Anregungen für regionale Syndikalismusforschung


Helge Doehring
Anarchosyndikalismus Geschichte Forschung

Im Institut für Syndikalismusforschung erreichen uns immer wieder Anfragen nach lokaler Geschichte und deren Erforschung, besonders zur „Freien Arbeiter-Union Deutschlands“ (FAUD). Dieser Text kann hoffentlich vielen Interessierten weiterhelfen. Er konzentriert sich in erster Linie auf Forschungen im Zeitraum von 1918 bis 1933. Für Nachfragen stehe ich gerne bereit.

I. Voraussetzungen

Sachlichkeit und Leidenschaft

Du stehst am Anfang, aber womit beginnen? Vielleicht hast du nur vor, einen kurzen Abriss zu bringen über die FAUD, die „Syndikalistisch-Anarchistische Jugend Deutschlands“ (SAJD) oder andere Aktivitäten am Ort oder in der Region. Mit Leidenschaft entwickelst du jeden Ehrgeiz, die Zusammenhänge und Rahmenbedingungen tiefer zu ergründen. Auch wenn du dich eisern auf lokalgeschichtliches konzentrieren willst, musst du dennoch die größeren Zusammenhänge kennen. Da das nicht ausbleiben wird, stelle dich auf eine längerfristige Forschung ein. Ist das jetzt abschreckend? Wenn manche zu Beginn ihrer Arbeit gewusst hätten, auf was sie sich einlassen, hätten sie mit der lokalen Forschung vielleicht gar nicht erst angefangen. Das wäre wirklich schade gewesen. Denn: Wer eine gründliche Regionalstudie betreibt, lernt den Anarcho-Syndikalismus kennen, ohne sich ihm anfangs auf einer ausschließlich theoretisch-abstrakten Ebene nähern zu müssen.

Also: Nur Mut!

Wer Regionalstudien macht, hat es mit Menschen, mit Genossinnen und Genossen zu tun, mit ihren Aktivitäten und ihren Leben. Sie werden wieder lebendig, sie sprechen zu uns, und wir werden eine Beziehung zu ihnen aufbauen können. Wir werden vieles herausfinden, was uns heute nur allzu bekannt vorkommt. Wir begegnen eifrigen und sympathischen Genossinnen und Genossen, genauso wie uns manche Charaktere suspekt vorkommen. Die daraus sich ergebenen Konfrontationen auch in der heutigen, „eigenen“ Organisation werden uns ggf. die Hände über den Kopf zusammenschlagen lassen oder auch für reichlich Heiterkeit sorgen.

In den uns unendlich hoch erscheinenden Zeitungs- und Aktenbergen, die uns äußerlich so dröge und verstaubt erscheinen mögen, genau in ihnen blüht das Leben! Wenn du merkst, dass du beim Durchsehen der alten Zeitungen oder der Archivmaterialien die Zeit völlig vergessen hast, es mittlerweile dunkel geworden ist, oder du für die Recherche anderweitige Termine liegengelassen hast, dann bist du auf dem richtigen Weg, und nichts kann dich von deiner wichtigen Studie abbringen.

Doch fangen wir vorne an. Ich gehe hier im Folgenden chronologisch vor, was die einzelnen Arbeitsschritte im Forschungsprozess betrifft. So wie ich denke, dass es am sinnvollsten ist.

Welche Region erforsche ich und mit welchem Anspruch

Ich möchte eine Lokal- oder Regionalstudie machen. Dazu will ich erst einmal das geographische Gebiet abstecken. Zunächst schaue ich, für welche Regionen/Städte es bereits Regionalstudien, bzw. Biographien gibt. Das sind zurzeit [2022] im Wesentlichen folgende:

Baden-Württemberg

Baden

Döhring, Helge: Zur Geschichte der syndikalistischen Arbeiterbewegung in Baden, Bremen 2007
Hirsch, Hans-Joachim: „Die ganze, volle und unbeschränkte Freiheit!“ Kurzer Abriss über die Entwicklung anarchistischer Gruppen in Mannheim bis 1945, in: FAU-Mannheim (Hg.): Mannheims „andere“ Arbeiterbewegung. Beispiele eines lokalen Arbeiterradikalismus, Lich 2014

Württemberg

Döhring, Helge: Aus dem Trümmern empor! Anarcho-Syndikalismus in Württemberg 1933-1956, in Veith, Martin: Eine Revolution für die Anarchie! Zur Geschichte der Anarcho-Syndikalistischen Jugend (ASJ) im Großraum Stuttgart 1990-1993, Lich 2009
Döhring, Helge: Syndikalismus im „Ländle“. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD) in Württemberg 1918 bis 1933, Lich 2006

Bayern

Südbayern

Döhring, Helge: Damit in Bayern Frühling werde! Die syndikalistische Arbeiterbewegung in Südbayern von 1914 bis 1933, Lich 2007

Nordbayern

Döhring, Helge: Fritz Oerter und der Syndikalismus in Nordbayern, in: Fritz Oerter: Texte gegen Krieg und Reaktion, Lich 2015

Röthenbach

Oberst, Julia: Das proletarische Milieu in Röthenbach an der Pegnitz von 1928 bis 1933, Bamberg 2013

Berlin

Sandvoß, Hans-Rainer: Widerstand in Mitte und Tiergarten/Friedrichshain und Lichtenberg/Prenzlauer Berg und Weißensee/Neukölln, Buchreihe, Herausgegeben von der Gedenkstätte deutscher Widerstand, Berlin 1990-2000
Wafner, Kurt: Ausgeschert aus Reih’ und Glied. Mein Leben als Bücherfreund und Anarchist, Frankfurt/M. 2001
Wörmann, Heinrich-Wilhelm: Widerstand in Köpenick und Treptow, Berlin 1995

Bremen

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Döhring, Helge: Zwischen Hafenarbeit und Sexualhygiene. Anarcho-Syndikalismus an der Unterweser, Bodenburg erscheint 2023
FAU-Bremen (Hg.): Syndikalismus und Räterevolution in Bremen 1918/19. Mit einem Streifzug über die Gedenkfeierlichkeiten auf dem „Waller Friedhof“, Bremen 2008
Kuckuk, Peter: Alle in einer Kutsche? Syndikalisten in Bremen in den ersten Jahren der Weimarer Republik, in: Bremer Arbeiterbewegung, Heft 9 und 10 (1994/95)
Kuckuk, Peter: Syndikalisten und Kommunistische Arbeiterpartei in Bremen in der Anfangsphase der Weimarer Republik; in: AGWA No 14/1996
Rübner, Hartmut: Bremer AnarchosyndikalistInnen gegen Ende der Weimarer Republik, in: Schwarzer Faden, Nr. 1/1994
Rübner, Hartmut: Linksradikale Gewerkschaftsalternativen. Anarchosyndikalismus in Norddeutschland von den Anfängen bis zur Illegalisierung nach 1933; in: AGWA Nr. 14, Fernwald 1996

Hamburg

Mohrhof, Folkert: Der syndikalistische Streik auf dem Ozean-Dampfer 'Vaterland' 1914, Archiv Karl Roche, Hamburg 2008

Hessen
Südhessen

Ulrich, Axel: Zum Widerstand der Freien Arbeiter-Union Deutschlands gegen den Nationalsozialismus. Ihr konspiratives Verbindungsnetz in Hessen und im Raum Mannheim/Ludwigshafen, in: Nassauische Annalen. Jahrbuch des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichte, Wiesbaden 1988, Bd. 99
Wolf, Siegbert: "...bis die Bestie Kapitalismus niedergerungen und der Moloch Staat zertrümmert ist." Der erste Prozeß des Volksgerichtshofs gegen die Freie Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD) im Sommer 1936, in: AGWA, Band 11, Fernwald 1991

