten, um die Verletzten ins Krankenhaus zu bringen. Das Militär und die Polizei waren innerhalb von Minuten vor Ort und hatten bereits eine Reihe von Aufstandsbekämpfungseinheiten aufziehen können, ehe die ersten Krankenwägen eintrafen. Ihre Reaktionsgeschwindigkeit war allerdings wenig überraschend, da sie die Busladungen voller Revolutionär_innen, die sich auf dem Weg nach Suruç befanden, am Morgen massiv belästigt hatten, viele überwacht und ihre Familien angerufen hatten, um ihnen mitzuteilen, dass ihre jungen Angehörigen sich Terroristen in Rojava anschließen wollten.

All dies veranschaulicht die Haltung des Staates und ist Ausdruck einer traurigen Realität: Die Türkei setzt ihre mörderische Politik gegen die Kurd_innen fort und dieser Anschlag kann als eine Erfüllung von Erdogans Versprechen betrachtet werden, dass er Rojava mit allen erforderlichen Mitteln verhindern werde. In den kommenden Monaten wird unsere Föderation den Umfang unserer Arbeit in Organisierungskomitees und Netzwerken in Solidarität mit Rojava weiter ausbauen. Wir hoffen auf eure Unterstützung.

Biji Rojava! Es lebe Rojava!

BR/RN Internationaler Sekretär

Black Rose/Rosa Negra Anarchist Federation

Quelle: http://www.blackrosefed.org/statement-on-bombing-turkey-suruc/