Ein Inteview mit der Kommunistischen Union


anarchismus.de Kollektiv
Aktuelles Interview KU

Am 1. Mai ist die aus Dortmund stammende Kommunistische Union (KU) erstmals öffentlich in Erscheinung getreten. Als eine dem Anarchismus nahestehende Organisation haben wir vom anarchismus.de Kollektiv ein kurzes Interview mit der neuen Organisation durchgeführt.

1. Wer seid ihr? Warum nennt ihr euch "Kommunistische Union"?

Wir sind eine politische Organisation, die den Anspruch hat, auf einheitlicher Analyse und Praxis einen Beitrag zum Erreichen einer kommunistischen Gesellschaft zu leisten. Wir verorten uns im Anarchokommunismus mit einer plattformistischen Ausrichtung, beziehen uns in unserer gesellschaftlichen Analyse aber auch auf marxistische Theoretiker. Wir sind also in dem Sinne undogmatisch und nehmen die Bestimmungen auf, die wir für korrekt halten. So sind wir beim Namen „Kommunistische Union“ gelandet und setzen damit unser gesellschaftliches Ziel an die erste Stelle.

2. Ihr schreibt in eurer ersten Vorstellung von „einheitlicher Theorie“ und „wissenschaftlicher Einsicht“. Was ist denn euer Bezug zu Theorie?

Damit der Aufbau von Gegenmacht der lohnabhängigen Klasse in Produktion und Reproduktion gegen das Kapital effektiv möglich ist, was wir im Allgemeinen als Bedingung zum Erreichen des Kommunismus verzeichnen, braucht es korrekte Einsichten in die Funktionsweise der kapitalistischen Gesellschaft. Um der Sache Beihilfe zu leisten, organisieren wir uns auf einer einheitlichen Grundlage, die immer weiter ausgearbeitet werden muss und dann vermittelt werden kann. Dabei gehen wir grundsätzlich von der Existenz objektiv feststellbarer Wahrheiten aus, aus der sich wissenschaftliche Einsichten in die abstrakte und konkrete Struktur des Kapitalismus überhaupt erst ermöglichen lassen. Der Zweck unserer Organisation auf der Ebene der Theorieproduktion, ist also im Wesentlichen die Ausarbeitung von wissenschaftlicher Gesellschaftskritik, die wir dann in unserer Praxis einsetzen.

3. Was für eine konkrete praktische Arbeit steuert ihr an? Habt ihr bereits Felder, in denen ihr wirken wollt?

Da sich Klassenbewusstsein nur kollektiv aus der Klasse heraus entwickeln kann, muss anarchokommunistische Praxis den Aufbau und die Weiterentwicklung von Massenorganisationen in den Fokus nehmen, die autonom von Staat und Parteien sind. Wir wollen daran mitwirken und zusätzlich mit den Leuten über unsere Analysen und Kritiken in Diskussion treten, um das Verständnis über die kapitalistische Gesellschaft zu stärken und Ansätze zu entwickeln wie wir dieses System möglichst effektiv bekämpfen können. Wo genau wir dabei mitmachen werden, hängt ganz davon ab, was lokal möglich und sinnvoll ist und was auch mit unseren konkreten Leben in irgendeiner Form in Kontakt steht. Im Allgemeinen denken wir aber, dass kontinuierliche Basisarbeit im Stadtteil, Betrieb, Schulen und Universitäten der zentrale Baustein ist, um wieder eine Verankerung in unserer Klasse für den Kommunismus zu schaffen.

4. Warum noch eine Gruppe? Was unterscheidet euch von anderen Gruppen, bzw. was ist euer Anspruch?

Neben bestimmten Umständen, die die Gründung dieser Organisation nahegelegt haben, sind wir auch der Überzeugung, dass die diversen lokalen (und bundesweiten) Organisationen Probleme mit sich tragen, die wir zu überwinden versuchen. Am zentralsten sehen wir dabei ein unzureichendes oder fehlerhaftes Verständnis der Gesellschaft, woraus resultierend die – falls vorhandene – Praxis auch fehlgeleitet ist. Zumeist kommen damit auch eine unzureichende Ernsthaftigkeit und Verlässlichkeit in der Organisierung einher, die die Verbesserung dieses Zustands erschweren. Liegt doch eine halbwegs sinnvolle Analyse der Gesellschaft vor, wird sie nicht konkret in die Tat umgesetzt, etwa in Form von Basisarbeit bzw. der Beteiligung an den Kämpfen der Lohnabhängigen, oder sie wird sogar abgelehnt. Zuletzt gibt es Organisationen, die aus den genannten Punkten rausfallen, dann aber ein falsches Verständnis von gesellschaftlicher Transformation vertreten, nach der der Aufbau eines sogenannten proletarischen Staats und/oder die Unterordnung der Klasse unter eine Partei angestrebt wird. Dies lehnen wir ebenfalls ab.

5. Was sind die nächsten Schritte in der kommenden Zeit?

Neben ersten öffentlichen Aktionen, wie etwa vor Kurzem die Teilnahme am 1. Mai, arbeiten wir aktuell die letzten Teile unserer programmatischen Thesen aus, die uns eine theoretische Richtung vorgeben sollen und welche wir mit der Zeit vertiefen oder durch tagespolitische Analysen erweitern werden. Nachfolgend werden wir eine Situationsanalyse erarbeiten, welche sich mit den Bedingungen beschäftigt, unter denen wir als Revolutionäre in Deutschland kämpfen. Anschließend wollen wir dann in Form von (Grundlagen)-Schulungen über unsere programmatischen Thesen einerseits in Diskussion treten, andererseits aber auch ein tieferes Verständnis über die Gesellschaft vermitteln und die Möglichkeit der Mitgliedschaft bei uns eröffnen.

6. Ihr habt als Logo einen Vogel gewählt – um welchen Vogel handelt es sich hier und wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Es handelt sich hier um eine der bekanntesten Vögel, die es in Deutschland gibt – das Rotkehlchen. Die Idee kam uns von internationalen Organisationen, denen wir am nächsten stehen, wie beispielsweise die Union Communiste Libertaire aus Frankreich, die eine Amsel im Logo haben.

7. Wie kann man bei euch mitmachen oder mehr über euch erfahren?

Bis wir unsere Gründung abgeschlossen haben, kann man uns bereits über Instagram oder über unsere E-Mail kontaktieren (info@kommunistischeunion.de) bzw. über unseren Telegram-Kanal auf dem aktuellen Stand bleiben. Darüber teilen wir bereits jetzt die Einblicke in unsere alltäglichen Kämpfe und Inhalte. Sobald unsere Thesen ausgearbeitet sind, werden wir zusätzlich auch eine Webseite haben, auf der man all unsere Inhalte wiederfinden kann. Ab der Veröffentlichung unseres Programms werden wir uns als Organisation auch für neue Mitglieder öffnen. Dabei ist bereits jetzt klar, dass wir ein hohes Maß an praktischer Betätigung und theoretischer (Weiter-)Bildung an neue Mitglieder setzen und die Aufnahme länger und intensiver als in anderen Organisationen sein wird. Unser Schwerpunkt wird zunächst Dortmund sein, auch wenn wir uns einen neuen überregionalen Aufbau für die Zukunft wünschen. Wir freuen uns aber bereits jetzt schon über erstes Feedback und rege Diskussionen mit Interessierten!

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