Kassel

Mümken, Jürgen: Anarchosyndikalismus an der Fulda. Die FAUD in Kassel und im Widerstand gegen Nationalsozialismus und Faschismus, Frankfurt/M. 2004

Niedersachsen

Delmenhorst

Rübner, Hartmut: Antiautoritäre Sozialisationserfahrungen und Widerstand des Delmenhorster Anarcho-Syndikalisten Wilhelm Schroers, in: Andreas Graf (Hg.): Anarchisten gegen Hitler, Berlin, 2001
Schroers, Wilhelm: Lebenserinnerungen: Widerstand und Wiederaufbau in Delmenhorst, Delmenhorst 2018

Verden/Aller

Döhring, Helge: Eine anarchistische Kundgebung in Verden/Aller aus dem Jahre 1926, Bremen 2009

Ostpreußen

Döhring, Helge: Anarcho-Syndikalismus in Ostpreußen. 750 Jahre Königsberg nicht ohne Anarcho-Syndikalisten, Bremen 2006

Rheinland-Westfalen

Allgemein

Lucas, Erhard: Märzrevolution, 3 Bd., Frankfurt/M. 1970
Nelles, Dieter/Klan, Ulrich: „Es lebt noch eine Flamme“. Rheinische Anarcho-Syndikalisten/- innen in der Weimarer Republik und im Faschismus, Grafenau 1990
Peterson, Larry: German Communism, workers’ protest, and labor unions. The Politics of the United Front in Rhineland-Westphalia 1920-1924, Dordrecht 1993
Theissen, Rolf/Walter, Peter/Wilhelms, Johanna: Anarcho-Syndikalistischer Widerstand an Rhein und Ruhr, Meppen 1980

Aachen

Weberskirch, Klaus: Anarcho-Syndikalisten an der Wurm. Ein fast vergessenes Kapital der Geschichte des Aachener Raumes nach dem Ersten Weltkrieg, Aachen 1999

Hamborn

Lucas, Erhard: Ursachen und Verlauf der Bergarbeiterbewegung in Hamborn und im westlichen Ruhrgebiet 1918/19. Zum Syndikalismus in der Novemberrevolution, in: Stadtarchiv Duisburg (Hg.): Duisburger Forschungen. Schriftenreihe für Geschichte und Heimatkunde Duisburgs, Bd. 15 (1971)

Mengede

Müller, Andreas: Aufbruch in neue Zeiten. Anarchosyndikalisten und Nationalsozialisten in Mengede in der Frühphase der Weimarer Republik, Moers 2005

Mönchengladbach

Pies, Norbert: “Hetzer wohnen hier verhältnismäßig wenige”. Geschichte der Arbeiterbewegung am linken Niederrhein, Marburg 1989

Wuppertal

Kirschey, Helmut: A las Barricadas. Erinnerungen und Einsichten eines Antifaschisten, Vreden 2000
Nelles, Dieter: Die anarchistische Jugend in Wuppertal 1929-1945, 3 Teile, in: Schwarzer Faden, Nr. 57-59 Schmitz, Hans: Umsonst is dat nie!, Grafenau 2004

Saarland

Mallmann, Klaus-Michael: Syndikalismus in der Provinz. Zur Geschichte der „Freien Arbeiter-Union Deutschlands“ (FAUD) 1919-1935, in Haubrichs, Wolfgang u.a. (Hg.): Zwischen Saar und Mosel. Festschrift für Hans-Walter Herrmann zu 65. Geburtstag, Saarbrücken 1995

Sachsen

Dresden

Jenko, Jürgen: Die anarcho-syndikalistische Bewegung (FAUD) in Dresden, Magisterarbeit, Bochum 2004

Leipzig

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Thiede, Gert (Hg.): Von Leipzig über Waldheim nach Buchenwald, vom Anarchosyndikalisten zum Kommunisten. Erinnerungen von Richard Thiede (1906-1990), Chemnitz 2018

Sachsen-Anhalt

Magdeburg

Neuber, Lutz: Antiautoritärer Sozialismus in Magdeburg. Anarchisten, Syndikalisten und Sozialrevolutionäre in der Börde, Teil 1, in: v. Bergner, Reinhard Heinrich, Guido (Hg.): Parthenopolis. Jahrbuch für Kultur- und Stadtgeschichte Magdeburgs, Band 1, Magdeburg 2007/2008

Schlesien

Döhring, Helge: „Mutige Kämpfergestalten“ Syndikalismus in Schlesien 1918 bis 1930, Lich 2012
Döhring, Helge: Schwarze Scharen. Anarcho-Syndikalistische Arbeiterwehr (1929-1933), Lich 2011
Nelles, Dieter: Syndikalismus im Dreiländereck. Alfons Pilarski und der Anarchosyndikalismus in Oberschlesien in der Zwischenkriegszeit, in: „Schwarzer Faden“, Heft 2/2002

Katscher

Döhring, Helge: Syndikalismus in Katscher, in: Institut für Syndikalismusforschung (Hg.): Syfo – Forschung & Bewegung, Nr. 3, Mitteilungen des Instituts für Syndikalismusforschung, Lich 2013

Schleswig-Holstein

Döhring, Helge: Syndikalismus zwischen Nord- und Ostsee, in: Institut für Syndikalismusforschung (Hg.): Syfo – Forschung & Bewegung. Mitteilungen des Instituts für Syndikalismusforschung, Nr. 2, Lich 2012

Thüringen

Meiningen/Zella-Mehlis

Döhring, Helge (Hg.): Die Reichsferienlager der SAJD in Thüringen und die Bakuninhütte – Zeugnisse und Dokumente (1928-1933)
Hohmann, Andreas (Hg.): Tagungsband. Erich Mühsam in Meiningen. Anarchosyndikalismus in Thüringen. Die Bakuninhütte und ihr soziokultureller Hintergrund, Lich 2015
Richarz, Kai: Die Bakuninhütte bei Meiningen (Thüringen). Zur Geschichte und Bedeutung eines anarchosyndikalistischen Ferienheimes. Eine Quellenedition vom Gästebuch der Bakuninhütte. Bachelorarbeit an der Freien Universität Berlin 2016; online seit 2019, unter
Richarz, Kai. Die Geschichte der Bakunin-Hütte in Meiningen, in: Hennebergisch-Fränkischer Geschichtsverein (Hg.): Jahrbuch 2012

Sömmerda

Havers, Frank: Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands in Sömmerda/Thüringen von 1919 bis 1933, Magisterarbeit, Bochum 1997

Daneben gibt es sehr viel Literatur mit Syndikalismus-Splittern, die bei weiterer Recherche in den Literaturhinweisen dieses Textes zu finden sind.

Wenn die von mir erwählte Stadt/Region dabei ist, kann ich erst einmal schauen, ob diese Studie etwas taugt und/oder ob ich eventuell nicht viel mehr draus machen kann.

Natürlich kann es spezifische Schwerpunkte geben, die in der favorisierten Regionalstudie noch zu kurz gekommen sind, z. B. die Jugendfrage. Doch auch hier muss ich mich unweigerlich wieder mit der gesamten syndikalistisch/anarchistischen Geschichte befassen. Deshalb nehme ich mir bei einer Regionalstudie von Anfang an vor, alle relevanten Bereiche zur Erforschung der syndikalistischen Bewegung abzudecken. Und damit haben wir auch schon einen wichtigen Rahmen/Anspruch abgedeckt: Wir erforschen alles, was für die Darstellung des zeitgenössischen Anarcho-Syndikalismus erforderlich ist. Dazu zählen alle Facetten der Geschichte, wie Organisationsgeschichte, Ideengeschichte, Sozialgeschichte, Biographien, u. a. Das hört sich abstrakt an, aber das ergibt sich von selber direkt aus den historischen Quellen heraus. Ich weiß, dass ich grundsätzlich alles (!) vor Ort erforschen möchte, was für die Darstellung der Geschichte des Anarcho-Syndikalismus wichtig ist. (1) Damit habe ich den Anspruch und den Rahmen nach innen abgesteckt.

Die geographischen Ausmaße wählen

Wenn ich vor der Sichtung der Quellen nicht weiß, was an Forschungsaufwand auf mich zukommt, wie soll ich dann bereits den äußeren, sprich den geographischen Rahmen abstecken? Woher soll ich wissen, ob ich es bezüglich syndikalistischer Aktivitäten mit einer sehr regen oder einer eher mauen Region zu tun habe? Ist sie rege (bzw. deutet sich dies an), so empfiehlt es sich, den geographischen Rahmen kleinzuhalten. Ist sie mau (bzw. deutet sich das an), dann kann ich auch eine größere Region abdecken.

Ebenso von Belang ist die zeitgenössische organisationsinterne Vernetzung regionaler Ortsvereine der FAUD. Hierzu ist Folgendes hilfreich: Es gab in der FAUD regionale Zusammenschlüsse, die als Kreisarbeitsbörse (KAB), bzw. Provinzialarbeitsbörse (PAB) oder auch Landesarbeitsbörse bezeichnet wurden. Hier standen die einzelnen Ortsvereine in enger Beziehung zueinander, so dass ich, selbst wenn ich eigentlich nur eine einzelne Stadt erforschen möchte, nicht um eine zumindest grobe Darstellung der Region und ihrer FAUD-Ortsvereine herumkomme. Zu Beginn der 1930er Jahre gab es folgende Arbeitsbörsen, zur geographischen Orientierung die entsprechenden Ortsvereine dahinter: (2)

Bayern (Amberg, Augsburg, Dachau, Fürth, München, Nürnberg, Regensburg und Schweinfurt – eine Unterteilung nach Nord- und Südbayern ist sinnvoll)
Brandenburg-Pommern (Altglienicke, Altlandsberg, Beelitz, Berlin, Eggersdorf, Fahrland, Königsberg i. Pr., Luckenwalde, Petershagen, Pölitz, Stettin, Straußberg, Werder/Havel und Wittenberg, Rest unleserlich)
Niedersachsen (Braunschweig, Magdeburg, Helmstedt und Schönebeck/Elbe)
Nord-West (Bremen, Delmenhorst, Hamburg, Neumünster und Wesermünde)
Rheinland (Aachen, Dülken, Duisburg, Düsseldorf, Elberfeld, Essen, Fischeln, Großenbaum, Hamborn, Hastenrath, Homberg-Hochheide, Hüls, Köln, Krefeld, Kuchhausen-Leuscheid, Lintfort, Mülheim, Mönchengladbach, Oberhausen, Ratingen Remscheid, Rheydt, Rheinhausen, Solingen, Süchteln, St. Tönis, Viersen und Wirges)
Saarland (Dudweiler, St. Ingbert, Saarbrücken, Stennweiler und Wiebelskirchen)
Sachsen (Aue, Bautzen, Bitterfeld, Chemnitz, Dohna, Dresden, Elsterberg, Freiberg, Freital, Gelenau, Gera, Halle, Heidenau, Hettstedt, Lengenfeld, Leipzig, Meißen Planitz, Pirna, Plauen, Radebeul, Riesa, Schneeberg, Teuchern, Zeitz und Zwickau)
Schlesien (Beuthen, Breslau, Cosel-Oderhafen, Gleiwitz, Hausdorf, Ludwigsdorf, Ratibor und Ziegenhals)
Süd-West (Alzey, Darmstadt, Frankfurt, Jockgrim, Ludwigshafen, Mannheim, Oberhausen i. B., Offenbach, Wiesbaden und Worms)
Thüringen (Albrechts, Eisenach, Erfurt, Goldlauter, Heinrichs, Kassel, Meiningen, Sangerhausen, Sömmerda, Suhl und Zella-Mehlis)
Westfalen (Bergkamen, Bochum, Castorp-Rauxel, Dortmund, Eichlingshofen, Gelsenkirchen, Hövel, Kamen, Münster, Wattenscheid)
Württemberg (Böckingen, Esslingen, Göppingen, Heilbronn, Stuttgart, Tuttlingen und Ulm)

(Achtung: sie sind nicht immer identisch mit den heutigen Bundesländern!)

Hier habe ich einen Spielraum, der mich in meinem weiteren Vorgehen flexibel werden lässt. Stoße ich gleich zu Beginn meiner Forschung auf eine ganze Fülle von Material, tendiere ich eher dazu, mich tatsächlich auf diese erwählte Stadt zu konzentrieren. Finde ich dagegen nur wenig Material, neige ich dazu, meine Forschung auf die Umgebung auszudehnen. Dabei achte ich darauf, dass ich in der zeitgenössischen Provinzialarbeitsbörse (PAB) oder Kreisarbeitsbörse bleibe. Denn sobald ich Städte aus der benachbarten PAB oder KAB hinzunehme, komme ich nicht drumherum, mich auch mit den anderen Städten der PAB oder KAB zu befassen. Dass es hier Ausnahmen geben kann, weiß ich erst aufgrund fortgeschrittener Forschung. Meine Empfehlung: Bleibe bei einer Region, denn es ergibt sich mehr Arbeit, sehr viel mehr Arbeit, als es zunächst erscheint. Schaue dir die hier aufgelisteten PABs und KABs noch einmal an, und entscheide danach.

Regionalstudie ist Quellenstudium

Ich bin von Anfang an gründlich und habe den Anspruch, direkte Quellen zu verwenden. Regionalstudien sind Quellenstudien, und nur die Quellen machen diese Arbeit gehaltvoll und spannend. Meine Regionalstudie hat nicht nur den Anspruch, die Geschichte darzustellen, sondern sie auch in die bisherige Syndikalismusforschung einzubringen, sie mit anderen Studien zu vergleichen und im nützlichsten Falle bisherige Thesen zu belegen oder zu widerlegen. Meine Regionalstudie soll gleichzeitig Interesse bei Anfängern wie auch bei Eingeweihten wecken. Bevor ich allerdings mit der Studie in die Gipfel der Syndikalismusforschung vordringen kann, Vergleiche und Wertungen angestellt werden können, bin ich als fleißiger Wühler gefragt. Ich erschließe mir die Primärquellen. Primärquellen sind Überlieferungen, deren Inhalte unbearbeitet, direkt zu mir gelangen. Dazu zählen z.B. Tagebücher, Zeitungen oder Korrespondenz. Zur Sekundärliteratur zählen diejenigen Texte, welche die Sachverhalte auf Basis von Primärquellen darstellen, genauso wie die angestrebte Regionalstudie. Eine weitere Stärke bei der Fixierung auf die Quellen besteht darin, dass ich die Forschung erstmal ganz unvoreingenommen betreiben kann, die Einschätzungen und Mutmaßungen anderer Forscher sich nicht zu früh auf meine Bewertung von Quellen auswirken.

Parallelität von Quellenmaterial und Sekundärliteratur

Eine Regionalstudie basiert also auf Quellenmaterial, sie ist sehr gründlich, und wer sie leistet, ist absoluter Experte im Gesamten wie im Detail. Nur auf dieser Grundlage können wir uns in die höhere Forschung bestens einbringen. Um die Gesamtheit zu verstehen, muss ich in diesen vielfältigen Mikrokosmos eintauchen. Dennoch bemühe ich mich um eine Parallelität in meinem Vorgehen aus Quellenerschließung einerseits und der Rezeption von Standardliteratur andererseits, welche hilfreich sein kann, mir den nötigen Kontext näherzubringen.

II. Die Forschungsschritte

Die Standardliteratur

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Die Primärliteratur spare ich hier aus, da sie sehr zahlreich ist und sich aus der im Folgenden aufgezeigten Literatur erschließen lässt. (3)

Zur Standardsekundärliteratur zählen zurzeit [2022] hauptsächlich: (4)

Epochenübergreifend

Bock, Hans Manfred: Anarchosyndikalismus in Deutschland. Eine Zwischenbilanz, in: IWK, Nr. 3/1989
Döhring, Helge: Anarcho-Syndikalismus. Einführung in die Theorie und Geschichte einer internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung, Lich 2017
Döhring, Helge: Kein Befehlen, kein Gehorchen! Die Geschichte der syndikalistisch-anarchistischen Jugendbewegung in Deutschland 1918 bis 2011, Bern 2011
Van der Linden, Marcel/Thorpe, Wayne: Aufstieg und Niedergang des revolutionären Syndikalismus, in 1999 Zeitschrift für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts, Heft 3/1990

Vor 1914

Döhring, Helge (Hg.): Abwehrstreik…Proteststreik…Massenstreik? Generalstreik! Streiktheorien und –Diskussionen innerhalb der deutschen Sozialdemokratie vor 1914. Grundlagen zum Generalstreik mit Ausblick, Lich 2009
Müller, Dirk H.: Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918

1914-1918

Döhring, Helge: Syndikalismus in Deutschland 1914-1918, Lich 2013
Linse, Ulrich: Organisierter Anarchismus im Deutschen Kaiserreich von 1871, Berlin 1969
Thorpe, Wayne, Keeping the Faith: The German Syndicalists in the First World War; in: Central European History, Vol. 33/2000, No. 2

1918-1933

Bock, Hans Manfred: Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923. Zur Geschichte und Soziologie der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (Syndikalisten), der Allgemeinen Arbeiter-Union Deutschlands und der kommunistischen Arbeiter-Partei Deutschlands, Meisenheim am Glan, 1969 (Achtung: stark veraltet)
Döhring, Helge: Konflikte und Niederlagen des Syndikalismus in Deutschland, Bodenburg 2022
Döhring, Helge: Organisierter Anarchismus in Deutschland 1919 bis 1933, 3 Bände, Lich 2018
Döhring, Helge: Die Presse der syndikalistischen Arbeiterbewegung in Deutschland 1918 – 1933, Moers 2010
Döhring, Helge: Schwarze Scharen. Anarcho-Syndikalistische Arbeiterwehr (1929-1933), Lich 2011
Linse, Ulrich: Die anarchistische und anarcho- syndikalistische Jugendbewegung 1919 – 1933. zur Geschichte und Ideologie der anarchistischen, syndikalistischen und unionistischen Kinder- und Jugendorganisationen 1919 – 1933, Frankfurt 1976
Rübner, Hartmut: Freiheit und Brot. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands. Eine Studie zur Geschichte des Anarchosyndikalismus, Berlin/ Köln 1994
Witkop-Rocker, Milly u.a.: Der Syndikalistische Frauenbund, Münster 2007 (Einleitung von Siegbert Wolf)
Vogel, Angela: Der deutsche Anarcho-Syndikalismus. Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung, Berlin 1977

1933-1945

Döhring: Helge: Anarcho-Syndikalismus in Deutschland 1933 bis 1945, Stuttgart 2013
Foitzik, Jan: Zwischen den Fronten. Zur Politik, Organisation und Funktion linker politischer Kleinorganisationen im Widerstand 1933 bis 1939/ 40, Bonn 1986
Graf, Andreas G. (Hrsg.): Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001
Haug, Wolfgang: „Eine Flamme erlischt“. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands (Anarchosyndikalisten) von 1932 bis 1937, in: IWK, Nr. 3/1989

1945-1977

Degen, Hans Jürgen: Anarchismus in Deutschland 1945 - 1960. Die Föderation freiheitlicher Sozialisten, Ulm 2002

Seit 1977

Arbeitsgruppe 30 Jahre FAU (HG.): FAU Die ersten 30 Jahre 1977-2007, Moers 2008

Ich lese sie kritisch und behalte sie im Hinterkopf. Diese Distanz ist wichtig, wenn meine Arbeit kein Abklatsch werden soll. Jede Region hat ihre eigenen Spezifika und Schwerpunkte, die es herauszustellen gilt. Ein Indiz für eine schwache Arbeit liegt zum Beispiel dann vor, wenn Wertungen oder gar Fehler der Standardliteratur einfach übernommen werden, was auch in Dissertationen vorkommt. Eine solche Arbeit vermittelt uns als Bewegung nicht nur Hilflosigkeit und mangelndes Selbstbewusstsein des Forschenden, sondern gibt uns ebenso wenig das nötige Vertrauen in die Darstellungen und Deutungen. Damit ist eine solche Forschungsarbeit überflüssig: Wir müssten sie anhand der Quellen umständlich in ihren Bestandteilen überprüfen, ergo, wir könnten sie gleich selber schreiben. Will ich das nötige Selbstbewusstsein entwickeln, werte ich möglichst alle Quellen geduldig und selber aus. Dabei sollte ich nichts zu gering erachten, da alles im weiteren Verlauf meiner Forschung noch wichtig werden kann. Je mehr Primärquellen ich sorgsam erschließe, desto eigenständiger und kritischer kann ich der bisherigen Forschungsliteratur gegenübertreten. Wie gehe ich nun konkret vor?

Die Periodika des Anarcho-Syndikalismus

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Das Erste, was ich mir als direkte Quelle besorge, ist der „Syndikalist“. „Der Syndikalist“ war die Wochenzeitung und zentrales Organ der FAUD und ist damit eine der wichtigsten Quellen überhaupt. Wenn ich die Möglichkeit und auch das Geld habe, kopiere ich die Jahrgänge ganz durch. Ich denke stets perspektivisch und arbeite am besten mit Papierkopien, an die ich mir Randnotizen mache: Ich könnte mir auch den Mikrofilm anschauen und fleißig herausschreiben oder exzerpieren. Doch könnte ich später feststellen, dass ich bestimmte Funde unter neuen Gesichtspunkten, die sich mittlerweile im Verlauf meiner Forschung ergeben haben, noch mal im Originaltext brauche. Oder mir fällt später ein, dass sich ein Teil des Originaltextes doch ganz gut als Zitat verwenden ließe. Es gibt viele Eventualitäten. Ich weiß im Vorfeld nie genau, was ich wann und wie noch mal gebrauchen kann. Oder ich merke im Verlauf meiner Regionalstudie, dass ich mich doch noch weiter über die Region hinaus mit dem Thema befassen möchte und ärgere mich dann, dass ich es nicht gleich durchkopiert habe. Im Zuge meiner späteren Forschungen greife ich dann immer wieder auf meine eigenen handschriftlichen Randnotizen zurück, die ich im Laufe der Sichtungen direkt an den Kopien vornehme. Ich kann deshalb nur raten: Kopiert, dass euch die Arme ausleiern und scheut keine Kosten. Auch wenn ihr erst viel später den vollen Ertrag für diese stupide Anstrengung bekommt. Die Handicaps des zeitintensiven Suchens, die sonst im weiteren Verlauf der Forschung und darüber hinaus entstehen, nehmen viel mehr Arbeit in Anspruch und sind nicht motivationsförderlich. Ich mache mich kundig, in welcher Bibliothek möglichst viele und vollständige Jahrgänge des „Syndikalist“ vorrätig sind.

Die Printausgaben nehme ich mit ins Bett, auf den Balkon, in den Park oder sonst wo hin, wo ich entspannt die Quelle auswerten kann. Ich vermeide dabei jeden Stress, indem ich es mir so gemütlich wie möglich mache. Ist es vor dem Mikrofilm gemütlich? Oder vor dem flackernden Bildschirm? Vor dem Bildschirm sitze ich später noch genug. Forschung sollte vom Ambiente her möglichst abwechslungsreich sein: Auf der Arbeit oder im Zug kann ich einige Printquellen sichten und bewerten. Wenn ich dann wieder zu Hause bin, tippe ich die Zwischenergebnisse ein. Für jede Situation gibt es entsprechende Arbeitsschritte für mich und damit Abwechselung. Wenn mein Kopf raucht, mache ich stupide Arbeit, z.B. kopieren oder Literatur suchen, und wenn ich einen guten geistigen Lauf habe, hacke ich auf den Computer ein und fülle die Datei mit meiner Kreativität, bzw. mit den Auswertungen der von mir vorher gesichteten und mit Notizen versehenen Quellen. So lässt sich Frust vermeiden, und der Arbeitsablauf befindet sich in möglichst großer Harmonie mit meiner Tagesplanung.

Ich beginne möglichst mit dem ersten Jahrgang des „Syndikalist“ (1918/19). Für die lokale Forschung sind die Vereinsmeldungen am wichtigsten. Dort finde ich z.B. Meldungen über Neuwahlen, Gründungen von Ortsvereinen, Berichte über lokale oder regionale Konferenzen - und das beste: viele Namen und Anschriften. Eine wahre Fundgrube. Des Weiteren entdecke ich dort diejenigen Ortsvereine der FAUD, teilweise auch Frauenbünde oder Einzelpersonen aufgelistet, die ihre Beiträge an die Organisation abgeführt haben, teilweise in langen Listen, und diese gehe ich geduldig durch. Schnell bekomme ich einen Blick dafür, wie eine Zeitung aufgebaut war, welche Rubriken es gab, und ich erfahre eine ganze Menge Spannendes, was nicht unmittelbar mit meiner Lokalstudie zu tun hat. Auch kann ich feststellen, dass die Originalartikel für mein reifendes Verständnis für diese Zeit viel ergiebiger sind, als viele theoretische Abhandlungen aus der heutigen Zeit. Das merke ich z.B. daran, dass ich heutige Begriffe infrage stelle und stattdessen manchmal vergangene Ausdrücke übernehme, weil sie treffender sind. Der Begriff der „Arbeitsbörse“ ist fundamental für heute, doch finden wir die Bezeichnung eher in historischen Quellen. Ich konnte generell feststellen, dass man uns in den Jahrzehnten nach 1933 einen guten Teil der Sprache geklaut hat, bzw. wir sie nach 1945 einfach vergammeln ließen. Vieles, was mir erst fremd erscheint oder antiquiert wirkt, sollte ich auf heutige Tauglichkeit hin prüfen und kann mich diesbezüglich auf einige Begriffe und Fragestellungen freuen. Und genau so, wie ich hier ausschweife, wird es mir beim Studium des „Syndikalist“ ergehen und später bei den weiteren Quellentexten.

Ich erschließe mir also ganz systematisch den ersten Jahrgang des „Syndikalist“, filtere alles heraus, was meiner Regionalstudie dienlich ist. Nun werde ich allmählich vertraut mit den Verhältnissen und der Organisation vor Ort. Mit etwas Glück kann ich schon Zusammenhänge erahnen und meine Arbeit für die Durchsicht des zweiten „Syndikalist“ - Jahrganges geographisch präzisieren (siehe oben). Falls nicht, passiert das im Verlaufe der nächsten Jahrgänge. Es ist eben sehr abhängig von der jeweiligen Region und deren Gegebenheiten.

Ich habe eine Datei angelegt nur für Biographisches und trage dort die im „Syndikalist“ gefundenen Namen, Adressen, Funktionen und überhaupt alles ein, was mir Auskunft über die aufgeführten Personen gibt. Eine weitere Datei gibt es für Lokalitäten, Treffpunkte und dergleichen. Wenn du es schaffst, als erste Quellen tatsächlich alle „Syndikalist“ - Jahrgänge durchzuschauen, bist du wie geschaffen für alles Weitere. Aber auch wenn du mal was anderes als den „Syndikalist“ sehen möchtest, kannst du das natürlich tun, aber am besten direkte Quellen der damaligen Organisation, da du die hieraus gewonnenen Daten zu Personen u. a. später systematisch mit den Erkenntnissen aus anderen Quellen abgleichen kannst, z. b. Archivmaterial (Polizeiakten), aber dazu später.

Dieser Abschnitt gilt besonders auch für diese Periodika:

„Besinnung und Aufbruch“ (Zeitschrift der Gilde freiheitlicher Bücherfreunde)
„Debatte“ (Organ zur Vorbereitung der Reichskongresse der FAUD 1930/1932)
„Fanal“ (Organ der Anarchistischen Vereinigung/Erich Mühsam)
„Der freie Arbeiter“ (Organ der Föderation kommunistischer Anarchisten Deutschlands)
„Die freie Gesellschaft“ (Organ der Föderation Freiheitlicher Sozialisten)
„Die Internationale“ (Theorieorgan der IAA, später der FAUD)
„Die Schöpfung“ (Zeitung der FAUD im Rheinland)

Zu den einzelnen Periodika und ihren Standorten siehe: Helge Döhring: Die Presse der syndikalistischen Arbeiterbewegung in Deutschland 1918 bis 1933, Moers 2010

Online unter

Zu den reichhaltigen Bibliotheken mit syndikalistischem Zeitschriftenbestand zählen unter anderem das Internationale Institut für Sozialgeschichte (Amsterdam), die Staatsbibliothek (Berlin), das Institut für soziale Bewegungen (Bochum), die Friedrich Ebert Stiftung (Bonn), die Staats- und Universitätsbibliothek (Bremen), das Institut für Zeitungsforschung (Dortmund), die Sächsische Landesbibliothek (Dresden), das Centre International de Recherches sur l’anarchisme (Lausanne), die Deutsche Nationalbibliothek (Frankfurt/Leipzig) und die Württembergische Landesbibliothek (Stuttgart).

Allgemeine Literatur zur Stadtgeschichte und zur lokalen Arbeiterbewegung

Ein nächster Schritt ist die Sichtung von allgemein lokalgeschichtlicher Literatur, besonders zur Geschichte der lokalen/regionalen Arbeiterbewegung. Wenn ich selber aus der Region bin, dann kenne ich vielleicht die Geschichtswerkstatt oder einen Lehrer, der als Experte für die Arbeiterbewegung vor Ort gilt. In dessen Literatur schaue ich mir die Stadtentwicklungsgeschichte an, die Industrialisierung, die verschiedenen Arbeiterorganisationen. Manchmal ist dieser Experte auch im Stadtarchiv angestellt, dort zumindest häufig zu Gast und zeigt vielleicht großes Interesse. Diese lokalen Kenner der Arbeiterbewegung sind oft mit der örtlichen SPD oder dem DGB verbunden, haben dort Funktionen, und dementsprechend forschen sie eher zur SPD und vielleicht noch zur KPD. In den wenigsten Orten werden sie was mit Syndikalismus oder Unionismus anzufangen wissen, wenngleich sie oftmals sehr offen, entgegenkommend und sympathisch sind. Bei ihrer Literatur zur allgemeinen oder sozialdemokratischen Arbeiterbewegung gilt das gleiche, wie bei der FAUD-Standardliteratur: Kritisch lesen und selber denken! Was sich aber meistens lohnt, ist das Anfertigen von Exzerpten aus dortigen Kapiteln zur Geschichte der Industrialisierung und Entwicklung der lokalen Arbeiterbewegung. Die sind oft genau recherchiert, und ich brauche dies, weil es die historischen Entwicklungen des Syndikalismus am Ort zum Teil erklärt. Andernfalls müsste ich diese Rahmenbedingungen selbst quellennah recherchieren, doch ist das nicht meine Kernaufgabe. Zitierfähige archivrecherchierte Sekundärliteratur reicht in aller Regel aus.

Aus dieser Literatur zur allgemeinen Arbeiterbewegung kopiere ich mir den Index heraus, sowie Deckblatt und Signatur (Standort). So kann ich im Folgenden die Namen und andere Angaben aus meiner „Syndikalist“-Namensdatei mit den Namen aus diesen Buch-Indexen abgleichen, und habe manchmal einen Treffer identischer Personen. Was dann? Zunächst kann es mehrere Personen am Ort mit demselben Vor- und Nachnamen geben oder es handelt sich um Senior oder Junior. Der Vater war vielleicht Funktionär in der SPD, und der gleichnamige Sohnemann steht in meiner „Syndikalist“-Namensdatei. Ein möglicher Altersunterschied kann jedoch beim Vergleich der Quellen festgestellt werden.

Deshalb trage ich alle Angaben genau in meine Dateien ein, inkl. Adresse und Geburtsdatum, das spart später viel Verwirrung. Vielleicht habe ich aber auch einen in der Geschichtsschreibung zum Sozialdemokraten oder Kommunisten verklärten Syndikalisten gefunden. Das wäre eine lokalgeschichtliche kleine Sensation. So kann es im Forschungsverlauf viele Eventualitäten und Überraschungen geben. Wenn ein Name übereinstimmt, mache ich folgendes: Ich schlage die entsprechende Buchseite auf, die unter dem Namen im Index angegeben ist, suche den entsprechenden Absatz, kopiere den und immer die dazugehörige Fußnote dazu. Dort ist die Quelle zu diesem Absatz angegeben. Diese Quelle schreibe ich in eine wiederum extra eingerichtete Datei nur für neu ausfindig gemachte Quellen. Wenn ich diese Angabe direkt für meine Lokalstudie verwenden kann, oder sie mich bei der Quellensuche weiterführt, dann beschaffe ich mir die in der Fußnote angegebene Quelle und notiere sie mir mit allen Angaben.

Denselben Namensabgleich mache ich in der selben Prozedur übrigens auch zwischen meinem „Syndikalist“-Namensindex und der Standardliteratur zur FAUD (siehe oben). Durch diese ständigen Namenssichtungen habe ich viele Namen von Syndikalisten allmählich auch „auf Abruf“ im Kopf, d. h. sie fallen mir bei etwaigen Literatursichtungen sofort ins Auge und werden nicht übersehen.

Nun habe ich mich meinem Vorhaben aus drei Richtungen angenähert:

  1. durch das Quellenstudium,
  2. durch die Sichtung der FAUD-Standardliteratur (allgemein und regional) und
  3. durch die Sichtung der Literatur zur allgemeinen Stadtgeschichte und besonders der Geschichte der lokalen/regionalen Geschichte der Arbeiterbewegung.

Dies sind die drei Hauptstoßrichtungen meiner Quellen- und Literaturerschließung. Ich weiß nun Bescheid über die allgemeinen lokalgeschichtlichen Verhältnisse, über die FAUD im Allgemeinen und über einen sehr großen Teil des regionalen Syndikalismus. Mit diesem Wissen kann ich wie folgt weitermachen, und wie sich zeigt, ist dabei diese Reihenfolge zur weiteren Recherche sinnvoll:

FAUD-Kongressprotokolle

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Ich schaue die FVdG/FAUD-Kongressprotokolle gründlich durch (wenn mir der „Syndikalist“ mal zu monoton ist, kann ich die Protokolle auch zwischendurch durchsehen). Die gibt es vom 12. bis zum 18. Reichskongress der Jahre 1919 bis 1930. Hier lerne ich sehr viel über die Gesamtstruktur der FAUD und über die zentralen Fragestellungen und Entwicklungen der Organisation inkl. Frauenbünde, Jugend u. a.

Je quellenkundiger ich werde, desto intensiver kann ich auch in die Stimmung eintauchen, die diese Kongresse prägte, die Klarheit der Sprache genießen und mir einen Eindruck von der Diskussionskultur verschaffen. Die teils sehr ausführlich geführten Protokolle sind inhaltlich von famoser Qualität und voller Lebendigkeit. Sie sind wie manche Periodika der FAUD absolut lehrreich für die heutige Zeit, und wir tun gut daran, uns große Scheiben davon abzuschneiden. Nachteilig ist das phasenweise große Durcheinander der Tagesordnungspunkte, in denen sich die Redebeiträge quer überlappen (deshalb sind Vorkenntnisse unbedingt vonnöten, und meine Empfehlung zur Sichtung der Protokolle kommt erst an dieser Stelle). Das Sahnehäubchen sind die meistens hinten angefügten Präsenzlisten der Delegierten. Hier finden sich zum Teil weitere Angaben über den Wohnort des Delegierten, die Brachenzugehörigkeit der verschiedenen vertretenen Ortsvereine und ihre Mitgliedsstärke. Diese Protokolle sind neben den Periodika die wichtigste Quelle. Wer einen Blick in die Protokolle vor dem Ersten Weltkrieg wirft, wird wohl auch zumindest Teile des sehr informativen 11. Kongresses der FVdG von 1914 in die Studie einzubauen versuchen.

Die Protokolle vom 12. (1919), 15. (1925), 16. (1927) und 18. Kongreß (1930) wurden von der FAUD als Broschüren herausgegeben. Die Protokolle vom 13. (1921) und 14. Kongress (1922) finden sich als Artikelreihe in „Die Schöpfung“ (September/Oktober 1921) und im Syndikalist (November/Dezember 1922) in aller Ausführlichkeit wiedergegeben. (5)

Ausführliche Protokolle vom 17. (1928) und vom 19. Kongress (1932) fehlen. Der 17. Kongress in Leipzig war ein außerordentlicher Kongress, der für Lokalgeschichte weniger wichtig ist, da es lediglich um spezielle gesamtorganisatorische Fragen ging. Ein Bericht findet sich im „Syndikalist“, Nr. 16/1928. Der 19. Kongress fand zu Ostern 1932 statt im Angesicht des heraneilenden Nazifaschismus. Hier haben wir wenigstens eine Präsenzliste, (6) die auch bei Wolfgang Haug zu finden ist im IWK, Heft 3/1989: „Eine Flamme erlischt“. Ersatzweise gibt es jedoch zahlreiche Berichte im „Syndikalist“ über diesen Kongress in den entsprechenden Ausgaben nach Ostern 1932. (7)

Neben den FAUD-Kongressprotokollen gibt es auch solche der SAJD, (8) der Syndikalistischen Frauenbünde (9) und viele Protokolle von Regionalkonferenzen. Letztere finden sich im „Syndikalist“ und wurden somit im ersten Arbeitsschritt schon durchgesehen und ausgewertet.

Archive und polizeiliche „Lageberichte“

Mit diesem Vorwissen knüpfe ich mir gezielt die Archive vor für beste Fundmöglichkeiten. Zu den lokalen Archiven gehören Stadtarchive und Kreisarchive. Zu den überregionalen Fundstätten, in denen generell vieles und wichtiges zur FAUD, teilweise auch in lokaler Hinsicht zu finden ist, gehören ebenso die Staats- und Hauptstaatsarchive sowie das Bundesarchiv in Berlin und weitere (s.u.).

Besonders in den Staatsarchiven Bremen, Düsseldorf, Mannheim und München gibt es die für die Forschung unerläßlichen politischen „Lageberichte“ der Polizeipräsidien. (10) Es sind jeweils die gleichen Aktenbestände, da die Polizeipräsidien in einem überregionalen Austausch standen und Abschriften angefertigt wurden. Diese beinhalten im Staatsarchiv Bremen folgende Regionen, in denen sich unter anderem auch syndikalistische Organisationen, Personen und Aktivitäten befinden:

Regionen

Baden/Karlsruhe: 1924-1933
Berlin: ab 1919
Hessen: 1923-1930
Rheinland/Ruhr (Elberfeld): 1919-1927
Sachsen: 1920-1933
Thüringen: 1923-1929

Städte

Bochum: 1930
Bremerhaven: 1919-1930
Gelsenkirchen: 1929
Halle: 1919
Hamburg: 1919-1934
Hannover: 1920-1931
Kassel: 1920-1922
Lüneburg: 1919
München: 1920-1933
Münster: 1922-1924
Nürnberg/Fürth: 1925-1933
Oldenburg: 1919-1936
Osnabrück: 1919
Wilhelmshaven: 1919-1933

Schweiz: 1922-1934

Reichskommissar: 1920-1929

Grundsätzlich weiß ich vorher nie, wie lange ich für die Durchsicht in einem Archiv brauche. Die folgenden Ausführungen sind besonders dann wichtig, wenn die Archive nicht vor der Haustür liegen.

Ferne Archive

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Ich nutze die Archivöffnungszeiten ganz aus, bin also pünktlich, denn ich weiß nicht, was ich dort alles finde. Kaum etwas ist unsinniger, als ein entferntes Archiv wegen einer Kleinigkeit noch einmal behelligen zu müssen. Vielleicht mache ich eine zeitlich begrenzte Archivrundreise. Ein Auto ist hier von Vorteil. Außerdem mache ich gerne Fotos, beispielsweise von Stätten der damaligen Bewegung, Trefflokale oder Wohnungen, die hoffentlich noch erhalten sind.

Ich bereite auswärtige Archivbesuche möglichst gut vor. Dazu gehört die beschriebene Vorrecherche mitsamt dem Personen- und Adressmaterial auf Listen. Möglichst genau sollten im Vorfeld die Bestände festgestellt werden, die es zu sichten gilt. Dann kontaktiere ich die Archive:

  1. frage ich gezielt die Archivmaterialien aus meiner Quellendatei an,
  2. frage ich generell nach Beständen zu Syndikalisten/Anarchisten und füge bei lokalen Archiven die entsprechenden Namen dazu,
  3. Punkt 2 koppel ich an die Nachfrage nach Beständen der Polizei und Lageberichten derselben.
  4. lasse ich mir die örtlichen Adressbücher aus der Zeit geben, um meine Namensdatei zu vervollständigen, aber auch, um unter der Rubrik „Vereine“ oder „Gewerkschaften“ nach syndikalistischen Organisationen zu schauen, nicht nur FAUD, sondern ggf. auch Freidenker, Büchergilden mit syndikalistischem Einfluss, denn inzwischen weiß ich sehr genau, wonach ich genau schauen muss,
  5. schaue ich zuerst generell in die Findbücher des Archivs, ob ich dort weitere relevante Stichworte entdecken kann. Ist das der Fall, bestelle ich die entsprechenden Materialien gleich nach, damit ich sie noch am selben Tag sichten kann.

Diese ersten vier Anfragen richte ich am besten schon einige Wochen vor meinem Besuch an die Archive. Je präziser die Fragen sind (deshalb sorgfältige Quellendatei anlegen), desto treffsicherer kann mir geholfen werden, und desto weniger Zeit brauche ich im Archiv.

Mit den Archivaren verstehe ich mich beim Besuch natürlich prächtig und kann manchmal sehr nützliche Informationen und Hinweise erhalten. Ich erläutere mein Projekt möglichst genau, denn manchmal kann das Archivpersonal mit meinen Angaben mehr anfangen, als ich mir träumen lasse. Da geht viel über einzelne Persönlichkeiten aus der Stadt und ggf. deren Nachlässe. So kann es passieren, dass ich unvorhergesehen viel Material durchsehen muss. Generell weiß ich vorher trotz Nachfragen selten, wie dick die Bestände sind.

Archivprozedur zusammengefasst: Gute Vorrecherche leisten, frühzeitig anfragen, pünktlich sein, gut vorbereitete Helfer mitnehmen und sich mit dem Archivpersonal bestens verstehen. Natürlich nehme ich mir ausreichend Schreibmaterial mit und meinen mehrmals ausgedruckten Namensindex (auch meine Helfer brauchen je einen). Für den Benutzerantrag zum Archiv brauchen ich und meine Helfer die Personalausweise. Laut Benutzerantrag ist bei Druck der Arbeit die kostenlose Übergabe eines Belegexemplars Pflicht.

Insgesamt kann es sein, dass ich aus dem zunächst von mir favorisierten Archiv mit leeren Händen rausgehe, während ich woanders unerwartete und zeitintensive Funde gemacht habe. Möglicherweise sind Archivare so kundig, dass sie mir im Vorfeld definitiv sagen können, dass es nur diese und jene Bestände gibt (z.B. über stadtbekannte syndikalistische Persönlichkeiten) und mir exakt diese Materialien zuschicken. Dann erspare ich mir einen persönlichen Archivbesuch. Oft lässt sich telefonisch viel abklären.

Überregionale Archive

Das Bundesarchiv (BA, Berlin), das Geheime Staatsarchiv – Preußischer Kulturbesitz Berlin-Dahlem (GSTA, Berlin), das Landesarchiv (LAB, Berlin), das Centre International de Recherche sur l’anarchisme CIRA (Lausanne), das „Anarchiv“ (Horst-Stowasser-Archiv), die Anarchistische Bibliothek und Archiv (Wien) und natürlich das Internationale Institut für Sozialgeschichte (IISG) in Amsterdam haben ebenfalls reichhaltige Bestände zum Syndikalismus.

Für diese überregionalen Archive stelle ich gezielt die Quellenangaben (Quellen- und Literaturverzeichnis) aus der FAUD-Standardliteratur und aus bisherigen Regionalstudien zusammen. Auch hier bestelle ich das entsprechende Archivmaterial vor und erkundige mich vorab nach Kopiermöglichkeiten und Preisen dafür, denn in diesen großen Archiven gibt es vieles, was man für weitere und spätere Forschungen generell haben sollte, zum Beispiel aus dem Bundesarchiv. Wer Geld und Ehrgeiz hat, kann es hier nachhaltig anlegen. Auch sichte ich hier die Findbücher und denke an das für die lokalen Archive bereits Gesagte.

Weiteres

Nun habe ich neben der Sekundärliteratur die drei wesentlichsten und zugleich ergiebigsten Kernquellen erschlossen. Nämlich die Periodika, die Kongressprotokolle und die Archivbestände. Doch es warten noch weitere Aufgaben, denen ich mit reichlich gewonnener Erkenntnis verhältnismäßig leicht nachgehen kann.

Es folgen allerlei Quellen und allerlei Literatur. Dazu zählen beispielsweise zeitgenössische (regionale) SPD oder KPD/KPO Presse, ggf. die lokale bürgerliche Presse zu bestimmten Anlässen (z.B. Veranstaltungen mit Rudolf Rocker), die Korrespondenz und die Tagebücher z. b. von Erich Mühsam (wunderbar dokumentiert), diverse Spezialstudien zur Freidenkerbewegung, den Syndikalistischen Frauenbünden, den Schwarzen Scharen u. a., Reichsgesetzblätter, (lokale) FAUD-Periodika- und Protokolle, ADGB-Jahrbücher, alte Ausgaben der „Direkten Aktion“ (DA), „Schwarzer Faden“ und vieles mehr. Du findest das meiste davon in den Literaturangaben bisheriger Forschungen, versuche dennoch, mehr zu finden. Auch gibt es lohnenswerte Webarchive, zum Beispiel das der „Sveriges Arbetares Centralorganisation“ (SAC) in Schweden. Immer mehr Material findet sich über einfache und spezielle google-Suche.

Die Nutzung von riseup.net ist kostenlos. Hier lassen sich Zwischenergebnisse übersichtlich und nach eigenen Maßgaben geordnet festhalten und bequem wieder abrufen. Auch können andere Interessenten daran teilhaben. Dokumente können hochgeladen werden.

Gab es in meinem Ort Syndikalismus/Anarchismus?

Ich habe auch eine Liste erstellt mit Orten, wo es einmal eine FAUD gegeben hat; insgesamt über 700 Ortsvereine der FAUD ausfindig gemacht in über 500 Orten. Ich denke, diese Liste ist zu über 95 % vollständig. (11) Eine weitere Liste habe ich zusammengestellt zu den etwa 170 Ortschaften, wo es die „Syndikalistisch-Anarchistische Jugend“ gab; (12) sowie Listen mit Namen und Ortsvereinen der anarchistischen „Föderation kommunistischer Anarchisten Deutschlands“ (FKAD). (13) Auch die „Schwarzen Scharen“ sind vollständig erfasst worden. (14)

Bei Interesse Kontakt

helge.doehring(a)syndikalismusforschung.info

(1) Im Gegensatz zum universitären Fetisch der Reduktion des Korpus auf bestimmte Fragestellungen.
(2) Liste in: Bundesarchiv, R 58, 321, Bl. 20 ff.
(3) Das wichtigste Dokument ist: Studienkommission der Berliner Arbeiterbörsen/Franz Barwich: „Das ist Syndikalismus“. Die Arbeiterbörsen des Syndikalismus, Frankfurt/M. 2005. Exemplarisch sollen hier weiterhin genügen: Karl Roche: Sozialismus und Syndikalismus. Agitationsschriften aus dem Jahre 1919, Moers 2009, Rudolf Berner: Die unsichtbare Front. Bericht über die illegale Arbeit in Deutschland (1937), Berlin 1997, Augustin Souchy: Anarchistischer Sozialismus, Münster 2010.
(4) Hierzu zählen auch manche Biographien, beispielsweise: Rudolf Rocker: Aus den Memoiren eines deutschen Anarchisten, Frankfurt/M., 1974, Augustin Souchy: Vorsicht Anarchist! Ein Leben für die Freiheit. Politische Erinnerungen, Grafenau 1985 oder Peter Wienand: „Der ‚geborene’ Rebell. Rudolf Rocker. Leben und Werk, Berlin 1981. Die Literatur für vor 1918 und nach 1933 ist wegen der Vor- und Nachgeschichten sinnvoll und sollte zusätzlich gesichtet werden.
(5) Zu „Die Schöpfung“ siehe: Helge Döhring: Die Presse der syndikalistischen Arbeiterbewegung in Deutschland 1918 bis 1933, online unter
(6) Die Präsenzliste siehe in: GSTA, I HA, Rep. 219, Nr. 140, Bl. 68 ff. oder Bundesarchiv, R 58, 318, Bl. 167 ff.
(7) Beispielsweise in der Ausgabe Nr. 15/1932.
(8) Einige finden sich abgedruckt in Helge Döhring: Kein Befehlen, kein Gehorchen!, im Buchanhang. Das Gründungsprotokoll wurde gesondert herausgegeben: Alfred Dressel: Bericht über die Reichstagung der syndikalistisch-anarchistischen Jugend Deutschlands. 14., 15., 16. Oktober 1921 in Düsseldorf, zu beziehen über die Ruhr Universität Bochum.
(9) Ein ausführliches Protokoll über die „1. Reichskonferenz der syndikalistischen Frauenbünde Deutschlands“ aus dem Jahre 1921 findet sich in: „Frauenbund“ (Monatsbeilage im „Syndikalist“), Nr. 1 vom Oktober 1921.
(10) Die Ortsliste ist unvollständig. Erfragt diesen Quellenbestand immer im Staatsarchiv in eurer Nähe.
(11) Helge Döhring: Konflikte und Niederlagen des Syndikalismus in Deutschland, Bodenburg 2022. Liste auch zum Herunterladen
(12) Helge Döhring: Kein Befehlen, kein Gehorchen! Die Geschichte der syndikalistisch-anarchistischen Jugendbewegung in Deutschland 1918 bis 2011, S. 70-74.
(13) Helge Döhring: Organisierter Anarchismus in Deutschland 1919 bis 1933, 3 Bände, Bodenburg 2018-2020.
(14) Helge Döhring: Schwarze Scharen. Anarcho-Syndikalistische Arbeiterwehr (1929-1933), Lich 2011.

Helge Döhring ( Institut für Syndikalismusforschung ), Bremen im Juni 2022

Helge Döhring

Helge Döhring, geb. 1972, Historiker und Literaturwissenschaftler, lebt in Bremen. Buchveröffentlichungen zur syndikalistischen und anarchistischen Arbeiterbewegung: „Syndikalismus in Deutschland 1914-1918“ (2013), zum „Anarcho-Syndikalismus in Deutschland 1933-1945“ (2013) und „Organisierter Anarchismus in Deutschland von 1918 bis 1933“ (drei Bände, 2018-2020), sowie zur „Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschlands“ (2011), zu den „Schwarzen Scharen“ (2011); kommentierte Bibliographie zur syndikalistischen Presse in Deutschland (2010). Regionalstudien zum Syndikalismus für Bayern, Baden-Württemberg, Bremen, Ostpreußen, Schlesien und Schleswig-Holstein. Verfasser des Buches „Anarcho-Syndikalismus. Einführung in die Theorie und Geschichte einer internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung“ (2017). Mitarbeiter und Mitbegründer des Instituts für Syndikalismusforschung und Mitherausgeber des Jahrbuchs „Syfo – Forschung&Bewegung“.

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